"Hängt die Weißen": Rapper Nick Conrad sorgt in Frankreich für Rassismus-Skandal

Der französische Rapper Nick Conrad ruft in seinem Track "Pendez Les Blancs" dazu auf, "die Weißen" zu erhängen. So lautet zumindest die Deutung der französischen Justiz, die am Mittwoch Ermittlungen gegen den Musiker aufnahm.

Nick Conrad ist bis dato ein relativ unbeschriebenes Blatt in der französischen Rap-Welt. Seine älteren Videos haben vierstellige Aufrufzahlen. Sein bisheriger Erfolg ist also durchaus überschaubar. Mit dem Clip zu "Pendez Les Blancs" erlangt er aktuell landesweite Berühmtheit.

Das Video, das nicht mehr auf YouTube verfügbar ist, zeigt hauptsächlich die Folterung eines Mannes. Inspiriert scheint der Franzose von Sequenzen aus "American History X". Der Film mit Edward Norton erzählte Ende der Neunziger von zwei Brüdern in der amerikanischen Neonazi-Szene. In "Pendez Les Blancs" wechselt Nick Conrad die Perspektive. Er richtet die Gewalt zusammen mit einem anderen Darsteller gegen eine hellhäutige Person.

Was die Öffentlichkeit neben diesem Video empört, sind die Zeilen, die Conrad rappt. In einer Strophe heißt es beispielsweise:

"Je rentre dans des crèches, je tue des bébés Blancs / attrapez-les vite et pendez leurs parents, écartelez-les pour passer le temps"

Sinngemäß erzählt Nick Conrad hier, dass er einen Kindergarten aufsucht, weiße Babys tötet und die Eltern zum Zeitvertreib foltert und erhängt.

Sogar Frankreichs Innenminister schaltet sich in die Debatte ein. Über seinen Twitter-Account verurteilt er den Song und dessen Ansagen scharf. Seine Behörde werde alles daran setzen, die Verbreitung solcher Inhalte zu stoppen. Die Justiz werde sich diesem Aufruf zum Hass annehmen.

Gérard Collomb on Twitter

NickConrad : je condamne sans réserve ces propos abjects et ces attaques ignominieuses. Mes services œuvrent au retrait sans délai des contenus diffusés. Il appartiendra à l'autorité judiciaire de donner les suites appropriées à ces odieux appels à la haine.

Auch für Frankreichs Rechte um Marine Le Pen ist die Angelegenheit klar. Sie sagt, dass diese Provokation nicht ungestraft bleiben dürfte und dass es nichts Künstlerisches an dem Song gebe. Mord- und Hassbotschaften würden hier verbreitet.

Marine Le Pen on Twitter

Alors que de nombreux compatriotes subissent un racisme anti-Blanc dont aucun expert autoproclamé ni média ne parle, cette provocation ne doit pas rester impunie. Il n'y a rien d'artistique dans ce qui est purement et simplement un appel à la haine et au meurtre ! MLP #NickConrad https://t.co/MMbyQsu14Q

Gegenüber RTL Frankreich erklärt Nick Conrad, dass er den Track nicht aus Publicity-Gründen gemacht habe. Vielmehr solle sein Clip zum Nachdenken anregen. Er verstehe die Leute nicht, die sein Werk nur oberflächlich betrachten. Er habe nicht zu Hass aufrufen, sondern das Thema Rassismus greifbar machen wollen.

Aufmerksamkeit hat Nick Conrad nun ausreichend. Die gesellschaftlichen Probleme mit Rassismus kommen in der Debatte jedoch so gut wie nicht vor. Hingegen diskutiert die französische Öffentlichkeit darüber, ob solche Inhalte von der Kunstfreiheit gedeckt sein sollten.

In Spanien droht dem Rapper Valtonyc eine Gefängnisstrafe, weil er in seinen Texten Terrorismus verherrlicht haben soll:

Nur wegen Texten: Rapper Valtonyc muss wohl wirklich ins Gefängnis

Der spanische Rapper Valtonyc muss jetzt offenbar tatsächlich für 42 Monate ins Gefängnis. Damit wäre er "der erste Musiker, der einzig und allein wegen seiner Liedertexte ins Gefängnis muss" - zumindest erklären das Freunde und Familie des 24-Jährigen in einem Statement.

