Crada – der Mann hinter Drakes "Fireworks"
Zugegeben – das war schon eine große Nummer, als der Mannheimer Produzent Crada plötzlich nicht mehr innereuropäisch Beats shippte, sondern plötzlich mit Hochkarätern wie Young Buck oder The L.O.X. teamte. Als er dann noch eine seiner Produktionen auf Kid Cudi s Man On The Moon: The End Of Day platzieren konnte, war der Drops gelutscht. Hyyer stach mit seinem zurückgelehnten Vibe irgendwie aus der Masse der restlichen Mondmannmelodien heraus und wurde durch die Bank von jedwedem Rapper für gut befunden. Ein knappes Jahr, diverse Remixe und eigene Projekte später, dann die nächste Sensation: Crada produziert Fireworks , den Opener für Drake s Debüt Thank Me Later , das Rapalbum des Jahres 2010. Was muss das für ein Gefühl sein, wenn rund eine halbe Millionen Menschen innerhalb einer Woche die CD des am krassesten gehypten Newcomers des Rapgeschäfts in die Anlage legt und die ersten 5 Minuten und 13 Sekunden wurden von dir produziert? Jan Wehn sprach mit Crada über seine Erfahrungen mit dem US-Markt, seine Art zu produzieren und Pläne für die Zukunft.

Was ist das für ein Gefühl, die CDs des vielversprechendsten Rapnachwuchsstars in den Händen zu halten, das Album mit einer eigenen Produktion zu eröffnen und seinen Namen in den Credits zu lesen?
Großartig natürlich! Das ist jetzt das zweite mal innerhalb eines Jahres, dass mein Name neben dem von Kanye West in den Producer-Credits zu lesen ist - das ist verrückt!
Wann hast du denn erfahren, dass Fireworks der Opener von Thank Me Later wird und Alicia Keys mit auf dem Song sein wird?
Das Fireworks der Opener wird war schon im November 2009 klar. Tatsächlich war Fireworks auch überhaupt erst der Startschuss der Aufnahmen zu Thank Me Later . Eigentlich hatte Drake ein anderes Wunsch-Feature für den Song. Leider hat das dann nicht geklappt. Alicia hat dann einen Tag vor Master-Abgabe in Deutschland aufgenommen. Sie war gerade auf Tour hier und hat dafür extra ihre Toningenieurin einfliegen lassen. Mir gefällt Alicia s Feature auf jeden Fall besser als der Wunsch-Gast (lacht).

Wie kam der Kontakt mit Drake eigentlich zustande?
Das Ganze ging los als der Deal mit Kid Cudi in trockenen Tüchern war. Das war so im Juni 2009. Wir haben überlegt was wir als nächstes angehen wollen. Ich habe zu diesem Zeitpunkt Drake s Mixtape So Far Gone krass gefeiert. Also haben wir nen Plan gemacht: Ich kümmere mich um die Musik und Kitsune und B.A. machen den Kontakt klar. Im Oktober stand schließlich der Draht und wir haben die Tracks rübergeschickt. Einen Monat später hat 40 mich angerufen. Der Rest ist Geschichte.  Wie viel Arbeit steckt für dich, Kitsune und B.A. dahinter, solche wichtigen Kontakte in den USA zu bekommen?
Das Networking nimmt natürlich sehr viel Zeit in Anspruch. Kitsune und B.A. sind das perfekte Team in allen Belangen. Ich liebe die Jungs (lacht)!

Ich hatte vor kurzem ein Interview mit dem Hamburger Produzenten Raw Uncut für die JUICE, der ja auch einige Produktionen für US-Rapper gemacht hat. Er und sein Manager meinten, dass es oft wahnsinnig lange dauert, bis ein Instrumental gepickt wird, dann aber gleichzeitig auch von jemand anderem benutzt wird oder es auch mal passieren kann, dass dein Beat ohne die nötigen Credits veröffentlicht wird. Was sind da deine Erfahrungen?
Sowas kann man nie ausschließen. Aber wir selektieren sehr genau wem wir Beats geben. Wir machen keine Mixtape-Geschichten, sondern nur Alben. Dadurch passiert so etwas fast gar nicht.

Du warst ja auch mit Kitsune in New York. Hast du Drake oder 40 denn auch mal getroffen?
Ja, wir waren mehrmals in New York. Drake und 40 kommen allerdings aus Toronto und haben dort auch ihr Studio. Wir wollen uns jetzt bei Drake s Europa-Tour das erste mal treffen um auch mal auf das Album anzustoßen. Bisher hatte ich immer nur Kontakt mit 40 . Wir haben während der Entstehungszeit von Thank Me Later viel telefoniert.

Ich habe ein Interview mit 40 gelesen, in welchem er die Entstehungsgeschichte von jedem Beat erzählt. Dort erwähnt er auch, dass quasi nur der Titel und die Linernotes von dir wären. Für mich hatte das so einen negativen Unterton. Wie war das denn nun und wieviel ist jetzt noch von deinem Beat übrig? Der Beat klingt von seiner gesamten Machart ja schon, als wäre er wie für Drake gemacht. Hast du das Instrumental exklusiv für ihn produziert oder kam dieser Drake-Touch erst durch die Koproduktion von 40?
Wie gesagt, ich habe fast ein halbes Jahr exklusiv Sachen für Drake gemacht. Dabei sind etwa 50 Tracks entstanden. Er hat viele Tracks gefeiert, aber nur Fireworks hat es auf das Album geschafft. Die Songs waren alle Drake auf den Leib geschneidert und als logische Folge zu den Tracks von So Far Gone aufgebaut. Aber ich weiß, welches Interview du meinst. Die Formulierungen finde ich etwas unglücklich. Aufbau, Akkorde, Instrumentierung, Titel und selbst die Feuerwerk-Sounds am Anfang sind genau so in wie in meinem ursprünglichen Beat. Aber ich will hier keine weiteren Diskussionen anfeuern. 40 und ich sind cool und wir haben ein großartiges Stück Musik geschaffen. Das ist das was zählt. Weißt du eigentlich, ob eine VÖ von Fireworks in Planung ist?
Dazu kann ich noch nichts sagen. Nur soviel: Der Song ist auch ohne Single-VÖ auf Platz 71 der US-Single-Charts eingestiegen - nur durch iTunes-Verkäufe. Könnte also noch spannend werden (lacht).

Ich habe gelesen, dass du den Beat zu Pass My Shades von B.o.B gar nicht produziert hast, dass aber fälschlicherweise behauptet wurde. Selbst ich bin bei meiner JUICE-Rezension des Albums darauf reingefallen. Was war da los?
In der JUICE -Rezension? Wie krass (lacht)! Ich weiß selbst nicht so genau wie das passiert ist. Ich denke es hat damit angefangen, dass ein französischer Blog die Production-Credits von Kid Cudi s Man on the Moon: The End of Day kopiert und als die von B.o.B. ausgegeben hat. Dann war es auf ein Mal bei Wikipedia und seitdem hält sich das hartnäckig obwohl ich das mehrmals dementiert habe (lacht).

Deine Produktionen für den US-Markt, die auch größere Aufmerksamkeit bekommen haben zeichnen sich, wie ich finde, durch diesen zurückgelehnten Vibe aus. Wie kommt das? Generell machst du ja auch härtere Beats.
Ich denke, dass der Vibe den du beschreibst schon so ein bisschen mein Markenzeichen geworden ist. Ich mache ja auch viel RnB. Solche Sachen liegen mir mittlerweile auch viel mehr am Herzen, weil man da viel mehr Liebe und Kreativität reinstecken kann. 

