Gekaufte Klicks & Streams: Doku auf den Spuren von angeblicher Chart-Manipulation

Nachdem die Diskussion um "Klickkäufer" sowie Fake-Views und extreme Streaming-Zahlen in letzter Zeit ein bisschen abgeflacht ist, sorgt eine Doku des Y-Kollektivs nun für neuen Schwung in der Debatte. Der Reporter Ilhan Coskun geht in seinem Film der Frage nach, ob und wie sich heutzutage die Charts manipulieren lassen.

Kai der "Social-Media-Experte"

Der knapp halbstündige Beitrag zeigt Ilhan Coskun mehrfach neben einem gewissen Kai. Dieser ist komplett vermummt und stellt sich als jemand vor, der "aus dir einen Star machen" kann. Er gibt vor, für die Top-Künstler Deutschraps die Streaming- und Klickzahlen manipuliert zu haben. Teilweise wüssten die Künstler nichts von diesem Vorgehen. Doch sagt er ebenso: "Wenn sie es nicht wissen, ihre Manager wissen es."

Konkrete Namen nennt Kai nicht. Die Vorwürfe bleiben generell einfach im Raum stehen. Kai erzählt zudem, dass durch derartige Klickkäufe Geldwäsche betrieben werden würde. Belege dafür liefert er nicht. Auch seine Motivation sich überhaupt vor einer Kamera zu äußern, mutet ein wenig kurios an. Er begründet sein Handeln mit ausbleibender Bezahlung und damit, dass seine Freundin angebaggert worden sei.

Wie soll so eine Manipulation funktionieren?

Kai erstellt laut eigener Aussage mehrere Playlisten mit tausenden von Followern. Dafür besorgt er sich Anmeldedaten von Spotify-Usern. Wie er genau an diese Daten herankommt, bleibt ein "Betriebsgeheimnis". Songs, die er manipulieren will, lässt er in diesen Listen in Dauerschleife rotieren. Um nicht aufzufallen, fülle er diese Playlists mit anderen Künstlern auf, die zwangsläufig von diesem Prozedere profitieren würden.

Ilhan Coskun fragt im Zuge seiner Recherche auch bei der GfK an, die für die Ermittlung der Charts verantwortlich ist. Das Marktforschungsinstitut räumt ein, dass es schon Anhaltspunkte für so eine Manipulation gegeben hat - jedoch keine eindeutige Beweislage. Nur in Einzelfällen seien Künstler und auffällige Titel aus den Charts entfernt worden.

"Es gab in der Vergangenheit bereits Hinweise auf solch eine Art von Manipulation, die aber nicht hinreichend belegt werden konnten."

Die Doku lenkt den Fokus öfter auf Klick-Phänomene wie Mero und Sero El Mero. Gerade bei diesen Künstlern seien die Klick- und Streamingzahlen auffällig. Da Kai jedoch seine Auftraggeber nicht öffentlich nennen mag und keine Beweise liefert, ist diese Einschätzung nicht mehr als eine bloße Behauptung. Auch scheint die Szenekenntnis bei Kai eher gering. Er prognostiziert zum Beispiel, dass Sero El Mero mit "Ohne Sinn" massive Aufrufzahlen generieren werde und verkauft diese Information wie einen Insidertipp. Dabei ist Sero El Mero schon weit vor diesem Track ein absolutes Hype-Thema. Zu guter Letzt soll dem Reporter ein bekannter Rapper bestätigt haben, dass derartige Manipulationen übliche Praxis seien. Im Film auftauchen, möchte der Künstler nicht.

Error281 als (gescheiterter) Selbstversuch

Ilhan Coskun stellt sich quasi selbst als Versuchsobjekt für Chartmanipulation zur Verfügung. Er verpasst sich den Künstlernamen Error281 und produziert mit ein paar Bekannten den Track "8K" samt Video. Der Reporter will testen, ob man mit der Hilfe von Kai in die Charts gelangen kann.

Doch die Manipulation bei YouTube funktioniert zunächst nicht und auch die Auflösung, ob er es tatsächlich in die Charts geschafft hat, bleibt Error281 den Zuschauern schuldig. Wir haben nachgeschaut: Er ist nicht gechartet. Den gesamten Beitrag "Der Rap Hack: Kauf Dich in die Charts! Wie Klickzahlen manipuliert werden" kannst du hier sehen:

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Alle neuen Songs: Mero, Juju, Apache 207 & mehr im Deutschrap-Update

Alle neuen Songs: Mero, Juju, Apache 207 & mehr im Deutschrap-Update

Von Clark Senger am 14.06.2019 - 11:57

Ihr kennt das Prozedere: Wenn freitags halb Rapdeutschland neue Musik in Form von Songs, Alben, Tapes und EPs an den Start bringt, verschaffen wir euch einen Überblick. Auch diese Woche haben wir von Artists mit unglaublichen Klickzahlen bis ans untere Ende der digitalen Aufmerksamkeitsspanne einiges für euch in unserer Playlist "Groove Attack" kuratiert. Das Cover gehört dem zuletzt viel diskutierten Mero, der sich nicht auf Vorwürfe im Internet, sondern auf seine Mucke konzentriert.

In der neuen Single "Olabilir" wird der Ansatz, türkische Musik in seinen Sound einfließen zu lassen, noch weiter forciert. Die Saz als zentrales Element im Beat und nahezu traditioneller, arabesker Gesang im Chorus legen die Grundlage. Meros Rap, der ganz casual zwischen Deutsch und Türkisch switcht, rundet die Nummer ab. Hate it or love it – Mero fährt seinen eigenen Film weiter und hinterlässt in der Industrie herunter fallende Unterkiefer.

An einem prominenten Quintett, das auf einem Goldfinger-HK-Instrumental die Glocke zum "Royal Rumble" schlägt, kommt man diese Woche auch nur schwer vorbei. Capi, Samra, Luciano, Nimo und Kalazh kommen zusammen auf rund 6,5 Millionen Follower bei Instagram. Das allein ist natürlich kein Qualitätsmerkmal, aber mit aggressivem Sound und Rap kann das Gipfeltreffen der neuen Generation durchaus überzeugen. Goldfinger und Hasan K liefern ohnehin immer zuverlässig ab.

Ebenfalls in die Kategorie "jung & fresh" fällt Apache 207, der seit dem Frühsommer 2018 kontinuierlich seinen Hype weiter und weiter durch die Decke drückt. Mit "Nicht wie du" distanziert er sich vom Deutschrap-Einheitsbrei, ist diesem dabei zwar in den Rap-Parts näher als bei den meisten seiner bisherigen Singles, aber die aus der Szene vertrauten Elemente werden auch hier wieder durch eigenständige Melodien, einen Schuss Humor und Apaches unverkennbare Stimme aufgewertet.

Und wenn wir von Hypes sprechen, müssen wir heute auch Juju zu Wort kommen lassen. Die Rapperin hat ihr Solodebüt "Bling Bling" mit knackigen zwölf Songs veröffentlicht, von denen wir die Hälfte schon vorab zu hören bekommen hatten. Von den neuen Songs haben wir nicht den offensichtlichen Fokustrack "Hi Babe", sondern mit "Coco Chanel" eine deutlich rapfokussiertere Nummer für unsere Playlist gepickt.

Auch aus den neuen Release von Montez, der Bantu Nation, ODMGDIA und Dead Dawg haben wir Songs in die Liste gemischt. Bei "Wachsam" des inhaftierten Bantu-Members OTW handelt es sich zwar um einen fast zwei Jahre alten Song, der in Köln bereits einen gewissen Street Hype genossen hat. Jetzt ist er aber erstmals im Streaming verfügbar und manch einer dürfte Gefallen an OTWs Delivery und der Stimme mit Wiedererkennungswert finden.

Für Abwechslung sorgen zudem Sido mit Yonii und Beka, Die Orsons T9, Cashmos 90er-Sound, M.O.030, Greeen mit seinem Reggae-Entwurf, Summer Cem mit der nächste Capi-Kollabo, Capo, Hanybal mit Olexesh sowie Sierra Kidd mit Feelikz. Einiges zu entdecken also in unserer wöchentlichen Königsmische!

Was sonst noch neu ist, aber nicht in unserer Playlist platziert wurde, könnt ihr in unserem Überblick über die Neuerscheinungen abchecken.

Alle neuen Songs

  • Kalazh44, Luciano, Capital Bra, Nimo & Samra – Royal Rumble
  • Apache 207 – Nicht wie du
  • Summer Cem ft. Capital Bra – Diamonds
  • Mero – Olabilir
  • Juju – Hi Babe
  • Die Orsons – Dear Mozart
  • Sido ft. Yonii & Beka – Melatonin
  • Hanybal ft. Olexesh – Illegal
  • Capo – Alexander Wang
  • PA Sports ft. Moe Phoenix – Warum Ich
  • Marvin Game – Nie wieder warten
  • kidd ft. Feelikz – Altes Ich
  • Mert Abi - Sunpoint
  • KEZ ft. Bato – Zu viele Frauen 
  • M.O.030 – Hoffnung stirbt zuletzt
  • Majoe – Chellam
  • Sero – Vertigo
  • T9 ft. Wandl & Jamin – Fly
  • GReeeN – Honey Rider
  • Johnny Pepp – Rapgame
  • Ramo & Marlo – Der Moment
  • Ciro – Mama sagt
  • Chapo102 – Sie ruft an
  • Frizzo ft. Serious Klein – No Drill
  • Karmo Kaputto, Gera Berlin & Tamas – Nimm dir
  • Racailles ft. Manio, Kaïko & Bi66z - Crazy
  • Essow – Fallen
  • Omik K – Guawei Zwanni (Donnerstag)
  • Terra Pete – Erdenmann (Donnerstag)

Alle Releases

  • Juju – Bling Bling
  • Bantu Nation – Free Bantu Nation
  • PTK – Kein Mensch ist digital
  • Montez – Kokon EP
  • ODMGDIA – Chapter 3: It's thursday already I should go home (EP)
  • Greeen – Honey Rider (EP)

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