Bushido vor Gericht: Shindy soll von Arafat Abou-Chaker bedroht worden sein

21. Prozesstag: Bushido saß zum 15. Mal im Zeugenstand, um vor dem Berliner Landgericht gegen Arafat Abou-Chaker auszusagen. Dabei ging es um allerlei kleinteilige Vertragsangelegenheiten – aber auch um Shindy, der laut Bushido bedroht worden sein soll.

Bushido behauptet, dass Shindy von Arafat Abou-Chaker bedroht wurde

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge hat Bushido vor Gericht einige Sätze zu Shindy von sich gegeben. Demnach sei Arafat Abou-Chaker nur für eine erhebliche Menge Geld bereit gewesen, Shindy sein eigenes Ding machen zu lassen. Ein "Künstler-Exklusivvertrag" habe jedoch ausschließlich mit Bushido bestanden. Angeblich spielte das keine Rolle. Laut Tagesspiegel sagte Bushido über die Vorgehensweise von Arafat Abou-Chaker.

"Er ist zu Shindy gefahren, hat ihn bedroht und eine Millionensumme gefordert, weil dieser sich selbständig machen wollte."

Die rechtliche Grundlage für eine solche Forderung würde sich Bushidos Kenntnissen entziehen. Die Bild-Zeitung hatte 2018 von einem "Angriff auf den erfolgreichen Musiker Shindy" berichtet. Später stellte Shindy klar, dass er in keine körperliche Auseinandersetzung verwickelt gewesen sei.

Bushidos Ehefrau "umlegen"? Wie Shindys EGJ-Ausstieg angeblich ablief

Arafat Abou-Chaker hat offenbar viele Gespräche mit Bushido, Capital Bra, Samra, Shindy sowie noch vielen weiteren Personen aufgenommen - und zwar heimlich.

Per Beamer sei ein Vertrag mit Shindy, der 2016 geschlossen wurde, im Gerichtssaal gezeigt worden. So schildert es Watson. Der Bietigheim-Bissinger habe Bushido Fotos der entsprechenden Unterlagen zur Verfügung gestellt. 2018 hätten Bushido und Shindy das Vertragsverhältnis aufgelöst.

Shindy und Arafat Abou-Chaker seien jedoch auch hinter Bushidos Rücken in Verhandlungen gewesen. Dieses Vorgehen bezeichnete der prominente Nebenkläger dem Vernehmen nach als "hinterhältig". Die Hälfte der durch Shindy erzielten Einnahmen sollen stets an Arafat Abou-Chaker geflossen sein. Für die Staatsanwaltschaft galt es festzuhalten: "Shindy war der Jackpot unter den Künstlern".

Im Track "Road2Goat" scheint Shindy mehrfach auf diesen Streit um seine Person anzuspielen. Er rappt dort unter anderem, dass "ums Recht auf Shindy" gekämpft worden sei. Zwei Personen, die "mit dem Streit in jeder Zeitung sind", hätten um ihn wie ein "Scheidungskind" gerungen. Er habe sich wie ein "Matchball" in dem Konflikt gefühlt. Irgendwann holte ihn die schwer zu klärende Vertragssituation mutmaßlich in der Heimat ein. Eine Andeutung im Song lässt Raum für Fantasie.

"Plötzlich reichen die Probleme bis nach Bietigheim / Bis vor die Haustür, ich muss nicht weiter ausführ'n"

Das hat Laas Unltd. angeblich als Backup bekommen

Gegen Ende des Verhandlungstages sei es Watson zufolge noch um Details zum Deal mit Laas Unltd. gegangen, der sich ebenfalls eine Zeit lang im ersguterjunge-Lager aufhielt. Der Vertrag mit Laas sei bis heute nicht beendet, habe Bushido ausgeführt. Für den Posten als Backup-Rapper seien 150 Euro gezahlt worden. Vorschüsse habe Laas in Höhe von 4.000 bis 5.000 Euro erhalten. Trotz des angeblich bestehenden Vertragsverhältnisses habe Bushido kein Interesse daran gehabt, Laas Steine in den Weg zu legen. Inzwischen hat dieser der Stadt Berlin den Rücken gekehrt und verdient in Shindys Umfeld seine Brötchen.

Laas über Shindy & den Alltag in Bietigheim-Bissingen

Anfang 2016 lernten sich Laas und Shindy kennen.

Der Prozess gegen Arafat Abou-Chaker und drei seiner Brüder wird am Mittwoch fortgesetzt. Bushido sagt in dem Verfahren seit Monaten als eine Art Kronzeuge aus. Unter anderem mit seiner Hilfe versucht die Staatsanwaltschaft Vorwürfe, die von Beleidigung über Freiheitsberaubung bis zu gefährlicher Körperverletzung reichen, zu belegen. Ein Urteil soll am 28. April erfolgen.

Groove Attack powered by Hiphop.de

Groove Attack ist Streaming Partner von Hiphop.de

Deine Meinung dazu?

Weiter ...

Fokus Untergrund: 5 Tracks, die mehr Aufmerksamkeit verdienen

Fokus Untergrund: 5 Tracks, die mehr Aufmerksamkeit verdienen

Von Michael Rubach am 29.04.2021 - 15:13

Nachdem wir unserer Artikelreihe für den gepflegten Untergrund-Support kürzlich neues Leben eingehaucht haben, geht es jetzt fröhlich weiter. Wir richten das Spotlight dorthin, wo Rap abseits der großen Playlists weiterhin bestens wächst und gedeiht. Auch heute wollen wir euch kurz fünf Artists vorstellen, die mit ihren Video-Releases noch unter 25.000 Klicks liegen. Let's go!

