Eko Fresh – Eksodus [Review]

Wäre deutscher Rap ein Kinofilm, dann wäre es Rocky IV – und Eko Fresh die Hauptfigur. Naja, mit weniger Muckies, einem osmanischen Schnauzbart  und weniger Haarspray im Bad. Und ohne Boxhandschuhe, die hat ihm ja Farid Bang für sein Label geklaut. Eko Fresh , das Stehaufmännchen des Raps. Viele sahen ihn am Boden, zerstört, aber er gab niemals auf. Mit seinem letzten Album Ek to the Roots brachte er in Runde 12 plötzlich genau das, was alle von ihm hören wollten: Realen Rap auf Kopfnickerbeats. Eben das, was er am besten kann. Vergessen sind die Ausflüge in die deutsche Popkultur oder bitterböse Beefgeschichten. Stattdessen zeigt er sich locker, sympathisch und menschlich korrekt – wie beispielsweise in unserem neuen Format Insider , in dem du Eko von der Auswahl des Beats über die Aufnahme im Studio bis hin zur Videopremiere bei der Entstehung eines Songs begleiten kannst. Mit Eksodus erscheint morgen nun sein neuestes Werk, Hörproben findest du auf Amazon – gelingt ihm der endgültige Befreiungsschlag und der Schritt auf Platz 1?

" ' Wird das dein letztes Album?' Kann schon sein/ Auf jeden Fall fahr' ich nie wieder einen and'ren Style/ Denn seit 2001 sind die Lines, die ich schreib'/ Unvergleichlich am Mic, Nummer eins weit und breit/ " – Eko Fresh im Intro

Jetzt mal im ernst... Ek to the Roots hatte 36 Anspielstationen, genau wie die iTunes-Version von Eksodus auch. Andere arbeiten drei Jahre an einem Album, das dann 12 Tracks beinhaltet – Eko schenkt dir für ein paar Euros innerhalb eines Jahres einfach mal 72 Tracks. Warum? Weil er es kann.

Quantität vor Qualität? Könnte man meinen, trifft hier jedoch nicht zu. Eksodus ist  sehr facettenreich geworden. Auf Tracks wie Jetzt bin ich dran , Der letzte Überlebende , Drück auf Play oder auch im Intro untermauert Eko aka " der Backpack-Kanacke " seinen Status im deutschen Rap – stets auf höchstem technischen Level und mit fließendem Flow. Dabei schreckt er auch nicht mehr vor dem ein oder anderen Seitenhieb zurück:

" Euer Arschloch brennt, als wär das hier ein Spiel bei Saw/ Wenn du ein' Schal trägst, kriegst du einen Deal bei Four/ Wir hab'n die Bravo Hiphop überlebt/ Und werden noch hier sein, wenn keiner mehr für Rapupdate an den Laptop geht/ " – Eko Fresh auf Der letzte Überlebende

Tracks wie das versaute… moment, doch nicht versaute Kein Plan , Quotentürke oder 3 in 1 zeigen Eko s starke humorvolle Seite. In einer Zeit, in der an jeder Ecke pseudo-harte Straßenrapper mit verstellten Stimmen ihre Youtubeclips aufnehmen, ist Eko s amüsante und lockere Art besonders ansprechend: " Wir haben Waffen die kill'n, ich nenne jeden Bruder, den ich kenne/ Gegen mich war sogar Tupac eine Memme/ ".

Zu Meckern gibt es kaum etwas. Die Beats von Joshimixu , Reef , Serious Sam , Easy B , Street Cinema Beats und Phat Crispy sind durchgehend stark produziert und bis auf das stampfende Quotentürke folgt fast alles einem roten Faden. Einzig der iTunes-Bonustrack Nordrheinwestside geht beattechnisch mit seiner konfusen Synthiemelodie, der platten Clap und den Pistolengeräuschen gar nicht. Ansonsten findet Eksodus weitab von aktuellen Trapbeats statt. Warum? Darum:

" Ich mach's für die Straße, ihr macht's für die Disse/ In euren Leopardenjeans seht ihr aus wie Bitches/ […] Ek Fresh, ich hab nicht in Cyphers geburnt/ Und dafür geblutet, um dann heute Tyga zu hör'n/ " – Eko Fresh auf Ek To The Future

Auch die ernste Seite von Eko wird auf Eksodus deutlich. Auf Money on my mind rollt er seine Kindheit neu auf und gibt der Jugend hilfreiche Tipps im Umgang mit Geld mit. Der wahre Weg bringt den Kids Tugend und Moral bei: " Werfe nicht deinen Stolz aus dem Fenster/  Lasse dich vom Erfolg nicht verändern/ Denn das schnelle Geld und der schnelle Fame/ Sind nicht der wahre Weg, du musst zu dir selber steh'n/ ". E.K.O. zeigt mal eben Eko s technische Raffinesse – hier zeigt er beeindruckende Skills und reimt drei Parts lang auf die gleichen drei Silben, bevor er auf Raptutorial 2 nochmal tief aus dem Nähkästchen plaudert.

Wer sich Eksodus kauft, bekommt auch eine zweite CD geliefert, Jetzt kommen wir auf die Sachen – zusammen . Hier versammelt Eko das Who is Who des deutschen Raps, das sich wiederum mit amerikanischen Legenden zusammentut. Besonders hervorzuheben sind Der blutige Pfad Gottes 2 ft. Farid Bang , ein bitterböser Battletrack, Feuer & Flamme ft. Azad , Pelikan Flieg ft. SSIO und Cuban Link sowie die Parts von MoTrip und Ali As auf Gangsta Squad . Die amerikanischen Features sind ein schönes Geschenk für US-Rap-Fans, werten das Release streckenweise ansonsten aber nicht unbedingt auf.

