Rassimusvorwürfe gegen Fler: "Fühle mich als Schwarzer ver*rscht"

Eine Instagram-Story von Fler sorgt für Empörung beim Kölner Rapper Telson. In der Story war zu sehen, wie sich Fler über einen Witz eines Kumpels amüsiert, der rassistische Klischees aufgreift. Telson wendet sich direkt an den Berliner und erklärt mit emotionalen Worten, dass er sich von Fler distanziere.

Update 21. Januar: Fler hat sich bei der schwarzen Community entschuldigt – hier geht's zum Artikel.

Telsons Nachricht an Fler

Telson beginnt sein Statement damit, dass er sich nicht als Künstler zu Wort melde, sondern als Musikfan. Er könne Fler fortan "kein Support" [sic] mehr geben. Besonders hinsichtlich Flers Historie zeigt sich Telson enttäuscht.

Gemeinsame Videodrehs und Songs mit anderen schwarzen Künstlern wie Mortel, Jalil oder Manuellsen würden Fler nicht davon abhalten, über Kommentare zu lachen, die rassistische Denkweisen bedienen. Für Telson wirkt es so, als finde es Fler amüsant, "wenn sich Leute über Afrikaner lustig machen" und "das N-Wort droppen". Telson akzeptiert ein derartiges Verhalten nicht und legt seine Gefühlswelt offen.

"Ich fühle mich als Schwarzer ver*rscht ich bin viel zu stolz auf diese Hautfarbe die Gott mir gegeben hat um mein Mund zu halten. Ab heute gibt es kein Support mehr von mir. Jeder Rapper der denkt er kann sich über unsere Kultur lustig machen ist ebenfalls gemeint! Ihr könnt nicht witze über schwarze machen und dann Rappen so tanzen sich anziehen oder sogar so reden wie wir! Das passt nicht! Ich spreche für jeden schwarzen Bruder und für jede schwarze Schwester wir haben 2019 und ich werde nicht dabei zu wie heute noch sowas passiert." [sic]



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@fler hiermit spreche ich nicht zu dir als Künstler sondern als Fan. Über 10 Jahre pumpe ich deine Mukke war bei Videodrehs dabei bei Konzerten.. dann muss ich mir heute deine Instastory angucken wo Leute sich über Afrikaner lustig machen das N-Wort droppen und du lachst obwohl ein Schwarzer (@jalilofficial ) bei dir im Label ist obwohl du @mortel & @manuellsen featurest?! Ich fühle mich als Schwarzer ver*rscht ich bin viel zu stolz auf diese Hautfarbe die Gott mir gegeben hat um mein Mund zu halten. Ab heute gibt es kein Support mehr von mir. Jeder Rapper der denkt er kann sich über unsere Kultur lustig machen ist ebenfalls gemeint! Ihr könnt nicht witze über schwarze machen und dann Rappen so tanzen sich anziehen oder sogar so reden wie wir! Das passt nicht! Ich spreche für jeden schwarzen Bruder und für jede schwarze Schwester wir haben 2019 und ich werde nicht dabei zu wie heute noch sowas passiert. #Bantu #StolzerAfrikaner #244 #Angola

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Manuellsen ist es leid

Wenn es um Rassismus im deutschen Rap oder in der Gesellschaft geht, hat seit jeher Manuellsen auf Missstände hingewiesen. Diese ständigen Belehrungen scheinen dem König im Schatten inzwischen zum Hals herauszuhängen. Oder wie der Ruhrpottler es via Instagram-Story ausdrückt: "[...] ich hab schon Haare auf der Zunge".

Manuellsen leitet das Thema kurzerhand an Mortel weiter. Dieser solle etwas dazu sagen.

Mortels Antwort lässt Interpretationsspielraum

In den letzten Jahren arbeitete Mortel häufig mit Fler zusammen. Ob bei Flers Auftritt auf dem Openair Frauenfeld 2017, gemeinsamen Songs oder Videodrehs – Mortel und seine Racaille Gang waren am Start.

Auf die aktuellen Ereignisse nimmt Mortel nun eher indirekt Bezug. In seiner Instagram-Story ist zu lesen, dass wir alle irgendwann für unsere Taten "geradestehen müssen".

Da er wohl von der Angelegenheit Notiz genommen haben wird, scheinen diese Worte nicht zufällig gewählt.

Fler verweist auf seinen Support

Unter dem Post von Telson hat Fler zu den Vorwürfen Stellung bezogen. Er sieht seine Arbeit für die schwarze Community nicht genug gewürdigt. Er habe lediglich über einen Scherz eines Kumpels gelacht. Die aktuelle Diskussion empfindet er als "Schwachsinn".

