"Blaues Licht" von Rocco und seinen Brüdern kommt ins Kino

Rocco und seine Brüder sind ein Künstler-Kollektiv aus Berlin. Die (ehemaligen) Writer haben sich vom Graffiti hin zu politischer Aktions- und Performance-Kunst bewegt. Das umfasst provokante Protest-Aktionen in der Öffentlichkeit, Adbusting, das medienwirksame Verteilen von Schlüsseln zur Stadt an Obdachlose und vieles mehr. Dieses bunte Treiben wird stets gefilmt und anschließend veröffentlicht. Jetzt gibt es mit "Blaues Licht" auch endlich einen abendfüllenden Film von Rocco und seinen Brüdern.

Was ist "Blaues Licht" für ein Film?

"Blaues Licht" stellt laut Rocco und seinen Brüdern die bisher umfangreichste Arbeit des Kollektivs dar. Was genau sich dahinter verbirgt, bleibt unklar – offenbar selbst für diejenigen, die den Film gesehen haben.

Die einen bezeichnen Sophie Sonntags Film als Mockumentary, die anderen nennen ihn eine "fiktiv-dokumentarische Tragik-Komödie über ein Theaterstück mit einer grandios durchdachten künstlerischen Inszenierung".

Fest steht: Der Streifen hinterlässt offenbar sehr viele Fragezeichen im Kopf und will überhaupt nicht deutlich machen, wie viel von dem Gezeigten jetzt wirklich so passiert ist und wer hier wen hinters Licht beziehungsweise in den U-Bahn-Schacht führt.

Wir haben "Blaues Licht" leider noch nicht gesehen. Aber Katja Hermann schreibt für Urban Presents unter anderem Folgendes darüber, was extrem vielversprechend klingt:

"'Blaues Licht' ist eine Widmung an einen verstorbenen jungen Mann, einen Graffiti Writer. Der Film von 2018 entsteht in Zeiten, in denen die subversive Kunstbewegung in einem Transformationsprozess steckt, sich durch legales sowie Auftrags-Graffiti und durch die Verwendung anderer Mittel, wie auch durch Interventionen und Kunstaktionen im öffentlichen Raum, zunehmend verändert."

"Der Film ist ein geniales Verwirrspiel von Täuschungsmanövern und realen Geschehnissen, eine Mischung aus Fiktion und Dokumentation mit verschiedenen erzählerischen Ebenen. Bis zum Schluss herrscht Ungewissheit über die Erzählungen. Zwischen Komik des Filmes, Tragik des Theaterstückes und dubiosen Umständen, bleibt der Zuschauer intrigiert und gewiss nicht unberührt. Aufgezogen wie ein Mockumentary, ohne 100% einer zu sein, ist 'Blaues Licht' bis zum Nachspann eine gelungene Mischung der Genres."

Blaues Licht I TRAILER

Ein Film von Sophie Sonntag - Frühjahr 2019

"Blaues Licht" von Sophie Sonntag & Rocco und seinen Brüdern kommt ins Kino

Wer sich den Streifen selbst anschauen will, um etwas mehr Licht ins Dunkel zu bringen, bekommt schon bald die Chance dazu: Das Blackstreets-Magazine und Rotzfrech Cinema bringen den Film ins Kino.

Das Ganze funktioniert offenbar genau so, wie es letztes Jahr schon bei "Pixadores" gelaufen ist. Kein Wunder, immerhin wurde die Kinotour von genau denselben Leuten organisiert.

Jedenfalls kommt "Blaues Licht" dann in einigen ausgewählten Städten und Kinos. Und zwar jeweils nur ein einziges Mal, wenn sich nichts daran ändert.

Bisher gibt es anscheinend genau wie bei "Pixadores" 11 Termine, unter anderem in Berlin, Köln, Leipzig und Hamburg:

02.05. Berlin / Babylon (Rosa-Luxemburg-Str. 30, 10178) 

04.05. Bremen / Horner Eck (Friesenstraße 95, 28203)

09.05. Köln / Dedicated Store (Hamburgerstraße. 18, 50668)

11.05. Dresden / Club Kwang Lee (Görlitzer Str. 35, 01099)

15.05. Jena / Café Wagner (Wagnergasse 26, 07743)

16.05. Erfurt / Retronom (Johannesstraße 17a, 99084)

18.05. München / MUCA (Hotterstraße 12, 80331)

21.05. Herne / Kulturzentrum (Willi-Pohlmann-Platz 1, 44623)

22.05. Chemnitz / Walden Basecamp [Open Air] (Eubaer Straße 233, 09128)

23.05. Hamburg / Fabrique im Gängeviertel (Valentinskamp 28A, 20355)

29.05. Leipzig / UTConnewitz (Wolfgang-Heinze-Str. 12a, 04277)

BLACKSTREETS MAGAZINE

Magazin für Grafitti & Straßenkunst

Wenn es soweit ist und wir "Blaues Licht" gesehen haben, wirst du hier mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einen Bericht darüber finden.

