Gegenwart und Zukunft: Interview mit Tarek und Maxim von K.I.Z.
K.I.Z. gehören spätestens seit Sexismus Gegen Rechts zu den erfolgreichsten deutschen Rap Acts. OMJ berechnet, landeten sie sogar auf Platz Drei der Album Charts. Wir sprachen mit Tarek und Maxim über Gegenwart und Zukunft - sowohl von K.I.Z. , als auch von deutschem Rap und dem Rest der Welt. Ironisch vorgetragene Gesellschaftskritik, Fun Punk, die Zusammenarbeit mit einem  Major, einem Staiger und einem Specter , Sex unter Minderjährigen, Nazis, Die Ärzte und Frauenarzt . Fast ein Jahresrückblick. Euer Album Sexismus gegen Rechts ist dieses Jahr auf Platz Sieben gechartet.
Maxim : Ja, allerdings ist es omj , also "ohne Michael Jackson ", auf Platz Drei gechartet.
Dafür kann man sich nicht viel kaufen, aber Platz Drei omj ist schon beeindruckend. K.I.Z. und Major Partner sind wunschlos glücklich? Wie viele Exemplare musstet ihr dafür verkaufen?
Tarek : Wir haben jetzt 200.000 Exemplare verkauft, es läuft also gut. Das hat trotzdem alles seine Vor- und Nachteile, als Super-Mega-Star.
Maxim : Wenn ich in der Kirche bin, bekomme ich jetzt immer fünf Opladen in den Mund gesteckt, obwohl ich nur eine haben will, dass ist echt Terror Alter. Der Erfolgsdruck ist bei einem Major Label wie Universal Music oft größer.
Maxim
: Ich bin derjenige, der hier vom Universal Telefon aus Mitarbeiterinnen in den Schritt gucken kann, deswegen bin ich jetzt ein bisschen abgelenkt.
Natürlich gibt es Erwartungen: Die wünschen sich Platz Eins für 1000 Jahre und gleichzeitig auch, dass man genau das macht, was sie sagen. Aber am Ende lassen sie sich doch verbiegen. Diese Majors sind fake. Die lassen sich von ihren Künstlern rumschubsen und genau das tun wir auch. Es ist nicht so, dass wir krassen Druck von denen bekommen, es läuft so wie wir das wollen.
Ich hab auch das Gefühl, dass ihr das Glück hattet, einen Stil zu haben, mit dem ein Major gut arbeiten kann. Die müssen euch gar nicht verbiegen. Bei anderen Rappern haben sie sich dumm angestellt, bei euch können sie auf ihre Fun-Punk Erfahrungen zurückgreifen. Würdet ihr das so unterschreiben?
Maxim : Ja natürlich, aber es gibt auch Rap-Kollegen die mit ihrem Major-Deal noch ein bisschen mehr verkaufen als wir. Also einen (lacht). Bei Massiv hatte man beispielsweise immer das Gefühl, dass er am Anfang seiner Karriere alleine besser wusste, was er machen muss um sich zu vermarkten, als seine späteren Major Partner. Ihr bleibt wie ihr immer wart und das Major ist cool damit.
Maxim : Es stimmt, dass wir wissen wie wir uns vermarkten können, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich das beispielsweise als Gegensatz zu Massiv sehen würde. Ich glaube, dass Deutschland noch nicht reif dafür ist, dass das was er macht auch gekauft wird. In Frankreich und in den USA herrscht das Safari-Phänomen und die Leute finden das geil, aber so ist es meiner Meinung nach in Deutschland noch nicht. Das heißt, dass ich glaube, dass die Kundschaft von Massiv relativ real ist, aber sie gehen nicht auf Konzerte oder kaufen Platten, selbst wenn sein Video auf YouTube eine Millionen Views hat.  Aufgrund dessen denke ich, dass es eher mit der Zielgruppe zu tun hat, als mit dem Major-Künstler Verhältnis. Wie sieht Universal denn euer Projekt? Als "Die Ärzte der Zukunft", für die Generation, die auch gerne mal gerappte Lyrics hört?
