Hiphop.de Awards 2020: Jury, Regeln & Kategorien im Überblick

Es ist wieder soweit! Auch in diesem Jahr verleihen wir die Hiphop.de Awards für herausragende Leistungen. Gemeinsam mit unseren Sponsoren HAMA, SoundFund, Thomann und G-Shock haben wir in den nächsten Tagen nicht nur den alljährlichen Jahresrückblick für euch, es gibt auch einige nice Gewinne abzustauben. Das Voting startet am 12. Dezember und läuft bis zum 2. Januar – alle weiteren Infos zu den Hiphop.de Awards 2020 haben wir in diesem Artikel zusammengefasst.

Jury der Hiphop.de Awards 2020

Wie in den Jahren zuvor, haben wir auch 2020 wieder geschätzte Kolleg*innen von MZEE, TV Strassensound und der Backspin an Bord – namentlich findet ihr die Juror*innen in der Liste weiter unten. Für ein möglichst ausgewogenes Bild bei den Nominierungen und dem Jury-Vote haben wir die Runde dieses Jahr um einige Neuzugänge erweitert.

Neu dabei sind unter anderem Ani von Helal Gossip, Jana Nell, Alisha Morgenstern (Kiss FM), Helen Fares, Wana Limar sowie Yannick Niang und Aimen Abdulaziz-Said.

Änderungen zu letztem Jahr

Ein paar kleine Änderungen gibt es in diesem Jahr. Damit passen wir uns den ungewöhnlichen Umständen an. Die Kategorie Bester Live-Act National kürzen wir auf fünf Nominierte. Große Shows und Events waren aufgrund der Pandemie kaum möglich. Wir möchten trotzdem die Künstler*innen ehren, die entweder Anfang des Jahres eine herausragende Tour gespielt haben oder sich Konzepte und Lösungen für die spezielle Herausforderung ausgedacht haben.

Die Kategorie Bester Live-Act International setzt allerdings in diesem Jahr aus. Durch unter anderem die fehlende Festivalsaison fehlt uns hier die Grundlage zur Beurteilung. Die Kategorie Bester Produzent National wurde um fünf Nominierte erweitert. 

Die Kategorie Bester Newcomer National ist powered by SoundFund.

So kommen die Nominierungen zustande

Die Nominierungen in den 19 Kategorien wurden von der Jury vorgenommen. In den Wochen vor dem Voting-Start sind alle unten aufgeführten Jurymitglieder dazu aufgefordert, sämtliche Vorschläge für das Jahr einzureichen, von denen der prägendste Teil die endgültigen Nominierungen ergibt.

Ausgezählt und finalisiert werden die Nominierungen durch ein Gremium, bestehend aus Jonas Lindemann, Clark Senger und Saskia Meister. Einen Einblick in die Diskussionen und Gedanken der Jury bieten die Jahresrückblicke. Dort werden wir dieses Jahr nämlich auch Videobeiträge der Jury abspielen, da die übliche Diskussionsrunde 2020 leider nicht möglich ist.

So werden die Gewinner*innen bestimmt

Für die Nominierten werden im nächsten Schritt von dir, Zehntausenden weiteren Rapfans und der Jury Stimmen eingesammelt. Publikums- und Jury-Voting fließen zu je 50 % ins Endergebnis ein und bestimmen so die Gewinner*innen der Awards.

Wenn du es genau wissen willst: Wir erstellen intern je eine Auszählung für die beiden Votings. Der Erstplatzierte erhält je 5-15 Punkte (je nach Kategorie), der Zweite einen weniger und so weiter. Anschließend addieren wir die Punkte aus beiden Votings, so ergibt sich der Gewinner*innen in der jeweiligen Kategorie. Liegen zwei Artists gleichauf, entscheidet das Voting der Fans. Im Januar werden dann die Gewinner*innen bekanntgegeben.

Anders als beim Publikums-Voting (je 1 Stimme pro Kategorie) wird von der Jury ein Top 3 Ranking in jeder Kategorie erstellt: Platz 1 bekommt fünf Punkte, Platz 2 zwei Punkte und Platz 3 einen Punkt. Diese Punkte werden in jeder Kategorie für die jeweiligen Nominierten addiert, um die eine Rangfolge für die Punktevergabe (wie oben erklärt) zu erstellen. Was wir uns davon versprechen: Ein aussagekräftigeres Ergebnis. Es kam in der Vergangenheit vor, dass Kritikerlieblinge einen Großteil der Stimmen auf sich vereinten, sodass Nominierte mit ein oder zwei Stimmen schon auf Platz 3 liegen konnten. Durch unsere Änderung und die größere Jury können wir nun auch sehen, wer neben dem/der klaren Gewinner*in zu den Favorit*innen der Jury zählt und diesen Zuspruch ins Ergebnis einfließen lassen.