Graffiti ist immer politisch & "Pixadores" zeigt auf eindrucksvolle Art, wieso

Wir haben uns "Pixadores" im Kino angesehen. Derjenige, der das ermöglicht hat, bezeichnet "Pixadores" als den besten Graffiti-Film, den er je gesehen hat. Tom von Rotzfrech Cinema steht damit nicht allein da. Die Begeisterung und Liebe geht so weit, dass er sich für diese einmalige Kinotour sogar verschuldet hat.

Unterwegs mit Berliner Writern: Neue Doku "Graffiti als Protest"

Das Y-Kollektiv will in seiner neuen Graffiti-Doku hinter die Kulissen blicken und tiefer gehen. Die alte Leier von "Kunst oder Vandalismus" soll erfrischenderweise nicht erneut durchdekliniert werden. Stattdessen dreht sich die Dokumentation "Unterwegs mit Berliner Sprayern" um Graffiti als Protest und begleitet einige Writer.

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Kunst gegen Hetze: Wie ein Berliner Kollektiv die AfD entlarvt
AfD

Kunst gegen Hetze: Wie ein Berliner Kollektiv die AfD entlarvt

Von David Büchler am 07.12.2017 - 14:04

Anfang September hat der AfD-Politiker Alexander Gauland eine Rede gehalten, in der er forderte, dass die Deutschen endlich stolz auf die Leistungen der Wehrmachtssoldaten in zwei Weltkriegen sein sollten. Das nahm das Künstlerkollektiv Rocco und seine Brüder nun zum Anlass, vor der AfD-Parteizentrale in Berlin sogenannte Stolpersteine im Gehweg zu platzieren, die an verstorbene Wehrmachtssoldaten und ihre Verbrechen im zweiten Weltkrieg erinnern sollen. Die Aktion nennen sie Identität braucht Erinnerung.

Bereits im September hatte es hitzige Diskussionen um Gaulands Auftritt gegeben. Doch er ist nicht der einzige AfD-Politiker, der sich öffentlich dafür aussprach, die deutschen Verbrechen im zweiten Weltkrieg doch endlich zu vergessen. Auch sein Kollege Höcke hatte sich für eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" ausgesprochen. Insbesondere in Zeiten, in denen in Deutschland Debatten um den Umgang mit Geflüchteten den Diskurs bestimmen und es immer wieder zu rechter Gewalt gegen Migrantinnen und Migranten oder politisch Andersdenkende kommt, zeigen die Forderungen, welche politischen Ziele die AfD verfolgt. 

Genau darauf sollte die Kunstaktion der Berliner Gruppe aufmerksam machen. Sie hoben Gehwegplatten aus und ersetzten sie durch Stolpersteine.  Auf denen ist der Name eines verstorbenen Wehrmachtssoldaten zu sehen und die Zahl der Toten, für die er verantwortlich war: 

 

Die eigentliche Idee der sogenannten Stolpersteine stammt von dem Künstler Gunter Demnig, der damit seit 1992 an Opfer des Nationalsozialismus erinnert. In verschiedenen Städten Deutschlands und Europas erinnern die kleinen Steine, die ebenfalls in den Gehweg eingelassen sind, an die deutschen Verbrechen zur Zeit des Nationalsozialismus. Mittlerweise existieren rund 61.000 Steine und bilden damit das größte dezentrale Mahnmal der Welt.

Rocco und seine Brüder drehten die Logik der Stolpersteine nun um. So soll die Bedeutung der Worte von Höcke oder Gauland klar werden. Denn wer fordert, dass Deutsche auf die Leistungen von Personen stolz sein sollen, die tausende Menschen in den Tod trieben, der kann seine menschenfeindliche Haltung nicht mehr leugnen. 

Doch das Berliner Künstlerkollektiv dreht nicht immer am ganz großen zeitgeschichtlichen Rad. So führten sie im vergangenen Jahr beispielsweise eine Aktion durch, in der sie ein geheimes Schlafzimmer in einem U-Bahn-Schacht einrichteten. Die Aktion Secret Bedroom Discovered wurde auch medial aufgegriffen. Ein anderes Mal statteten sie einen U-Bahn-Wagon mit dutzenden Kamera-Attrappen aus, um auf die Gefahr einer stetigen Überwachung des öffentlichen Raumes hinzuweisen und nannten die Aktion CCTV. Die Intention hinter den Aktionen ist es, sozialkritische Inhalte kreativ in den öffentlichen Raum zu bringen. 

 


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