Ausgearteter Beef in Frankreich: Booba und Kaaris prügeln sich auf Flughafen

Dank Smartphones und Co gibt es quasi nichts mehr, was im Verborgenen passiert. Die aktuell dokumentierte Prügelei der französischen Superstars Kaaris und Booba auf dem Pariser Flughafen Orly wäre aber sicher auch ohne technische Hilfsmittel bekannt geworden.

Nun existiert eine große Menge Videomaterial (wer es sehen will, wird es locker finden), das mehr oder minder deutlich zeigt, wie die französischen Rap-Stars und ihre jeweiligen Begleitpersonen aufeinander losgehen. Hier eine Zusammenfassung aus der Twitter-Sphäre zu der stattgefundenen Konfrontation:

Lolywood on Twitter

VIDÉO EXCLU : baston entre #kaaris et #booba à Orly https://t.co/v3vwm8YU6r

:

Wie konnte es derart weit kommen? Die Geschichte ist vertrackt. Es beginnt wohl mit dem Track "Kalash", der 2012 auf dem Album "Futur" zu finden war. Booba holt sich Kaaris als Feature auf die Platte und stellt den noch relativ unerfolgreichen Rapper einem größeren Publikum vor:

Jahre später gehen die beiden im Streit auseinander. Booba soll von Kaaris Moves eingefordert haben, denen der heutige Def Jam France-Artist nicht nachkommen wollte. Konkret soll es dabei um Disses gegangen sein. Nach ein paar partnerschaftlichen Jahren trennten sich die künstlerischen Wege – das Verhältnis blieb aber angespannt. Booba sieht sich wohl seitdem als Karrieresprungbrett benutzt.

Kaaris veröffentlichte nach "Kalash" unter anderem zwei Alben und ein Tape mit dem Produzententeam Therapy, das er über den französischen Altmeister kennengelernt hat. "Or noir", "Le Bruit de mon âme" und das Mixtape "Double F*ck" entstehen mit den Beatkünstlern 2093 und 2031. Was seit dieser Zeit und inzwischen alles vorgefallen ist, wissen mit Sicherheit nur die beiden Beteiligten. 2017 äußerte sich Booba in einem Radio-Interview folgendermaßen:

"Kaaris bleibt ein kleiner Fisch, heute geht jeder Gold, wenn man das Streaming einberechnet."

Dass Booba auch in diesem Jahr nicht gut auf Kaaris zu sprechen ist, verdeutlicht dieser Instagram-Post aus dem April:

Ahhh?! Vous aussi y faut laisser mon petit tranquil deh!!! #fiottzer

120.4k Likes, 3,437 Comments - KOPP92i In üs we trust (@boobaofficial) on Instagram: "Ahhh?! Vous aussi y faut laisser mon petit tranquil deh!!! #fiottzer"

Es lässt sich nur hoffen, dass sich diese Streitigkeiten irgendwann einmal klären und der Beef ein friedliches Ende findet, bevor es zur kompletten Eskalation kommt. Körperliche Auseinandersetzungen mit Rapper-Kollegen sind für Booba nichts Neues. 2013 hatte er einen handfesten Streit mit La Fouine in Miami. Auch damals gab es nicht gerade wenig Beweismaterial (auch hier kann man sich einen Eindruck verschaffen, wenn man es unbedingt möchte).

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wie im kindergarten diese rap scene ........

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Rap Français #1: Die Legenden & Pioniere des französischen Rap

Rap Français #1: Die Legenden & Pioniere des französischen Rap

Von Djamila Chastukhina am 14.07.2021 - 19:17

In den 1970ern kam Rapmusik erstmals in Amerika auf und war vor den 80er Jahren auch hauptsächlich auf die USA beschränkt. Nachdem das Genre jedoch immer mehr an Popularität gewann und internationale Aufmerksamkeit auf sich zog, ließen andere Länder nicht auf sich warten und bildeten langsam eigene Hiphop-Szenen. Frankreich schloss sich dem Trend relativ früh an und machte Hiphop so beliebt, dass er heute die meistgehörte Musikrichtung des Landes ist.

Auch in Deutschland wird französischer Rap gefeiert. Einige Deutschrapper kollaborieren gerne mal mit Artists aus der Szene, wie zum Beispiel Haftbefehl mit Rim'K auf ihrem gemeinsamen Track "Von Frankfurt bis Paris", Shirin David mit Gims auf "On Off", Luciano mit Gazo auf "On A" oder Dardan mit Heuss L’enfoiré auf "Alexander McQueen".