Für diese Mischung aus Experten-Jury und Voting haben wir uns entschieden, weil wir glauben, so das beste Gleichgewicht zwischen Popularität und Qualität zu finden. Weder sollen die feinen Damen und Herren aus der Jury (also wir und unsere Kollegen) an eurem Geschmack vorbei entscheiden, noch wollen wir, dass immer der mit den meisten Fans gewinnt - dafür gibt es ja die Charts.

Das Voting startet Samstagmittag!

Gevotet wird vom 12. Dezember bis einschließlich 2. Januar 2021. Wonach wir und ihr entscheiden sollten: Wie gut etwas ist, soll natürlich entscheidend sein. Aber auch, wie viel ein Song, ein Video oder ein/e Rapper*in erreicht hat, kannst du bei deinem Voting einfließen lassen. Ein sehr gutes Video, das niemanden interessiert, hat genauso ein Manko wie eins mit 30 Millionen Views, das schlecht ist.

Die Jury

1. Zino Backspin, Moderator

2. Kevin Backspin, Moderator | Journalist

3. Marvin Backspin, Moderator | Journalist

4. Alex Barbian, Moderator | Journalist

5. Aimen Abdulaziz-Said, Moderator | Journalist

6. Miriam Davoudvandi, Moderatorin | DJ | Journalistin

7. Skinny, Moderator | Journalist

8. Yannick Niang, Moderator | Journalist

9. Florence "Lupa" Bader, Journalistin

10. Jan Wehn, Moderator | Journalist

11. Helen Fares, Moderatorin | Journalistin

12. Wana Limar, Moderatorin | DJ

13. Reece, Moderator

14. Alisha Morgenstern, Moderatorin

15. Tobi Lee, Moderator

16. Salwa Houmsi, Moderatorin | DJ | Journalistin

17. Jana Nell, Model | DJ

18. Davud TV Strassensound, Moderator

19. Burak TV Strassensound, Moderator

20. Jan Kawelke, Moderator | Journalist

21. Tobias Wilinski, Moderator | Journalist

22. Ani Kutlu, Journalistin

23. Tierstar, Rapper | Veranstalter

24. Tobias "Toxik" Kargoll, Herausgeber | Moderator | Journalist

25. Jonas Lindemann, Moderator | Journalist

26 Senger. Clark, Moderator | Chefredakteur

27. Essow, Moderator | Rapper

28. Saskia Meister, Chefredakteurin

29. Michael Rubach, Journalist

30. David Molke, Journalist

Die Kategorien

Bestes Album National

Bestes Album International 

Bester Newcomer National

Bester Newcomer International

Bester Song National

Bester Song International

Bestes Video National

Bestes Video International

Bester Live-Act National

Beste Gruppe National

Beste Gruppe International

Bester Produzent National

Bester Produzent International 

Bester Lyricist

Macher des Jahres

Lebenswerk (national, ohne Publikumsvoting)

Beste Line

Bester Rap-Solo-Act National

Bester Rap-Solo-Act International

Eine kurze Umfrage zum Schluss

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Die Hiphop.de Awards sind vergeben: Zeit für ein Fazit

Die Hiphop.de Awards sind vergeben: Zeit für ein Fazit

Von Clark Senger am 03.02.2021 - 21:37

Die Hiphop.de Awards 2020 sind vergeben. Auch dieses Jahr gab es mehr als 100.000 Votes zu den Nominierungen in 18 Kategorien. Vielen Dank an alle, die abgestimmt haben! Besonderer Dank gilt außerdem unserer breit aufgestellten Jury für die Zeit, die mit ihren Nominierungen eine wichtige Rolle einnahm. Das Publikums- und Jury-Voting fließen zu je 50 % in die Endergebnisse ein, die ihr hier im Überblick findet.

