Gerichtsurteil: Flers Bushido-Disstrack darf nicht online bleiben

Fler muss seinen Bushido-Disstrack "Noname" ändern. In der bisher bekannten Form darf der Track nicht online bleiben. Das geht aus einem Gerichtsurteil hervor, wie unter anderem die FAZ schreibt. Ausschlaggebend sei die Erwähnung der Kinder von Bushido gewesen.

"Noname": Fler muss Bushidos Kinder heraushalten

Das Münchener Landgericht I kam heute Morgen zu dem Schluss, dass Fler mit verschiedenen Zeilen aus "Noname" im juristischen Sinne zu weit gegangen ist. Die "Grenzen der Kunstfreiheit" seien übertreten worden, so die Richterin. Bushido hatte im Vorfeld gegen den Track rechtliche Schritte eingeleitet.

Die Kinder des Ehepaars Ferchichi hätten laut Gerichtsurteil mit dem Konflikt von Fler und Bushido nichts zu tun und seien durch den Inhalt des Tracks in ihrer Persönlichkeitsentwicklung eingeschränkt. Fler stellt auf "Noname" in den Raum, dass Bushido nicht der leibliche Vater der vier gemeinsamen Kinder mit Anna-Maria Ferchichi sei.

Eine Line, welche ausdrückt, dass stattdessen die gesamte Mannschaft des SV Werder Bremen für die Vaterrolle in Frage kommen könnte, darf Fler ebenfalls so nicht mehr rappen. Allerdings müsse Bushidos Ehefrau damit klarkommen, dass Fler sie im Song auch darüber hinaus nicht gerade mit Samthandschuhen anfasst. Durch ihre öffentliche Einmischung in den Streit zwischen Bushido und Fler trage sie dafür eine Eigenverantwortung. Lediglich die Textpassagen, die Bezug auf die Kinder nehmen, muss Fler verändern – oder den Track direkt aus dem Netz entfernen.

Bushido & Fler: Beide Seiten könnten in Berufung gehen

Die Anwältin, welche die Seite von Bushido vertritt, wolle eine Berufung prüfen. Fler kündigte direkt im Anschluss an den Prozess an, gegen das Urteil vorzugehen. Laut FAZ strebe Fler "aus Prinzip" an, weitere juristische Schritte einzuleiten. Bushidos Familie sei die letzte, die von ihm Mitleid bekäme. Sollte Fler den Track nicht ändern oder löschen, droht ihm ein Ordnungsgeld von 250.000 Euro. Ersatzweise könnte er eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten absitzen.

Es scheint so, als würde sich auch der juristische Schlagabtausch der beiden ehemaligen Weggefährten noch eine Weile ziehen. Zuletzt hatte Fler in einem Interview klargemacht, dass die Auseinandersetzung mit Bushido viel mehr als ein Rapbeef sei.

Fler über Bushido-Diss: "Krieg, kein Entertainment"

Von David Molke am 06.12.2019 - 18:01 Die Hiphop.de Awards 2019 befinden sich in vollem Gang. Das heißt, dass du noch bis zum 2. Januar 2020 für deine Favoriten des Jahres 2019 abstimmen kannst. Dabei gibt es wie jedes Jahr auch dieses Mal wieder die Kategorie zum Video des Jahres.

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Fler droppt Sklaven-Line gegen Jalil, aber will sie nicht rassistisch meinen

Fler droppt Sklaven-Line gegen Jalil, aber will sie nicht rassistisch meinen

Von HHRedaktion am 23.03.2020 - 12:02

Dass Fler auf seinem neuen Album "Atlantis" auch Lines gegen den ehemaligen Homie und Kollabopartner Jalil rappt, überrascht sicher die wenigsten Hörer. Die Art und Weise sorgt allerdings für mehr als ein fragendes Stirnrunzeln.

