KI-Fakes machen Schweizer Journalistin zur vermeintlichen Freundin von Kontra K

Wer sich für den Beziehungsstatus von Kontra K interessiert und zur Beantwortung der Frage, wer die Partnerin des Rappers ist, auf künstliche Intelligenz zurückgreift, stößt unweigerlich auf den Namen Celina Euchner. Dabei handelt es sich um eine Schweizer Journalistin. Das Problem an der Sache: sie ist überhaupt nicht mit Kontra K zusammen. Im Tages-Anzeiger liefert sie einen Erfahrungsbericht und erklärt, wie die Fakes ihr Privatleben beeinflusst haben und wie sie sich gegen die Artikel zur Wehr setzt.

Celina Euchner wird von KI-News-Seiten eine Beziehung mit Kontra K angedichtet

Tatsächlich sind sich die Journalistin und der Rapper nicht gänzlich unbekannt: 2019 führte Celina Euchner ein Interview mit Kontra K für das People Magazine. Da endet die gemeinsame Geschichte der beiden allerdings auch schon wieder. Zumindest in der Realität: Im Netz finden sich unzählige, offensichtlich KI-generierte Artikel, die detailreich das vermeintliche Liebesleben der beiden beschreiben. Mal als Pärchen, mal als Ehepaar, wahlweise mit zwei oder drei Kindern. Immer mit Bildern der Journalistin, die aus alten Artikeln oder Videos von ihr gezogen wurden.

Mit der Zeit fangen Familienmitglieder, Freunde und Arbeitskollegen an, sie darauf anzusprechen und zu fragen, ob es denn stimme, dass sie mit Kontra K zusammen sei, berichtet Celina Euchner in ihrem Erfahrungsbericht.

"Ich fühle mich blossgestellt, irgendwie beschmutzt. Nichts davon stimmt, aber für wen spielt das eine Rolle?"

Als sie eine der Seiten kontaktiert, eine Website unter dem Namen Havelzeitung, ersetzen die Betreiber einfach ihren Namen im Text durch einen anderen Fake. Plötzlich heißt Kontra Ks vermeintliche Freundin Jasmin Riegler. Der Rest wird einfach so gelassen. Der Artikel ist Stand jetzt immer noch online und an manchen Stellen findet sich auch noch der Name Celina.

Das Bundesamt für Cybersicherheit gibt auf Anfrage an, nichts machen zu können, rät jedoch zu einer Strafanzeige. Florent Thouvenin, Professor für Informations- und Kommunikationsrecht an der Uni Zürich, rät ihr Ähnliches, gibt jedoch zu bedenken, dass eine zivilrechtliche Klage zwar berechtigt, jedoch nur schwer durchsetzbar sei.

Wer steckt hinter den KI-Fake-News?

In einer nachfolgenden Recherche konfrontieren Celina Euchner und Journalist Oliver Zihlmann einen der KI-Website-Betreiber. Malik Möhring betreibt unter anderem eine der Seiten, auf denen ein Artikel über die angebliche Beziehung zwischen Celina und Kontra K veröffentlicht wurde. Nach der Meldung der Falschinformation soll er den Artikel gelöscht haben. Im Gespräch erklärt der 52-Jährige, dass er viele solcher Seiten betreibt, die munter Artikel anderer Redaktionen kopieren. Texte und Bilder werden dabei automatisch generiert. Auf die Frage, ob er denn kontrolliert, was er da veröffentlicht, antwortet Möhring:

"Bei manchen Websites ja – da überprüfe ich kurz, ob alles inhaltich und sprachlich stimmig ist. Andere Projekte laufen mittlerweile komplett automatisiert, [...] Ich vertraue meiner Technik inzwischen so weit, dass ich nur noch gelegentlich eingreife."

Dass das oft genug schiefgeht, beweist nicht nur der Fall von Celina Euchner. Den Ursprung des Gerüchts über ihre Beziehung zu Kontra K verortet der Tages-Anzeiger übrigens auf einer Website namens Lifeswire. Dort soll der erste Artikel erschienen sein, der aus ihr und dem Rapper ein Paar gemacht hat. Wohl, weil viele Menschen sich bei Google nach seinem Beziehungsstatus erkundigt haben. Die anderen Fake-Seiten werden dann einfach dort abgeschrieben haben.

Fakes, gerade im Rap-Bereich, findet man allerdings nicht nur als Artikel, sondern immer öfter auch bei YouTube als Videos. Beispielsweise wurde der Diddy-Prozess dahingehend ausgeschlachtet bis zum Gehtnichtmehr und generierte so Millionen an Aufrufen:

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