Stuttgart ist zurück, aber sowas von. In den vergangenen Jahren strahlte der Hiphop-Stern vor allem über Berlin, Frankfurt und NRW. Stuttgart schien außen vor. Max Herre zog nach Berlin und mit dem HipHop Open verlor Stuttgart 2008 sein Hiphop-Festival an Mannheim, wo es im darauf folgenden Jahr unter dem Namen MTV HipHop Open Minded ausgetragen wurde. Doch dieser Tag, an dem das Festival nach dreijähriger Abstinenz wieder an seine Geburtsstätte zurückkehrte, machte unmissverständlich klar, dass sich Stuttgart zurück auf die Rap-Landkarte katapultiert hat.

Der Stuttgarter Newcomer Cro , der mit seinem Debütalbum King Of Raop an der Spitze der deutschen Albumcharts einstieg und fünf Singles in den Top 100 platzierte, spielt dabei gewiss eine wichtige Rolle. Allerdings hat Cro die Landeshauptstadt von Baden-Württemberg nicht alleine aus dem Winterschlaf wachgeküsst. Die Orsons , deren Major-Debüt im September diesen Jahres erscheinen wird, halten seit Jahren mit dem Chimperator -Camp die Fahne oben. Auch Max Herre hat sich nun wieder auf seine Rap-Wurzeln besonnen und wird Ende August wieder ein reines Rap-Album auf den Markt schmeißen. Mit Chimperator und der Kolchose waren Vergangenheit und Zukunft Stuttgarts auf dem HipHop Open vereint.

Bei wechselhaftem Wetter öffnete das HipHop Open seine Pforten bereits in den frühen Morgenstunden. Als ich gemeinsam mit Hiphop.de -Kollege Erich Unrau gegen 10 Uhr 30 das Festivalgelände erreichte, wurde schnell klar, dass der enorme Andrang, der eine Woche zuvor auf dem Splash geherrscht hatte, dieses Jahr keine Ausnahme bei einem Hiphop-Event war. Wie anschließend berichtet wurde, fanden sich rund 18.500 Besucher auf den Wasen ein – Zuschauerrekord beim zehnjährigen Jubiläum.

In den folgenden zwölf Stunden waren Erich und ich auf dem Festivalgelände unterwegs, um Bilder zu sammeln und unsere Eindrücke mit den Hiphop.de -Usern via Twitter , Instagramm , Facebook und Tumblr zu teilen. Für das erste große Highlight sorgte der gleichermaßen geliebte wie gehasste Chartstürmer Cro , der sich offenbar darauf eingestellt hatte, dass sich bei seinem Auftritt in den vorderen Publikumsreihen vor allem junge Teenager befinden würden: Nach zwei performten Songs bot er seinen Fans erstmal einen Lutscher an. Carlo brachte sein Set souverän durch und erntete neben dem Gejohle der jungen Anhängerschar einige Kopfnicker von älteren Heads.

Nach dem Auftritt vom Mann mit der Pandamaske ging es hinter die Bühne, wo Erich bereits einige Interviewtermine klargemacht hatte. Nach den Gesprächen mit Kool Savas , Ahzumjot und den Jungs von Eypro ging es pünktlich zum Auftritt der Orsons wieder vor die Bühne. Mittlerweile war der Platz richtig gut gefüllt und Die Orsons sorgten mit neuen und alten Songs für mächtig Alarm auf der Bühne. Lustig war es, als die gebürtigen Stuttgarter dann für einen Song den Moderator und Comedian Teddy auf die Bühne holten, der die Verses der Jungs sogar ganz ordentlich backte und beim Refrain sein berühmtes "Was labersch du?" zum Besten gab.

Danach wechselte ich die Location und sah mir Marsimoto s Auftritt von der Tribüne aus an, um einen besseren Überblick zu haben. Als die fast schon obligatorischen grünen Rauchschwaden sich auf dem Gelände ausbreiteten und Marsi der Zigeuner , wie immer komplett in grün gekleidet samt grüner Maske, mit seiner energiegeladenen Lachgas-Stimme auf basslastigem Sound loslegte, zog er die Menge schnell in seinen Bann. Und ich merkte, dass Marsimoto s Splash -Auftritte, die ich mir leider nur im Internet ansehen konnte, das halten, was sie versprechen: Abriss.

