"Das ist natürlich hart": Herzog wird mit Drogentod eines Fans konfrontiert
Herzog im STRG_F-Interview

 

In einem neuen STRG_F-Video setzen sich die Journalistinnen Isabell Beer und Désirée Marie Fehringer mit der überwiegend jugendlichen Drogenszene auf TikTok auseinander. Dabei stoßen sie auch auf die Musik von Herzog, da seine Songs oftmals als Grundlage entsprechender TikToks dienen. Sie treffen den Berliner Rapper zum Interview, das schließlich ziemlich emotional verläuft.

Herzog: Musik beliebt in TikTok-Drogenszene

Im Laufe der Reportage nehmen die Reporterinnen Kontakt mit einem 17-jährigen Mädchen auf, das sie aus Sicherheitsgründen "Marie" nennen. Sie sei Teil der besagten TikTok-Drogenszene gewesen und hätte dort Videos gepostet, in denen sie allerhand Drogen oder sich selbst während des Trips filmte. In ihren Clips habe sie unter anderem Musik von Herzog verwendet – "einfach, weil es da um das geht", was sie zu dem Zeitpunkt auch gewesen sei: unter dem Einfluss von Drogen.

In dieser Szene, so heißt es im Beitrag, sei Herzog eine Ikone. Auch wenn Songs wie "Rettungsschirm", die den Weg aus der Drogensucht beleuchten, ebenfalls auf TikTok benutzt werden, seien es vor allem ältere Tracks wie "Ein Herz für Drogen", die sich dort großer Beliebtheit erfreuen.

Die beiden Reporterinnen treffen sich mit Herzog in Berlin zum Interview und konfrontieren ihn damit. Einer Vorbildfunktion sei er sich früher noch nicht bewusst gewesen.

"Die Songs, die ich damals gemacht hab' mit dieser unfassbaren, absoluten Kompromisslosigkeit – das waren Songs, die waren nicht für'n größeres Publikum bestimmt. Die haben wir in erster Linie für uns gemacht."

Das Alter seiner heutigen Zielgruppe schätzt er selbst zwischen 18 und 34 Jahren ein. Dass Jugendliche in der ersten Reihe stehen und "auf irgendwelchen Pillen umfallen, wie es in Hamburg mal passiert ist", sei heute eine Seltenheit. Über die Jahre habe sich das krass gewandelt.

Daraufhin werden ihm diverse TikTok-Videos gezeigt, in denen weitaus jüngere Menschen Ausschnitte seiner Songs verwenden und sich so über Drogen austauschen. Die Videos habe er noch nie gesehen. Über Captions wie "Hattest du eine Herzog-Phase oder ein gesundes Verhältnis zu Drogen?" zeigt er sich entsprechend amüsiert. Dass seine Musik jedoch Einfluss auf den Drogenkonsum junger Menschen habe, sei ihm etwas zu weit hergeholt. Dafür erachte sich selbst als "gar nicht so wichtig". 

Dennoch sagt er, dass er über die Jahre als Künstler und als Mensch gewachsen sei. Damals sei er nicht so selbstreflektiert wie heute gewesen, seine Vorbildfunktion habe er mittlerweile verstanden und angenommen.

Herzog wird in Trauerrede eines verstorbenen Fans erwähnt

Emotionaler wird es gegen Ende des Interviews. Isabell Beer hat im letzten Jahr ihr Buch "Bis einer stirbt" veröffentlicht, das sich mit der Online-Drogenszene auseinandersetzt und eine wahre Geschichte von zwei jungen Menschen namens Josh und Leyla erzählt. Sie spricht mit Herzog über die Story von Josh, der seinen Drogenkonsum vor einigen Jahren auf Facebook anscheinend ziemlich transparent gemacht hat. Daraus wurde auch ersichtlich, dass er Herzogs Songs gehört und seinen Merch getragen hat. Mit 19 Jahren sei er dann an einer Überdosis verstorben. Seine Eltern würden niemandem die Schuld geben; auch Herzog könne man natürlich nicht für den Tod verantwortlich machen.

Kurz nachdem Herzog sein Beileid ausgesprochen hat, wird ihm ein Auszug aus der Trauerrede vorgelesen. Denn in dieser wurde der Rapper seinerzeit namentlich erwähnt:

"[...] Das schwarze T-Shirt wirbt für Herzog, der 'drogenfrei' als Frechheit verhöhnt. Neben Jogginghose die unvermeidliche Kapuzenjacke. Der Aufdruck: ein Herz für Drogen. Aber Drogen haben kein Herz für das Leben."

Das nimmt Herzog sichtlich mit. Seine Reaktion fällt jedoch klar und bestimmt aus:

"Das ist natürlich hart, das ist traurig, das bedrückt mich natürlich auch, [...] aber den Weg hat er gewählt, den hab ich ihm nicht bereitet."

Trotzdem habe er aus dem Interview gelernt, dass er noch kritischere Songs machen müsse. Ein paar Wochen nach dem Interview hat Herzog dem Team sogar ein Statement hinterhergeschickt, in dem er ein paar Safer Use-Regeln erläutert.

Die vollständige Reportage kannst du dir hier anschauen:

Wenn du Suchtprobleme hast oder jemanden kennst, der damit zu kämpfen hat, kannst du dir Hilfe auf www.suchthotline.info holen. Dort sind mehrere Hotlines gelistet, die du entsprechend deines Wohngebietes anrufen kannst. Auch MEDIAN stellt eine Suchthotline unter der 01805-212099 zur Verfügung.

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