In einem neuen Spiegel-Interview spricht Juju ausführlich über eine "dunkle Phase" ihres Lebens. Sie habe in den Jahren während und nach der Corona-Pandemie mit vielen mentalen Problemen zu kämpfen gehabt, zeitweise sei sie "richtig depressiv" gewesen. Diese Phase endete erst mit einer Psychotherapie, die ihre Lage zunächst sogar noch verschlimmerte, dann aber zu einer vieles erklärenden Diagnose führte: Juju hat Autismus und ADHS.
Wie die Autismus- und ADHS-Diagnose das Leben von Juju verändert hat
Laut Juju sei es schwer zu erklären, wie genau sich Autismus und ADHS auf ihren Alltag auswirken. "Vereinfacht gesagt, nehme ich mehr Reize auf als andere, die ich dann nicht so gut verarbeiten kann", beschreibt sie in dem Interview mit dem Spiegel. Als Beispiel hierfür nennt die Neuköllnerin ein Gespräch im Café: Während andere sich nur auf die Person gegenüber konzentrieren könnten, würde sie auch alles andere um sich herum aufsaugen. "Und das ist eben sehr anstrengend." Selbst vermeintlich banale Alltagsaufgaben, wie beispielsweise die Wohnung aufzuräumen, seien ihr oft schwergefallen.
Sowohl die Autismus-Spektrum-Störung (ASS) als auch die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zählen zu den neurologischen Entwicklungsstörungen. Beide Diagnosen treten nicht selten in Kombination auf, äußern sich in der Regel jedoch auf ganz unterschiedliche Weise.
Menschen, die sich im Autismus-Spektrum befinden, haben typischerweise Probleme mit sozialer Interaktion und reagieren empfindlicher auf sämtliche Reize. Dafür haben sie oft sehr spezielle und intensive Interessen. ADHS hingegen geht mit Problemen bei der Aufmerksamkeit und der Impulssteuerung einher. Das ist natürlich stark vereinfacht ausgedrückt; die Symptome machen sich bei jedem Betroffenen in unterschiedlicher Ausprägung bemerkbar.
Auch Juju berichtet davon, dass Autismus und ADHS in ihrem Fall gegeneinander arbeiten:
"Der Autismus braucht eigentlich ein reizarmes, ruhiges Umfeld. Aber durch mein ADHS will ich was erleben. Das widerspricht sich. Und überfordert mich dann schnell."
Und trotzdem habe die Diagnose sie "absolut erleichtert". Bereits länger habe sie gewusst, dass mit ihr irgendetwas nicht stimme. Nach all den Jahren hätte sie endlich eine Erklärung für viele Dinge in ihrem Leben gehabt.
Auf der weiterführenden Schule galt sie beispielsweise als "Problemkind", obwohl sie in der Grundschule noch "perfekte Noten" vorzuweisen hatte, erklärt Juju. Rückblickend erklärt sie ihre sehr selektive Konzentration, die abhängig vom Inhalt des jeweiligen Schulfachs gewesen sei, mit ihrem Autismus und ADHS. Auch, dass sie sich in klassischen Jobs nie langfristig zurechtgefunden habe, führt sie auf ihre Neurodivergenz zurück.
"Autisten haben manchmal eine besondere Begabung", sagt Spiegel-Journalistin Nora Gantenbrink im Gespräch mit der Rapperin. Auf die Frage, ob Rappen ihre besondere Stärke sei, antwortet Juju mit einem klaren Ja.
Die 33-Jährige habe im Übrigen schon länger mit dem Gedanken gespielt, ihre Diagnose öffentlich zu machen. "ADHS ist ja mittlerweile gesellschaftlich akzeptiert", sagt sie in dem Interview. "Aber Autismus? Da war ich mir nicht sicher." In den Kommentaren des dazugehörigen SPIEGEL-Posts auf Instagram resümiert Juju, dass es ihr sehr gut getan habe, so offen über ihre Diagnose zu sprechen.
Es ist nicht mehr lange hin, bis Juju ihr zweites Solo-Album veröffentlichen wird. Am 7. August erscheint ihre neue Platte, mehr als sieben Jahre nach dem Release ihres Debütalbums.
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