Flers GQ-Interview sorgt für Disskussionsstoff: Emanzipation? Homosexualität? Wer darf sich "Rapper" nennen?
Polo G

Fler ist dafür bekannt, nicht lange um den heißen Brei herumzureden. Deshalb feiern Leute seine Interviews, dadurch macht er sich einige Freunde und natürlich auch Feinde. Auch das neue Interview mit der GQ stellt da keine Ausnahme dar.

Das Lifestyle-Magazin beschäftigt sich aktuell damit, was Männlichkeit eigentlich heute bedeutet, wie unterschiedliche Leute den Begriff betrachten und wie die Emanzipation sich auf das Männlichkeitsbild auswirkt. Ein Typ, der ein Label und eine Modemarke namens Maskulin leitet, drängt sich da praktisch als Interview-Partner auf.

Auch hier dürfte er mit seiner Meinung bei einigen Leuten anecken – unter anderem mit seinem Bild davon, wer genau sich Rapper nennen darf (K.I.Z. und Die Fantastischen Vier schon mal nicht), könnte er für Diskussionsstoff sorgen.

Fler über...

...Homosexualität:

"Am Ende geht es nur darum, dass keiner den anderen diskriminiert. Die Leute regen sich auf, wenn ein Typ sich prollig benimmt, laut redet und aufgepumpt ist. Finde ich auch nicht immer schön, man sollte die Contenance bewahren. Doch andersrum: Warum stellt niemand infrage, wenn ein Homosexueller seine Sexualität 'tuckenhaft' auslebt? Mich interessiert doch nicht, was du machst, wenn du mit deinem Typen zu Hause bist. Aber ich komme ja auch nicht im Kettenhemd. (...)

Dieses komische Zurschaustellen, das sagen soll 'Hier bin ich! Guckt mal, wie besonders ich bin', das ist das eigentliche Problem. Ich greife niemanden für seine private Einstellung zum Leben an oder für seine Sexualität. Das wäre doch voll absurd, das interessiert mich doch gar nicht."

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...die Gleichstellung der Geschlechter:

"Eine Frau kann gewisse Sachen besser als ein Mann, aber ein Mann kann auch gewisse Sachen besser als eine Frau. Und wenn man das nicht anerkennt und so tut, als wäre alles gleich, dann sind am Ende die Männer unglücklich und die Frauen sind es auch. Es liegt in der Natur, dass die Frau den toughesten, breitesten, stärksten oder auch finanziell stärksten Mann sucht – also den, der ihr die größte Sicherheit bietet."

...über Rap, K.I.Z. und Fanta 4:

"Die rappen zwar. Aber das sind keine Rapper. Rap kommt von der Straße, aus Kreisen, in denen diese Leute gar nichts zu suchen haben. Der einzige Grund, warum Leute wie K.I.Z. und Fanta 4 überhaupt als Rapper anerkannt werden, ist, weil die überwiegende Mehrheit in diesem Land diese Attitüde mit vertritt."

Haben wir wieder was gelernt. Nur Straßenrapper dürfen sich Rapper nennen. Wer andere Dinge in seinen Texten thematisiert als den realen Hustle bzw. nicht von der Straße kommt, der ist kein Rapper. Laut Fler.

Wenn jemand weiß, als was man Tarek & Co dann bezeichnen kann, darf er uns gerne auf die Sprünge helfen. Für mich bleibt jeder ein Rapper, der gut rappen kann und es tut. K.I.Z. gehören eindeutig dazu, aber vielleicht bin ich auch einfach ein Teil der "überwiegende[n] Mehrheit" und deshalb so verblendet. Die Diskussionsrunde ist eröffnet!

Fler-Interview mit GQ Teil 1

Fler-Interview mit GQ Teil 2

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