Nachdem sich die grünen Rauchwolken langsam verzogen hatten, ging es für mich wieder backstage, zum Orsons -Interview. Dort tummelten sich mittlerweile eine Menge Presseleute wie Falk ( Mixery Raw Deluxe ), Nico ( Backspin ) und Vertreter von VIVA , für die MC Rene als Gastmoderator aktiv war. Dem netten Interview mit den Orsons folgte noch Erichs Talk mit Raf Camora aka Raf 3.0 über Wodka-Mischungen, Beats und die Rückkehr eines Totgesagten auf Albumformat.

Zwischendrin unternahm ich einen kleinen Ausflug in Richtung Bühne, um mir Mac Miller anzuschauen, der trotz übersteuerten Basses seine Live-Skills eindrucksvoll unter Beweis stellte. Im Anschluss war es dann an der Zeit für den Auftritt des "King of Rap", Kool Savas . Gemeinsam mit seinem neuen Backup Laas Unltd. spuckte Essah wie gewohnt pures Feuer, sodass, gefühlt zumindest, das gesamte Festivalgelände Optik schob. Einfach nur beeindruckend, wie tight Savas seine meist extrem vielsilbigen Verses ins Mikrofon ballert.

Als das Flowgewitter von Kool Savas nach einer knappen Stunde beendet war, stand der Auftritt von Wiz Khalifa an, der mit Black and Yellow 2010 seinen ersten Nummer-Eins-Hit hatte. Fans des bekennenden Weed-Liebhabers mögen es mir verzeihen, dass ich mir nach rund zehn Stunden Action eine kleine Auszeit nahm und die Performance nur am Rande erlebte. Während Erich sich Wiz Khalifa anschaute und im Anschluss bei der Hauptstage blieb, um sich Max Herre s Auftritt anzusehen, machte ich mich gegen 20 Uhr auf den Weg zur zweiten "Bühne", die eigentlich keine war, da die Künstler auf dem Dach eines alten Busses, der mit einem Geländer versehen war, performten. Sei's drum. Raf Camora aka Raf 3.0 legte dort ab 20 Uhr 15 einen starken Auftritt hin und begeisterte das Publikum mit Songs aus seinem 3.0 -Album. Trotz der recht ungewöhnlichen Location und dem, im Vergleich zur Hauptbühne geringen, Andrang, herrschte eine besondere und intensive Stimmung, was gewiss auch mit der beeindruckenden Live-Präsenz und Souveränität von Raf zusammenhing. Eine kleine Bühne kann eben manchmal auch derbe rocken, das hat uns Marsimoto ja schon gelehrt. Nachdem sich Raf verabschiedet hatte, ging es zurück zur Hauptbühne, wo Max Herre noch immer zugange war. Ich kam gerade noch rechtzeitig, um einen Track mit Megaloh und Marteria zu hören, der auf Max Herre s neuer Platte Hallo Welt vertreten sein wird. Für mich eines der vielen Highlights an diesem tollen Festival-Tag. 

Da es im Anschluss noch einiges zu regeln galt, habe ich den Auftritt der Kolchose leider nur am Rande mitbekommen, ging allerdings trotzdem sehr glücklich nach Hause, denn das Hip Hop Open war ein voller Erfolg. Nicht nur im Hinblick auf die Zuschauerzahlen, sondern auch im Bezug auf das Gefühl, das durch die Künstler und das Publikum transportiert wurde. Die Stimmung war sehr positiv, was auch von den vereinzelten Durchgriffen der Securitys und Polizei nicht gedämpft werden konnte.

Das HipHop Open hat mich als Redakteur und Fan in jeder Hinsicht überzeugt. Das Festival hat gezeigt, dass Hiphop wieder so viele junge Menschen anzieht wie zuletzt Anfang der 2000-er. Allerdings wünsche ich mir für künftige Festivals, das Straßenrap mehr Beachtung findet und somit noch mehr Austausch zwischen den verschiedenen Künstlern und Fans möglich gemacht wird. Keep it up!

Hip Hop Open 2012 Live

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