Am vergangenen Wochenende hat eine Entscheidung der Verantwortlichen des Glücksgefühle-Festivals eine öffentliche Diskussion ausgelöst. Die deutsche Band Alphaville, bekannt durch Hits wie "Forever Young" und "Big in Japan", wurde vom Festival ausgeladen, nachdem sich die Gruppe um Sänger Marian Gold mehrfach auf ihren Konzerten gegen Rechtsextremismus geäußert hatte. Das Festival sei "kein Ort für politische Äußerungen", sondern ausschließlich für "Good Vibes", so Mitorganisator Markus Krampe. Daraufhin haben sich viele andere Artists auf dem Glücksgefühle-Festival gegen die Entscheidung der Veranstalter ausgesprochen, darunter auch einige deutsche Rap-Acts.
"F*ck die AfD": Marteria, Ski Aggu, Nura & mehr kritisieren Glücksgefühle-Festival
Bei seinem Set auf der Mainstage hat Marteria am Freitagabend einige deutliche Worte zu der Entscheidung der Organisatoren, Alphaville auszuladen, gefunden. "Glücksgefühle entstehen nur, wenn du eine Haltung hast", so der "OMG"-Rapper auf der Bühne. Wer Marteria einlade, bekomme genau das: Er zeige "Solidarität mit Alphaville" und stehe "für die Kunst, für die Freiheit, für Toleranz" und "für demokratische Werte". Ski Aggu pflichtete dem während seines eigenen Auftritts bei. Für den Berliner sei es "absolut selbstverständlich", dass man als Künstler Haltung zeige und für "Werte eintritt, wie Demokratie, Meinungsfreiheit und Freiheit."
Auch Nura hat wie viele andere Artists ihr Set auf dem Festival genutzt, um ein Zeichen zu setzen. Die Rapperin und Schauspielerin stimmte den Refrain des Alphaville-Hits "Forever Young" mit ihren Fans an. Im Anschluss zeigte Nura ihr Unverständnis gegenüber der Aussage der Glücksgefühle-Organisatoren, das Festival sei unpolitisch. Wer sie bucht, könne nicht mit einem unpolitischen Auftritt rechnen. Gleichzeitig kritisierte sie, dass Andreas Gabalier auf derselben Bühne auftreten dürfe, wie sie. Dem österreichischen Schlagersänger wurde in der Vergangenheit regelmäßig vorgeworfen, die Nähe zum Rechtspopulismus zu suchen und rückwärtsgewandte Gesellschaftsbilder zu vertreten.
"Ich bin schwarz, falls jemand irgendwie das vorher gecheckt hat. Als ob ich nichts sagen würde. Wollt ihr mich verarschen oder was? Andreas Gabalier darf hier auftreten, aber Alphaville nicht? [...] F*ck die AfD und f*ck jeden, der damit zu tun hat."
Der Ausschnitt von Nuras Auftritt hat bereits über 100.000 Likes auf Instagram gesammelt:
Neben Nura, Ski Aggu und Marteria haben auch Felix Jaehn, die No Angels und Mark Forster die Alphaville-Entscheidung bei ihren Auftritten kritisiert.
Das Glücksgefühle-Festival wird seit 2023 von Ex-Fußballprofi Lukas Podolski und Markus Krampe, dem ehemaligen Manager von Michael Wendler, auf dem Hockenheimring organisiert. Mit rund 250.000 Besuchern gilt es laut SWR als größtes Musikfestival Deutschlands. Nach der ersten öffentlichen Diskussion um die Ausladung hatte Krampe Alphaville zunächst wieder eingeladen und um Entschuldigung gebeten. Die Entscheidung sei "superdämlich" gewesen, so Markus Krampe in einer Pressekonferenz. Die Band lehnte einen Auftritt jedoch ab und will stattdessen ihre geplante Gage spenden: "Was die Festivalmacher durchsetzen wollten, ist Beschneidung", so Sänger Marian Gold im Interview mit dem Spiegel. Man könne als Veranstalter "nicht einfach bestimmte Dinge ausblenden, weil die einem am Künstler nicht passen." Alphaville könnten der Debatte jedoch auch etwas Gutes abgewinnen: Die öffentliche Diskussion könnte im besten Fall dazu geführt haben, dass sich manche Menschen nun stärker mit dem Rechtsruck in Deutschland beschäftigen.
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