Anfänge des französischen Hiphop

Rap entwickelte sich nicht lange nach seiner Entstehung zu einem anspruchsvollen Genre mit tiefgründigen Texten. Rap-Legenden wie Wu-Tang Clan, Dr. Dre, Snoop Dogg oder N.W.A. prägten die Anfänge des Hiphops und somit auch die internationalen Szenen. Mit dem Aufkommen des freien Radios in Frankreich und durch die Ausstrahlung einiger Hiphop-TV-Shows in den 1980ern verbreitete sich amerikanischer Rap immer schneller. In den frühen 80er Jahren spielten Künstler aus den Vereinigten Staaten ihre ersten Shows in Europa. In Frankreich erreichten sie vor allem Menschen mit afrikanischer Herkunft, die sich mit Schwarzen Künstlern identifizieren konnten. Dieser zunehmenden internationalen Bekanntheit amerikanischer Rapmusik war es zu verdanken, dass Hiphop in Frankreich immer populärer wurde. Auch die Franzosen begannen zunehmend, ihre ersten Alben zu veröffentlichen.

Während die große Aufmerksamkeit der USA in den 90ern immer mehr dem Gangstarap oder düsterem Rap von der Straße galt, orientierte Frankreich sich zunächst an anderen Vorbildern. Die Musik klang leicht und funky – De La Soul und A Tribe Called Quest waren dabei unter anderem die Inspiration. Neben MC Solaar prägten vor allem Künstler wie Ménélik oder Alliance Ethnik diese Zeit.

Die Pioniere der französischen Hiphop-Szene

MC Solaar

Einer der ersten französischen Rapper, denen der Durchbruch zu nationaler Aufmerksamkeit gelang, war MC Solaar (jetzt auf Apple Music streamen) aus dem Pariser Vorort Villeneuve-Saint-Georges. 1990 veröffentlichte er im Alter von 21 Jahren mit "Bouge de là" (deutsch: "Raus hier") einen heute legendären Song, der seine erste aber lange nicht seine letzte Platin-Platte werden sollte. Bereits zu Beginn war es für Solaar wichtig, die Probleme und den Struggle von Schwarzen Menschen zu teilen, die nach Frankreich ausgewandert waren und sich dort ein besseres Leben aufbauen wollten. Viele seiner Songs thematisieren deshalb seine eigenen Erfahrungen als Schwarzer Mann in Frankreich sowie die Auswanderung seiner Eltern aus Senegal in einen Vorort von Paris. Der nun 52-Jährige gilt bis heute als einer der OGs im französischen Rap, da er die Szene mit seinem Stil nachhaltig geprägt hat.

Ménélik

Der Rapper Ménélik, bürgerlich Albert Tjamag, sorgte in den 90er Jahren mit lässigen Tracks wie "Bye Bye", "Tout baigne" (deutsch: "Alles ist gut") oder "Je me souviens" (deutsch: "Ich erinnere mich") für Stimmung. Dass "Tout baigne" (1995) in seiner lockeren Partytauglichkeit und mit der funky Bassline ein wenig an die frühe Fanta 4-Zeit erinnern kann, ist nicht komplett abwegig: Das Stuttgarter Quartett veröffentlichte im gleichen Jahr das Album "Lauschgift" mit Songs wie "Sie ist weg" oder "Populär".

Nach dem Release seines ersten Albums "Phénoménélik" stieg Ménéliks Bekanntheit rasant an und er ging gemeinsam mit seinem Kumpel Claude M'Barali, besser bekannt unter seinem Künstlernamen MC Solaar, auf Tour.

Sein Sound ist zwar melodisch und gelassen, jedoch schafft er es, ernste Themen wie Rassismus, Gewalt oder Drogenkonsum in seinen Texten aufzugreifen und diese so in eine andere Dimension zu heben.

IAM

Akhenaton, Shurik'n, Khéops, Imhotep und Kephren bilden zusammen seit 1989 die Rapgruppe IAM. Die Künstler aus Marseille sind ähnlich wie MC Solaar nicht auf Themen rund um Waffen, Geld oder Sex fokussiert, sondern widmen sich in ihren Texten häufig gesellschaftspolitischen Problemen wie Ungleichheit oder Rassismus und sie erzählen vom Leben in Frankreichs Banlieues (deutsch: Vororte). Einer ihrer bekanntesten Tracks ist "Je danse le Mia", in dem sie das Marseiller Nachtleben in den frühen 90ern beschreiben.

