"Tür für Hildmann aufgestoßen": Ben Salomo kritisiert Xavier Naidoo

2018 verkündete Ben Salomo die Einstellung des Battle-Formats "Rap am Mittwoch". Als Grund führte er vor allem den aus seiner Sicht vorherrschenden Antisemitismus an. Seit dem Ende dieses Karriereabschnitts hat sich Ben Salomo der Aufklärung über dieses wichtige Thema verschrieben. Die "Narrenfreiheit", die prominenten Verschwörungs-Ideologen wie Xavier Naidoo zugestanden werde, kritisiert der jüdische Rapper in einem aktuellen Interview bei der Sendung "Frühstart" von RTL und ntv.

Ben Salomo sieht Xavier Naidoo als Wegbereiter für Antisemitismus

Kaum ein Werdegang ist in den letzten Monaten mehr diskutiert worden als der von Xavier Naidoo. Der Soul-Sänger hat sich dem rechten Lager zugeordnet, eine rassistische Weltsicht besungen und steckt Tief im Sumpf der Erzählungen derer, die beispielsweise hinter COVID-19 einen tückischen Masterplan von Bill Gates vermuten. In diesen Fantasien ist es oftmals das jüdische Volk, das die Verantwortung für so ziemlich alles trägt, was schief läuft. Menschen jüdischen Glaubens gelten schlicht gesagt als das Böse.

Dennoch ist es nicht erlaubt, Xavier Naidoo, der in Liedtexten auch mal in Anspielung auf die Familie Rothschild von einem "Baron Totschild" schwadroniert, Antisemit zu nennen. Ben Salomo betrachtet Xavier Naidoo daher als Vorbild für ideologische Nachahmer.

"Wenn wir Xavier Naidoo nehmen: Der hat schon eine Tür aufgestoßen für Attila Hildmann, indem im Oktober letzten Jahres entschieden worden ist, dass Xavier Naidoo nicht als Antisemit bezeichnet werden darf."

Ben Salomo bezieht sich mit seiner Aussage auf ein Urteil, welches das Amtsgericht Regensburg im Juli 2018 gefällt hatte und das im Oktober 2019 noch einmal vom Nürnberger Landesgericht bestätigt worden war. Demnach ist es nicht gestattet, Xavier Naidoo als Antisemit zu betiteln. Diese Rechtssprechung hätte laut Ben Salomo zur Folge, dass sich Figuren wie der vegane Kochbuch-Autor Attila Hildmann ebenfalls ungebremst in antisemitischen Wahnvorstellungen verlieren. Bei Hildmann ermitteln die Behörden aktuell wegen Volksverhetzung.

Geht es nach Ben Salomo müsste die Justiz in solchen Fällen "konsequent durchgreifen". Andernfalls entstehe der Eindruck, dass das Schüren von antisemitischen Vorurteilen in irgendeiner Form gesellschaftlich akzeptabel wäre.

"Die Grundlagen müssen geschaffen werden, dass solche Aussagen wie von Attila Hildmann oder Xavier Naidoo wirklich strafrechtlich verfolgt werden."

Darüber hinaus prangert der "Rap am Mittwoch"-Gründer eine fehlende Sensibilität im Umgang mit Antisemitismus an. Trotz eines deutlich erkennbaren Problems (Anschlag von Halle) widme man sich auf verschiedenen Ebenen nicht mit der nötigen Dringlichkeit diesem Thema.

"Ich habe in den letzten Jahren leider immer wieder das Gefühl gehabt, dass in Bezug auf Antisemitismus eine sehr laxe Haltung existiert. Sei es in Teilen der Justiz, in Teilen der polizeilichen Behörden, auch in Teilen der Politik. Das wird so ein bisschen als ein kleines Problem am Rande wahrgenommen, was es aber für Jüdinnen und Juden in diesem Land bedeutet, was es aber für die betroffenen Menschen bedeutet, das wird nicht richtig beachtet."

Was für Folgen es hat, wenn solche Ansichten auf Akzeptanz in der Bevölkerung treffen, ging vor Kurzem wieder breit durch die Medien. In München wurde ein Rabbiner verfolgt und bedroht – einfach nur, weil er als Jude erkennbar gewesen ist. Zu beobachten, wie der Judenhass ausgerechnet in Deutschland zurück in den Alltag kriecht, ist besorgniserregend und verstörend. Dazu trage auch Deutschrap bei, wie Ben Salomo weiter ausführt.

Kollegah & die QAnon-Verschwörungstheorien: Klare Distanzierung bleibt aus

Es mag auf den ersten Blick amüsant wirken: Kollegah ist Top-Kommentar unter einem Instagram-Post des Mannes, der mit Jeff Bezos permanent um die Position des reichsten Menschen der Welt ringt. Der Alpha Music-Boss erkundigt sich bei Bill Gates scheinbar ironisch nach dessen Arztlizenz.

Antisemitismus als Geschäftsmodell im Rap?

