Fail: FDP blamiert sich mit Nazi-Graffiti im Werbevideo

Die FDP wollte ganz offensichtlich ungefähr so etwas machen, wie es die Hooligans gegen Satzbau machen. Aber die neoliberale Partei schießt meilenweit an ihrem eigentlichen Ziel vorbei und blamiert sich bis auf die Knochen: Ihr neuestes Image-Video soll anscheinend witzig, locker und cool wirken, aber ist leider einfach nur peinlich und menschenverachtend geworden. Zu allem Übel sind darin auch noch beinharte Nazi-Parolen zu sehen, die unkommentiert stehen bleiben.

Mega-Fail: FDP-Video zu "Orthograffiti" geht in die Hose

Es hagelt Kritik von allen Seiten. So haben sich das die Marketing-Menschen hinter dem Video mit Sicherheit nicht vorgestellt. Aber unter dem neuesten Video der Partei findet sich auf den ersten Blick kein einziger positiver Kommentar. Stattdessen bricht ein gewaltiger Shitstorm der Entgeisterung und Fassungslosigkeit über der Partei herein.

Darum geht's: In dem "Orthograffiti"-Video der FDP ist ein verpixelter Writer zu sehen, der Rechtschreibfehler in Graffiti verbessert. Damit will die Partei nach eigenen Angaben für mehr Bildung werben. Unter anderem auch, um solche Graffitis zu unterbinden, wie sie im Video zu sehen sind.

Das Problem dabei ist: Im Video sind menschenverachtende Nazi-Parolen zu sehen. Die werden – so unglaublich das klingt – aber nicht durchgestrichen oder übermalt, nein. Im Gegenteil: Sie werden verbessert und dann so stehen gelassen. Unkommentiert, unwidersprochen.

Solange die Rechtschreibung stimmt, hat die FDP also offenbar kein Problem mit derlei Aussagen. Sie hilft durch dieses Video sogar noch dabei, sie weiter zu verbreiten. Am Ende des Videos heißt es dann sogar, dass die benutzte Farbe wasserlöslich sei. Also bleibt selbst von den Verbesserungen nichts übrig.

FDP on Twitter

Je roher die politischen #Debatten im Land, desto klarer wird für uns #FreieDemokraten: Nie war #Bildung wichtiger als heute. Deswegen setzen wir uns mit der Aktion #Orthograffiti für eine bessere #Bildungspolitik ein. https://t.co/QMyaOA3Sdl

Die Reaktionen sprechen eine deutliche Sprache

Löschung & Entschuldigung? Eigentlich fordern die meisten Menschen, die auf das Video antworten, dass die FDP das Ding schnellstmöglich löscht und sich entschuldigt.

Sophie Regel on Twitter

@fdp Ich fänd's wirklich gut wenn ihr diesen Clip löschen würdet. Ihr wiederholt darin Botschaften anderer Menschen, die nicht mit unseren liberalen Werten vereinbar sind. Und es gilt zudem Kommunikationsregel Nr 1: Wiederhole keine Negativbotschaften...

Zentrum für Politische Schönheit on Twitter

@fdp Um gotteswillen, was geht denn mit der FDP? „Scheiss Asylanten" mit SS und richtig geschrieben geht klar mit Euch. Sonst fehlt Euch nichts?

Andie Wörle on Twitter

@fdp Die Nazi-Sprüche durchstreichen, bei "refugees not welcome" das "not" durchstreichen... Das wäre mal eine starke Aktion der #FDP gewesen! Damit hätten sie eine Botschaft für bessere #Bildung & gegen rechts setzen können. #Orthograffiti #RefugeesWelcome

Ein Großteil der Twitter-Nutzer kann schlichtweg nicht glauben, dass es sich dabei wirklich um den Original-Account der echten FDP handelt. Andere wundert das weniger.

Fox Witch on Twitter

@fdp hallo ihr sollt die dosen nicht vorher saufen, okay?

Der Gazetteur on Twitter

@fdp Aaahahaha... das ist ja wirklich der echte FDP-Account.

هانا on Twitter

@fdp wie sehr kann rechtsextreme hetze verharmlost werden?? das ist sogar für eure verhältnisse n neuer tiefpunkt

Aber alle scheinen sich einigermaßen einig zu sein, dass die FDP damit einen unglaublichen Bock und sich selbst ins Knie geschossen hat. Auch andere Politiker*innen wie Sawsan Chebli reagieren auf das Fail-Video.

Sawsan Chebli on Twitter

Liebe @fdp, meint Ihr wirklich, wenn man „Sieg Hail" oder „Fick die Polisei" oder „scheiss Asilanten" richtig schreibt, tut man was für die Bildung? Ich kapiere es einfach nicht. https://t.co/T3NRIQsut8

Kevin Kühnert on Twitter

Wer erinnert sich nicht an die mutige Rede von Otto Wels, der den Nazis entgegenschmetterte: "Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Orthographie nicht!" https://t.co/CXW3Pc4LBV

Shahak Shapira on Twitter

Selbst wenn Deutschland durch den Rechtsruck irgendwann wieder in eine genozidale Diktatur verwandelt wird, wird immerhin die mutige @fdp zusehen, dass wir alle "Sieg Heil" richtig buchstabieren. https://t.co/yIv2lV42k8

Frank Walter on Twitter

@fdp Die #FDP erweist sich als Nazihelferpartei. Mehr gibt es dazu nicht mehr zu sagen.

hottentot on Twitter

@fdp Eine selten blöde Idee. Vielleicht gibt man demnächst Nachhilfestunden, wie man fehlerfrei eine Synagogentür aufsprengt? Irgendwie habt Ihr sie auch nicht mehr alle auf der Latte.