Ungefähr zur selben Zeit kamen sie international groß raus und erreichten mit ihrem Sound Länder wie Ägypten, Thailand und die USA, wo die Gruppe ebenfalls auf Tour ging. Bis heute sind IAM noch im Oldschool Game unterwegs und haben erst im Juni ihre jüngste EP "Première vague" (deutsch: "Erste Welle") releast.

Massilia Sound System

Im Jahr 1984 wurde die Rap-Crew Massilia Sound System aus Südfrankreich ins Leben gerufen. Mit Inspiration aus Jamaika machten sie entspannte Reggaemusik. Darin feierten sie hauptsächlich die ethnische Vielfalt in ihrer Heimatstadt Marseille und zeigten sich stolz auf ihre Kultur, Stadt und Sprache. Ihr Debütlbum kam erst 1992 raus, jedoch gründeten sie 1989 bereits ihr eigenes Independent-Label Roker Promocion, um weitere Artists in Frankreich pushen zu können. Im Januar 1990 verhalfen sie IAM zum Release ihrer ersten offiziellen Kassette "Concept" und damit zum Start ihrer prägenden Laufbahn. Zwar waren die Mitglieder von Massilia Sound System zu der Zeit mit ihrer eigenen Musik eher unbekannt, sie feierten jedoch noch Anfang der 2000er mit dem Album "3968 CR13" ihren Durchbruch.

Alliance Ethnik

Alliance Ethnik ist eine französische Hiphop-Gruppe aus Creil in der Oise. 1990 gegründet und 1999 aufgelöst, bestand sie aus Mitgliedern unterschiedlicher Herkunft. Die ehemaligen Mitglieder K-Mel, Médard, Gutsy, Crazy B und Faster Jay stammen aus Algerien, Italien, Frankreich und Kongo. Bekannt wurde die Gruppe vor allem durch ihren vom Funk inspirierten Sound, der sich auf ihrem ersten Album "Simple et funky" wiederfinden lässt. Das Album war nach seinem Release 1995 nicht nur in Frankreich, sondern unter anderem auch in Belgien und der Schweiz dank eingängiger Singles wie "Respect" und "Simple et funky" ein großer Erfolg. Ihr Comeback-Album hatte jedoch nicht denselben Effekt; nicht lange nach der Veröffentlichung 1999 löste sich Alliance Ethnik auf.

Doch nicht alles war "simpel und funky". Im Underground brachten zahlreiche Rapper die harte Realität auf der Straße in ihren Texten rüber und überzeugten ihre Fans vor allem mit Kritik an der Polizei und dem Staat. Suprême NTM, Assassin und Ministère A.M.E.R. schafften es jedoch, sich auch außerhalb des Untergrunds einen Namen zu machen.

Suprême NTM

Die beiden Rapper Kool Shen und JoeyStar bilden gemeinsam das 1989 gegründete Rap-Duo NTM ("N*que Ta Mère": Slang für "F*ck deine Mutter"). Was die Musik der Gruppe ausmacht: politische, gesellschaftskritische und aggressive Texte verpackt in Hardcore-Rap. In ihren Tracks versuchen sie stets, die Perspektiven von Minderheiten aus Vororten rund um Paris aufzuzeigen. Sie setzen sich das Ziel, auf Themen wie Polizeigewalt, Rassismus und Unterdrückung aufmerksam zu machen. Oft wenden sie sich dabei direkt an ihre Fans und fordern sie, wie im Track "Qu'est-ce qu'on attend" (deutsch: "Worauf warten wir"), zum Handeln auf:

"Es ist Zeit, dass wir darüber nachdenken /

Es ist Zeit, dass Frankreich sich all dieser Vergehen bewusst wird [...] /

Die Geschichte lehrt uns, dass unsere Chancen vertan sind /

Also lasst uns alles stoppen, anstatt es in die Länge zu ziehen [...] /

Vereint euch, um dieses System zu verbrennen"

("Il est temps qu'on y pense, il est temps que la France / Daigne prendre conscience de toutes ces offenses / [...] / L'histoire l'enseigne, nos chances sont vaines / Alors arrêtons tout, plutôt que cela traîne / [...] / Unissons-nous pour incinérer ce système")

Ministère A.M.E.R.

Ministère A.M.E.R. (Akronym von Action, Musique Et Rap) ist eine französische Rap-Gruppe aus Sarcelles, die für ihre radikalen Texte mit Songs wie "Sacrifice de poulets" (deutsch: "Opfergabe der Hühner"), "Les Cloches du diable" (deutsch: "Die Glocken des Teufels") oder "Je flirte avec Le meurtre" (deutsch: "Ich flirte mit dem Mord") bekannt geworden ist. Ihr erstes Album "Pourquoi Tant De Haine" (deutsch "Warum so viel Hass") erschien 1992. Drei Jahre später tauchte ihr Track "Sacrifice de poulets" auf dem Soundtrack des Films "La Haine" auf und sorgte für zahlreiche öffentliche Diskussionen. Das Lied erzählt von einem Abend voller Ausschreitungen in Pariser Vororten, Gewalt gegen die Polizei und Auflehnung gegen den Staat.

