Arafat Abou-Chaker hat Markenrechte an Shindy und Samra – bald auch an Bushido und Capital Bra?

Die geschäftliche Situation von Shindy ist in der Öffentlichkeit nach wie vor ungeklärt. Etwas Licht ins Dunkel bringt ein Blick in das Markenregister des Deutschen Patent- und Markenamts, dass einige interessante Aspekte rund um die Lage von Shindy, Bushido, Arafat Abou-Chaker sowie weiteren (Ex-)EGJ-Künstlern bereithält.

Arafat hat die Rechte an Shindys Streaminginhalten

Die Suche nach der Marke "Shindy" ergibt in der Datenbank drei Treffer. Einer der Einträge stammt von Michael Schindler, also Shindy selbst, der im Oktober 2012 seine Marke anmeldete und im Mai 2013 die Eintragung in verschiedenen Klassifikationen bekam. Er sicherte sich unter anderem die Rechte an Schallplatten, Compact Discs, Hörbüchern, anderen Tonträgern und DVDs [Klasse 9]; Aufklebern, Stickern, Bildern, Büchern, Postern und Plakaten [Klasse 16] sowie diversen Bekleidungsstücken [Klasse 25]. Mit Klasse 16 und 25 dürfte, grob gesagt, alles an Merchandiseartikeln abgedeckt sein.

Außerdem besitzt Shindy die Markenrechte an Punkten wie "Bereitstellen des Zugriffs auf Informationen im Internet, insbesondere im Zusammenhang mit Musik, Kunst und Kultur" [Klasse 38] und "Organisation, und Durchführung von sowie Ticketvorverkauf für Konzert-, Show-, Musik- und Live-Veranstaltungen" [Klasse 41].

Allerdings holte sich im Oktober 2018 auch Arafat Abou-Chaker einige Rechte an der Marke Shindy ein. Neben den Rechten an unterschiedlichen Produkten rund um Tabak- und Rauchwaren [Klasse 34] beinhalten vor allem die Klassen 9 und 38 wichtige Punkte.

Arafat sicherte sich nicht nur die Rechte an der Marke Shindy für "herunterladbare digitale Musik" [Klasse 9], sondern auch für "Streaming von Daten; Streaming von Ton- und Bildmaterial im Internet; Streaming von Ton-, Bild- und audiovisuellem Material über ein weltweites Computernetz; Streaming von Tonmaterial im Internet; Streaming von Video, Audio und Fernsehen; Streaming von Videomaterial im Internet" [Klasse 38]. Die im Streamingzeitalter wichtigsten Rechte an der Marke Shindy liegen offenbar bei Arafat Abou-Chaker. Das könnte erklären, weshalb Shindys Soloalben seit einigen Wochen nicht mehr bei den Streaminganbietern zu finden sind.

"Absoluter Psychoterror": Shindy über EGJ-Vergangenheit und neue Musik

Über kaum einen anderen Künstler gab es in den letzten zwölf Monaten ein derartig großes Rätselraten, wie um Shindy. Jetzt spricht der Rapper zum ersten Mal seit langer Zeit selbst.

Auf unsere Nachfrage äußerte das Deutsche Patent- und Markenamt, dass es möglich sei, dass eine Marke verschiedene Inhaber hat, auch in gleichen oder ähnlichen Klassifikationen. Aufgrund des nicht zu bewältigenden Aufwands sei es nicht Aufgabe des Amts, zu prüfen, ob eine Marke mehrfach eingetragen ist. Dies liege im Aufgabenbereich des Inhabers, der in einem solchen Fall dagegen vorgehen könne.

Hat Arafat auch die Markenrechte an Capital Bra und Samra?

Shindy ist bei weitem nicht die einzige Marke, als deren Inhaber Arafat Abou-Chaker angegeben wird. Arafat hat sich ebenso die Rechte in diversen Klassifikationen für die Marken "Ali Bumaye" und "Laas" gesichert.

Überraschend werden auch die Marken "Samra" und "Capital bra" (in falscher Schreibweise) unter Arafat Abou-Chaker gelistet, darunter die wichtigen Rechte an Streaminginhalten. Zudem ist eine weitere Anmeldung von Arafat für die Marke "Capital Bra" (und somit in richtiger Schreibweise) eingegangen, deren Eintragung noch aussteht. Der Eintrag "ABC Records" (ABou-Chaker) dürfte eine Bestätigung für das von Arafat angekündigte eigene Label sein.

Die Einträge zu Arafat Abou-Chaker im Markenregister des Deutschen Patent- und Markenamts:

Welche Markenrechte besitzt Bushido?

Obwohl Capital Bra und Samra offiziell bei Bushido unter Vertrag stehen, finden sich zu den beiden Artists kaum Einträge, bei denen Anis Mohamed Ferchichi, so Bushidos bürgerlicher Name, als Inhaber angegeben ist. Während zu Samra unter dem Namen Ferchichi gar nichts gelistet ist, hat sich Bushido bei Capital Bra laut des Registers nur die Rechte für verschiedene Tabakwaren und Raucherprodukte in der Klasse 34 gesichert.

Hinzu kommen unter anderem die Rechte an den Marken "ersguterjunge", "BUSHIDO" in Großbuchstaben, dem bekannten "Bushido-B" als Bildmarke und "Bushido". Letztere jedoch nur für Tabakwaren und Raucherprodukte in Klasse 34.

Wie das Register zeigt, hat Arafat Abou-Chaker auch für die Marken "Bushido" und das Bushido-Logo Anmeldungen in verschiednen Klassifikationen eingereicht, die noch nicht eingetragen wurden.