Enoq – Stratosphäre (prod. Swoosh Hood)

Enoq weiß es selbst am besten: Er ist weiterhin ein "Sünder". Und so macht er einfach da weiter, wo er mit seinem letzten Album "Zu schön um klar zu sein" vor über vier Jahren aufgehört hat. Der Berliner gibt den Hörer*innen alles preis. Seine Tracks sind auch 2021 kein "Pappalapapp", sondern gnadenlos ehrliche Selbstreflexion. In diesem Modus geht es politisch nicht immer korrekt zu. Dafür ist bei all dem Struggle gar kein Platz. In der Single "Stratosphäre" räumt Enoq ein, dass es schwierig sein könnte, ihm in diese Untiefen seines Lebens zu folgen: "Keiner kann mich leiden, kann ich gut verstehen". Swoosh Hood, der schon beim Vorgängeralbum mit Enoq zusammenarbeitete, ist weiterhin Teil des Teams und sorgt für den düster-melancholischen Sound. Enoqs neues Album "Ghetto Pop" ist für den 14. Mai angekündigt.

Joey Bargeld – Bei Nacht (prod. Darko Beats)

Joey Bargeld hält nichts von Konventionen. Vielleicht füllt kaum jemand das Punk-Moment im Deutschrap derart geradlinig mit Leben aus. Der Hamburger macht, was er will. Auf der Single "Bei Nacht", die noch zum 2019er Album "Punk Is Dead" gehört, geht er konsequent seinem Freiheitsdrang nach. Er rennt scheinbar ziellos durch die Dunkelheit. Der (Zeit)boy, der gerne mal an der Seite von Haiyti und Trettmann in Erscheinung tritt, braucht keinen Schlaf und keine Zeit. Auf einer Produktion von Darko Beats peitscht es ihn einfach nur nach vorne. Joey Bargeld ist ein Getriebener. Das ist in diesem Fall wild, exzessiv und atmet den Vibe der Achtziger.

Teven – Intro (prod. Zimzala)

Ihre erste Single "Intro" geht die Newcomerin Teven mit großem Selbstbewusstsein an. Sie hat allen Grund dazu: Ihr stehen bei ihrer Premiere in der Deutschrap-Arena ausschließlich Profis zur Seite. Das Video kommt von Orkan Çe, der Beat von Zimzala und die Bantu Nation supportet. Direkt mit den ersten Zeilen wird zudem klar, dass hier eine Künstlerin am Start ist, die nicht erst gestern mit dem Rappen begonnen haben kann. Mit einer Mischung aus bemerkenswerter Routine und Hunger zerlegt sie den Beat. Nach diesem verheißungsvollen Startschuss hat sie noch viel mehr zu erzählen. Dabei ist es ihr von Beginn an wichtig, Haltung zu zeigen.

"Viel erlebt, doch bis heut nix bereut / Mit der Faust in der Luft, meine Stimme für Floyd"

Pimf – Diamonds Are Forever (prod. 7ink)

Die hiesige Szene ist nicht für Pimf gemacht. Alles "zu viel Show", insofern es nach dem passionierten Basketballfan geht. Nach diversen persönlichen Releases ballt der selbsternannte "Allen-Iverson-Verschnitt" zunehmend auf seinen Tracks, die er weiterhin ohne größere Labelstrukturen auf den Markt bringt. Doch Pimf wäre nicht Pimf, wenn er nicht auch dort Privates nach außen kehren würde. Er blickt auf "Diamonds Are Forever" auf seinen bisherigen Werdegang. Vom VBT-Rapper über frühere Selbstzweifel bis hin zu einem "real Artist" – Pimf rappt seine Zeilen mit Gewicht. Dabei lässt er sich von einem ikonischen Part eines James-Bond-Songs aus den Siebzigern begleiten. In der Playlist final.wav führt Pimf zudem die Songs zusammen, die er in jüngster Vergangenheit releast hat.

Rokko Weissensee ft. DJ ILL O. – Butterbrot und Salz (prod. MecsTreem)

Zum Schluss nochmal zurück nach Berlin. Der gute Rokko Weissensee erzählt lässig von früher. Damals hat er sich von "Butterbrot und Salz" ernährt. MecsTreem hat den Track produziert. Er bedient sich dabei einem bekannten Sample aus dem Song "Holy Are You" der US-Band The Electric Prunes. Rakims gleichnamiger Track "Holy Are You" (2009) fährt ebenfalls dieses Sample auf. Zusätzlich werden über die Spielzeit hinweg kurze Sequenzen aus dem Episoden-Film "The Acid House" eingespielt. DJ Ill O. rundet das Ganze ab. Hier steckt zwischen all der Ironie extrem viel Liebe zum Detail. Und für Rokko Weissensee ist auch nicht alles schlecht. Er macht das Beste aus der Situation:

"Wir wurden geboren in ein Scheißelabyrinth / Aber Rokko Weissensee ist Mephistos Lieblingskind"

Vor wenigen Wochen ist sein neues Album "Einsam sterben die Tapferen" erschienen.


Sag uns deine Meinung zu diesem Artikel! (0 Kommentare)