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Will Smith & Jay-Z produzieren Serie über Bürgerrechtsbewegung

Will Smith & Jay-Z produzieren Serie über Bürgerrechtsbewegung

Von Anna Siegmund am 08.08.2019 - 15:44

Bereits 2015 wurde von den Plänen gesprochen, dass Jay-Z und Will Smith gemeinsam eine Serie über die Ermordung von Emmett Till produzieren möchten. Erst jetzt berichten einige Nachrichtenportale von weiteren Details ihres Vorhabens. Die Serie wird über das amerikanische Fernsehnetzwerk "ABC" statt wie zunächst geplant von "HBO" ausgestrahlt werden.

"Women of the Movement" stellt die Frauen in den Fokus

Die erste Staffel soll acht Episoden umfassen. Als Inspirationsquelle diente wohl das Buch "Emmett Till: The Murder That Shocked the World and Propelled the Civil Rights Movement" von Devery S. Anderson. Dabei wird die Mutter des ermordeten Jungen im Fokus stehen. Im Zuge von weiteren Staffeln sollen wohl auch die Lebensgeschichten anderer Frauen beleuchtet werden.

Zumindest der Arbeitstitel des Projekts wird "Women of the Movement" sein.

Emmett Tills Tod als Motor der Bürgerrechtsbewegung

Der Tod des schwarzen, 14-jährigen Jungen Emmett Till im Jahr 1955 war eines der ersten Ereignisse um die US-amerikanische Bürgerrechtsbewegung. Emmett war mit seiner alleinerziehenden Mutter zu Besuch bei seinem Onkel in Mississippi. Angeblich pfiff der Junge in einem Bonbonladen einer weißen Frau hinterher. Bereits das war zur Zeit der Rassentrennung verboten. Carolyn Bryant behauptet zudem, dass Emmett sie unsittlich berührt habe.

Was genau passiert ist, kann bis heute nicht sicher gesagt werden. Der Besitzer des Bonbonladens und sein Halbbruder gaben allerdings zu, den Jungen bei seinem Onkel aufgesucht zu haben. Emmetts Familie konnte nicht verhindern, dass die Männer den Jungen entführten.

Wenig später wurde Emmetts Leichnam in einem Fluss gefunden. Er hatte neben zahlreichen weiteren Verletzungen ein Einschussloch im Schädel sowie eine gebrochene Nase.

Der Prozess um das Verbrechen erzeugte großes Aufsehen. Die zwölf Geschworenen, die ausschließlich weiße Männer waren, sprachen die Beschuldigten Roy Bryant und seinen Halbbruder frei.

Einige Monate nach der Urteilsverkündung gaben die Täter den Mord schließlich mitsamt einiger Details zu. Durch die Rechtslage in den USA war es nicht zulässig, sie wegen der gleichen Tat erneut anzuklagen.

Die Mutter von Emmett Till, Mamie, widmete sich nach den Freisprüchen den aufkommenden Protesten in Amerika. Durch den Lynchmord und die Freisprüche erhielt die amerikanische Bürgerrechtsbewegung einen zusätzlichen Schwung. Nur wenige Monante später kam es zu dem legendären Moment, in dem Rosa Parks sich weigerte, ihren Platz im Bus für eine weiße Person zu räumen.

Auch wenn die Umsetzung der ersten Idee von 2014 sehr lange gedauert hat, trifft das Thema Rassismus heute genau den Zeitgeist der amerikanischen Gesellschaft.

Will Smith und Jay-Z als Produktionsteam nicht neu

Will Smith und Jay-Z arbeiten nicht das erste Mal gemeinsam an einem Projekt. Bereits 2014 waren sie an der Produktion des Musical-Films "Annie" beteiligt. Zudem sind die beiden Männer auch dadurch verbunden, dass Jay-Z die Tochter des bekannten Schauspielers unter Vertrag genommen hat. Jay-Z arbeitet aktuell auch an anderen Projekten als Produzent:

Jay-Z produziert Netflix-Film "The Harder They Fall"

Von Michael Rubach am 30.06.2019 - 16:31 Travis Scott, Cardi B, Migos - das Wireless Germany holt am 5. und 6. Juni so einige Superstars der internationalen Rapszene nach Frankfurt. 2017 fand das Festival zum ersten Mal in Deutschland statt. In der Frankfurter Commerzbank-Arena traten unter anderem The Weekend und Justin Bieber als Headliner auf.


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