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Rassistische VW-Werbung: Manuellsen & Bantu Nation äußern sich zu Shitstorm
VW

Rassistische VW-Werbung: Manuellsen & Bantu Nation äußern sich zu Shitstorm

Von Alina Amin am 21.05.2020 - 12:27

VW wird aktuell mit Rassismusvorwürfen konfrontiert: Der deutsche Automobilhersteller hat Anfang dieser Woche einen Werbespot auf Instagram veröffentlicht, in dem ein schwarzer Mann von einer überdimensionalen weißen Hand erst hin- und hergeschoben, dann in einen Laden namens "Petit Colon" geschubst wird. Erste Aufmerksamkeit erregte der Spot auf Social Media, nun äußern sich unter anderem Manuellsen und Mitglieder der Bantu Nation dazu.

VW schockiert mit rassistischem Werbespot

Während schon das eingangs skizzierte Konzept des Spots Fragen aufwirft, folgt nach der Sequenz die Krönung des Ganzen: Hintereinander erscheinen Buchstaben, die die Wortfolge "Der neue Golf" bilden sollen. Die ersten Buchstaben formen ganz deutlich die rassistische Beleidigung "N*ger". Dass es sich hierbei nicht um die korrekte Reihenfolge der Buchstaben handelt, verhindert nicht, dass dort etwas erscheint, was sich wie das N-Wort liest.

Der rassistische Unterton des Werbespots ist für viele eindeutig. Aktivist Zuher Jazmati (@xanax_attax) erkennt in dem Clip beispielsweise "viele kolonialrassistische Konnotationen und Reproduktionen". 

Manuellsen und die Bantu Nation äußern sich

Nachdem der Clip in den letzten Tagen viral gegangen ist, beziehen nun auch Teile der Deutschrap-Szene Stellung zu der augenscheinlich rassistischen Werbung. Nu von der Bantu Nation erklärt in einer Instagram Story:

"Man kann jetzt sagen: Ihr übertreibt voll. Nein, wir werden jeden Tag mit so einem Bullsh*t konfrontiert. Nichts zu sagen ist das Schlimmste, was es gibt, denn dann ist es irgendwann normal." 

Sugar MMFK bezieht sich auf Nus Story und fügt hinzu:

"Ich verstehe nicht, was sie davon haben. Promo auf dem Nacken von Minderheiten; von Schwarzen.[...] Ihr müsst langsam begreifen, dass wir auch da sind, dass wir auch Communities haben – dass wir laut sind."

Auch Manuellsen äußert sich in einem Statement zu dem Video und erklärt, dass solche Werbungen "gezielt produziert werden würden, um einen viralen Effekt zu erzielen". Der rassistische Ton sei offensichtlich und solle darauf abzielen, Aufmerksamkeit zu erregen. Starte man eine "Revolte", würde man VW nur in die Hände spielen. Er empfiehlt, Ruhe zu bewahren und dem Ganzen nicht zu viel Relevanz beizumessen.

VW löscht den Clip und entschuldigt sich

VW selbst hat schnell Stellung zu der Thematik bezogen und erklärt, dass sie sich von dem Video distanzieren würden und sich entschuldigen. Volkswagen wolle "aufklären, wie das passieren konnte - und Konsequenzen daraus ziehen."

"Schon vor dem Hintergrund unserer eigenen Unternehmensgeschichte positioniert sich Volkswagen gegen jede Form von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung"

Wie Sugar MMFK schon in seiner Story erklärt, scheint die Entschuldigung von VW der erste Schritt in die richtige Richtung zu sein. Weitere Maßnahmen seitens VW sollen nun eingeleitet werden. Unabhängig davon, ob man den Clip als Beobachter als gezielt rassistisch einstuft oder die diskriminierende Wirkung als Versehen empfindet: Es kann nicht sein, dass ein Weltkonzern wie VW es noch immer schafft, eine solch degradierende Werbe-Kampagne in die Welt zu setzen.

Ein Einzelfall ist das aber längst nicht: Zwei Jahre zuvor hat H&M nach einer rassistischen Werbeaktion viele Kritiken ernten müssen. Man würde meinen, dass in der Gesellschaft das Bewusstsein und die Sensibilisierung in Bezug auf solche Themen existieren müsste. Dass eines der größten Unternehmen der Welt einen rassistischen Clip immer noch bedenkenlos veröffentlicht, ist schockierend und wirft die Frage auf, wie tief Alltagsrassismus und Diskriminierung in der westlichen Gesellschaft wohlmöglich verankert sind. 


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