Fans können über die Trennung der Orsons entscheiden

Die Orsons feierten letztes Jahr noch ihr zehnjähriges Bandjubiläum. Nun steht die Gruppe um Tua, Maeckes, Bartek und Kaas offenbar vor einer der wichtigsten Entscheidungen ihrer Karriere: trennen oder weitermachen? Die Fans dürfen mitentscheiden.

Deine Stimme gegen die Trennung der Orsons

Die Orsons stehen bei Chimperator unter Vertrag. Das Label ruft nun in einer Online-Petition dazu auf, sich für den Erhalt der Orsons auszusprechen (hier). Nach einem kurzen Abriss der Bandgeschichte kommt es zum entscheidenden Punkt:

"10 Jahre sind eine lange Zeit. Für Freundschaften, aber vor allem auch für ein fragiles Konstrukt wie Die Orsons. Wir sagen, wie es ist: das Ding steht auf der K(l)ippe."

Das letzte Orsons Album "What's Goes" aus dem Jahr 2015 war das erfolgreichste Release der Truppe. Auf der Platte waren auch kommerzielle Hits wie "Schwung in die Kiste" oder "Ventilator" zu finden. Nach gemeinsamen Shows verfolgten alle Mitglieder ihre Solokarrieren (vielleicht erscheint ja irgendwann ein neues Album von Tua).

Ein Video auf dem YouTube-Kanal der Orsons spricht von einer spirituellen Reise, welche die Orsons in Angriff nehmen. Dabei gehe es aber nicht zwingend darum, Musik zu machen. Viel mehr soll der Urlaubsgedanke im Vordergrund stehen. Weitere Eindrücke dieser Sinnsuche sind zu erwarten:

Die Orsons - Auf der K(l)ippe

Zehn Jahre sind eine lange Zeit. Für Freundschaften, aber vor allem auch für ein fragiles Konstrukt wie Die Orsons. Wir sagen, wie es ist: das Ding steht auf der K(l)ippe. Was einem dabei durch den Kopf geht, könnt ihr im Video sehen.

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Immer wieder erzählten die Jungs in Interviews, wie schwierig es sei, die unterschiedlichen musikalischen Ideen und Ausrichtungen unter einen Hut zu bekommen. Trotzdem ist bei der Sache Vorsicht geboten. Der Orsons-Kosmos ist vor allem eines: unberechenbar. Der Kommentar der Band auf Twitter bietet auch keine wirklichen Anhaltspunkte:

Die Orsons on Twitter

@Chimperator tzzzz

Das Marketing von Chimperator

Die Aktion wirkt ungewöhnlich und weitaus kreativer als gewöhnliche Promo für ein anstehendes Album – irgendwie typisch Chimperator. Das Label weiß, wie sich Aufmerksamkeit erzeugen lässt. Cro wurde an der Seite der Chimps schließlich zum Superstar.

Im Büro von Chimperator veranstalteten die Orsons auch schon mal ein Konzert, das nie stattgefunden hat. Das sogenannte Ozert ereignete sich ausschließlich auf Twitter. In Zusammenarbeit mit Rap-Portalen, Journalisten und anderen Künstlern erweckten die Orsons so den Eindruck, als würden sie einen Gig spielen.

Die Orsons - #ozert - Hinter den Kulissen vom Twitterkonzert

Am Freitag den 13. haben wir das weltweit erste Twitter-Konzert veranstaltet. Unter dem hashtag #ozert könnt ihr auf Twitter alle Tweets nachlesen.

Die Aktion für das Fortbestehen der Orsons passt also zur kreativen Herangehensweise des Labels. Teesys Album "Tones" ist ebenso ein gutes Beispiel für die Arbeit von Chimperator. Die Platte hatte kein festes Veröffentlichungsdatum. Da sowohl Künstler als auch Label "trackbasierter und (noch) flexibler arbeiten und releasen" wollten, rückte man von den gängigen Mechanismen ab. Das könnten die Orsons mit dem Petitions-Move auch getan haben.

Alles zu diesem Schritt kannst du im Interview von Aria mit Teesy erfahren:

Teesy über Cro, neues Albumkonzept, "Tones" & flexible Releasedates (Interview) - On Point

Teesy hat für den 24. August sein neues Album "Tones" angekündigt - so ganz strikt scheinen er und sein Label Chimperator das Datum allerdings nicht zu sehen. Schon im Voraus versicherte Teesy eine flexible Promophase, die er mittlerweile mit "Renaissance" und "Usain Bolt" begonnen hat.