"Wieder einmal ist die Polizei der Feind [...] /

Es riecht nach Aufruhr, es beginnt, die Menge schreit nach Rache [...] /

Sogar in der Menge trage ich die Sturmhaube

Die Jüngsten hören mir in der Schule der Straße zu, ich bin ihr Lehrer /

Erste Stunde: Molotovcocktails werfen"

("Cette fois encore la police est l’ennemie [...] / Ca sent l’émeute, ça commence, la foule crie vengeance [...] / Même dans la foule je porte la cagoule / Les plus jeunes m’écoutent dans l’école de la rue, je suis leur prof / Premier cours: lancer de cocktails Molotov")

Das französische Innenministerium erstattete aufgrund der harten Texte Anzeige gegen das Rapkollektiv. Die Mitglieder von Ministère A.M.E.R. wurden zu einer Geldstrafe von 250.000 Franc (etwa 38.000 Euro) verurteilt und es wurde ein Verkaufsverbot für ihre Schallplatten gefordert. Die Mitglieder der Gruppe, darunter Doc Gyneco, Stomy Bugsy und Passi, trennten sich nach dem Prozess, machten aber allein weiterhin Musik.

Ärsenik

Die zwei Brüder Lino und Calbo bildeten zusammen von 1992 bis in die 2000er Jahre das Rap-Duo Ärsenik. Ihr Debütalbum "Quelques gouttes suffisent" (deutsch: "Ein paar Tropfen reichen aus") katapultierte das Duo 1998 in die Charts und brachte die Hit-Single "Affaires de Famille" hervor. Vier Jahre später kehrten Ärsenik mit ihrem zweiten Studioalbum zurück und feierten ähnliche Erfolge wie mit dem Vorgänger. Seither machen die beiden jedoch hauptsächlich getrennt voneinander Musik und fokussieren sich auf ihre Solokarrieren.

Ärseniks Tracks sind vor allem für ihre harten Punchlines bekannt, was sie in der passenden Single "Boxe avec les mots" (deutsch: "Boxe mit Worten") unter Beweis stellen:

Assassin

"Natürlich wäre es besser für den Staat, Hiphop zu kontrollieren"

("Bien sûr, ce serait mieux pour l'État de contrôler le Hiphop" Assassin – Kique ta merde)

Hardcore-Rap mit politischer Message ist die Visitenkarte der 1985 gegründeten Rapgruppe Assassin. Sie machen es sich seit Beginn ihrer Karriere zum Ziel, eine Gegenströmung zum politischen System zu bilden und es zu kritisieren. In ihrer Musik prangern sie gesellschaftliche Themen wie Rassismus und Sexismus an und rufen mit ihren Lyrics stets zu Einheit, Respekt, Liebe, aber auch Kampfbereitschaft auf. Sie belassen es jedoch nicht nur bei der Musik. Darüber hinaus engagierten sie sich auch in Verbänden wie dem AFFLID (Association des familiers en lutte contre l'insécurité et les décès en détention), welcher sich für bessere Bedingungen für Menschen in Haft einsetzt und verdächtige Todesfälle in Gefängnisen aufzuklären versucht. Mit starken Aussagen konnten sie sich zur Mainstream-Popularität durchsetzen und waren eine der lautesten politischen Stimmen der 90er in Frankreich.

Seit den 80er Jahren ist Rap in Frankreich nun aktiv und seit den 90er Jahren konnte er bereits große Erfolge feiern, die ihm den Durchbruch in den Mainstream ermöglichten. Viele der prägenden Stimmen, die von Anfang an dabei sind, genießen bis heute noch Erfolg und Anerkennung. Mit verschiedensten Einflüssen aus Subgenres wie Funk, Reggae oder Hardcore-Rap konnten sie ein Fundament für all das legen, was wir heute aus der Szene kennen.

Seither ist die Raplandschaft in Frankreich von Jahr zu Jahr gewachsen und immer vielfältiger geworden. Heute ist sie komplexer denn je. In kommenden Artikeln widmen wir uns den 2000er Jahren sowie der Gegenwart und Zukunft des französischen Raps. Stay tuned!


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