Der Stadtschülerrat Offenbach hat kürzlich gefordert, dass Haftbefehls Leben künftig als Pflichtstoff in der Schule thematisiert wird. Das hessische Kultusministerium hat diesen Vorschlag nun allerdings abgelehnt. In ihrer Antwort auf eine Medienanfrage erklärt das CDU-geführte Ministerium seine Absage mit den vermeintlich fragwürdigen Positionen des Rappers.
Hessisches Kultusministerium erteilt Haftbefehl-Lernstoff eine Absage
Wie der Deutschlandfunk berichtet, hat das Ministerium mitgeteilt, dass weder Haftbefehls Musik, noch sein Auftreten in der Öffentlichkeit in Einklang mit dem Bildungs- und Erziehungsauftrag stünden. Dabei beziehen sie sich konkret auf die Texte des Rappers. Aber damit noch nicht genug. Das Ministerium schätzt Haftbefehls Vorbildfunktion zudem als unzureichend ein:
"Er sei keinesfalls geeignet, eine Vorbildfunktion für Heranwachsende zu erfüllen."
Diese Einschätzung begründen sie einerseits mit "politisch fragwürdige Positionen" und andererseits mit Neigungen zu unter anderem Kriminalität, Glorifizierung von Rauschmitteln oder Gewaltphantasien. Dem Offenbacher werfen sie dabei auch Antisemitismus und Sexismus vor. Außerdem fehle dem Ministerium eine ausreichende Distanzierung zu ebendiesen Themen seitens Haftbefehl.
Der Offenbacher Stadtschülerrat will, dass Haftbefehls Leben & Werk Teil des Unterrichtsstoffs wird
Haftbefehls Schaffen ist also ungeeignet für den Unterricht? Das sieht der Offenbacher Schülerrat ganz offensichtlich anders. Der hatte zuvor argumentiert, dass Schule ein akkurateres Bild vom Leben in Deutschland zeichnen sollte. Als Idee war dafür angedacht, Haftbefehls Texte in Fächern wie Deutsch zu analysieren, indem man Themen wie Dialektik und Sprachvariationen untersucht. Oder eben in Politik, wo Themen wie Ungerechtigkeit, Migration und Aufstiegschancen diskutiert werden können. Es ging also nicht darum, Haftbefehls Leben und Schaffen unkritisch im Unterricht zu behandeln.
Die Netflix-Doku "Babo – Die Haftbefehl-Story" hat in den letzten Wochen ziemlich große Wellen geschlagen – auch abseits von Deutschrap. In einem jüngst erschienen Interview hat Regisseur Juan Moreno erklärt, wieso Haftbefehls Mutter nicht in der Dokumentation auftritt: