Vor ziemlich genau einer Woche hat Kollegah mit "Kanzler (Frührentner Tape Vol. 1)" sein - recht kurzweiliges - Karriereende beendet und unter neuem, alten Namen ein weiteres Mal zum Mic gegriffen. Das Felix-Blume-Debüt ist gestern auf Platz drei der Albumcharts eingestiegen und war in den vergangenen Tagen vielfach diskutiertes Thema in großen deutschen Medien. Unter anderem die Zeit, die Welt, die taz, die Süddeutsche und zahlreiche weitere Portale legen ihr Augenmerk vor allem auf einen Song der Platte: "Deutschland".
Kollegah will für "Deutschland" kämpfen
Auf der 15. Anspielstation des Albums geht es um den, in den Augen des selbsternannten Bosses, desolaten Zustand unseres Landes. Und darum, wer Deutschland aus der vermeintlichen Notsituation herausholen kann. Spoiler, Kollegah höchstpersönlich. Die Kernprobleme sind schnell erkannt: Das zu "JBG"-Zeiten noch mit einem eigenen Song geehrte "Butterfly" in der Hand von "irgendwelchen Psychos" und schweinisch grinsende Politiker, die sich "entspannt daheim Champagner" reinkippen. Unter Kolles Führung sähe das anders aus, so der Tenor des Tracks:
"Wär ich Kanzler, würd ich für Deutschland kämpfen bis aufs Blut"
Die Hook ist eine Mischung aus Zitat und Referenz an das von Heinrich Heine verfasste Gedicht "Nachtgedanken". In der "Full Cinematic Album Experience", einem einstündigen Musikvideo zu allen Songs des Albums, untermalen Bilder von wehenden Deutschlandfahnen, bettelnden Rentnern und Überwachungsvideos, die Gewalttaten zeigen, Zeilen wie "Aus dem stolzen Adler wurde ein geprügelter Hund".
Je nachdem, wo man schaut, fällt die Rezeption des Tracks äußerst unterschiedlich aus. In den YouTube-Kommentaren finden sich hauptsächlich positive Meinungen (inwieweit die Beiträge moderiert wurden, lässt sich nicht sagen). Der aktuelle Top-Kommentar richtet sich an Bundeskanzler Merz, dem geraten wird, schon mal den Schreibtisch zu räumen. Ein anderer User vermutet, dass Twitter "brennen" wird, sobald "Deutschland" seinen Weg zu der Plattform finde. Eine Einschätzung, die sich nur in Teilen bewahrheitet. Dort gibt es nämlich beispielsweise von AfD-Politiker und Bundestagsmitglied Maximilian Krah großes Lob für den Song. Er schreibt, dass "die Wende" nicht "aus den subventionierten Theatern, den Universitäten oder dem Staatsfunk, sondern aus Rap, Internet und von der Straße" komme.
Aufgrund des Song-Narrativs und des daraus resultierenden AfD-Zuspruchs nennt die taz "Deutschland" einen "feuchten Traum der neuen Rechten". Die Tageszeitung versteht den Track als eine Art Hymne für die AfD und einen "lang ersehnten Link der Neuen Rechten zur Mainstreampopkultur". In der Welt wird das Ganze weniger kritisch gesehen, aber auch hier ist die Rede von "immer wieder ins Populistische abdriftenden Versen". Die Zeit erklärt Kollegah derweil zu einem "Pionier für Patrioten-Rap" und spekuliert, dass er mit dieser Neuausrichtung dafür sorgen könne, dass Hiphop für rechte Politik anschlussfähig werden kann. Die Süddeutsche Zeitung hofft, dass Kollegahs Kanzlerschaftsträume genau das bleiben, Träume, und sieht in der thematischen Neuausrichtung den "neuesten, folgerichtigen Aggregatzustand des Künstlers, der seit je über den Wandel des deutschen Mannes und des männlichen Körpers, seine 'Bosstransformation', gerappt hat".
Und was sagt Kollegah selbst zu dem ganzen medialen Trubel um sein neues Release? Gar nicht mal so viel. Über Instagram kündigt er an, nun erst einmal "in die Winterferien" zu gehen, bedankt sich für die Top-3-Platzierung seines Albums und sieht der kommenden Zeit erwartungsvoll entgegen: "Auf eine goldene Zukunft!"
Großartige Reaktionen aus der Rap-Szene gibt es bislang nicht.
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