Fler nennt Jalil auf "Atlantis" einen Sklaven

Der zweite Part im Song "Mood" ist offenbar größtenteils an den Ex-Maskuliner addressiert. Fler stellt zunächst seinen jahrelangen Support und vermeintlichen musikalischen Einfluss in den Mittelpunkt:

"Du warst drei Jahre dabei, danach vorbei / Auf Wiedersehen und goodbye / Denkst du, jetzt kommt deine Prime? / Wie die Airline Setzt deine Ziele zu high / Wer gab dir Push wie der Whitey? / Holte dich damals zurück aus den 90s"

So weit, so gut. Bars über die persönlich Historie miteinander, etwas Selbstbeweihräucherung – Attitude wie in einem Battle eben. Danach geht es unter die Gürtellinie, indem Fler Jalil als Sklaven bezeichnet:

"Doch du warst zu Pinky, ich Brain / Im Apple Store warst du ein Slave / Bei mir dann Django Unchained"

Mit der Wortwahl kann er zwar auch ungerechte Bezahlungen bei Apple oder in unserer Gesellschaft generell meinen und in diesem Hinblick würde die Line auch funktionieren. Einen dunkelhäutigen Kollegen als Sklaven zu betiteln, deutet nichtsdestotrotz auf rassistische Denkmuster hin, die im Hinterkopf ablaufen. Gleichzeitig inszeniert Flizzy sich selbst implizit als den gönnerhaften Retter Dr. King Schultz (in "Django Unchained" gespielt von Christoph Waltz), der Django im Film aus einem Sklavenzug befreit und anschließend mit ihm zusammenarbeitet, während sich eine Freundschaft entwickelt. Der Vergleich ist bewusst provokant formuliert und die Reaktionen darauf können Fler nach 20 Jahren Deutschrap nicht überraschen.

Jalil reagiert überrascht

Jalil hat den Front in dieser Form wohl nicht kommen sehen. Laut seiner IG Story sind er und Fler sich vor der Albumabgabe bei einem persönlichen Treffen respektvoll begegnet. Erst kürzlich, nach Flizzys Entlassung aus der U-Haft, sollen sie noch telefoniert haben. Fler hätte noch genug Zeit gehabt, seine Worte zu überdenken, so Jalil, der außerdem daran erinnert, dass er sich bei den Rassismusvorwürfen Anfang 2019 schützend vor seinen damaligen Homie stellte.

Jalils Einordnung der Sklaven-Line auf dem neuen Album: "Hättest gleich N**ga sagen können. Wäre der gleiche Effekt gewesen."

Flers Erklärungsversuche auf Instagram

Auf Instagram geht es dann auch weiter: Dort bezeichnet Fler diejenigen, die ihm letztes Jahr Rassismus vorgeworfen haben, als Idioten. Er meint, Jalils Einsatz damals wäre nur dagewesen, um "wieder den souveränen Mann zu spielen". In seinen Augen hätte "jeder loyale Typ" nichts gesagt, anstatt einen Freund in Schutz zu nehmen.

Hinzu kommt seine Anschuldigung, Jalil hätte Rocker geschickt, die ihm aufgelauert hätten. Zur "Slave"-Zeile liefert er nur eine sehr dürftige Erklärung, mit der er zumindest andeuten will, dass die Wortwahl nichts mit der Hautfarbe zu tun hätte: "Du bist für mich genau so ein 'Slave' wie Bushido einer ist!"

Danach schließt er mit dem Scheinargument, er könnte gar kein Rassist sein, weil er Jalil mehr geholfen hätte als es jemals jemand anders tun würde. Einmal ganz deutlich: Wir halten Fler nicht per se für einen Rassisten. Aber drei Jahre Zusammenarbeit mit Jalil funktionieren nicht als lebenslange Freikarte für Lines, die zumindest einen rassistischen Hintergrund haben – und das ist bei Zeilen, die die Black History bewusst als Angriffspunkt nutzen, eben der Fall.

Einen kleinen Throwback in den Januar 2019, als Fler von der schwarzen Community scharf kritisiert wurde und Jalil ebenfalls seine Meinung teilte, findet ihr hier:

Nach Rassismusvorwürfen gegen Fler: Neue Statements von Jalil, Telson & Sylabil Spill

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