Rassismus in Berliner Taxen? Chefket wird Mitfahrt verweigert

Chefket gehört zu den Rapper*innen, die am lautesten auf Rassismus aufmerksam machen und gegen ihn einstehen. Zuletzt kritisierte er die Absage seines Auftrittes für Fridays for Future und unterstellte den Verantwortlichen fremdenfeindliche Gründe für ihre Meinungsänderung bezüglich seines geplanten Gigs.

Chefket kritisiert Fridays for Future nach Konzertabsage

Update: Mittlerweile haben Fridays for Future zu dem Konflikt mit Chefket Stellung bezogen. Was genau sie geschrieben haben, könnt ihr hier nachlesen. Chefket kritisiert die Klimaschutz-Bewegung Fridays for Future nach einem abgesagten Gig, mit dem er sich nach eigenen Angaben unentgeltlich an einer Demonstration beteiligen wollte.

Jetzt macht der Rapper auf einen Taxifahrer aufmerksam, der ihn nicht zu seinem Ziel bringen wollte und dafür eine wundersame Begründung fand.

"Weil wir nicht zusammenpassen": Chefket teilt die Situation auf seinen Social Media Kanälen

Chefket steigt zu einem Taxifahrer ins Auto. Als dieser sich weigert, ihn zum Görlitzer Park zu fahren, geht er live auf Instagram und teilt das Gespräch zwischen den beiden. Der Taxifahrer entgegnet den bohrenden Nachfragen des Rappers, warum er nicht einfach losfahre, immer wieder:

"Weil wir nicht zusammenpassen."

Humorvoll entgegnet der Rapper auf die wiederholten Beteuerungen des Fahrers, dass die beiden Männer nicht zusammenpassen würden, dass sie ja auch nicht heiraten müssten. Er fragt auch:

"Inwiefern? Was ist das Kriterium für Sie, nicht zusammenzupassen?"

Wenn der Mann ihn einen Grund für die Ablehnung der Fahrt nennen könne, würde Chefket auch sofort aussteigen. Final nennt der Taxifahrer ihm dann schließlich auch einen Grund. Mit der Bitte, ihm nicht böse zu sein, erklärt er:

"Sie waren mir zu schmalzig. Wenn Sie schon einsteigen und sagen: 'Wie geht's Ihnen?'.

Der Taxifahrer habe sich nicht nett sondern viel eher "von oben herab" behandelt gefühlt. Chefket führt die Diskussion weiter und erklärt, die Floskel zu Beginn der Fahrt sei eine Art der Höflichkeit. Er fragt, wie er sich in den Augen des Taxifahrer anders hätte verhalten können.

"Wäre es besser gewesen, wenn ich eingestiegen wäre und direkt nur das Ziel gesagt hätte?"

Auf die Frage, ob er wisse, dass gerade die Nettigkeit des Rappers dafür sorge, dass er ihn nicht in den Görlitzer Park fahre, entgegnet der Taxifahrer, dass Chefket "diskret ausgedrückt schwierig" sei. Chefket steigt schließlich aus und macht den Taxifahrer darauf aufmerksam, die Situation veröffentlichen zu wollen.

Chefket sieht Rassismus als Begründung für die Weigerung des Taxifahrers

Die Worte, mit denen Chefket sein Video teilt, machen deutlich, was er hinter dem Verhalten des Taxifahrers vermutet. Er schreibt "Achtung Rassismus Keule" und ist sich somit sicher, dass der Mann den Schwaben mit türkischen Migrationshintergrund aufgrund seines Aussehens nicht mitgenommen hat. Zudem fragt er seiner Follower, wie sie an seiner Stelle reagiert hätten.

In der Kommentarspalte ist man sich nicht einig

Die Reaktionen auf die Frage des Rappers sind unterschiedlich. Es gibt viel Support für Chefket und einige Menschen, die das Video zum Anlass nehmen, ihre eigene Geschichte zu teilen. Auf der anderen Seite gibt es auch Kommentare, in denen der Taxifahrer in Schutz genommen wird.

Lob wird besonders für die ruhige Argumentationsweise des Rappers gefunden.

Einige Stimmen können keinen Rassimus in den Aussagen des Taxifahrers erkennen und machen die Interpretation Chefket zum Vorwurf.

Einige positive Reaktionen teilt der Rapper in seiner Story.

Es meldete sich auch ein Kölner Taxiunternehmen zu Wort, das Chefket und "jeden anderen auch" in seinen Autos willkommen hieß.

Was der Rapper mit der Veröffenlichung des Videos auf jeden Fall erreicht hat, ist Aufmerksamkeit für ein wichtiges und aktuelles Thema. Menschen, die Rassismus erfahren haben, fühlten sich ermutigt, ihre Erlebnisse zu teilen. Zudem wird auch zu Zivilcourage aufgerufen. In seiner Story teilt Chefket den Kommentar, nicht den Mund zu halten, wenn man einen derartigen Vorfall bezeugen kann.

Interessanterweise machte zuletzt der chinesische Künstler und Kritiker des chinesischen Regimes Ai Weiwei Schlagzeilen mit seinem Vorhaben, Deutschland verlassen zu wollen. Auch er nannte im Interview mit der Welt, Situationen in deutschen Taxis, aus denen er aufgrund seines Aussehens rausgeschmissen wurde.