Tarek : Das hört sich jetzt so an, als ob wir komplett unmündige Personen wären, die sich selbst nicht vermarkten können. Dabei machen wir uns Gedanken darüber, wie wir das selbst angehen.
Maxim : Wir sind bei dem Universal Sublabel Vertigo , das ist die Rockabteilung hier. Die Hiphop Abteilung wollte uns nicht und dadurch sind wir natürlich von Leuten umgeben, die Rock machen. Ihr habt nicht damit aufgehört Schimpfwörter zu benutzen. Ihr seid nach wie vor politisch unkorrekt, aber auf eine Art, mit der auch die Frankfurter Rundschau etwas anfangen kann. Ihr seid quasi auf politisch korrekte Art politisch unkorrekt.
Tarek : Ja, wir sind die eierlegende Wollmilchsau der deutschen Hiphop-Szene, da ist von allem was dabei. Wir wollten das mit den Schimpfwörtern nie ändern  und das funktioniert auch. Wobei viele Leute kommen und sagen, wir hätten das vorher nicht gemacht und dass das nur Provokation sei. Das ist nicht so. Die Schimpfwörter stellen definitiv ein kommerzielles Hindernis dar. Vieles was wir machen, kann dadurch nicht im Radio gespielt werden. Egal wie poppig es ist.
Sexismus gegen Rechts war das letzte Release für Royal Bunker. Wie lief dabei eure Zusammenarbeit mit Staiger? Und wie wird das in Zukunft sein?
Tarek : Staiger schmeißt hin und wieder mal einen Blitz aus seiner Wolke oder verwandelt sich in einen Stierbullen.
Maxim : Er hat ab und zu mal eine Idee für ein Fotoshooting oder so. Die Musik entsteht aber eigentlich ausschließlich bei uns selbst. Dieses Album hat  Staiger zusammen mit Universal rausgebracht. Beim Nächsten ist er nicht mehr dabei.
Tarek : Aber er ist immer in unserem Herzen. Warum rappt er eigentlich nicht auf eurem Album?
Maxim
: Weil er nicht rappen kann.
Tarek : Weshalb sollte der rappen?! Der ist Labelchef.
Maxim :  Der macht schon so viele Sachen.
Tarek : Der hatte schon mal ne Crew, die hieß H.A.C.K. Deshalb frage ich ja. Das hatte schon Parallelen zu eurem Grill-Fetischismus .
Tarek : Es gab ein paar Mitglieder, die uns des Bitens bezichtigt haben, obwohl Das Rapdeutschland Kettensägen Massaker vor ihnen raus kam.
Maxim : Die haben Recht. Wir haben uns sowieso alles zusammengeklaut. In der Hinsicht sind wir auch Nazis, wir sind Biter. Wir klauen alles zusammen. Wir haben uns die Skinhead-Bewegung damals genommen. Wir werden uns alles nehmen. Es gibt auch viele Leute aus unserem Freundeskreis, die bei mir vor der Tür warten, weil ich Sprüche von denen klaue. Ich höre deren Telefone ab und klaue deren Punchlines. Wie kam es dazu, dass Specter euer schönes Cover gemacht hat?
Tarek
: Geld!
Maxim : Geld! Viele Leute wollen euer Geld. Warum gerade Specter?
Maxim : Weil er der Beste ist. Es war wirklich so, wir hatten Geld zu Verfügung und haben uns den Besten geholt. Ihr habt mehr Mitglieder als die meisten Rapgruppen. Ist das ein Vorteil?
Maxim : Auf jeden Fall. Wenn man uns von der Bühne boxen will, dann muss man vier Leute schlagen und tut sich dabei ganz schön an der Hand weh. Deshalb verzichten die meisten Leute darauf. Ansonsten: Wenn viele in einer Crew vergeben sind, bleibt meistens einer, der die Hoes ficken kann, damit wir vor der Groupie-Gemeinde nicht ganz so lächerlich dastehen. Mehr ist mehr. Ihr habt auf dem Album sehr viele aktuelle Themen aufgegriffen. Steckt ein Konzept dahinter oder kam das von alleine? Habt ihr die Tagesschau geguckt und gecheckt ob euch noch ein Thema fehlt...?