Dass Ben Salomo scharf mit der Deutschrapzene ins Gericht geht und mitunter steile Thesen aufstellt, ist nichts Neues. Kurz nach seiner Abkehr von "Rap am Mittoch" stellte er in Interviews Rap auf eine Stufe mit der üblichen rechtsradikalen Propagandamusik. "Deutscher Rap ist so antisemitisch wie Rechtsrock", sagte er.

In der Szene seien antisemitische Verschwörungsgeschichten weit verbreitet. Manche Artists würden das Aufgreifen dieser Mythen sogar als Mission begreifen.

"Viele Rapper sehen sich dann mit der Zeit auch als so eine Art Aufklärer. Sie fangen an, diese Dinge zu glauben und sind der Ansicht, sie müssten ihr 'Geheimwissen' auch an ihre Fanbase weitertragen, um sie auch zu erwecken."

Dass sich diese Erzählungen in einem "bestimmten Teil" der Bevölkerung großer Beliebtheit erfreuen würden, hätten Rapper*innen registriert. Es sei demnach lohnenswert, den Antisemitismus unter die Leute zu bringen. Ben Salomo erkennt darin eine "Art Geschäftsmodell". Sowohl im Deutschrap als auch auf einer gesamtgesellschaftlichen Ebene müsse eine "Kultur des Wegsehens" überwunden werden.

Drüben in Großbritannien konnte kürzlich kaum jemand wegsehen, als Grime-Star Wiley auf Twitter vollkommen austickte. Sein Geschäft dürfte durch die antisemitischen Postings eher Schaden genommen haben. Sein Manager trennte sich umgehend und auch Twitter belegte ihn mit einem permanenten Bann.

Antisemitischer Twitter-Rant: Gegen Grime-Star Wiley wird ermittelt

Grime-Star Wiley muss sich ein neues Management suchen.

Groove Attack powered by Hiphop.de

Groove Attack powered by Hiphop.de

Deine Deutschrap-Playlist powered by Hiphop.de, immer mit den aktuellsten Tracks der deutschen Hip-Hop Szene! Cover: ERRDEKA

Groove Attack ist Streaming Partner von Hiphop.de

Deine Meinung dazu?

Weiter ...

Wegen antisemitischer Kommentare: Nick Cannon bei "Wild 'n Out" gefeuert

Wegen antisemitischer Kommentare: Nick Cannon bei "Wild 'n Out" gefeuert

Von Till Hesterbrink am 15.07.2020 - 15:43

Update vom 16. Juli:

Mittlerweile hat Nick Cannon auf Instagram eine ausführliche Entschuldigung veröffentlicht und distanziert sich von dem Gesagten. Er entschuldigt sich dafür, dass seine Worte vorherrschende Stereotype befeuert haben und versichert, sich von nun an umfassender mit der jüdischen Geschichte und Community befassen zu wollen.

Original-Meldung vom 15. Juli:

In einem Interview mit dem ehemaligen Public Enemy-Mitglied Professor Griff äußerte sich Nick Cannon mehrfach antisemitisch und verbreitete krude Weltansichten. Nun zog ViacomCBS die Reißleine und trennte sich vom Host der Show "Wild 'n Out". Auch Professor Griff viel bereits mit antisemitischen Kommentaren auf, sodass er 1989 von Public Enemy rausgeworfen wurde.

"We are the true Hebrews": Nick Cannon mit antisemitischen Aussagen

In seinem Podcast "Cannon's Class" hatte Nick Cannon am 30. Juni Professor Griff zu Gast. Dieser war 1989 aus der Gruppierung verbannt worden, nachdem er sich gegenüber der Washington Post antisemitisch äußerte. Damals behauptete er in einem Interview unter anderem, dass die Juden an einem Großteil der Bosheit dieser Welt schuld seien.

"Letzten Mai, nachdem Chuck D ein Interview mit dem Washington Post-Reporter Daid Mills verpasste, bot sich Professor Griffin als Ersatz an. Während des Interviews beschuldigte er die Juden 'für den Großteil der Bosheit dieser Welt', zitierte einen Rassisten als wichtige Quelle und beschuldigte die Juden den Sklavenhandel, der Schwarze nach Amerika brachte, subventioniert zu haben."

("Last May, however, after Chuck D missed an interview with Washington Times reporter David Mills, Professor Griff offered himself as a substitute, in the course of which he blamed Jews 'for the majority of wickedness that goes on across the globe', cited a white supremacist tract as a key source and accused Jews of subsidizing the slave trade that brought blacks to America.")

Während des Podcasts kommt auch dieses Thema zur Sprache. Anstatt Griff zu kritisieren, lobt Nick Cannon ihn für seine starke Meinung und dass er diese ohne Entschuldigung vertreten habe. Weiterhin legt Nick Cannon selbst nach und wirft mit typischen, antisemitischen Verschwörungstheorien um sich. Während des Gesprächs fallen natürlich auch die Begriffe "Rothschild" und die "13 Familien, die die Welt kontrollieren".

