Mit Manuellsen & Gringo: Gleich zwei KI-Rapper sichern sich heute namhafte Deutschrap-Features

Dass jede Person mithilfe eines kurzen Prompts und einem funktionierenden Internetzugang Musik erzeugen kann, ist keine wirkliche Neuigkeit mehr. Seit knapp zwei Jahren passiert es in absehbarer Regelmäßigkeit, dass vollständig KI-generierte Songs in den Charts landen und sich dort teilweise sogar die Spitze sichern können. Was man bisher jedoch weitaus seltener gesehen hat, ist die Überschneidung von KI-"Künstlern" und realen Artists. In den heutigen Release Friday haben sich gleich zwei Deutschrap-Songs eingeschlichen, die genau diese Verbindung herstellen.

KI-Rapper Nimi & KiKi holen sich jeweils "echte" Künstler auf ihre Songs

Einer der beiden Tracks greift das Thema Künstliche Intelligenz schon im Titel auf. Auf seiner allerersten Single stellt der KI-generierte Nimi die Frage: "Wieso sagt ChatGPT, dass du eine H*re bist?" Eine Antwort darauf versucht auch Featuregast Manuellsen zu finden, der gesanglich in die Vollen geht, um auch neben einer künstlich generierten Stimme noch glänzen zu können.

Erst seit wenigen Tagen wird der Song auf Instagram beworben. Die dazugehörigen Visuals in stetig neuen Settings sind, keine Überraschung, ebenfalls vollständig KI-generiert. Mal performt Nimi den Song in einer ausverkauften Arena, mal als scheinbarer Headliner auf einem Festival, ein anderes Mal an einem grünen Klavier sitzend vor einer gespannt lauschenden, aber deutlich überschaubareren Menge. Zwei der Clips haben sogar schon die Marke von einer Million Views geknackt. In den wenigen Tagen hat der KI-Rapper - Stand jetzt - schon mehr als 14.000 Follower generiert.

In einem der mittlerweile sechs Posts claimt die Person hinter Nimi, dass "Wieso sagt ChatGPT?" der "erste deutsche Feature-Song zwischen [einem] AI Artist [und einem] Real Artist" sei. Doch diesen Titel muss er sich wohl oder übel teilen. Denn ein anderer Track, der ebenfalls heute erschienen ist, folgt der exakt selben Formel.

KiKi - ziemlich passender Name für einen KI-Rapper - steht ebenfalls auf der heutigen Release-Liste. Der scheint mehr auf diesem französischen Film zu sein: Ende Mai erschien mit "Eh Eh Eh" sein erster Track, der klanglich an Rapper wie Jul erinnert. Und zu seinem heute veröffentlichten Song "Ma Chérie" steuer GRiNGO einen Part bei.

Auch hier wurde im Voraus die Werbetrommel via Instagram gerührt. Okay, im Vergleich zu Nimi ist der große Hype um KiKi mit aktuell 64 Followern noch ausgeblieben. Auf dem Papier beobachten wir aber hier denselben Move: Ein KI-Rapper macht einen Song mit einem echten Rapper. Und der Track wird mit lauter Reels beworben, die visuell durchaus beeindruckend wären, wenn man denn nicht wissen würde und erkennen könnte, dass sie KI-generiert sind.

Wer hinter den beiden KI-Personas steckt, ist nicht bekannt. Zumindest Nimi hat aber offenbar eine musikalische Vergangenheit. Schon lange vor "Wieso sagt ChatGPT?" habe er Songs geschrieben, wie er auf Anfrage von Dasding bestätigt. Grundsätzlich würden die Texte, Flows und Melodien aus seiner Feder kommen, auch arbeite er wohl mit echten Produzenten zusammen.

KI-Songs: Wie sieht es mit dem Urheberrecht aus?

Das ist eine wichtige Frage. KI-Songs stehen häufig in der Kritik, weil die dahinterstehenden Modelle mit riesigen Datensätzen trainiert werden – darunter auch oft urheberrechtlich geschütztes Material. Der Vorwurf, dass damit folglich geistiges Eigentum geklaut wird, ist nicht unberechtigt. Hier liegt also die juristische Krux: Kann ein KI-generierter Song überhaupt urheberrechtlich geschützt sein?

In einer Grundsatzentscheidung hat der Europäische Gerichtshof festgestellt, dass ein Werk die "eigene geistige Schöpfung" eines Menschen und damit auch die Persönlichkeit des Urhebers widerspiegeln muss, um urheberrechtlichen Schutz genießen zu können. "Freie kreative Entscheidungen" müssten demnach zum Ausdruck gebracht werden. Eine Ausnahme kann gelten, so die Schlussfolgerung des Bundesjustizministeriums, wenn die "Software lediglich als Hilfsmittel" benutzt wird und diese "im Entstehungsprozess des Werks von untergeordneter Bedeutung" ist. Bei dem KI-Rapper Nimi scheint die menschliche Eigenleistung jedenfalls eine vergleichsweise große Rolle zu spielen.

Ob man solche KI-Songs ungeachtet der rechtlichen Lage feiert oder nicht, bleibt natürlich reine Geschmackssache. Bemerkenswert ist es aber allemal, wie schnell sich die Technologie entwickelt. Noch vor wenigen Jahren war es ein eher witzig gemeintes Gimmick, wenn KI-generierte Stimmen von US-Artists halbgar in irgendwelche Deutschrap-Tracks gepresst wurden:

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