Tarek: Bei den Battletracks bezieht man natürlich hier und da mal was ein, das man im TV gesehen hat. Etwas brutales oder wenn etwas schlimmes passiert ist vor unserer Haustür. Aber ich denke, der einzige Grund warum wir jetzt ein paar Konzeptsongs haben ist, dass man sich als Künstler in der Sparte, die man macht weiterentwickeln möchte. Wir haben schon viele Konzeptsongs gehabt, auf Sexismus Gegen Rechts sind das sogar die meisten. Das macht ein Album abwechslungsreich und passt auch zu dem Stil, den wir fahren. Geht es euch bei euren gesellschaftskritischen, zynischen Lines darum, eine bestimme Wirkung zu erzielen?
Tarek : Nein, wir sagen uns nicht "wir sind jetzt krass zynisch, oder krass
sarkastisch"
. Wir suchen nach einer originellen Sichtweise auf ein Thema. Wir versuchen, es auf eine ganz andere Art und Weise zu sehen, auf die es nicht schon 1000 mal durchgekaut worden ist. Dass die Songs dann auf andere sarkastisch und ironisch wirken, ist natürlich positiv, aber das ist nicht der Grund warum wir das machen. Es geht viel mehr darum, etwas Neues zu kreieren. Diese Art ist für mich sehr Hiphop. Deshalb hätte ich auch garnicht gedacht, dass ihr diese Masche am Reißbrett entworfen habt. Ihr guckt Nachrichten und reißt ein paar Sprüche. Das macht jeder Hiphopper so. Musikalisch umgesetzt, ist das ein genialer Weg etwas gesellschaftskritsches zu machen, ohne den gefürchteten erhobenen Zeigefinger auszupacken.
Maxim
: Bei mir ist das auf jeden Fall auch eine generelle Einstellung. Wenn ich etwas kritisiere, irgendwelche Leute oder in dem Fall jetzt Nazis, dann versuche ich mich nicht so krass davon zu distanzieren. Das ermöglicht mir, mich in die Position der Leute zu versetzen. Dann wirkt es weniger spaltend. Es ist eher dieses Gucken was für ein Mensch ich sein muss, um so eine Scheiße zu machen. Das finde ich als Weg viel interessanter, wenn man etwas verändern will. Ihr erreicht mittlerweile nicht mehr nur das typische Rap Publikum. Inzwischen hören euch auch Leute, die ihren lobenden Kommentar im intro.de Forum damit anfangen, zu betonen, dass sie ja eigentlich gar keinen Rap hören. Was bringt diese breitere Hörerschaft für Veränderungen mit sich? Beispielsweise auf Konzerten?
Maxim
: Leute, die nur eine Musikrichtung hören und sagen, dass es ihre Musikrichtung ist, sind ja ganz schön bescheuert. Du hörst doch die verschiedensten Arten von Musik und kannst trotzdem objektiv entscheiden, ob sie dir gefallen oder nicht. Deswegen finde ich es cool, dass wir nicht nur Hiphop-Nazis als Fans haben, sondern sich auch Heavy Metal Leute öffnen. Wie kamt ihr auf die Idee, den Kampf gegen Nazis als Aufhänger für das Album zu nehmen? Weil sich alle darauf einigen können, dass Nazis böse sind?
Maxim : Unsere Leute von der NPD und den Republikanern wissen ja, dass das alles nur Promo ist und dass wir das nur machen, um auch die Linken auf unsere Seite zu schlagen. Und im richtigen Moment werden wir den Kahn nach Rechts drehen. Politik ist 2009 vor allem durch die Bundestagswahl ein allgegenwärtiges Thema geworden. Geht ihr wählen?
Maxim : Bei mir ist es bis jetzt fast immer ausgefallen, weil ich keine Zeit hatte.
Tarek : Aber wenn man nicht wählen geht, wählt man immer den falschen, wie man bei der Europawahl gesehen hat. Vielleicht sollte man sich einfach informieren und sich die Broschüren ansehen und die einzelnen Punkte durchgehen. Das ist so wie bei den Krankenversicherungen, es gibt zwei, drei Sachen in denen die sich unterscheiden.