Ufo361 & FFM-Legenden räumen ab

Der größte Gewinner des Jahres ist wohl Ufo361, der mit Bestes Album ("Rich Rich") und Bester Rap-Solo-Act gleich zwei MVP-Kategorien geholt hat. Auch bei Song, Video und Line landete der Berliner in den Top 3 – eine deutliche Anerkennung für den unermüdlichen Hustle, der ihn seit 2015 an die Spitze des Games gebracht hat.

Xatar konnte sich im zum zweiten Mal in Folge den Award als Macher des Jahres sichern, den wir erst 2019 eingeführt haben. Major-Moves, Meme-Baba, Köftespieß-Imperium. Parallel dazu die vermeintlich "normalen" Aktivitäten als Labelboss und Rapper, der auch knapp anderthalb Dekaden nach der AON-Gründung noch locker am Puls der Zeit bleibt und sich experimentierfreudig wie nie zuvor zeigt.

Der im Vorfeld vor der Pandemie getourte RIN holt sich nach 2018 bereits seinen zweiten Award als Bester Live-Act. Nachdem der Bietigheimer letztes 2019 von BHZ beerbt wurde, macht er damit 2020 das Triple für die Rapkonzerterlebnisse der neuen Schule perfekt.

Viel Zustimmung gab es insbesondere für die FFM-Veteranos Celo & Abdi, die erstmals als Beste Gruppe ausgezeichnet wurden. Auch bei einer weiteren FFM-Legende besteht weitgehend Einigkeit: Den Preis fürs Lebenswerk haben wir nämlich dieses Jahr an Moses Pelham vergeben. Der Frankfurter gilt zu Recht als Wegbereiter der genreprägenden Straßenrap-Szene in seiner Heimatstadt, signte 1999 einen gewissen Azad, der bei Moses' Label Pelham Power Productions (3P) seinen Klassiker "Leben" veröffentlichte, und kämpft zudem – ebenfalls seit 1999 – vor diversen Gerichten für das Sampling-Recht.

Kritik an den Awards & der Line des Jahres

Unser umfangreichstes Projekt des Jahres war wie immer auch das kontroverseste. Kritik an den Nominierten und den Gewinner*innen gehört bei einer Preisverleihung einfach dazu. Ganz besonders in einem Genre, das wie kein zweites im Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation gedeiht.

Für jede*n Gewinner*in gibt es neun Nominierte, die leer ausgehen. Und 99, die man auch hätte nominieren können. Zum Teil muss man damit leben, aber besser geht es immer. Wir haben die Kritik von Fans und bekannten Persönlichkeiten wie Fler und PA Sports natürlich mitbekommen und checken, wie wir das System in Zukunft optimiert bekommen.

Diskussionen gab es vor allem um die Kategorie Line des Jahres. Der Preis geht an Apache 207, der mit einer Kinderlied-Referenz mehrere Tage vor dem Release seines neuen Songs ein Setup für seine Punchline aufgebaut hatte. In der Single "Fame" gipfelte das Ganze dann in der Ansage, dass die Konkurrenz nicht mal gegen einen Kinderlieder zitierenden Apache eine Chance habe. Extrem feierbar für viele, für andere kein bisschen.

Schon seit Jahren dürfen auch Lines nominiert werden, die nicht besonders komplex geschrieben sind, aber umso mehr knallen oder für Gesprächsstoff sorgen. Weil sie zum Beispiel genau auf den Punkt bringen, was eine Künstlerin oder einen Künstler in diesem Jahr ausgemacht hat.

Viele dieser Lines sind allerdings aus der Kategorie "muss man dabei gewesen sein, um es zu checken". Wenn man solche Kandidaten ohne Kontext liest, hat man nicht das Gefühl, etwas Pulitzer-Preis-Verdächtiges vorgesetzt zu bekommen. Vielleicht bitten wir die Jury in Zukunft, nach klassischen Punchlines Ausschau zu halten? Sollten nur mehrfach gereimte Doppeldeutigkeiten à la Kollegah, Farid Bang, Snaga & Pillath oder Ali As in dieser Kategorie stattfinden? Oder hätte mit dem "Punchline-Zeitalter" auch diese Rubrik enden sollen?

Dass Rap in den vergangenen Jahren erst sehr melodisch wurde und dann Vibe über Technik setzte – nennen wir es Streaming-Zeitalter – ist kein Geheimnis. Dass viele Rapfans dabei die technischen oder lyrischen Skills vermissen, hat man auch längst mitbekommen. Worauf kommt es bei Hiphop an, von Rap über Tanz bis Graffiti? Auf Style und Skills.