Cannon behauptet dann, er könne gar nicht antisemitisch sein, da er Schwarz ist. Seiner Auffassung nach seien Schwarze die wahren Juden, sodass man bei den Aussagen nie von Hass sprechen könne.

"Es ist nie Hassrede, du kannst nicht antisemitisch sein, wenn wir die Semiten sind [...] Wenn wir die Leute sind, die sie sein wollen. Das ist unser Geburtsrecht. Wir sind die wahren Hebräer"

("It's never hate speech, you can't be anti-Semitic when we are the Semitic people [...] When we are the same people who they want to be. That’s our birthright. We are the true Hebrews")

"Black Israelism" ist ein Thema, das auch schon auf Kendrick Lamars "Damn" stattfand.

"They are the true savages"

Auch über weiße Menschen hat Nick Cannon einige interessante Ansichten. Diese hätten das, was bei Schwarzen als "Soul" bekannt ist, nicht und ihnen würde daher das Einfühlungsvermögen fehlen, welches durch das Melanin (die Pigmente, welche die Färbung der Haut bestimmen) käme. Deswegen hätten sie einen anderen Wert als Menschen mit Melanin. Auch behauptet er, dass Menschen ohne Melanin damals im Kaukasus und im Norden viel mehr Gefahren ausgesetzt gewesen seien. Das hätte sie zu den "wahren Wilden" gemacht, weswegen sie jetzt nur noch böse agieren könnten. Des Weiteren seien sie viel näher an den Tieren.

"Die Menschen, die kein Melanin haben [...] die sind ein bisschen weniger [...] sie handeln aus Angst, sie handeln aus niedrigem Selbstbewusstsein. Sie handeln aus einem Mangel heraus, also ist die einzige Form, wie sie handeln können böse. Sie müssen rauben, klauen, vergewaltigen, töten und kämpfen, um zu überleben. Diese Leute die nicht hatten, was wir haben — und mit wir meine ich die Leute mit Melanin — die mussten Wilde sein. Die mussten barbarisch sein [...] deshalb sind sie eigentlich die, die näher zu Tieren sind. Die sind die wahren Wilden."

("The people who don’t have [melanin] [...] are a little less [...] they’re acting out of fear, they’re acting out of low self-esteem. They’re acting out of a deficiency, so therefore they only way that they can act is evil. They have to rob, steal, rape, kill and fight in order to survive. So then these people that didn’t have what we have — and when I say we, I mean the melaninated people — they had to be savages. They had to be barbaric [...] so they’re the ones that are actually closer to animals. They are actually the true savages.")

Während des gesamten Interviews wird sich immer wieder auf Aussagen des Anführers der Nation of Islam berufen, Louis Farrakhan. Dieser spaltet die Medien- und Rapwelt seit Jahren. Unzählige Rapper erwähnen den 87-Jährigen gerne in ihren Songs und lassen sich bei Meetings mit ihm ablichten. Für viele gilt er als eine Galionsfigur der Schwarzen Bewegung.

Die Anti Defamation League in den USA bezeichnet ihn hingegen als "America's Leading Anti-Semite", der immer wieder behauptet habe dass Juden am Sklavenhandel und 9/11 schuld seien sollen. Ähnlich Anschuldigungen, wie sie auch Nick Cannon im Podcast in den Raum stellt.

Schon 2013 wurde Nick Cannon kritisiert, als in einem Video zum "Millions for Trayvon"- Marsch auftrat. Dieser Marsch soll von der New Black Panther Party unterstützt worden sein, welche von der Anti Defamation League als die "größte organisierte antisemitische und rassistische Schwarze militante Gruppe in Amerika" bezeichnet wird.

"The New Black Panther Party for Self Defense (NBPP) is the largest organized anti-Semitic and racist Black militant group in America."

Damals wies Cannon die Anschuldigungen noch von sich und ließ erklären, dass er zufällig bei einem öffentlichen Event angesprochen wurde und aus Nettigkeit ein paar Statements gegeben hätte.

ViacomCBS feuert Nick Cannon

Für Nick Cannons Fernsehheimat war der ganze Skandal nun offensichtlich zu viel. Sie ließen verlauten, dass Nick Cannon von nun an kein Teil mehr der Firma sein würde, da ViacomCBS jegliche Form von Antisemitismus verurteilen würde und Cannon keine vernünftige Entschuldigung bringen konnte.

Tatsächlich äußerte sich Nick Cannon in mehreren Tweets zu der Situaton und akzeptierte die Konsequenzen. Für seine Aussagen entschuldigte er sich jedoch nicht.

Wie es nun mit Nick Cannons Sendung "Wild 'n Out" weitergeht, ist aktuell unklar. Fest steht nur, dass der Ex-Ehemann von Mariah Carey kein Teil mehr davon sein wird.


Sag uns deine Meinung zu diesem Artikel! (0 Kommentare)

Register Now!