Maxim : Bei der Europawahl war das so, dass sie uns nicht gefragt haben, ob wir überhaupt eine Europäische Union haben wollen. Die haben uns nicht zur europäischen Verfassung zustimmen lassen und jetzt soll ich plötzlich auf der Basis von Sachen, die ich überhaupt nicht entschieden habe, wählen gehen? Da komm ich mir verarscht vor und das ist halt das Ding, wo ich mir dann denke "ach scheiß drauf, das soll alles kaputt gehen" . Das ist auch der Grund, warum ich oft einfach nicht hingehe, denn ich habe mir das nicht ausgesucht. Würde ich auf einer Basis wählen gehen, die ich mir selber gar nicht ausgesucht habe, würde das eine gewisse Anerkennung des Systems zeigen. Ich denke, das ist auch die Tendenz, in die das Ganze gehen wird: Dass die Leute, die eine Partei wählen, den Staat anerkennen und die, die gar nicht wählen gehen, ihn ablehnen. Wir haben über eure unterhaltsame, ironische Kritik an allen möglichen Missständen gesprochen. Habt ihr für einen Bereich konkrete Lösungsvorschläge?
Maxim
: Wir haben uns auf dem Album nicht oft mit Lösungsvorschlägen beschäftigt, aber es ist oft ein Problem, dass die Kritik sehr ungenau ist. Viele Leute sagen, dass das System scheiße ist, haben hier und da was auszusetzen, aber werden nie konkret. Ich glaube, unsere Konzentration liegt da auf einer genauen Kritik. Allgemein gehaltene Kritik in Rapsongs finde ich uninteressant. Wir behandeln dann eher ein Thema wie Vorurteile. So Alt ist der einzige nicht-ironische Track auf dem Album.
Maxim : Wir haben ernsthafte Sachen über unser Leben geschrieben. Vielleicht ist es nicht so originell, sondern einfach nur gut. Und wie war das, auch mal was Ernstes zu machen? Tut's weh?
Maxim : Um ehrlich zu sein, ist es uns sehr schwer gefallen. Mir war es sehr unangenehm. Und im Nachhinein? "Befreiend und geil" oder "warum hab ich das gemacht" ?
Maxim
: Nö nö, sowas würde ich dann nicht raus bringen.
Tarek : Ich fühle mich jetzt nicht befreit, aber es ist schon schön.
Maxim : Ich find's auch nicht schlecht, aber es ist mir immer noch unangenehm. Was die Wirkung eurer Sozialkritik angeht: die Leute, die eure Kritik erreicht, sind doch eigentlich sowieso schon eurer Meinung. Dass Bänker böse sind, weil sie unser Geld verzocken, dass Nazis nicht cool sind und so weiter.
Maxim
: Das ist ein großes Problem. Wir haben uns immer in den Kopf gesetzt, Leute zu erreichen, die noch nicht überzeugt sind. Ich denke, das schaffen wir auch immer noch recht gut. Natürlich ist das die Schicht, die keine Platten kaufen will, die Konsumverweigerer. Das ist natürlich auch ein Problem.
Aber ich denke trotzdem, manchmal ist das auf die Schulter klopfen gut, damit man zusammenhält und sich im Klaren darüber ist, worüber man sich einig ist. Es gibt viele Sachen, bei denen ich gemerkt habe, dass man ist sich doch gar nicht so einig ist. Ich habe überlegt, welches 2009er Thema ihr vergessen habt. I n der ARD gab es eine Reportage über rumfickende Kinder. Habt ihr die gesehen?
Tarek
: Fickende Kinder?! Da gings um kapp 13-jährige, die aus Langweile und Perspektivlosigkeit Gangbang betreiben und dabei alte Frauenarzt Lieder hören.
Maxim : Find ich super!
Tarek : Und unsere Lieder? Hören die auch unsere Lieder?
Das muss ich mal recherchieren. Die Reportage vermittelte den Eindruck, dass diese Kids das leben, was Rapper zu Unterhaltungszwecken besingen. Da hat man 13-Jährige gesehen, die gesagt haben: "Ich hatte bisher nur zweimal in meinem Leben einen Dreier und ich will auf jeden Fall noch mal drei Frauen haben" .
