Dass die Rapszene in ihrer Geburtsstadt weiter ist, als bei uns, überrascht ja nicht, aber woran mangelt es in Deutschland?
Wir feiern uns zu wenig. Stattdessen finden wir uns alle gegenseitig scheiße. Schau dir die BET Awards in den USA an. Lil Wayne betritt die Bühne, performt einen Song und schon stehen alle anderen auf und tanzen oder singen mit. Von P.Diddy bis zu MC Thomas aus New Jersey. Ich kann mir nicht vorstellen, dass hier irgendeiner zu einem Song eines anderen X-beliebigen Rappers mit dem Kopf nickt. Man hatet sich lieber, das ist Deutschland!

Bist du wirklich der Meinung, dass man das verallgemeinern kann? Keine Frage, die "Hateration" im Hiphop ist sehr krass, aber das ist nicht nur hierzulande so. Woher kommt dieser Hass überhaupt?
Die Hiphop Kultur ist hier in Deutschland noch nicht so weit. Nehmen wir Frankreich als Beispiel. Ich habe früher an der Grenze zu Frankreich gelebt. Wenn du dort in den Club gehst, läuft dort nur französische Rapmusik. Booba , Rhoff und Sefyu . Du feierst die Musik und gehst am nächsten Tag ins Geschäft und kaufst dir warscheinlich die neue Single oder das Album. Dadurch erhöht sich der CD-Absatz. Jetzt der Vergleich hier in Deutschland: Du gehst in die Disko, es läuft Lady Gaga s Pokerface . Du schaltest das Radio ein, es läuft Pokerface . Du schaltest den Fernseher ein und was läuft? Pokerface . Da ist es doch kein Wunder, dass Lady Gaga mit Geld um sich schmeißt, weil du am nächsten Tag in den Laden gehst und ihre Platte kaufst, anstatt die von Sido , Samy Deluxe oder Savas . Wir könnten hier alle zusammen viel mehr verkaufen, uns wurden nur die nötigen Plattformen weggenommen.
Ich bin auch nicht der Meinung, dass Hiphop tot ist, aber wenn sich die komplette Rap-Industrie nur auf einen Sido oder Bushido konzentriert, die ein Jahr lang jedes Cover der Bravo Hip Hop zieren, dann ist doch klar, dass die beiden logischerweise immer noch gut verkaufen. Im Gegensatz dazu werden aufstrebenden Künstlern und Newcomern kaum Plattformen geboten. So tötet man Hiphop.

Was könnte jeder einzelne dafür tun, dass die Hatteration abnimmt und wir wieder ein größeres Gemeinschaftsgefühl aufbauen?
Jeder einzelene Rapper sollte seine Kollegen ein bisschen feiern, man sollte sich gegenseitig pushen, sich gegenseitig einladen und auf verschiedenen Platten gemeinsame Projekte starten. Man sollte wirklich aktiv gemeinsam versuchen aus dieser Krise rauszukommen, die ich persönlich gar nicht als wirkliche Krise sehe. Denn es gibt ja auch ein, zwei Leute die hier in Deutschland was zu sagen haben und diese Meinung, dass Hiphop tot ist, breit treten, um im Anschluss davon zu profitieren. Aber generell ist Hiphop die einzige Musikrichtung, die wirklich verbindet, Kulturen vereint und die Kids auf der Straße erreicht. Es ist sehr wertvolle Musik.

Groove Attack powered by Hiphop.de

Groove Attack powered by Hiphop.de

Deine Deutschrap-Playlist powered by Hiphop.de, immer mit den aktuellsten Tracks der deutschen Hip-Hop Szene! Cover: ERRDEKA

Groove Attack ist Streaming Partner von Hiphop.de

Deine Meinung dazu?