Chuck D - Public Enemy No. 1
Hennessy

 

mailto: Der grosse Chuck D, wer kennt ihn nicht, der Public Enemy Frontmann ist eine lebende Legende. Riesenehre für Jesen (Nimzwai/Icklack Squad) ihn anlässlich des neuen Public Enemy Albums Revolverlution für uns zu interviewen. Allerdings war das ganze nicht wirklich unproblematisch. Chuck war unterwegs im Auto und kurz vor unserem Telefonat hat seine Klimaanlage das Zeitliche gesegnet. Dadurch wurde das ganze mehr zu einem Schreiwettbewerb, damit er überhaupt die Fragen versteht. Hier das Interview von Jesen.
        
Nach all den Jahren im Business, unzähligen Platten mit PE und einem Solo Album, was hält Hip Hop heutzutage für Dich am Leben?

Chuck D: Das Internet. Was wir tun bei rapstation und slamjamz unserem Online-Label, hat die Musik ein wenig revolutioniert. Das Internet gibt uns die Möglichkeit mit Künstlern auf der ganzen Welt zusammenzuarbeiten und Ihnen eine Plattform zu geben.

Ich wollte später noch ein wenig aufs Internet eingehen, kommen wir zu Euren neuen LP Revolverlution, die am 5.8 auf Koch-Records erscheint. Ich hab gehört, dass Ihr die LP zuerst nur im Netz veröffentlichen wolltet, wie kam es dazu, das die Platte nun "regulär" erscheint?

Chuck D:Richtig. Wir haben letztes Jahr auf slamjamz einen Remix-Contest gemacht, da hatten wir dann 11.000 Downloads unserer Acapellas und haben ca. 460 Remixe erhalten. Wir haben uns riesig gefreut, das so viele Produzenten aus der ganzen Welt in unsere Musik involviert waren und genau darum geht es bei Revolverlution. Wie auch die neuen Songs, die mit teilweise neuen Produzenten enstanden sind, ausserdem wollten wir das Live-Element früherer Konzerte einbinden.

Die Tracklist ist sehr ungewönlich mit neuen Sachen, Live Songs und Remixen alter Lieder, wer hatte die Idee dazu?

Chuck D:Das war eigentlich ganz einfach, ich glaube 14 neue Songs zu machen ist Materialverschwendung. Für dieses Album wollten wir die Vergangenheit nutzen und das beste daraus machen.

Ich weiss es ist schwierig für einen Künstler darüber zu sprechen, aber gibt es 1 Lieblingssong für Dich auf der Platte?

Chuck D:Ja doch, Revolverlution und Give the peeps what they need. Ich denke die sind grossartig, da wir afrikanisch/kubanische Percussion Elemente eingebaut haben.
Ihr hattet im Laufe der Jahre als Gruppe einige Veränderungen, was die Produktionsseite angeht, das Ausscheiden und die Rückkehr von Professor Griff und die persönlichen Probleme von Flavor Flav, was macht PE so stark, dass es Euch heute immer noch gibt? Was hat Euch am Leben gehalten?

Chuck D: Ich denke die grösste Veränderung was, dass Terminator X ausgestiegen ist, aber DJ Lord hat ihn sehr gut ersetzt. Die Sache mit Griff ist verjährt, er ist schon seit den letzten 3 Alben wieder am Start.

Plant Ihr wieder eine Tour in Europa/Deutschland?

Chuck D:Ja, wir waren lange nicht mehr da, aber wir hoffen, dass wir es in nächster Zeit mal wieder schaffen. Wir waren in der Zwischenzeit mehrmals in der ganzen Welt unterwegs. Wenn wir was neues rausbringen, müssen wir durch viele Länder in der ganzen Welt reisen. Die meisten Rapper hier, touren nur durch die USA. .         
    
Ich denke, dass das sehr schade ist. Die Verkäufe und das Interesse an amerikanischem Rap ist sehr gross, aber die meisten Künstler wollen anscheinend nicht nach Europa und über den grossen Teich fliegen.

Chuck D: Die meisten Künstler sind darauf trainiert faul zu sein. Dies geht zum Grossteil vom eigenen Label aus, die Ihren Fokus nur auf den eigenen Markt legen. Sie müssen sogar da bleiben, da es in Europa nicht soviel Geld zu verdienen gibt. Wir wollten immer überallhin gehen, wo es möglich war, das haben wir immer gemacht und werden wir auch weiter tun.

Denkst Du das sich Rap über die Jahre verändert hat? Du warst einer der ersten, starken Stimmen für die schwarze Gemeinschaft die sich gegen die Regierungen und die Gesellschaft ausgesprochen hat. Vermisst Du ein wenig das politische Engagement im Rap oder das politische Bewusstsein allgemein?

Chuck D: Nun die meisten Künstler halten sich von Politik fern. Dies liegt auch daran, dass es oft lange dauert, bis die aufgenommen Platten rauskommen. Sie wissen nicht worüber sie reden soll, da viele Themen auch an aktuelle Ereignisse gebunden sind.

Siehst Du eine Veränderung nach dem 11.9, da es jetzt doch wieder einige Gruppen gibt, die dieses Thema ansprechen?

Chuck D: Ich denke, wenn es ambitionierte Gruppen sind, dann werden sie immer versuchen verschiedenen Sachen zu machen. Ich denke das die Medien auch gute politische Songs oft nicht spielen, da sie Angst haben es könnte etwas zu viel sein und das die Regierung das nicht gerne sieht. Das ist das Problem von Rap, nicht so sehr die Künstler selbst sondern die Medien und das ganze Marketing was dahinter hängt.

Aber Ihr hattet damit nie ein Problem. Du hast auch erwähnt, dass das FBI Dich abgehört hat.

Chuck D: Meine Sache ist, das Politik die Strasse kontroliert. Von der Strasse zu sein ist die eine Sache, aber Politik zu verstehen bedeutet im Ghetto zu verstehen, wer die Strasse regiert.

Die meisten Labels haben diesen Trend verschlafen.

Chuck D: Ja, die Labels müssen alle darauf gucken, dass sie möglichst viel Geld machen, um Jobs zu erhalten. Das Internet wird daher stark vernachlässigt, da es eher representativ ist und weniger um Geld damit zu machen.         
    
Um zu Rap selbst zurückzukommen, seit einigen Jahren wird wieder mehr auf persönlichem Level gebattlet wie vor kurzem Jay-Z vs Nas oder KRS One vs Nelly. Denkst Du bringt die ganze Sache weiter nach vorne oder ist es nur ein reiner Medienhype?

Chuck D: Es ist gut für Hip Hop, wenn man versteht, das es hier nur um das Talent des Einzelnen geht. Wenn man sie alle zusammen in einen Ring stellt, hat man ein Hip Hop Ergebnis. Sobald sich aber Labels einschalten wie Universal oder auch Sony, hat es damit nichts mehr zu tun und schadet dem Ganzen. Talent hat nichts damit zu tun, ob man bei einem Major Label gesignt ist.

Was ist Dein momentaner Lieblingskünstler auf slamjamz?

Chuck D: Year, Kyle Jason the dopeman. Geht auf slamjamz.com und hört Euch die Releases an. Ich arbeite noch unter dem Untergrund, das ist sehr wichtig. Das ist es eigentlich worum es im Internet geht, unter dem Untergrund zu arbeiten.

Gibt es noch irgendwas was Du persönlich noch erreichen willst, hast Du noch Ziele oder Projekte für die Zukunft?

Chuck D: Auf jeden Fall ein neues PE Album und einigen Artists bei slamjamz die Möglichkeit geben ein Album zu veröffentlichen.

Danke für das Interview.

Chuck D: Kein Problem, für Feedback und Kontakt, gebt jedem noch meine Mailadressen: [email protected] und [email protected] Peace.

Wann hast Du gemerkt, wieviel Kraft das Internet hat? Du bist an 3 Seiten rapstation, slamjamz und Eurer eigenen Seite Public Enemy beteiligt, die ständig aktualisiert werden. Du bist generell einer der ersten, bekannten Künstler der sich in diesem Bereich sehr stark engagiert hat.

Chuck D: Ich habe die Kraft dahinter 1998 auf der He got Game-Tour realisiert. Unsere damalige Platte war vor dem Release schon downloadbar. Da haben wir die Möglichkeit gesehen, direkt mit Leuten aus der ganzen Welt in Kontakt zu treten. Wir haben zuerst unsere eigene Seite gemacht, dann Rapstation und dann Slamjamz als Online-Label. Dort gibt es auch immer aktuelle Informationen zu PE, neue Songs und allen möglichen Stuff zum Download.

Das ist gut für die Fans.

Chuck D: Ja so kommen sie an Remixe ran, die sie noch nie gehört haben oder Songs die es wegen Sample-Problemen nicht auf unsere Platten geschafft haben. Das Internet ist im Prinzip die moderne Version eines Mixtapes.         

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