Natürlich geht es nicht nur um einen einzelnen Taxifahrer, den Chefket an den Pranger stellen möchte. Es geht auch nicht darum, alle Weißen zu Rassisten zu verurteilen. Aber Chefket macht auf fremdenfeindliche Strukturen unserer Gesellschaft aufmerksam.. Es ist ein Privileg weißer Menschen, von rassistischen Ausgrenzungen nicht betroffen zu sein. Und es ist ihre Pflicht, diese Strukturen zu erkennen und bewusst gegen sie einzutreten.

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Megaloh erklärt, wieso Deutscher Rap für ihn kein Hiphop ist

Megaloh erklärt, wieso Deutscher Rap für ihn kein Hiphop ist

Von David Molke am 14.01.2021 - 18:33

Megaloh gewährt bei "Germania" tiefe Einblicke in seine Biografie. Er spricht über seine Eltern, wie es für ihn war, in Moabit aufzuwachsen und darüber, wieso Deutscher Rap für ihn kein Hiphop ist. In der neuesten Ausgabe der Videoreihe kommen auch die restlichen BSMG-Mitglieder, Amewu und Samy Deluxe zu Wort und es geht unter anderem um Rassismus, den Umgang damit beziehungsweise Reaktionen darauf und vieles mehr.

Deutscher Rap ist kein Hiphop, sagt Megaloh bei Germania

Das neue "Germania"-Video startet direkt mit einer bitteren Erkenntnis: Megaloh definiert den Begriff Heimat für sich so, dass Heimat ist, wo er sich zuhause fühlt, da, wo sein Herz ist. Ein Ort, an dem er all seine Masken fallen lassen, sich sicher und zugehörig fühlen kann – was auf Deutschland alles nicht zutreffe.

Megaloh berichtet anschließend davon, dass Rassismus sein Leben schon massiv beeinflusst hat, bevor er selbst überhaupt auf der Welt war. Seine Eltern haben sich dafür entschieden, nicht in den USA wohnen zu wollen, weil der strukturelle Rassismus dort noch schlimmer als anderswo war. Da war Deutschland sozusagen das kleinere Übel.

Das Thema hat Megaloh unweigerlich weiter beschäftigt und betroffen, ob er wollte oder nicht. Eine besonders unschöne Begegnung damit aus seiner Jugend erzählt der Rapper ebenfalls und es ist ihm anzumerken, wie unangenehm das gewesen sein muss. Berlin Moabit und die Zeit auf dem Gymnaisum haben ihm dann aber auch viele positive Erlebnisse beschert.

Mit Samy Deluxe, BSMG & mehr: Besonders positiv fallen auch die Schilderungen von Musa oder Samy Deluxe auf, wenn sie davon erzählen, wann wie und wo sie Megaloh kennengelernt haben. Der berichtet von seiner ersten Berührung mit Hiphop, seinem ersten Rap-Album (Snoop Dogg!) und spricht ausführlich darüber, wie er selbst zum Hiphop- und Rapfan geworden ist. Die Gespräche drehen sich auch um die Black Lives Matter-Bewegung beziehungsweise die Reaktionen darauf.

Deutscher Rap kein Hiphop? Einigermaßen kontrovers mag für viele auf den ersten Blick die Aussage klingen, dass deutscher Rap kein Hiphop sein soll. Megaloh sagt wortwörtlich:

"Aus meiner Sicht ist deutscher Rap kein Hiphop. Punkt. Mic-Drop, fertig."

Selbstverständlich erklärt Megaloh aber auch noch ausführlicher, wie genau er das meint. Ihm geht es dabei vor allem um kulturelle Aneignung und die Entstehung der Hiphop-Kultur. Ohne die strukturellen Ungerechtigkeiten und den Rassismus gegenüber Schwarzen Menschen in den USA wäre Hiphop nie entstanden. Megaloh erklärt weiter: Aus der Sklaverei entstand irgendwann der US-amerikanische Gefängnis-Komplex und es wurden neue Wege gefunden, Schwarze Menschen auszubeuten und zu erniedrigen.

"Und das alles rauszunehmen, dass Hiphop damit zu tun hat, mit dieser ganzen Unterdrückung, dieser jahrelangen, strukturellen Unterdrückung, institutioneller Unterdrückung, schlimmster Folter, allem – und jetzt kommen hier die Menschen, die nie, nie irgendwas damit zu tun hatten, sich nie damit auseinandergesetzt haben, nehmen das einfach und denken, sie sind 2Pac."

"Das ist kein Hiphop, sorry, das ist einfach nur kulturelle Aneignung."

"Man kann diese Geschichten nicht vergleichen. Es ist eine andere Geschichte von Ausgrenzung, eine andere Geschichte von Diskriminierung, eine andere Geschichte von Rassismus, die auf jeden Fall ihre Berechtigung in der Musik hat. Aber auf jeden Fall – finde ich – nicht dazu berechtigt, einfach eins-zu-eins eine kulturelle Aneignung zu machen."

Hier könnt ihr euch das ausführliche, extrem sehenswerte Video in voller Länge anschauen:

Hier findet ihr das aktuelle Video von Megaloh:

Megaloh - 21 [Video]

Megaloh meldet sich mit "21" aus einem düsteren Endzeitszenario. Für allzu dunkle Gedanken lässt der Track jedoch keinen Raum. Die Nummer, bei der Megaloh neben Ghanaian Stallion als Co-Producer am Werk war, geht straight nach vorne. Der Moabiter Rap leitet sein 2021 mit einem ziemlich kompromisslosen Banger ein.


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