Seit etwa 27 Jahren streiten die Band Kraftwerk und Moses Pelham bereits vor Gericht um ein zweisekündiges Sample aus dem Song "Metall auf Metall", das der Frankfurter für den Sabrina Setlur-Track "Nur mir" genutzt hatte. Inzwischen haben sich alle Instanzen dieses Landes mit dem Verfahren beschäftigt, zuletzt der Bundesgerichtshof. Der hatte in der Frage, was genau ein Pastiche ist, an den Europäischen Gerichtshof verwiesen. Von dort gibt es nun eine Entscheidung, die das Samplen von Musik auch ohne die Zustimmung der Urheber zumindest in gewissen Fällen erlaubt.
Der Europäische Gerichtshof erlaubt Sampling von Musik ohne Zustimmung
Seit 2021 gelten europaweit neue Regeln im Urheberrecht. So darf man fremde Töne verwenden, wenn es sich dabei um ein sogenanntes Pastiche handelt. Was genau darunter fällt, hat der EuGH jetzt in einer Grundsatzentscheidung festgelegt und dabei die Hürden für das Samplen von Musik gesenkt.
Demnach ist es legitim, durch das Urheberrecht geschützte Elemente eines Werks ohne vorherige Zustimmung des Rechtsinhabers zu nutzen. Allerdings nur, wenn die Neuschöpfungen an ein bestehendes Werk erinnern und gleichzeitig wahrnehmbare Unterschiede aufweisen. Weiter muss sich mit dem ursprünglichen Werk auseinandergesetzt werden. Konkret ist in der Entscheidung von einem "kreativen Dialog" die Rede. Dieser Dialog kann verschiedene Formen annehmen, unter anderem "die einer offenen Nachahmung des Stils dieser Werke, einer Hommage an diese Werke oder einer humoristischen oder kritischen Auseinandersetzung mit diesen Werken."
Ziel dieser Regelung sei es, einen angemessenen Ausgleich zwischen dem Schutz der Kunstfreiheit und dem Schutz des Urheberrechts zu finden, so die luxemburgischen Richter.
Eine Entscheidung im Streit zwischen Moses Pelham und Kraftwerk obliegt fortan wieder dem Bundesgerichtshof unter Berücksichtigung der neuen Entscheidung. Der EuGH verweist dahingehend allerdings darauf, dass der Bundesgerichtshof in der Vorinstanz bereits eine künstlerische Auseinandersetzung durch Moses festgestellt hatte. Die Chancen für den 3P-Gründer stehen also denkbar gut. Jedoch nur für die Jahre nach 2021, denn erst ab dann gilt die Pastiche-Regelung. Für den Zeitraum von 2002 bis 2021 ist der Streit bereits zu Kraftwerks Gunsten geklärt.
Moses Pelham ist übrigens nicht der einzige Rapstar, der in Vergangenheit Probleme mit Kraftwerk-Samples hatte. Unter anderem Shirin David und Lacazette hatten mit Ähnlichem zu kämpfen:
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