Saudi-arabischer Rapperin droht nach Musik-Video Verhaftung

Die Rapperin Asayel Slay hat in ihrem Track "Mecca Girl" (oder "Girl from Mecca") sich, Frauen und ihre Stadt repräsentiert. Was gewöhnlicher kaum klingen könnte, zieht für die Künstlerin offenbar strafrechtliche Konsequenzen nach sich. Asayel Slay rappt nämlich nicht in irgendeinem Land, sondern in Saudi-Arabien. Ihr Track und das dazugehörige Video passten den Behörden und insbesondere dem Gouverneur der Provinz Mekka nicht in den Kram.

Asayel Slay soll angeblich "Bräuche und Traditionen" verletzt haben

Im Track erklärt Asayel Slay, dass Frauen aus Mekka krasser seien als Frauen aus anderen Städten. Trotzdem habe sie Respekt vor allen Frauen. Generell dreht es sich darum, dass sie einfach stolz ist, aus Mekka zu stammen. Die Stadt, in der mit der Kaaba das zentrale Heiligtum des Islams steht, ist jedes Jahr Ziel von Millionen Pilgern. Asayel Slay spielt also die gängige Representer-Karte. In Rapmanier hebt sie ihre Region und die weiblichen Einheimischen auf ein Podest – normale Competition.

"A Mecca girl is all you need / Don't upset her, she will hurt you"

Im Video zu "Mecca Girl" sind neben der Rapperin noch tanzende Kinder zu sehen. Alle haben in einem Café eine gute Zeit. Nach westlichen Maßstäben erlebt der Zuschauer einen absolut gewöhnlichen Musik-Clip.

Doch bereits letzten Donnerstag twitterte die Behörden Mekkas, dass Asayel und ihr Videoproduktionsteam fortan strafrechtlich verfolgt werden. Al Jazeera berichtet, dass der zuständige Gouverneur Prince Khalid bin Faisal "die Bräuche und Traditionen der Menschen" in Mekka beleidigt sieht.

إمارة منطقة مكة on Twitter

أمير مكة #خالد_الفيصل يوجه بإيقاف المسؤولين عن إنتاج فيديو أغنية الراب ( بنت مكه ) الذي يسيء لعادات وتقاليد أهالي مكة ويتنافى مع هوية وتقاليد أبنائها الرفيعة. .. تضمن توجيه سموه إحالتهم للجهات المختصه للتحقيق معهم وتطبيق العقوبات بحقهم. #لستن_بنات_مكه

Nach dieser öffentlichen Erklärung löschte die Rapperin gleich ihren gesamten Kanal und nahm das Video so offline. Laut Washington Post ist unklar, ob sie und ihr Team inzwischen verhaftet worden sind.

Doppelmoral & Rassismus: Was Asayel Slays drohende Verhaftung aussagt

Saudi-Arabien ist streng konservativ – um es milde auszudrücken. Asayel Slay nutzt in ihrer Kunst keine obszönen Wörter und kleidet sich auch nicht aufreizend. Sie performt einfach ihren Song. Allerdings ist sie eine Frau und hat einen eher dunkleren Hautton. Ebenso sind die Kinder im Clip nicht hellhäutig. Das allein könnte das starre Weltbild einiger Zuschauer gesprengt haben. Wie eine Aktivistin gegenüber der Washington Post sagt, repräsentiere Asayel mit ihrem Geschlecht und ihrem Äußeren nicht das, was die herrschenden Männer in den heiligen Ort Mekka hineinprojizieren.

In den sozialen Netzwerken wird dieser Rassismus klar deutlich. Nutzer fordern die Abschiebung der Rapperin nach Afrika. Sie solle dahin zurückgeschickt werden, wo sie herkomme. Offensichtlich haben diese Menschen ein Problem damit, dass eine schwarze Frau, über ihr Verhältnis zu Mekka rappt.

Gleichzeitig brodelt es in der arabischen Rapszene. Nachdem es Frauen 2018 (!) gestattet wurde, ohne Begleitung Auto zu fahren, ging die Rapperin Leesa mit einem Track zur neu gewonnenen Freiheit auf vier Rädern viral. Rap boomt im Wüstenstaat seit Jahren.

Für die Machthaber in Saudi-Arabien scheint es daher kein Problem zu sein, ausländische Künstler heranzuholen, die mitunter in ihren Songs jegliches konservative Weltbild aus den Angeln hebeln. So sollte Nicki Minaj 2019 bei einem Festival performen. Eine Künstlerin, die wohl wie kaum eine Zweite für die Selbstbestimmung der Frau steht. Die US-Rapperin stieg dann aber aus und solidarisierte sich mit den Menschen, deren Freiheit aufgrund des Geschlechts oder der sexuellen Orientierung eingeschränkt ist. Asayel Slay könnte nun Opfer genau solcher gesellschaftlichen Ressentiments werden.

