Triggerwarnung: Dieser Artikel thematisiert Sucht und selbstverletzendes Verhalten. Das kann auf einige Menschen retraumatisierend wirken.
OG LU hat auf ihrem Instagram-Account ein langes, emotionales Statement gepostet. Die Frankfurter Rapperin sei "heute, auf den Tag genau," seit zwei Jahren abstinent von Kokain. In dem Post blickt OG LU auf ihre zwölfjährige Kokainsucht zurück und beschreibt, wie sie es geschafft hat, von der Droge wegzukommen. Sie hofft, mit ihrem Statement die "ein oder andere Person" zu informieren und ihr helfen zu können.
"Vielleicht hilft das der ein oder anderen Person": OG LU klärt über vergangene Kokainsucht auf
OG LU erzählt in ihrem Statement, dass sie schon im Alter von 15 Jahren mit dem Konsum von Kokain begann. Davor hatte sie schon ein paar Mal Alkohol getrunken und bereits seit einem Jahr gekifft. Sie sei damals in einem Umfeld gewesen, in dem es mit 15 Jahren bereits "normal" gewesen sei, regelmäßig Drogen zu konsumieren. OG LU zufolge habe ihr eigener Konsum damit angefangen, dass sie in dieser Phase ihrer Jugend "starke Traumata" erlebt habe. Ihr selbstverletzendes Verhalten sei schließlich von zunehmendem Drogenkonsum abgelöst worden:
"Mein Körper hatte wenig Wert für mich, mentale und körperliche Gesundheit waren mir nicht wichtig. Ich hatte grenzüberschreitende Erfahrungen gemacht, die mir beigebracht hatten, dass es sowieso egal ist, was ich will oder nicht will. Ich nutzte Kokain, wie auch andere Drogen, um mich nicht mehr zu fühlen. Um mich besser zu fühlen. Um zu kompensieren."
Im weiteren Verlauf ihrer Jugend habe OG LU dann damit angefangen, ihren Drogenkonsum zu glorifizieren. Sie habe es "richtig geil" gefunden, mit ihren Freunden auf Clubtoiletten "Nasen 'zu ballern'". Um ihre Sucht finanzieren zu können, fing sie mit dem Ticken an und teilte die Drogen auch mit ihren Freunden. Mittlerweile ekele sich OG LU vor sich selbst und ihrem damaligen Verhalten: "Ich will nicht wissen, wie vielen Menschen ich ihren Erstkonsum verkauft oder angeboten habe", so die Rapperin in ihrem Statement.
Sie berichtet aber auch von Phasen, in denen sie "monatelang nicht konsumiert" habe – etwa während ihrer Solo-Reise nach Thailand mit 19 Jahren. Damals fing sie mit dem Thaiboxen an und "schaffte es zum ersten Mal", über einen längeren Zeitraum keine harten Drogen zu konsumieren oder sich selbst zu verletzen. Auch zu Beginn der COVID-Pandemie habe sie aufgrund des Hochrisikostatus ihrer Mutter nur wenig Kontakt mit Menschen gehabt und anfangs nicht konsumiert. Diese kurzen Auszeiten endeten jedoch genau dann wieder, als sie zurück im selben Frankfurter Umfeld war, "in dem alle konsumierten und niemand das als problematisch ansah". Diesen Lifestyle habe sie bis zum Herbst 2024 weitergeführt – ohne sich die Kokainsucht ernsthaft einzugestehen.
"Ich kannte kaum Leute, die es nicht machten, und wunderte mich nicht mal darüber. Ich hatte kein Bewusstsein für Sucht. Nicht dafür, dass Süchtige sich mit Süchtigen umgeben, damit sie nicht als süchtig auffallen [...] Ich verstand nicht, dass ich mich selbst anlog, indem ich mir sagte, ich sei frei, während ich einfach nur süchtig war."
