Haftbefehl sagt, er will bald als Offenbacher Bürgermeister kandidieren

In Offenbach steht am 10. September die Wahl des neuen Oberbürgermeisters im Kalender. Der Fraktionschef des Forum Neues Offenbach, Muhsin Senol, geht bei der Abstimmung für seine Wählerinitiative ins Rennen und will durch seine Kandidatur "in erster Linie die rückläufige demokratische Beteiligung wieder stärken" (OP-Online).

Aus diesem Grund wurde ein Wahlplakat entworfen, das besonders die Offenbacher Jugend ansprechen soll. Senol – selbst in Schwarz-Weiß – hält einen goldenen Schlüssel in der Hand. Das Bild ist für Fans deutschsprachigen Raps eine eindeutige Anspielung auf den modern Classic Russisch Roulette (2014) von Haftbefehl, der bekanntermaßen selbst Offenbacher ist. Der Slogan "Wähl den Babo" macht es dann auch für den Letzten deutlich:

Offenbach !!!!!Hr. Senol ich wünsche Ihnen viel Glück bei ihrer Kandidatur als Bürgermeister! Doch nächstes mal kandidiere ich auch für Offenbach und da wird Glück nicht reichen um gegen mich zu gewinnen #haftiforpresident

3,223 Likes, 41 Comments - HAFTBEFEHL (@haftbefehl85) on Instagram: "Offenbach !!!!!Hr. Senol ich wünsche Ihnen viel Glück bei ihrer Kandidatur als Bürgermeister! Doch..."

Haftbefehl - Russisch Roulette

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Haftbefehl wünscht dem Kandidaten des FNO, das das Zusammenleben in einer bunten und immer bunter werdenden Gesellschaft zu seinem Kerngebiet macht, alles Gute für die Wahl. Im gleichen Atemzug wirft er seinen Namen für die nächste Bürgermeisterwahl in den Ring:

"Doch nächstes mal kandidiere ich auch für Offenbach und da wird Glück nicht reichen[,] um gegen mich zu gewinnen."

Spaß oder Ernst?

Dass Hafti Abi wirklich in die Politik geht, scheint auf den ersten Blick etwas abwegig. Dabei werden Rapper als politische Figuren immer wichtiger. Auch wenn die deutschsprachige Szene den USA da abgeschlagen hinterherrennt, arbeiteten K.I.Z. sowie Audio88 und Yassin mit der satirischen Partei Die Partei zusammen. Ernst meint es außerdem Deutschlands erste Hiphop-Partei Die Urbane, die dieses Jahr ihre Gründung gefeiert hat.

"Die Urbane": Deutschlands erste Hiphop-Partei feiert heute ihre Gründung

Politik ist oft langweilig/unattraktiv, weil nicht leicht zugänglich. " Politikverdrossenheit" heißt das dann in Debatten. In Berlin macht jetzt eine Gruppe von Aktivisten mobil ...

Mit der aktuell immer weiterreichenden Bedeutung von Rap und damit auch seiner Protagonisten für viele Menschen in unserem Land ist es durchaus denkbar, in unbestimmter Zukunft (ehemalige?) Rapper dabei beobachten zu können, wie sie sich ernsthaft politisch engagieren – in den USA können es sogar ehemalige Reality-TV-Stars bis ins Oval Office schaffen, munkelt man. Ob aber Haftbefehls Kommentar mehr als nur ein kleiner Joke am Rande war, wird die Zukunft zeigen.

Und Muhsin Senols Ansatz funktioniert offenbar – durch Haftis Post werden genau diejenigen erreicht, die erreicht werden sollten. Etwas mehr politisches Bewusstsein kann der Jugend nur guttun.

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Chefket kritisiert Fridays for Future nach Konzertabsage

Chefket kritisiert Fridays for Future nach Konzertabsage

Von Clark Senger am 21.05.2019 - 14:09

Update: Mittlerweile haben Fridays for Future zu dem Konflikt mit Chefket Stellung bezogen. Was genau sie geschrieben haben, könnt ihr hier nachlesen.

Chefket kritisiert die Klimaschutz-Bewegung Fridays for Future nach einem abgesagten Gig, mit dem er sich nach eigenen Angaben unentgeltlich an einer Demonstration beteiligen wollte. Der Grund für das Veto gegen den Auftritt: seine Zusammenarbeit mit Xatar im Rahmen des Remix' zu "Rap & Soul".

