Hiphop Kemp 2026: Gründer liefert ausführliche Erklärung zur Absage
Foto von Festivalpublikum

Das tschechische Festival Hiphop Kemp sollte in diesem Jahr eigentlich sein Comeback feiern, wurde dann jedoch nur wenige Stunden vor dem geplanten Beginn ersatzlos abgesagt. Bis jetzt ranken sich noch einige Fragen um die genauen Vorgänge hinter der Absage. Immerhin hatten kurz darauf Bilder die Runde gemacht, die unter anderem zeigen sollen, dass die Hauptbühne selbst am Vorabend noch nicht richtig aufgebaut war. Der Gründer des Festivals, Radek Maliník, hat jetzt ein mehrseitiges Statement abgegeben und versucht, zu erklären, wie es zu all dem kommen konnte. Außerdem gibt er ein Update dazu, wie es um die Rückerstattungen steht.

Hiphop Kemp 2026: Ausführliches Statement zur Absage

In der Stellungnahme, die bei Instagram und als PDF auf der Website geteilt wurde, geht Radek neben Hintergrundinformationen zur Historie des Events explizit auf die Frage ein: "Wie lief es dieses Jahr wirklich ab und warum hat es am Ende nicht geklappt? Und warum habe ich es nicht früher bekannt gegeben, wenn es doch angeblich so offensichtlich war?"

Er habe sich im August 2025 dazu entschieden, das Festival, das im Zuge und nach der Corona-Pandemie einige Zeit lang aussetzen musste, 2026 wieder stattfinden lassen zu wollen. Gleichzeitig habe es von Beginn an viele Probleme gegeben: Das Finden eines passenden Teams, die Finanzierung, das Booking und die Promo über die sozialen Netzwerke seien nicht optimal gelaufen, weshalb er erst am 13. März dieses Jahres mit der Ankündigung an die Öffentlichkeit habe gehen können.

Die Entscheidung, das Kemp nicht als kleines Event neuzustarten, sondern direkt wieder ein großes Festival daraus machen zu wollen, beschreibt er inzwischen als Fehler. Vor allem der Ticketverkauf lief demnach nicht so, wie gehofft: "Zu Beginn lief der Vorverkauf recht gut an und ich rechnete mit einem leicht steigenden Trend, der jedoch völlig ausblieb. Die Verkäufe stagnierten." Daran änderte auch die Ankündigung, dass Freddie Gibbs auftreten werde, nichts. "Am Tag nach der Ankündigung verkauften wir etwa 20–30 Tickets. Zwei Tage später noch weniger. Freddie Gibbs hat nicht funktioniert."

Ein eingeplantes Darlehen von einem Freund sei ebenfalls kurzerhand ins Wasser gefallen. Nichtsdestotrotz habe er bis zuletzt daran festhalten wollen, das Event auszurichten. Radek vergleicht sich dahingehend mit einem Pferd mit Scheuklappen, "das starr auf sein Ziel zuläuft".

Schlussendlich habe ihm dann das Wetter den finalen Strich durch die Rechnung gemacht. Eingangs hätte der Wetterbericht nur auf einen kurzen Schauer schließen lassen. "Es waren keine Schauer. Am Donnerstag gegen 19:00 Uhr schlug ein Unwetter von noch nie dagewesener Intensität ein" Alleine auf dem Gelände seien insgesamt sieben Bäume entwurzelt oder abgeknickt worden. Das habe abschließend dafür gesorgt, dass die Ton- und Lichttechniker ihre Sachen gepackt hätten. "Sie wollten ihre Ausrüstung nicht aufs Spiel setzen, die durch das aufziehende Unwetter und das angekündigte Freitagswetter zerstört worden wäre." Auch seine Bitte, wenigstens das Equipment für die Indoor-Stage dazulassen, wurde ausgeschlagen. Als Versuche, noch von irgendwo Ersatz zu finden, scheiterten, habe er sich dann entschieden, alles abzusagen: "Das war für mich der letzte Tropfen. Ich versuchte noch, Ersatztechnik zu organisieren und das gesamte Programm einzudampfen, aber es war klar, dass es aussichtslos war."

Die Fotos vom Gelände, die danach im Internet zu sehen waren, seien nicht repräsentativ gewesen, für das, was am Freitag da gestanden hätte. Selbst wenn es kein Hochglanz-Event gewesen wäre, hätte man definitiv einen passablen Ort für ein Festival geschaffen, so Radek.

"Für mich wurde mein Traum, den ich einen Großteil meines Lebens gelebt habe, zu einem Albtraum."

Aufgeben wolle er trotzdem nicht. Trotz oder gerade wegen der ganzen Kritik sei er inzwischen an einem Punkt angelangt, noch motivierter ins nächste Jahr zu gehen. Das Hiphop Kemp soll 2027 auf jeden Fall wieder stattfinden. 

Hiphop Kemp 2026: Wie steht es um die Rückerstattungen?

Die Tickets aus 2026 sollen ihre Gültigkeit für 2027 behalten. Diesbezüglich bedankt sich Radek bei jedem, der dieses Angebot annimmt oder bereits angenommen hat. Für alle, die auf eine Rückerstattung hoffen, heißt es stattdessen wohl geduldig sein. So gibt er offen zu, aktuell nicht die Mittel zu haben, alle Gelder zurückzuzahlen. "Derzeit stehen rund 40% der Mittel für die angeforderten Rückerstattungen zur Verfügung. [...] Sobald diese Mittel aufgebraucht sind, werde ich den Ticketanbietern weitere Finanzen bereitstellen, über die ich momentan leider nicht verfüge." Aktuell sei er im Begriff, Equipment sowie ein Baugrundstück zu veräußern, um das Geld zu beschaffen. 

"Ich gehe davon aus, dass ich alle Rückerstattungen bis Ende dieses Jahres abgewickelt habe."

Er wisse, dass dies eine lange Zeit sei, doch bittet um Nachsicht. Er habe sich mit den Einnahmen nicht die Taschen vollgemacht, sondern alles in das Festival reinvestiert.

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