Fazit:

Eksodus überzeugt in vielerlei Hinsicht. Es beinhaltet nicht nur 35 ganze Tracks, sondern folgt stilistisch, inhaltlich und musikalisch ganz klar einem roten Faden. Eko rappt technisch sehr stark und zeigt sich äußerst facettenreich. Schwächen hat Eksodus kaum. Das Niveau knickt auf der zweiten CD etwas ein, auch  das ein oder andere Feature hätte man durchaus weglassen können, ansonsten gibt es kaum etwas zu bemängeln. Punkte gibt es zudem für die Auswahl der Featuregäste auf der zweiten CD, unter denen sich einige Perlen befinden (Pillath rappt!). Ganz klar: Eksodus ist ein starkes Album. Mehr Rap geht nicht.

Bewertung:

Beats: 7 von 10
Texte: 8 von 10
Features: 8 von 10
Flow: 8 von 10
Insgesamt :  7,75 von 10

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Nach jahrelanger Kritik: US-Rapperin ändert ihren Künstlernamen

Nach jahrelanger Kritik: US-Rapperin ändert ihren Künstlernamen

Von Djamila Chastukhina am 18.05.2021 - 15:26

Mulatto, die selbsternannte "Queen of da Souf", erhält bereits seit Beginn ihrer Karriere immer mal wieder starke Gegenreaktionen aufgrund ihres Künstlerinnennamens. Als Kind eines Schwarzen Vaters und einer weißen Mutter gilt sie als "mixed" und hat sich daher auch für den Namen Mulatto entschieden. Das wird jedoch aufgrund der Begriffsherkunft von vielen Menschen als problematisch und unsensibel angesehen.

Ursprung der Bezeichnung "Mulatto"

Das Wort wird laut dem Duden vom spanischen Wort "mulate" abgeleitet und bedeutet Maultier, die Kreuzung zwischen Pferd und Esel. Lange Zeit wurde "Mulatto" (oder deutsch: Mulatte) als Bezeichnung für Personen benutzt, die einen Schwarzen und einen weißen Elternteil haben. Der mittlerweile veraltete Begriff ist negativ konnotiert, da er hauptsächlich als rassistische Beleidigung galt: Das Schwarze Elternteil sollte den Esel symbolisieren, während das weiße Elternteil das Pferd darstellte.

Die 22-jährige Künstlerin ist sich der Geschichte ihres umstrittenen Künstlernamens bewusst:

"Originally, it was a derogatory term. But I took that negative energy and turned it into something positive. That's why my name is Mulatto."

("Ursprünglich war es ein abfälliger begriff. Aber ich habe die negative Energie genommen und sie in etwas Positives umgewandelt. Das ist der Grund dafür, warum mein Name Mulatto ist.")

Auch andere Künstler wählen diesen Begriff ohne negative Konnotation zur Selbstbezeichnung. Man nehme OG Keemos berühmtes Intro "Vorwort" als Beispiel:

"Dicka, glaub mir, kaum ist der Mulatto angetroffen

Ist der Schampus schneller angebrochen als dein Wangenknochen"

Genug von der Kritik an der "unsensiblen" Namenswahl

Jahrelang hat die Atlanta Rapperin ihren Namen verteidigt und musste sich ständig in Interviews oder auf Social Media Plattformen erklären. Nicht nur Rücksichtslosigkeit wurde ihr vorgeworfen. Ihr Name soll angeblich auch Schwarze Frauen mit heller Haut glorifizieren, was Colorism vorantreibe.

Colorism bezeichnet die Diskriminierung von Personen mit einem dunkleren Hautton, üblicherweise unter Personen derselben ethnischen Gruppe. In diesem Kontext profitiert eine Schwarze Person mit hellerer Haut von Colorism, während eine Schwarze Person mit dunklerer Haut aufgrund von Vorurteilen oder Stereotypen benachteiligt wird.

Die Künstlerin selbst bestreitet diese Art von Vorwürfen jedoch und hofft, dass solche "falschen Erzählungen" aufhören.

Für sie ist ihr Name lediglich eine Möglichkeit, um sich selbst ausdrücken zu können. Damit fühlt sie sich aber oft missverstanden.

"You get to a point where [the name] is not worth it anymore. I don’t know. Your intention is kind of being misinterpreted."

("Du kommst an einen Punkt, an dem [der Name] es nicht mehr wert ist. Ich weiß nicht. Deine Intention wird irgendwie falsch interpretiert.")

Abkürzung als neuer Künstlername

Im Januar bestätigte Mulatto, dass sie ihren Namen ändern wolle. Grund dafür sei vor allem die Tatsache, dass sie sich nicht mehr falsch verstanden fühlen möchte. Sie selbst kenne zwar ihre Intentionen, aber andere Menschen würden niemals aufhören, ihr Vorwürfe zu machen.

Nun kam die geplante Namensänderung. Sie hat sich jedoch nicht komplett neu erfunden: Vor kurzem benannte sie sich auf allen Streamingplattformen zu "Latto" (jetzt auf Apple Music streamen) um und kündigte gleichzeitig einen neuen Release unter ihrem neuen Namen an.

Die Namensänderung ist nun jedoch ein kontroverses Thema: Die einen sind froh darüber, dass sie sich die Kritik zu Herzen genommen hat. Andere hingegen hätten sich gewünscht, dass sie zu ihrer Entscheidung steht und dritte bezeichen ihre Namensänderung als "performativ", da Latto nur eine Abkürzung sei und nach wie vor dieselbe Bedeutung trage.


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