Laas & Kool Savas: Das große Statement zum Kontaktabbruch
Laas und Kool Savas

 

Laas berichtete gestern Abend in einer ausführlichen Instagram-Story von einem emotionalen und prägenden Aspekt seiner Karriere, der ihn bis heute beschäftigt. Konkret geht es dabei um seine Vergangenheit mit Kool Savas und die Geschichte, die beide einst einte und dann auch trennte. Thema sei die Freundschaft. Laut Laas wäre das die letzte Story, "bevor er den Rest als Buch" aufschreibe. Bevor er mit der Erzählung seiner Erlebnisse beginnt, stellt er klar, dass ihm die Story sehr wichtig sei.

Wir haben für euch hier die Slides von Laas zusammengefasst. 

Laas berichtet, wie er den Kontakt zu Kool Savas aufbaute

Die Geschichte von Laas (jetzt auf Apple Music streamen) beginnt im Jahre 1998, als der Artist gerade mal etwa 16 war. Er berichtet von seiner ersten Begegnung mit Kool Savas auf einer Rap-Veranstaltung in Köln und dessen Skills, bei denen auch "gestandene Rapper sich erst mal hinten anstellen mussten". 

"[A]ls er an dem Abend das Mic nahm, stand der gesamte Laden auf dem Kopf. So etwas hatte man in Deutschland noch nie vorher gehört."

Seine Skills und sein Talent machten Laas zum "Riesen Fan". Er traf Savas noch ein Mal wieder, bevor dieser mit "Der beste Tag meines Lebens" die Deutschrap-Szene dominierte. Aus diesen kurzen Begegnungen entwickelte sich vorerst aber kein Kontakt zwischen den beiden.

Es folgten einige Momente, in denen Laas sich in Situationen wiederfand, in denen er Kontakt zu Savas hätte aufbauen können, es aber den Umständen wegen nicht passte. So vergangen einige Jahre. 

2007 dann kam es zu der entscheidenden Begegnung auf dem Splash!-Festival, auf dem Laas gemeinsam mit seinem Freund David war, welcher Savas schon kannte. Laas entschied sich, seinem Idol ein Demo-Tape zu geben. 

"Oh Sh*t Laas Unlimited. Ich habe deinen Namen bereits öfter gehört und wollte mir eh mal was von dir reinziehen platzte es aus Savas heraus."

Einige Wochen, nachdem er ihm das Tape überreichte, bekam Laas einen Anruf von David, der ihm berichtete, Savas wolle seine Nummer haben. So telefonierten die beiden und KKS lud Laas zu sich ins Studio nach Heidelberg ein. 

"Wie wenn Dr. Dre Eminem einlädt": Laas in seiner Insta-Story über die Zeit mit Kool Savas

Den Struggle hinter seinen Erfolg lässt Laas durch prägende Momente der Vergangenheit durchscheinen. Er erzählt beispielsweise, wie schwierig es war, Verpflichtungen des Alltags und einmalige Chancen wie eine Studio-Session mit Kool Savas zu vereinbaren. Als die spontane Einladung kam, wollte Laas natürlich auf keinen Fall absagen. Zeitlich überschnitt sich das Ganze aber mit seinem Vollzeitjob in der Kita: "Was sage ich nur meiner Chefin?". 

"Am nächsten Tag kam ich morgens in die Kita, Chefin nicht da, meine Kollegin krank, 28 Kinder, die um mich herumspringen. Wie kann ich jetzt gehen, ohne direkt fristlos gefeuert zu werden und wer soll sich um die Kids kümmern?"

Als Rettung kam ihm eine Kollegin aus der Krabbelgruppe zu Gute, die noch anmerkte, dass die Einladung von Savas wäre, "wie wenn Dr. Dre Eminem einlädt".

In Heidelberg angekommen schlug Savas vor, direkt gemeinsam etwas auf einem Beat zu machen. Laas berichtet, dass er nach diesem Vorschlag "komplett überfordert" gewesen sei. Er erzählt von Selbstzweifeln und darüber, wie verunsichert er damals gewesen sei. 

"Der King Of Rap wollte direkt einen Song mit mir machen? Wie sollte ich bei seinem Level mithalten und wie soll ich jetzt innerhalb der nächsten Stunden einen Part hinbekommen? Zuhause schrieb ich immer tagelang an meinen Reimen. Savas hatte bereits nach zwanzig Minuten seine ersten acht Zeilen und ich kam mies ins Schwitzen."

Sie nahmen schließlich gemeinsam etwas auf und Laas lieferte einen Part, den er selbst als "ok" beschreibt. Savas rappte dann seinen Text. Eine Performance, die Laas als "Amoklaufen in der Aufnahmekabine" betitelt. Er bat Savas im Anschluss seinen Part zu löschen. Später entstand aus eben diesem Part der Rap-Legende dann der Track "Krone" mit den Feature-Gästen Moe Mitchell und Franky Kubrick, der auf Savas' Album "Die John Bello Story II" erschien.

