"Tiefpunkt erreicht": Farid Bang kritisiert den aktuellen Stand von Deutschrap

Farid Bang ist gerade auf Interviewtour durch die deutsche Hiphop-Medienlandschaft. Bei seinem Stopp bei Deutschrap ideal spricht der Düsseldorfer viel über seine Vergangenheit, kritisiert aber auch den aktuellen Stand von Deutschrap. Laut Farid sei das Genre mittlerweile an einem "Tiefpunkt" angelangt. 

Farid Bang über aktuellen Deutschrap: "Gar nichts Besonderes mehr"

Farid Bang zufolge gehe das "gesamte Rap-Genre" gerade "in eine vollkommen falsche Richtung". 95 Prozent von dem, was mittlerweile in Deutschrap-Playlisten oder Castingshows laufen würde, sei "Schrott". Er kritisiert vor allem, dass Deutschrap keine eigene Identität entwickeln würde. Es gebe laut Farid zu viele deutsche Rapper, die genauso rappen würden wie ihre prominenten Vorbilder aus Atlanta, Marseille oder Toronto. Dadurch würden sie modernen Sound lediglich kopieren anstatt ihn selbst produzieren. "Ich höre viel Drake, aber ich versuche auch nicht, Drake zu sein", fasst der Düsseldorfer seine Meinung zusammen. Als Beispiel für deutsche Rap-Identität nennt Farid Bang "Chor-Beats". 

"Das ist eine Erfindung von Deutschrap [...] Das gab es nicht in Frankreich, das gab es nicht in Amerika, das gab es nirgendwo [...] Bushido, Generation Kollegah/Farid Bang, Haftbefehl, Xatar, das ist unsere Kreation. Das muss man den Leuten mitgeben."

Außerdem bemängelt Farid Bang die fehlende Authentizität und Substanz, die laut ihm mittlerweile im deutschen Hiphop vorherrschen würde. Aktuelle Newcomer müssten das, was sie in ihren Songs rappen, nicht mehr selbst darstellen. Das führe laut Farid dazu, dass sich nur noch wenige deutsche Rapper trauen würden, Interviews zu geben, weil ihre Persona dabei auffliegen könnte. Zu seiner Anfangszeit sei das noch anders gewesen:

"Die haben nicht mal die Power, sich irgendwo hinzusetzen und denen zu zeigen, dass der das auch ist, was der rappt. Als ich 18, 19 Jahre alt war, habe ich mich in Interviews gesetzt und habe direkt gezeigt: 'Leute, jetzt bin ich da, ich bin es, ich f*ck euch alle, ich bin der Beste, ich bin der Krasseste'. Das hast du heute alles nicht mehr."

Wie der Düsseldorfer erklärt, habe das hauptsächlich damit zu tun, dass der Deutschrap-Markt mittlerweile übersättigt sei. "Du hast mittlerweile mehr Rapper als Fans", so Farid Bang. Es sei "gar nichts Besonderes mehr", ein Deutschrap-Artist zu sein.Eine Mitschuld schreibt Farid zudem Influencern zu, die - zum Teil auch erfolgreich - als "Quereinsteiger" in die Szene eindringen würden. Das würde, Farid Bang zufolge, die gesamte Szene entwerten. Dabei nennt er ein prominentes Beispiel:

"Da kommt eine Influencerin, die tanzt, und sagt: 'Okay, ich will jetzt Musik machen, ich kann nicht singen, okay, ich rappe jetzt'. Dann holt sie irgendeinen Ghostwriter, machen irgendwelche Anglizismen und basteln sich dann einen Song da draus."

Trotzdem möchte Farid Bang kein "Gatekeeper" sein. Wenn beispielsweise Zah1de einfach einen viralen TikTok-Hit oder Tanztrend starten wolle, dann "ist das okay". Aber dann müsse man vom Banger Musik-Chef eben keinen Respekt erwarten. Farids Anspruch sei nämlich, der "beste Rapper" zu werden – und daran messe er auch heute noch seine Konkurrenz.

Das ganze Interview könnt ihr euch auf dem Kanal von Deutschrap ideal anschauen. Bei 4:56 und 56:37 geht es um die deutsche Hiphop-Szene:

Auf seinem neuen Song "Requiem" beantworten Farid Bang und Feature-Partner Kollegah die Frage, ob es jemals ein "JBG 4" geben wird. Mehr dazu könnt ihr hier lesen:

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