Jan Böhmermann sagt Chefket-Auftritt nach Antisemitismus-Vorwürfen ab
Jan Böhmermann & Chefket

Derzeit findet im Berliner Haus der Kulturen der Welt eine von Jan Böhmermann und der Gruppe Royale kuratierte Ausstellung unter dem Namen "Die Möglichkeit der Unvernunft" statt. Im Zuge dessen soll es neben Gesprächsrunden und TV-Aufzeichnungen auch mehrere Konzerte geben. Der für den 07. Oktober geplante Auftritt von Chefket wurde nun jedoch abgesagt, weil sich der Rapper mit Antisemitismus-Vorwürfen konfrontiert sieht.

Jan Böhmermanns Ausstellung: Chefket darf nicht mehr auftreten

"Wir sehen und hören den Einspruch, insbesondere auch von jüdischer Seite, gegen den Konzertabend am 7. Oktober 2025. Diesen Einspruch nehmen wir ernst," heißt es in einer Mitteilung der Veranstalter. Kritik hatte es im Vorhinein unter anderem von Kulturstaatsminister und Aufsichtsrat des HKWs Wolfram Weimer in einem offenen Brief an die Intendanten des Hauses gegeben. Er prangerte öffentlich an, dass Chefket in Instagram-Beiträgen mit einem Trikot zu sehen war, das eine Abbildung von Palästina ohne den Staat Israel zeigt. Dies sei dem Empfinden der Bundesregierung nach antisemitisch, so Weimer. Dass Chefket am 07. Oktober, dem zweiten Jahrestag des Terrorangriffs der Hamas, auftreten sollte, sei in seinen Augen "eine Provokation".

Mit der Konzertabsage reagieren der Moderator, die Gruppe Royale und das Veranstaltungshaus jetzt auf diese Kritik. Ursprünglich hatte Jan Böhmermann die Antisemitismus-Vorwürfe zurückgewiesen. Noch vor einigen Tagen gab er an: "Wenn hier das Existenzrecht Israels geleugnet wird oder der Holocaust, dann schnappe ich mir Wolfram Weimer, hake mich ein und boxe die von der Bühne." In der neuen Mitteilung heißt es nun, dass man die Integrität der Veranstaltung nicht mehr garantieren könne und sie daher absagen müsse.

Chefket und sein Management haben Presseanfragen bislang unbeantwortet gelassen und sich nicht öffentlich zu Wort gemeldet. Gemeinhin ist der 38-Jährige allerdings nicht für besonders radikale oder gar antisemitische Haltungen bekannt. Im Gegenteil. Chefket ist eigentlich jemand, der mit seiner Kunst seit jeher für eine Miteinander-Haltung steht. So spricht er sich bereits 2009 auf seinem Song "Listen & Pray" für ein "Shake hands in Gottes Namen" aus: "Ich les' im Koran, ich les' in der Bibel/ Und ich seh' mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede/ Juden, Christen, Muslime/ Alle sagen Amen/ Bei allen geht's um Liebe".

Ihren Ursprung haben die aktuellen Vorwürfe gegen Chefket unter anderem auf dem rechtskonservativen Portal Nius, das vom ehemaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt geleitet wird. Dort wird der Rapper als "Isrealhasser" und das geplante Konzert als "Antisemiten-Stadl" bezeichnet.

Du kannst dir Hiphop.de-Artikel nun bevorzugt in der Google-Suche anzeigen lassen.

Jetzt aktivieren

Kategorie
Genre

Hiphop.de auf Spotify