"Ich bin kein Nazi": Kanye West bittet in öffentlichem Brief um Verzeihung
Porträt von Kanye West in schwarz-weiß

In einem offenen Brief, den er als Anzeige im Wall Street Journal veröffentlicht, richtet sich Kanye West an "die Leute, die ich verletzt habe". In dem langen Statement entschuldigt sich Ye für seine Aussagen und Ausbrüche in der vergangenen Zeit. Gleichzeitig gibt er einen Einblick in seine Krankheitsgeschichte und zeigt sich zuversichtlich, dass er aktuell auf einem guten Weg sei.

Kanye West entschuldigt sich mit Statement bei der Öffentlichkeit

Seinen Brief beginnt Kanye mit einem Verweis auf seinen Autounfall aus dem Jahr 2002, bei dem sein Kiefer gebrochen wurde. Gleichzeitig habe der Vorfall auch bleibende Schäden an seinem Gehirn angerichtet, so der 48-Jährige. Dies sei jedoch nicht direkt entdeckt worden und bis eine umfassende Diagnose gestellt wurde, habe es bis ins Jahr 2023 gedauert. Die Verletzung sei mitunter ein Grund für seine Bipolar-I-Störung. Mit dieser habe er bis heute stark zu kämpfen:

"Die bipolare Störung hat ihr eigenes Abwehrsystem: Verleugnung. Wenn man manisch ist, glaubt man nicht, dass man krank ist. Man denkt, alle anderen würden überreagieren. Man hat das Gefühl, die Welt klarer denn je zu sehen, während man in Wirklichkeit völlig den Bezug zur Realität verliert. Sobald man als 'verrückt' abgestempelt wird, hat man das Gefühl, nichts Sinnvolles mehr zur Welt beitragen zu können."

Teil der Krankheit sei es eben, nicht einzusehen, dass man krank ist, und Hilfe brauche, so Ye. So habe er mit der Zeit den Bezug zur Realität verloren und viele Leute verletzt, die ihm nahestanden, sowie Dinge geäußert, für die er sich inzwischen schäme. Viele Ereignisse, unter anderem das Verkaufen von Hakenkreuz-Shirts, fühlten sich mittlerweile wie eine außerkörperliche Erfahrung an, als wäre er nicht er selbst gewesen.

Für diese und weitere Aktionen bittet er um Verzeihung:

"Ich bedauere meine Handlungen in diesem Zustand zutiefst und bin beschämt darüber. Ich bin entschlossen, Verantwortung zu übernehmen, mich behandeln zu lassen und mich grundlegend zu ändern. Das entschuldigt jedoch nicht, was ich getan habe. Ich bin kein Nazi und kein Antisemit. Ich liebe jüdische Menschen."

Gleichzeitig bedankt er sich bei der Schwarzen Community, die ihn trotz aller Eskapaden nicht habe fallenlassen. Diese "Liebe" sei der Grundstein seiner selbst. Gleichzeitig tue es ihm zutiefst leid, ebendiese Menschen enttäuscht zu haben.

Anfang 2025 sei er in eine rund viermonatige manische Episode verfallen. Das Verhalten, das er in dieser Zeit an den Tag legte, habe sein Leben bis an den Rand des Ruins getrieben, schreibt Kanye. Erst infolgedessen sei es seiner Ehefrau Bianca gelungen, ihn dazu zu bewegen, sich Hilfe zu suchen. Die habe er unter anderem auf Reddit in Foren für bipolare Menschen gefunden. Zu lesen, dass andere Menschen mit einem ähnlichen Schicksal zu kämpfen haben, hätte ihn mit neuer Kraft und Einsicht erfüllt. 

"Da ich durch eine wirksame Kombination aus Medikamenten, Therapie, Sport und einem gesunden Lebensstil meine neue Basis und mein neues Gleichgewicht gefunden habe, bin ich zu einer dringend benötigten Klarheit gelangt. Ich stecke meine Energie in positive, sinnvolle Kunst: Musik, Kleidung, Design und andere neue Ideen, um der Welt zu helfen. Ich bitte nicht um Mitleid oder einen Freifahrtschein, obwohl ich mir eure Vergebung wünsche. Ich schreibe euch heute lediglich, um um Geduld und Verständnis zu bitten, während ich meinen Weg nach Hause finde."

Seinen Brief schließt er mit einem "In Liebe, Ye" ab.

Hier könnt ihr euch das Original durchlesen:

Kanye Wests Bitten um Vergebung

In den letzten Monaten hatte Ye bereits mehrfach erklärt "mit Antisemitismus abgeschlossen" zu haben. Zuletzt hatte DJ Akademiks ein Video veröffentlicht, in dem sich Kanye bei Rabbi Yoshiyahu Yosef Pinto persönlich entschuldigt. Die kontroversen Songs "WW3" und "HH" sind derweil nicht mehr bei Spotify aufzufinden. Ob Kanyes neues Album "Bully" wie geplant am kommenden Freitag erscheint, bleibt unklar.

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