Was mich mal interessieren würde: siehst du die Musik eigentlich vor deinem inneren Auge, wenn du produzierst? Oder ist das, neben Harmonielehre und solchen Geschichten, eher ein Gefühl, was jetzt gut zusammenpassen könnte?
Ich habe bei jedem Beat den ich mache sofort den Künstler vor Augen, der den Song am Ende performen sollte. Meistens klappt das dann auch. Gerade im Fall von Drake beschäftige ich mich sehr intensiv mit dem Künstler und stelle mir selbst essenzielle Fragen: Was ist sein musikalischer Background? Wo sieht er sich? Was ist sein Ziel? Wer sind seine Fans und was erwarten sie von ihm? Das sind alles sehr wichtige Faktoren über die ich mir im Vorfeld Gedanken mache. Auf der Produktions-Seite ist es dann stark von dem Genre abhängig mit was ich anfange. Bei Rap starte ich meistens mit den Drums um Vorweg ein gutes Energie-Level zu haben. Bei RnB starte ich meistens mit den Harmonien um die richtige Atmosphäre zu schaffen und wähle die Instrumente sehr bewusst. Trey Songz funktioniert nicht auf einer Hammond-Orgel und Musiq Soulchild nicht auf einem Synthie-Brett.

Ich habe letzte Woche ein Interview mit Araabmuzik gehabt. Er meinte, er würde meist höchstens eine halbe Stunde an einem Beat sitzen - alles andere wäre Zeitverschwendung. Wie lange dauert das bei dir?
So pauschal kann ich das nicht sagen. Das ist auch stark vom Genre abhängig. RnB-Songs brauchen mehr Aufmerksamkeit. Da kommt es stark auf Arrangement und Songstruktur an. Und bei den Rap-Sachen ist es wiederum abhängig für welchen Künstler das Ding ist. So ein 08/15 Rap-Beat ist im Prinzip ja nur ein Loop, das dauert dann nicht so lange. Künstler wie Rick Ross haben wiederum sehr gut arrangierte Beats, die über starke Hooklines funktionieren. Die brauchen dann auch wieder eine bessere Songstruktur, die mehr Zeit in Anspruch nimmt. Du hast mal erzählt, dass du bei einem Videospiele Hersteller arbeitest. Was machst du da genau? Geht es da um Soundtrackproduktion oder eher andere Bereiche?
Mittlerweile bin ich dort nur noch ein mal in der Woche. Das hat nichts mit Musik zu tun. Das ist quasi mein Dayjob. Ich habe eine Kaufmanns-Lehre und ein paar Semester Internationales Management hinter mir und das nutze ich um mir ein zweites Standbein zu erhalten.

Okay, zurück zur Musik. Auf deinem Blog hast du von einer sehr kreativen Songwriting-Woche am Bodensee erzählt. Bei Twitter liest man gerade oft, dass du viel mit Curse machst und gerade auch bei ihm in Köln warst. Was kommt da auf uns zu?
Das wird noch nicht verraten. Prinzipiell geht es dabei darum für verschiedene US-Künstler zu schreiben um komplette Songs einzureichen.

Hat das auch etwas mit The Achtung Achtung zu tun?
Nein, damit habe ich nichts zu tun. Aber Mike hat mir schon Sachen gezeigt und das wird richtig richtig gut!

Außerdem hast du mit Mikroboy für ein eigenes Projekt gearbeitet? Was kannst du darüber sagen?
Das ist mein eigenes Projekt wobei ich mich kreativ komplett in alle Himmelsrichtungen austobe. Ich musste das aber gerade wieder hinten anstellen, weil ich mich auf andere Sachen konzentrieren muss.

Zuletzt noch eine etwas persönlichere Frage: DJ Kitsune hat in seinem Nachruf auf Rasul betont, dass Leute wie du und Monroe viel von Rasul gelernt hätten. Auch du hast das immer wieder betont. Was für eine Bedeutung hatte Rasul für dich? Hat er dir viel über HipHop beigebracht?
Nicht nur. Er hat vor allem mein Verständnis für Musik im Allgemeinen geprägt, indem er mir Sachen gezeigt oder philosophische Ansätze gegeben hat. Durch Ali kam auch der Kontakt zu Kitsune und B.A. Ali war ein Genie! Jeder meiner Songs ist Teil seines Vermächtnisses.