Absage wegen Xatar-Feature: Chefket kritisiert Fridays for Future

Auf Instagram teilt Chefket seine Gedanken zur Absage sowie ein Foto einer Nachricht mit der Begründung. Darin heißt es:

"Die Begründung des Vetos liegt darin, da Chefket in Vergangenheit mit Xatar zusammengearbeitet hat, was gegen mehrere ethische Wert von fridays for future verstößt." [sic]

Da wir bislang auf unsere Anfrage keine Antwort vom FFF-Team bekommen haben, können wir über die exakten Gründe nur mutmaßen. Natürlich denkt man als geneigter Rapfan schnell an Xatars kriminelle Vergangenheit: Körperverletzung in der Playboy Mansion samt anschließender Flucht nach Mexiko, der berüchtigte Goldraub und die anschließende Haftstrafe, die Ende 2014 frühzeitig beendet wurde.

Aber: Selbst wenn man den vermeintlichen Lebenswandel von Xatar, der sich unter anderem durch ein Benefizkonzert am Bau eines Waisenhauses im Nordirak beteiligte, ausblenden möchte, ist die Begründung der FFF-Bewegung schwer nachvollziehbar.

Chefket steht für sehr viel mehr als eine Zusammenarbeit mit Xatar und spricht in seinen Texten über viele wichtige Themen unserer Gesellschaft. Seine Blickwinkel sollten mit denen einer vorwiegend links-grünen und zukunftsorientierten Bewegung eigentlich in großen Teilen übereinstimmen. Einen Künstler über eine einzige Kollabo zu definieren, wird ihm ebenso selten wirklich gerecht, wie jemanden auf seine Verfehlungen aus der Vergangenheit zu reduzieren. Chefket dazu auf Instagram:

"Es ist eine dunkle Future für die Kids, wenn gute Musik wegen einem Features verboten wird."

Rassistische Gründe für die Entscheidung?

Chefket scheint außerdem zu denken, dass rassistische Gedanken zur Absage geführt haben könnten. Er betitelt sein IGTV-Video mit "White Days for Future" und gegenüber rap.de stellt er Fragen, die rassistische Motive suggerieren sollen. Er meint, die Bewegung würde mit zweierlei Maß messen, und setzt die Zusammenarbeit von Henning May und K.I.Z. mit seinem gemeinsamen Song mit Xatar ins Verhältnis, um seinen Punkt zu verdeutlichen.

"Wieso gibt es dieses Problem nicht beim weißen Mehrheitsboy Henning May? Weil K.I.Z. als Kunst gesehen wird und Xatar nicht? Da wird mit zweierlei Maß gemessen.Oder liegt es daran, dass der Türke so schlau ist und eventuell ein Vorbild für deutsche Jugendliche sein könnte?" [sic]

Dass K.I.Z. und Xatar sowohl musikalisch als auch persönlich ganz unterschiedliche Wege gegangen sind, die in der Öffentlichkeit dementsprechend anders rezipiert werden, lässt er dabei außen vor. Auch dass er die Jugendbewegung, die das (ökologische) Schicksal der Welt nicht den lethargischen und profitorientierten Politikern überlassen will, trotz seiner anfänglichen Zusage jetzt als "richtig, richtig bescheuert" bezeichnet, ließ uns fragend eine Augenbraue hochziehen.

Auf Nachfrage erklärt Chefket uns, insbesondere das Schweigen der Verantwortlichen lasse sie nun schlecht aussehen. Niemand von Fridays for Future habe sich bei ihm gemeldet.

"Eine Entschuldigung hätte gereicht. Aber dafür ist man sich zu fein. Sie sollen mal ihre Begründung rechtfertigen und mir erklären gegen welche ethischen Werte ich verstoße" [sic]

Auf die Frage, ob er wirklich rassistische Beweggründe hinter der Absage vermutet:

"Einen Song bei dem es um Rap&Soul geht in den Dreck zu ziehen. Was soll das? Wenn sie Max Herre wegen einem XATAR Feature ausgeladen hätten wäre das für niemanden nachvollziehbar. Bei mir scheinbar schon. Warum? Vor allem gibt es bald einen Auftritt von Swiss der auch mit BLOKKMONSTA Features hat. Da ist es dann scheinbar egal" [sic]

Er weiß aber auch, dass es unfair wäre, alle Anhänger von Fridays for Future über einen Kamm zu scheren. Die richtige Kommunikation der Gegenseite wäre hier womöglich der major Key gewesen, um Missverständnisse – sofern es sich denn um solche handelt – zu vermeiden oder aus dem Weg zu räumen. Wie denkt ihr über die Sache?


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