Human Rights Foundation on Twitter

THANK YOU @NICKIMINAJ for cancelling your #SaudiArabia concert and for supporting LGBTQ & women's rights. Millions of people around the world are inspired by your devotion to human rights and human dignity. We at @HRF salute you & are grateful for your leadership #freeloujain

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Fler rudert zurück: Jalil-Diss "unangebracht und nicht feinfühlig"

Fler rudert zurück: Jalil-Diss "unangebracht und nicht feinfühlig"

Von Michael Rubach am 01.04.2020 - 10:58

Fler steht wieder einmal im Kreuzfeuer der Kritik. Gegenüber allen, die ihm in den letzten Tagen Rassismus unterstellt haben, räumt er nun ein, mit seiner "Slave"-Line gegen Jalil übers Ziel hinausgeschossen zu sein. In einem Instagram-Post zeigt er sich geläutert und kündigt an, den Part gegen Jalil neu schreiben zu wollen.

Fler: "Rassismus hat auf Atlantis keinen Platz!"

Nach mehreren rhetorischen Fragen, die allesamt wohl auf die Geschehnisse der letzten Tage und Flers persönliche Lage anspielen sollen, kommt der Berliner zum Punkt. Er gesteht sich ein, dass er auf dem Track "Mood" die Grenzen der bloßen Provokation verlassen hat. Das Wort "Sklave" in einem Diss gegen einen dunkelhäutigen Kollegen zu verwenden, sendet auch an jugendliche Hörer eine fatale Message. Fler spricht in diesem Kontext von einem "bösen Beigeschmack", den er nun erkenne.

"Die Wortwahl bei dem Diss gegen Jalil war unangebracht und nicht feinfühlig. Das Wort Sklave im Zusammenhang mit Farbigen hat einfach einen zu bösen Beigeschmack Aufgrund der Schwarzen-Geschichte." [sic]



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Wenn eine Gruppe von Leuten Dich als einzelnen unterdrückt bist du ein Opfer. Wenn du danach zur Polizei rennst, weil Du alleine bist und sie in der Mehrzahl, bist auch wieder das Opfer...? Aber wenn du nicht zur Polizei gehst, kein Schutzgeld zahlen willst und deswegen natürlich auch keinen Rücken hast... bist du das aller grösste Opfer!??? Wenn du Streetrap machst und sagst du hast ein schweres Leben ist alles fake und gelogen...? Wenn du das selbe machst und Schutzgeld zahlst bist aufeinmal eine der Realste in der Szene...? Die Wortwahl bei dem Diss gegen Jalil war unangebracht und nicht feinfühlig. Das Wort Sklave im Zusammenhang mit Farbigen hat einfach einen zu bösen Beigeschmack Aufgrund der Schwarzen-Geschichte. Deswegen hab ich beschlossen die 2.Stophe von MOOD neu zu schreiben. Es gibt 1000 andere Angriffsflächen bei Jalil die ich sportlich als Rapper angreifen kann. Rassismus hat auf Atlantis keinen Platz! #atlantis

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Dem attackierten Jalil schmeckte die Wortwahl des Tracks auch ganz und gar nicht. Er entgegnete kurz nach Release von "Mood", Fler hätte "gleich N**ga sagen können". Der von Fler in seiner Klarstellung benutzte Begriff des "Farbigen" ist leider ebenfalls nicht unproblematisch. Er geht auf Rassentheorien zurück und findet als Selbstbezeichnung in der Black Community keine Anwendung. An dieser Stelle Fler Absicht zu unterstellen, erscheint jedoch unangebracht. Dafür macht er generell zu deutlich, dass er seinen Diss neu bewertet hat.

Eine bewusste Entscheidung von Fler war hingegen sein Interview bei TV Strassensound. Dort vertiefte er mit seinen Aussagen den Graben zwischen sich und der schwarzen Community. Manuellsen, Künstler der Bantu Nation, Mortel und viele mehr positionierten sich daraufhin gegen Fler. Sugar MMFK droppte gestern noch einen Part, um klarzumachen, dass Flizzy sich keine weitere "Frechheit" erlauben solle.

Bantu Nation vs. Fler: Sugar MMFK teilt in neuem Part aus

Da Fler seine Lyrics inzwischen offenbar für unangebracht hält, möchte er sie nicht unverändert stehen lassen. Er kündigt an, die zweite Strophe des Tracks "Mood" umzutexten. Das hieße jedoch nicht, dass er nicht weiter auf Konfrontationskurs mit Jalil bleiben würde. Es gebe "1000 andere Angriffsflächen bei Jalil". Sein Statement beschließt er mit dem Satz:

"Rassismus hat auf Atlantis keinen Platz!"

Neben diesem Schauplatz im Fler-Universum ist die On-Off-Beziehung mit Sentino aktuell belastet. Letzterer beklagte sich über ausbleibende Zahlungen für die Mitarbeit an "Atlantis" und lieferte einen Disstrack, der vor allem durch seine extreme Homofeindlichkeit auffällt:

Sentino frontet Fler wegen angeblich unbezahlter "Atlantis"-Lyrics

Fler und Sentino dissen sich aktuell wieder mal gegenseitig - und zwar auf sehr unangenehme Art und Weise. Sentino frontet Fler in einer Disstrack-Vorschau, die vor Homofeindlichkeit nur so trieft. Fler postet als Antwort ein Video, das Sentino offenbar auf der Flucht zeigt, worauf der ebenfalls schon wieder reagiert hat.


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