Viele erinnern an Irmela Mensah-Schramm. Die ältere Dame wurde zu einer hohen Geldstrafe verurteilt, weil sie Nazi-Schmiereien und rechte Parolen immer wieder übermalt hat.

xenia on Twitter

@fdp WTF excuse me? Habt ihr das gerade wirklich gemacht? Über den Humor der Aktion lässt sich streiten, I don't care. Aber ein falsch geschriebenes „Sieg Hail" korrigiert man doch nicht kommentarlos, sondern ENTFERNT oder BESPRÜHT es komplett.

Reinhard Peters on Twitter

@fdp Liebe @fdpFür das, was ihr öffentlich in eurem Video macht, ist die 73-jährige Irmela Mensah-Schramm zu einer fetten Geldstrafe verurteilt worden. Wie ich euch einschätze, zeigt ihr euch jetzt sicher solidarisch mit ihr & übernehmt diese Kosten. Danke für euren guten Willen!

Nils Lieberknechton Twitter

@fdp Andere übersprayen Hass, die FDP schreibt ihn richtig https://t.co/uRRhaBy0fz

Georg Schumann on Twitter

@fdp Naziparolen korrigieren... Ihr seid ja tatsächlich noch dümmer als ich dachte! Wo anders werden Leute vor Gericht verurteilt, weil sie selbige entfernen! Und ihr korrigiert den scheiß auch noch!

Auch uns fehlen angesichts des Videos beinahe die Worte. Auch wenn wir Graffiti generell befürworten: Derartige menschenverachtende, demokratiefeindliche und geschichtsrevisionistische Hetz-Schmierereien müssen entfernt oder übermalt werden – nicht verbessert.

nici kiendlon Twitter

Liberale 2019:

Wie die FDP in Frankfurt Stimmung gegen Graffiti macht

In Frankfurt gibt es zwei Graffitis, die der FDP offenbar ein Dorn im Auge sind. Die Partei hat nämlich anscheinend gerade den Denkmalschutz für sich entdeckt und stellt flugs eine Anfrage, wie der Magistrat denn bitteschön mit diesen "künstlerisch zweifelhaften Malereien" umzugehen gedenke.

Graffiti ist das beste Mittel gegen Hakenkreuz-Schmierereien

In den ersten drei Monaten dieses Jahres ist die Zahl rassistischer Attacken auf Wohnheime und Asylsuchende auf den höchsten Wert gestiegen, der jemals in einem vergleichbaren Zeitraum gemessen wurde:Laut der Bundesregierung gab es von Januar bis März 347 Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte, bei denen 40 Menschen verletzt wurden.

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Wie die FDP in Frankfurt Stimmung gegen Graffiti macht
FDP

Wie die FDP in Frankfurt Stimmung gegen Graffiti macht

Von David Molke am 02.10.2017 - 20:29

In Frankfurt gibt es zwei Graffitis, die der FDP offenbar ein Dorn im Auge sind. Die Partei hat nämlich anscheinend gerade den Denkmalschutz für sich entdeckt und stellt flugs eine Anfrage, wie der Magistrat denn bitteschön mit diesen "künstlerisch zweifelhaften Malereien" umzugehen gedenke.

Es geht um zwei ganz bestimmte Graffiti-Werke, die polizeikritisch daherkommen und jeweils schon viele Jahre dort prangen. Sie sollen aus 2013 und 2015 stammen. Auf dem einen heißt es "Niemand muss Bulle sein", während auf dem anderen "Freiheit stirbt mit Sicherheit" zu lesen ist.

Michael Müller on Twitter

Die @FDPffm beschäftigt sich mit Kunst im öffentlichen Raum am #Klapperfeld. Als gäb es nix wichtigeres. #römer #stvv

Jetzt, wo der FDP offenbar aufgefallen ist, dass es dort diese Graffitis gibt und das Gebäude ja unter Denkmalschutz steht, muss natürlich sofort zur Tat geschritten werden. Mit der aktuellen Stimmung, dass es seit dem G20-Gipfel in Hamburg anscheinend generell wieder total in Mode ist, bundesweit noch massiver gegen linke Strukturen vorzugehen, hat das selbstverständlich nicht das Geringste zu tun.

Das Sahnehäubchen bei der ganzen Angelegenheit ist, dass die FDP aus Chief Wiggum einfach Homer Simpson macht. Dabei dachte ich, die wären so jugendlich, frisch und digital. Naja, "Bedenken Second".

Bei Stadtkind findet sich ein ausführlicher Beitrag zu der Angelegenheit, aber auch anderswo im Netz gibt es bereits diverse Reaktionen:

FDP Frankfurt kritisiert Graffitikunst am Klapperfeld

Gestern Abend habe ich mal wieder in den Live-Audiostream der Stadtverordnetenversammlung reingeschaltet und eine Zeit lang zugehört. Parallel dazu gab's im Web diesmal zwar nur wenige Kommentare, darunter aber einen recht interessanten Tweet von Michael Müller, der u.a. als Stadtverordneter für die Partei Die Linke aktiv ist.

Jutta Ditfurth on Twitter

Niemand muss Bulle sein". FDP regt sich furchtbar ü dieses Graffito am Klapperfeld in #Frankfurt Aber ist doch ne nackte Tatsache! #Römer


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