Style war lange Zeit keine deutsche Stärke, mittlerweile ist das anders. Endlich! Skills sind dafür zum reinen Mittel zum Zweck geworden. Dadurch geht dann selbst Rekordsieger Kool Savas mal leer aus (nominiert war er mit seinem Song "AMG"). Auch Kollegah war lediglich als Gast in Farid Bangs Video "Public Enemies" vertreten.

Nicht-Nominierungen sorgten für Ärger – verständlich!

Mit dabei war hier auch Fler, der lauteste Kritiker der diesjährigen Nominierungen. Im traditionellen #waslos Jahresrückblick erklärte er, was ihn störte: Er war gemeinsam mit Katja Krasavice, Specter und DRKNSD für "Million Dollar A$$" nominiert, nicht aber für das ebenfalls von Specter produzierte Triple-Video "Light up the Night/Modelface/Jo-Jo". Hätte eher dieser Clip nominiert werden müssen als "Million Dollar A$$"? Gut möglich – niemand zweifelt daran, dass Flizzy und Specter einen absoluten Movie mit beeindruckender Atmosphäre abgeliefert haben. Kann man verstehen, dass jemand wütend ist, der viel Geld und Energie in ein Video steckt, das Maßstäbe setzt, aber bei den Awards leer ausgeht? Natürlich.

Noch ein Thema, das sich durch die letzten zwei Jahre zieht: Klassischer Straßenrap und Gangsterrap kommen zu kurz. Oder zumindest kürzer als in den zehn Jahren zuvor, in denen diese Genres die Szene regierten. Beispielsweise fehlte vielen Azads Album "GOAT" unter den Nominierungen, das man durchaus berechtigt unter den Top 15 des Jahres sehen kann. Innerhalb unserer Teams gibt es genauso Kolleg*innen, für die die LP klar zu den Highlights 2020 gehörte wie für einige andere Rapfans.

Auch PA Sports und sein Team gingen bei den Nominierungen leer aus. Als Gruppe (gemeinsam mit Kianush), Macher (mit spannenden Acts bei seinem Label) und in anderen Kategorien hätte sein Name auftauchen können. Life Is Pain-Signing Fourty hätte als Newcomer oder mit "Weisser Rauch" für den Song des Jahres nominiert werden können sowie Jamule als Gast auf Kitschkriegs "Unterwegs". Auch PA kritisierte öffentlich die Zusammenstellung der Nominierungen, auch bei ihm ist das absolut nachvollziehbar.

Schon vor der Bekanntgabe hatten wir überlegt, ob eine Frauenquote sinnvoll wäre – es hatte nach der Veröffentlichung der Nominierungen Kritik gegeben, es seien zu wenige Frauen nominiert gewesen. Dass Rapperinnen eine immer selbstverständlichere Rolle im deutschen Rap spielen, zeigt sich schon in den vergangenen Jahren etwa durch Jujus Awards 2019 (Bestes Album und Bester Song). Nun gibt es mit badmómzjay auch erstmals eine Newcomerin des Jahres. Korrekt! Aber reicht das? Unsere Gedanken dazu könnt ihr hier nachlesen.

Was ist also das Resümee?

Die Hiphop.de Awards bilden selten bis nie die komplette Meinung einzelner Personen ab. Das ist unserer Ansicht nach auch unmöglich in einem derart vielfältigen Kosmos. Der Nominierungs- und Votingprozess hat seine Stärken und Schwächen, wobei erstere für uns überwiegen. Die Hiphop.de Awards sollen die relevantesten und besten Leistungen des Jahres abbilden.

Das 50/50-Prinzip soll verhindern, dass ausschließlich diejenigen mit dem größten Hype und den meisten Fans gewinnen können. Gleichzeitig wollen wir aber auch nicht mit der Jury an den Fans vorbei entscheiden. Manchmal gibt es Einigkeit über die Gewinner*innen, manchmal führt das System zu Kompromissen, mit denen keine der beiden Seiten wirklich glücklich wird.

Von der Grundidee sind wir weiterhin überzeugt. Wie wir in der Praxis unser Ziel erreichen und an welchen Stellschrauben wir nachjustieren, steht 2021 auf dem Prüfstand.


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