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Kidult bombt Konsumkritik auf Balenciaga Store

Kidult bombt Konsumkritik auf Balenciaga Store

Von Michael Rubach am 27.12.2019 - 15:34

Graffiti-Aktivist Kidult ist für seine provokante Auseinandersetzung mit Luxus-Marken bekannt. Es ist fast sein Markenzeichen geworden, dass er sich Stores von High Fashion Brands vornimmt – auch ein Pop-Up-Shop von Kanye West geriet bereits in sein Visier. Dieses Mal hat er sich den Flagship Store von Balenciaga in Paris vorgeknöpft. Der Künstler wünscht um die Weihnachtszeit eine "Fröhliche Krise".

Kidult macht es für die Kultur

Kidult ist schon häufig als Gegner des modernen Kapitalismus aufgetreten. So ist es auch bei seinem neuesten Werk, das so etwas wie die Antithese zur konsumfreudigen Weihnachtszeit liefert. Laut seines Hashtags möchte er die Welt erzittern lassen. Außerdem wirbt der Künstler für mehr "Menschlichkeit und Transparenz" – Werte, auf die sich wahrscheinlich jeder einigen kann.

"Wünsche der Welt eine fröhliche Krise. Mehr Transparenz und Menschlichkeit. Weniger Heuchelei und Ignoranz."

Der selbsternannte "Visual Dictator" hat sich dem Kampf gegen die umgreifende Kommerzialisierung verschrieben. Den Kunstsektor lässt er nicht aus. Dabei weist er häufig daraufhin, dass er selbst Graffiti mache. Auch bei seinem aktuellen Werk stellt er ironisch die Frage an Balenciaga, ob man denn Graffiti möge.

Der Künstler selbst liefert Anzeichen dafür, dass es sich bei seiner Aktion um eine Retourkutsche handelt. In seinem Instagram-Post zur Tat liefert Kidult das Bild einer Balanciaga-Handtasche, die seinen Graffiti-Style zum Kaufargument macht.

Es wirkt so, als möchte der Writer hervorheben, dass er die Graffiti-Kultur nicht ohne Widerstand dem Kapitalismus überlassen werde. Solche Aneignungen einer Kultur, die sich vor allem als unangepasst begreift, stießen Kidult schon mehrfach übel auf. Diesen Standpunkt bekräftigte er beispielsweise Ende 2017, als er eine Boutique des deutschen Designers Philippe Plein einen Besuch abstattete – auch um sich und seine Ausdrucksform von anderen Streetart-Artists abzugrenzen:

Geld = Religion: Graffiti auf Pariser Luxus-Store steht für einen Krieg der Welten

Der Rapkosmos ist hin- und hergerissen zwischen dem Abfeiern überteuerter Luxusartikel von Designern und der Kritik am kapitalistischen Exzess. Graffiti und Street Art existieren 2017 längst im gleichen Spannungsfeld, wie ein neues Werk von Kidult in Paris besonders deutlich zeigt.Der Writer hat an der Fassade der Boutique des deutschen Designers Philipp Plein einen Monopoly-Mann angebracht, der dicke und giftgrüne Dollarzeichen mitten auf die Fenster pinkelt.

Kidult mit Balenciaga-Marketing

Die Botschaft auf dem Balenciaga Store mag zwar eindeutig sein, aber es wäre gut möglich, dass Kidult mit seinem Akt keineswegs dazu beträgt, das Krisenbewusstsein der Menschheit zu schärfen. Er könnte genau das Gegenteil erreichen. Wenn über sein Handeln gesprochen wird (wie auch in diesem Artikel), geht das immer mit der Erwähnung von Balenciaga einher. Ohne das Label lässt sich nicht erzählen, was Kidult getan hat – sei die Message im Kern noch so antikapitalistisch.

Gerade weil Balenciaga-Designer schon mehrfach auf Graffiti zurückgegriffen haben, ist Kidults "Merry Crisis"-Gruß mit dem Modeunternehmen und seiner Ausrichtung gut vereinbar. In der Marketing-Abteilung sieht sich wohl niemand dazu veranlasst, Kidult zu verfluchen. Darüber hinaus ist der Franzose durch seine Aktionen natürlich auch selbst längst zu einer Art Marke geworden. Die Antihaltung mag ihn antreiben, doch sein Dagegensein ist bereits Teil des Kunstbetriebs. Wo er seine Spuren hinterlässt, trägt er automatisch zu einer Aufwertung bei. Der Marke Balenciaga dürfte die Publiticy und die direkte Verbindung zur Graffiti-Kultur nicht ungelegen kommen.

Designer Marc Jacobs machte 2013 aus Kidults Kapitalismuskritik relativ einfaches Geld. Er ließ ein Foto seines besprühten New Yorker Stores auf T-Shirts drucken. Die Pieces konnte man dann signiert im besagten Geschäft kaufen – für fast 700 Dollar pro Stück.

Marc Jacobs on Twitter

We'll debut our new t-shirt tmrw! $686 unsigned, $430 signed. Price set by @therealkidult. Only @ #MarcJacobsParis


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