Maxim : Ich weiß um ehrlich zu sein nicht genau, was daran schlimm sein soll.
Tarek : Es kommt darauf an, ob die Zärtlichkeit auf der Strecke bleibt oder nicht. Wenn du es einfach mal erfahren, einfach mal ausprobieren willst, dann finde ich das gar nicht schlecht. Letztendlich sind wir ja umgeben davon. Überall ist Sex, im Internet, im Fernsehen... Dann muss man das natürlich mal ausprobieren. Wenn du allerdings das Gefühl für Liebe und dafür, zu einer Frau zärtlich zu sein, verlierst, tut mir das natürlich leid. Ansonsten ist das Sammeln von Erfahrungen nichts Schlechtes.
Maxim : Und es geht nicht Hand in Hand. Es gibt sich liebende Pärchen, die gehen in den Swingerclub und machen harten Bondage-Shit und zünden sich gegenseitig an. Und das ist kein Problem! Bei uns war das ja nie so krass, dass wir den Leuten vorgeschrieben haben, wie sie Sex haben sollen. Ich glaube aber, es gibt zu jeder Zeit Leute, die dir das vorschreiben wollen: Zeugen Jehovas, die Scientologen, Katholiken. Missionare haben den Wilden beigebracht, dass sie nur flach aufeinander liegen sollen. Und die Pornoindustrie sagt heute, dass du direkt ins Arschloch rein musst und die Frau muss unbedingt Schmerzen haben, wenn sie dir einen bläst.
Tarek : Hauptsache beide haben Spaß und man tut nichts, wozu man sich gezwungen fühlt.
Maxim : Außer es ist Teil des Rollenspiels, dann kann man sich auch zwingen.
Tarek : Schmerz tut ja manchmal gut.

Die Intro-Review hat euch vorgeworfen – ich weiß noch nicht mal wirklich, ob es ein Vorwurf war, denn sie fanden euer Album super – dass es zu fast jedem Song von Hahnenkampf ein Äquivalent auf dem neuen Album gibt. Habt ihr das Gefühl, dass ihr da weitergemacht, wo ihr aufgehört habt?
Maxim
: Die Analyse habe ich auch gelesen, fand ich sehr witzig. Und, ja... kann sein. Aber das hat auch mit den ähnlichen Arrangements auf dem Album zu tun, weil man sich sagt, ein brutales Ding wie Lass die Sau raus macht man jetzt als zweiten Track, aber wir haben uns nicht wirklich Parallelen überlegt.  Das einzige Mal, wo wir wirklich so was hatten, war auf Hahnenkampf : Da war beim Refrain von Spasst der Gedanke, lass wieder irgendein Schimpfwort in den Refrain packen, das wird ein Hit. Das war das einzige Mal, wo wir uns selbst gebitet haben.   Wie wird das denn beim nächsten Album sein? Habt ihr das Gefühl, ihr müsst euch komplett neu erfinden? Oder kann man da mit dem typischen K.I.Z.-Style weitermachen und dann am Ende überlegen: "Welches Thema nehmen wir fürs Cover und den Albumtitel" ?
Tarek : Da kann man sich auf einiges gefasst machen. Kompletter musikalischer Müll. Dadaismus nennt man das glaub ich. Musikalischer Dadaismus. Crunk, Platoon Soundtrack, Highspeed Ryhmen und Punk. Fun-Punk natürlich. Wird es in den nächsten Jahren verstärkt originelle Acts wie euch geben oder war das nur ein lustiges Zwischenspiel, nachdem wieder die nächste Gangsterrap Welle kommt?
Tarek
: Originell wie wir, das würde sich arrogant anhören. Man muss gar nicht wirklich originell sein, um zu unterhalten. Also doch, eigentlich schon. Natürlich kannst du Gangsterrap machen, der ist im ersten Moment nicht originell. Aber wenn du lustige, richtig brutale Vergleiche hast, dann finde ich es wieder cool.
Maxim : Also ich würde mich über einen plumpen Gangsterrapper, der geile Sprüche bringt und auch ernsthafte Themen anspricht, total freuen. Ich brauche nicht nur tausend Spaßmacher.
