Eigendlich sollte Ghettotraum in Handarbeit auch über Sony erscheinen, aber dass habe ich schnell abgesagt als ich merkte, dass es in die falsche Richtung läuft. Anstatt das Releasedate zu verschieben, habe ich mir gedacht, dass ich genau jetzt den Leuten zeigen kann, dass ich dazu fähig bin, in einer solch kurzen Zeit eine eigene Struktur aufzubauen. Viele, die vom Major weggehen , fallen erstmal für zwei, drei Jahre in ein tiefes Loch und überlegen, wo sie signen möchten und schleimen dementsprechend rum, um eine neue Plattform zu bekommen. Aber ich sage dir: Man braucht keine Plattform, außer sich selbst – das ist mein Motto. Wenn man das nicht selbst auf die Reihe bekommt, dann soll man aufhören. Mir soll auch keiner mehr erzählen, dass er alles aufgegeben hätte, denn ich habe wirklich alles aufgegeben. Das schwöre ich dir sogar auf meine Mutter. Ich habe wirklich alles aufgegeben. Es ist nicht alles so heiti teiti wie es aussieht. Ich habe für das Eiszeit Video aus meiner eigenen Tasche bezahlt und das war alles andere als wenig. In Deutschland wirst du durch Musik kein Millionär, aber ich bin trotzdem bereit gewesen, mehr als 200% in mein neues Werk zu investieren, anstatt mich zurückzuziehen und von meinen Ersparnissen zu leben. Ich habe mir gedacht, dass ich grade jetzt in dieser Situation aus der Versenkung rauskommen muss, um den Leuten zu zeigen, dass Hiphop lebt. Dafür muss man etwas opfern. Du kannst keine dicken Ketten anziehen, die du dir bei Ebay ersteigert hast und einen auf coolen Rapper machen, ohne etwas dafür zu tun. Selbst wenn dich von 100 Leuten 99 haten , musst du weiter machen, denn irgendwann kippt die Bilanz. Das verhält sich wie eine Waage. Mich haten viele Leute, aber seit ich dieses Video gemacht habe, geben mir genau diese Leute Probs. Das ist meine Genugtuung.

Man hatte bei Sony auch immer das Gefühl, als wenn sie dort nicht so richtig wüssten, was sie mit dir anfangen sollen...
Die von Sony haben mich nur in die Enge gedrängt, Meetings mit mir gemacht und meine CDs ins Regal gestellt – das war alles. Wenn es nach denen gegangen wäre, wäre ich heute Backround Tänzer von Detlef D! Soost .
Am Anfang war alles cool. Die waren in München, ich in Berlin und ich hatte ein paar PR-Berater, die sich um mich gekümmert haben. Als ich einen Monat, bevor mein erstes Major-Album erschienen ist, angeschossen wurde, haben sie mich komplett fallen gelassen und sich nicht mehr um mich gekümmert. Das wäre ihnen eine Nummer zu groß, meinten sie. Von der obersten Etage sagten sie mir, ich dürfte mich nicht dazu äußern und falls ich es doch täte, wäre es Vertragsbruch. Ich durfte mich also weder verteidigen, noch wurde mir ein Pressesprecher zur Seite gestellt. Das Ganze entwickelte sich hinterher in die Richtung, dass ich acht Monate keine Interviews mehr geben konnte mich noch nicht mal mehr zu meiner Musik äußern durfte. Null Interviews, null Plattformen – die CD wurde einfach nur ins Regal gestellt. Für Sony war das gut, denn um Massiv herum konnte nichts passieren. Aber wer Massiv kennt, der weiß, dass Massiv ein Produkt ist. Du musst provozieren, du musst an die Front und du musst die Kids erreichen. Ich bin ja nicht ein Kilo Karotten, dass man für den Haushalt braucht. Man muss mich bewerben und man muss sagen was auf der Platte ist, wer da drauf ist und warum man diesen Song aufgenommen hat, wie man auf die Idee gekommen ist, einen Song namens Blutsbruder zu machen. Die Platte nur ins Regal zu stellen, reicht bei weitem nicht.
Während meiner Zeit bei Sony gab es beispielsweise auch Anfragen von Johannes B. Kerner oder Günther Jauch . Das alles wurde von Sony abgesagt. Diese Plattformen wurden mir einfach gestrichen, obwohl ich gerne alle wahrgenommen hätte. Ich hatte eine gute Basis und genügend Angebote, die mir geholfen hätten, den nächsten großen Schritt zu machen. Jetzt möchte ich den nächsten großen Schritt auf eigene Initiative machen. Musik ist mein Leben und ich möchte noch mehr Menschen damit erreichen, als ich es ohnehin schon tue. Umso mehr Leute ich erreiche, umso mehr Platten kann ich verkaufen und umso mehr Geld kann ich machen. Soviel Geld machst du mit Musik nicht. Es ist wirklich so, dass du viel selbst investieren und viele Opfer bringen musst. Deswegen ist es auf jeden Fall sehr wichtig für mich alles wahrzunehmen, was ich angeboten bekomme. Die von Sony waren ein Haufen Clowns die keine Ahnung hatten. Ich möchte auf jeden Fall unterstreichen, dass Deutschland Hiphop-mäßig im Major-Bereich echt absturz ist. In Frankreich bekommen Leute Major-Deals die dir erzählen, wie sie dir die Waffe in den Mund schieben. Hier bekommt keiner mehr Major-Deals, weil keiner mehr auf Hiphop baut. Es liegt an uns die Struktur wieder vom Independent Vertrieb her aufzubauen.

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