Zum ersten Mal wurde sie schließlich von ihrem jetzigen Partner mit ihrem Konsumverhalten konfrontiert. OG LUs Freund habe ihr aufgezeigt, dass ihre Sucht nicht normal sei und sie ihren regelmäßigen Konsum verherrliche. Anfangs habe sie ihn für seine Ansicht sogar belächelt und gedacht, dass er übertreibe. Schließlich bekam OG LU dann doch "immer wieder kein gutes Gefühl" vor und nach dem Konsum und fing damit an, ihr Verhalten zu hinterfragen.
Den Schlussstrich zog sie schließlich nach ihrem bislang letzten Kokainkonsum gezogen. Der Konsum habe sie so schlecht fühlen lassen, dass sie sogar überlegte, ihrem Partner das Ganze zu verheimlichen, um einer anschließenden Konfrontation aus dem Weg zu gehen. In diesem Moment hätte sie jedoch die Erkenntnis gehabt, dass sie süchtig sei: "Da sah ich, dass mich die Droge im Griff hatte." Das führte schließlich zu ihrer nun schon zweijährigen Abstinenz.
"In unserem Austausch wurde mir bewusst, wie sehr Drogen in meinem Denken verharmlost waren [...] Dass ich mich sogar irgendwie damit identifizierte. Dass ich Songtexte mit 'bisschen Schnief in der Nase' schreibe und mich dabei irgendwie auch noch cool fühlte [...] Dass ich darüber nachdachte, jemanden, den ich liebe, anzulügen, um konfliktfrei konsumieren zu können, schockierte mich. Also entschied ich mich für ihn."
Die Frankfurterin bereue mittlerweile auch, dass sie wegen ihrer Sucht schwerwiegende Vorfälle ignorierte, um weiter konsumieren zu können. Sie habe auf Partys viele Übergriffe erlebt und sogar mit angesehen, wie Menschen wegen einer Überdosis wiederbelebt werden mussten. In OG LUs eigenem Umfeld seien sogar in der Vergangenheit mehrere Menschen wegen des Handels oder des Nehmens von Drogen gestorben. "Trotzdem fand ich immer ein Schlupfloch, um Konsum zu rechtfertigen", reflektiert OG LU.
Zum Schluss ihres Statements wünscht sich OG LU, dass alle, die unter einer Drogensucht leiden, es aus eigener Kraft schaffen, dieser zu entkommen, und dass künftig kein Kult mehr um Konsum entsteht. Denn der Drogenkonsum hat auch weit über die eigene Gesundheit hinaus Folgen: Wegen der Produktion und des Handels von illegalen Substanzen würden weltweit Menschen leiden oder sogar sterben, nur "damit wir Party machen können".
"Passt auf euch auf. Passt auf eure Freund*innen auf. Es ist nicht cool, zu konsumieren. Es ist cool, nie damit angefangen zu haben oder damit aufzuhören."
OG LUs gesamtes Statement könnt ihr euch hier durchlesen:
Kokainkonsum steigt in Deutschland mittlerweile seit Jahren stetig an. Laut Daten des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit haben 2025 7,5 Prozent der 18- bis 25-Jährigen Kontakt mit der Droge gehabt. Zahlen der Barmer zufolge ist die Menge an Patienten mit der Diagnose Psychische- und Verhaltensstörung durch Kokain von 19.700 im Jahr 2013 auf 65.000 im Jahr 2023 gestiegen. Auch Abwasseranalysen und Polizeirazzien in deutschen Städten zeigen, dass immer mehr Kokain im Land ist. 2023 haben die Behörden 43 Tonnen der Droge sichergestellt – sechs Jahre zuvor waren es lediglich acht Tonnen.
Wenn du oder jemand in deinem Umfeld an psychischen Problemen und/oder Suchtproblemen leidet, könnt ihr euch an diese Hotlines und Internetseiten wenden:
Hotline für Drogen- und Suchtberatung der BZgA: 01806/313031
Deutsches Rotes Kreuz, 06062/60776
www.telefonseelsorge.de, 0800 / 11 10 111
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