Tarek : Das Problem zeigt sich immer dann, wenn es eine Hochphase gibt. So wars bei Gangsterrap und das gab es in der Hamburg-Zeit auch. Es gab die Leute, die rappen konnten, wie zum Beispiel Samy . Egal wie scheiße man die findet, man muss einfach zugeben, die können rappen. Und dann gab es noch eine ganze Flut an Spinnern, die einfach nichts konnten, aber trotzdem alle mit gespittet haben. Ich habe in einem Forum gelesen, dass ihr mit Fischmob verglichen wurdet. Seht ihr Paralellen zwischen der Zeit vor Kool Savas, der Berlin Dominanz und Gangsterrap und dem heutigen Trend zu lockereren Charakteren wie euch, Marteria, Casper oder den Orsons?
Maxim : Ich glaube der Unterschied zu dieser Hamburg Schiene ist, dass sie immer sehr Blutleer war. Das war einfach nur Spaß und am Ende ist da nichts mehr von übrig geblieben. Ich glaube schon, dass es bei uns immer noch was hartes und ernstes gibt, was trotz der ganzen lustigen Art durchklingt. Wir haben sehr viel Schmerz da drin, der in diesen alten Klamauksachen nicht zu finden ist.
Tarek : Spaß muss sein.
Maxim : Genau wie in V wie Vendetta gesagt wird: eine Revolution, in der nicht getanzt wird, ist es nicht wert, gemacht zu werden. Im Internet wird eure Musik "Alternativ-Hiphop" genannt. Wäre traurig, wenn es wirklich kein "normaler Hiphop" mehr wäre, sobald es etwas innovativer wird. Wen feiert ihr im Moment aus der deutschen Rapszene?
Maxim : Ich finde Farid Bang gut und das Hengzt -Album. Alle, die viel verkaufen, finde ich auch gut.
Tarek : Alle, die wir gefeatured haben, finden wir super. Sonst hätten wir sie nicht gefeatured.
Maxim : Ich finde auch Mach , Orgi und Imbiss Bronko gut. Arzt finde ich auch schön. Was haltet ihr denn von den Sachen, die Frauenarzt 2009 gebracht hat? Vom Untergrund ging es in Fußballstadien und zu den Ballermann-Hits auf RTL2, mit Vollplayback.
Maxim : Ich für meinen Teil stehe mehr auf das härtere Zeug. Aber musikalisch ist das was er macht auf jeden Fall etwas Eigenes, das ich auf Deutsch vorher nie gehört habe. Und diese Playback-Sache, ist ja eigentlich nicht das, wofür er immer gestanden hat. Ich freu mich für ihn. Bushido ist bald mit seinem eigenen Film im Kino zu sehen und Sido war an der Seite von Mario Barth in Männersache auf der Leinwand. Plant ihr auch irgendwelche Sonderaktivitäten, kommt bald der K.I.Z.-Film?
Maxim : Ja, mal gucken. Wir sind noch in den Verhandlungen. Brad Pitt war ja grade in der Stadt, der wird dann meine Rolle spielen. Ansonsten wissen wir noch nichts. Wir sind gerade jeden Tag im 90 Grad oder 40 Seconds , in den Clubs im Reichstag. Wir machen unser Ding und werden wahrscheinlich ganz nach oben kommen. Ich werde wahrscheinlich als Bürgermeister kandidieren. Dann kann 2010 ja kommen. Was das musikalische angeht: Nico ist doch auch in der Gitarren-Welt unterwegs. Werden K.I.Z. 2010 wie alle anderen auch in völlig andere Genres aufbrechen?
Maxim : Weiß ich nicht, ob Nico Gitarren-Experimente macht.
Tarek : Ja, natürlich. Es gibt da ne Band, ich kann dir nur die Ankürzung nennen DNSIB .
Maxim : Die wird wie ein Feuerhagel auf das Game brettern.
Tarek : Wie ein Feuerhagel auf eine ungläubige Stadt wird das Album in der Szene einschlagen.
Maxim : Das ist 'ne Gruppe, die wird alles aufräumen.
Tarek : Die wird am Baum schütteln.