Laas arbeitete weiter mit Savas, schrieb seine Parts aber fortan zu Hause, was Savas mit wenig Begeisterung aufnahm. Laas fuhr daraufhin mit gemischten Gefühlen zurück nach Hamburg. Ergebnis der Zusammenarbeit war dann der Track "Letzeee Gooo", bei dem Laas als offizieller Feature-Gast auf dem Album seines Idols zu finden war. 

In der darauffolgenden Zeit war Laas regelmäßig zu Gast auf der Tour und auf Konzerten, zu denen ihm ebenso ambitionierte Freunde begleiteten, die es in der Szene zu etwas bringen wollten. Er berichtet, wie er Savas für seine Freunde regelmäßig nach Gefallen bat, denen dieser nachkam. Das ganze Unterfangen war Laas selbst unangenehm. Er versteht, dass sich Savas überrumpelt gefühlt haben muss.

"Mir war es jedes mal unangenehm, ihn um etwas zu bitten aber meine Jungs im Hintergrund wollten Gas geben und wir hatten einfach nur diese eine Connection."

Der Kontakt brach zu "Die John Bello Story III" ab und Laas sah seine Gefühle als Fakt bestätigt. 

Ich erinnere mich noch genau wie er sagte "Man, du warst unfassbar wack"

Zufällig sahen sich die beiden in Saarbrücken auf einem Event wieder, wo Laas "betrunken" versuchte, sich mit MoTrip zu batteln. Das Ganze sei gefilmt worden und Savas habe im Anschluss zu Laas gesagt, er wäre "unfassbar wack" gewesen. 

Laas erklärt, wie er zu EGJ kam: "Meine einzige Bedingung"

Der damalige Manager von Laas motivierte ihn dazu, Savas nach einem Feature für das sein kommendes Album "Inferno" zu fragen. Savas lehnte nicht ab, schien aber auch nicht sonderlich begeistert. Im Zuge eines Hiphop-Events, auf dem beide einen Auftritt hatten, sollte dieses Feature dann aufgenommen werden. Bevor dies passieren konnte, war Savas in einen kleinen Unfall auf dem Parkplatz des Events verwickelt. 

"Am nächsten Morgen bekam ich eine Nachricht von ihm, in der er den Unfall auf mich schob. Hä? Was hatte ich damit zu tun, ausser, dass ich zufällig auf demselben Parkplatz stand. Ich nahm wehmütig alle Schuld auf mich, wurde als Pechmagnet betitelt und wenige Stunden später saßen wir im Studio, wo er dennoch das Feature für mich aufnahm. Unangenehm."

Dann vergaß Laas, Savas den Song zur Abnahme zu schicken, weshalb dieser begründet wütend war. Nach dem Release des Albums meldete sich Savas wieder bei Laas und erklärte ihm dennoch, wie stolz er auf ihn und sein Album sei. 

Es folgte eine Zeit der Freundschaft. Laas hatte durch seinen Manager einen besseren Draht zu Kool Savas, welcher ihn sogar mit auf Tour nahm und später zum festen Back Up wurde. Laas' Team bestand fortan aus den "Leuten um Savas herum". Er bekam regen Support und arbeitete fleißig an neuer Musik. Finanziell war die Lage für Laas dennoch "mies", der kaum über die Runden kam und aufgrund seines unplanbaren Berufes als Musiker auch keinen Job als Erzieher bekam.

2016 kam dann der Kontakt zu EGJ. Das Berliner Label wollte Laas signen und dieser musste sich dann entscheiden. Er liebte die Arbeit mit Savas und die Live-Shows, wollte aber als Rapper auch irgendwann vorne stehen. Als Back Up gab es für ihn keine Möglichkeit mehr, sich zu steigern. Also sprach er mit Arafat und bat ihn, die Sache mit Frieden abzuwickeln. 

"Ich sprach mit Arafat, dass ich mich von Savas im Guten und ohne jeglichen Beef trennen möchte. Das war meine einzige Bedingung für den Deal. Seine Antwort war, dass es niemals Beef geben würde und wir alles korrekt mit den Leuten klären."

Laas schreibt in seiner Story, dass EGJ ihn dazu beauftragte, mit Shindy auf Tour zu gehen, was bedeutete, dass er Savas nicht mehr ein letztes Mal als Back Up unterstützen könne. Dann gingen Posts von EGJ gegen Savas online, wohl ohne das Laas davon etwas wusste. Savas war "abgef*ckt" – "zu Recht", merkt Laas an. Sie telefonierten und wollten sich noch mal aussprechen. Ein Gespräch, zu dem es nie kam.

Laas mit Statement zu Kontaktabbruch mit Kool Savas

2018 meldetet sich Laas zu Savas' Geburtstag bei ihm. Dieser erzählte ihm, dass der gemeinsame Freund und Kollaborateur DJ Smoove sehr krank sei und im Krankenhaus liegen würde. Er solle aber nichts darüber posten oder weiter erzählen, aus Respekt gegenüber Smooves Familie. Eine Woche später dann verstarb Smoove. Laas erzählt, dass ihn der Tod sehr schockierte. Er wusste nicht, wie er damit umgehen solle.

Zu der Zeit befand er sich außerdem mitten in der Trennung von EGJ und beschreibt sich selbst als "todesbroke und verwirrt".

"Ich saß einen Tag lang vor dem letzten Beat-Ordner, welchen Smoove mir geschickt hatte und rappte mit Tränen in den Augen über seine Beats."

Er konnte den Tod nicht fassen und das Geschehene nicht wirklich "realisieren". Er postete dann am gleichen Tag noch ein Foto von sich mit einem Sure Mic in der Hand, mit der Beschreibung "Training läuft". Schließlich sollte er nichts über Smooves Ableben posten. Laas merkt selbst an, dass das Foto nach außen hin eine fatale Wirkung gehabt habe. Es hätte so gewirkt, als wäre ihm die Situation egal gewesen. Auf Smooves Beerdigung erschien er auch nicht, wobei er anmerkt, dass er nicht wusste, wann und wo sie stattfindet. 

Er gibt zu, dass er Savas hätte fragen können und ist sich seiner Schuld bewusst. Grund dafür, dass er seine damaligen Emotionen niederschreibt, sei nicht, dass er eine Entschuldigung erwarte. Er wolle lediglich deutlich machen, dass sein "Fernbleiben und [seine] Passivität nicht aus Gleichgültigkeit resultierten."

Savas reagierte daraufhin nicht mehr auf seine Nachrichten und Laas erfuhr, dass er über sein Fernbleiben enttäuscht wäre. Er schrieb ihm noch ein letztes Mal und "räumte seine Schuld etwas ein". Darauf antwortete KKS damit, das dies nun ein sauberer Abschluss sei.

Laas teilt seine Gedanken zu "DRIMB" von Kool Savas

Das Nächste, was Laas von Savas hörte, war ein Rant gegen ihn in dessen Instagram-Story. Er erwähnte seinen Namen zwar nicht, Laas wusste jedoch, dass es um ihn ginge. Er verstand nicht, wieso er ihn nicht persönlich ansprach und stattdessen an die Öffentlichkeit ging. Trotzdem verteidigte Laas seinen Rap-Kollegen vor Freunden – auch wenn er selbst "abgef*ckt" war.

Dann kam "DRIMB", Savas' famoser Diss-Track gegen Laas:

"Dicka, red nicht von Respekt / Wir saßen ein letztes Mal an seinem Bett, doch du warst nicht da / Standen vor dem Sarg, doch du warst nicht da / Bitte mach nie wieder auf emotional in deinen Tracks."

Laas erklärt, dass Savas' Vorwürfe ihm gegenüber bezüglich DJ Smoove genau die Dinge waren, die er persönlich klären wollte. Als er den Song hörte, wurde ihm klar, dass es "nicht wirklich ein Diss-Song" war. Es war ein Zeichen der Enttäuschung. 

"Es war ein Song, in dem er mir zeigen wollte, wie enttäuscht er von mir war. Enttäuscht als Freund. Das, von dem ich immer dachte, wir würden es nie werden, brach gerade in voller Intensität aus ihm heraus."

Laas erklärt sodann, dass er aus "Rappersicht" nie mehr Respekt vor jemandem hatte als Kool Savas. Auch als Mensch habe er riesen Respekt vor ihm. Der Track verletzte ihn damals und er verletzt ihn auch heute noch. Er würde verstehen, wieso Savas den Song aufnahm. Was er nicht nachvollziehen könne, ist, wieso er ihm das nie persönlich sagen konnte.

Auf Anraten von Taban schrieb Laas eine Mail an Savas, in der er reinen Tisch machte. Wochen später kam dann die Antwort und sie beide verstanden das Verhalten des Gegenübers schließlich. 

"Bis heute haben wir uns nicht wieder gesehen, aber ich freue mich auf den Tag, an dem ich ihn sehe und ihm all diese Dinge noch mal persönlich sagen kann. Denn das bin ich ihm schuldig. Kool Savas, mein bester Freund, der King of Rap."

Savas reagierte auf Laas' Stories und bedankte sich für seine ehrlichen Worte:

"Nur wo Liebe ist kann auch tiefe Enttäuschung entstehen. Danke für deine offenen und reflektierten Worte Laas. Und danke das du nicht wie viele andere aus dem Abf*ck heraus alles Gute unerwähnt gelassen hast. One love."

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