Vertragliche Situation unklar

Alle von Arafat getätigten Anmeldungen und Eintragungen bezüglich Bushido, Shindy, Samra und Co. fanden im Zeitraum zwischen August und November 2018 statt, bei allen läuft noch für einige Wochen eine Widerspruchsfrist. Wie sehr die vertragliche Situation der verschiedenen Artists mit der markenrechtlichen Lage zusammenhängt und was das Ganze für ein mögliches Comeback von Shindy bedeutet, ist unklar.

Wie es um das Comeback von Shindy steht

Shindy hat sich in den letzten beiden Jahren ziemlich rar gemacht. Seine Soloalben sind bei Spotify nicht mehr zu finden, die Aktivitäten auf sozialen Netzwerken wurden quasi eingestellt - der Künstler Shindy ist mit dem Split bei Ersguterjunge hinter einer undurchsichtigen Vertragssituation verschwunden.

Möglicherweise stehen Samra und Capital Bra bei Bushido unter Vertrag, doch Arafat könnte dank der Markenrechte weiterhin mit an ihnen verdienen. Sowohl bei Shindy als auch bei Laas, Ali Bumaye, Samra und Capital Bra scheint Arafat ein Mitspracherecht zu haben, was die Vermarktung und Verbreitung der Musik sowie sonstiger Produkte betrifft und somit weiterhin finanziell beteiligt zu sein.

Die öffentlich einsehbare Datenbank des Deutschen Patent- und Markenamts und weitere Infos zur Labelsituation rund um EGJ findest du hier:

DPMAregister | Marken - Einsteigerrecherche

DPMAregister stellt die amtliche Publikationsplattform des DPMA dar, mit Hilfe derer das Amt die Veröffentlichungen vornimmt, die im Rahmen der anhängigen Verfahren im Patent-, Gebrauchsmuster-, Marken- und Designsachen gesetzlich vorgesehen sind.

Shindy, "JBG 3" und die Situation bei EGJ: Bushido und Arafat Abou-Chaker tragen ihren Streit weiter öffentlich aus

Die Trennung von Bushido und Arafat Abou-Chaker entwickelt sich zunehmend zu einem öffentlich ausgetragenen Streit. Nachdem Arafat schon am Freitag und Samstag angebliche Insiderinfos über Labelinterna veröffentlichte, startete er am gestrigen Abend einen Instagram-Livestream, auf den Bushido kurz darauf via Twitch reagierte.

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Bushido, Casper, Apache 207: Stickles beispiellose Producer-Karriere

Bushido, Casper, Apache 207: Stickles beispiellose Producer-Karriere

Von Michael Rubach am 05.05.2021 - 11:43

Vor mehr als 15 Jahren wird Bushido bei einem Gig in Linz ein Demotape in die Hand gedrückt. Die kurze Aufforderung: "Hier, hör dir das mal an!" Diese Ansage kommt von Stickle. Heute produziert der Österreicher unter anderem für Yung Hurn, Apache 207, Bausa und Pashanim. Mit dem neu gegründeten Label November Eleven hält er inzwischen selbst nach Talenten Ausschau. Zeit für einen Blick auf einen der vielseitigsten Producer in der deutschen Raplandschaft, der trotz aller Gold- und Platinplatten wohl weiterhin ohne übermäßig viele Selfie-Anfragen zum Einkaufen spazieren kann.

Beatlefield: Stickle landet in Berlin & bei Bushido

Bei ersguterjunge starten und bei den angesagtesten Acts der Gegenwart rauskommen: Das ist nicht jedem vergönnt. Stickle hat diesen wilden Ritt durch die Szene erfolgreich hinter sich gebracht. Gemeinsam mit Chakuza verschlägt es ihn 2005 zu Bushidos Label ersguterjunge. Der EGJ-Chef stellt das österreicherische Gespann auf dem Song 2006 "Nemesis" noch so vor:

"D-Bo ist mein bester Freund / Saad ist wie mein Bruder / Seit heute in Berlin: Stickle und Chakuza"

Beide Berliner Neuankömmlinge bilden das Produzententeam Beatlefield. Alben wie "Staatsfeind Nr.1", "Das Leben ist Saad" oder diverse ersguterjunge-Sampler entstehen in jener Zeit. Die Juice schreibt damals, dass "Beatlefield fast allen EGJ-Releases ihren charakteristischen Soundstempel aufgedrückt" hätten. Auch Chakuzas Rapsolokarriere ist eng mit Stickle verwoben. Sein bis heute erfolgreichster Track "Eure Kinder" aus dem Album "City Cobra" geht beispielsweise auf die Arbeit mit Stickle zurück.

Dennoch werden die Verträge nicht verlängert. Stickles und Chakuzas EGJ-Engagement endet 2010. Auch von Künstlerseite gibt es offenbar keine Bestrebungen die Zusammenarbeit fortzusetzen. Es sei "irgendwo eine logische Konsequenz" gewesen, dass man getrennte Wege geht, erklärt Chakuza bei uns zu jener Zeit in einem Kurz-Interview. Zwischenzeitlich ist übrigens ebenso ein gewisser RAF Camora Teil der Beatlefield-Crew, zu deren festem Kern darüber hinaus PR-Berater Hamadi gehört.

Übermäßige Nebengeräusche, wie sie in der jüngeren Vergangenheit zum Standard wurden, sind beim damaligen Abschied aus dem EGJ-Lager nicht zu vernehmen. Das wirkt geradezu stellvertretend für Stickles Karriere im Allgemeinen. Er scheint immer dort zu sein, wo etwas Großes entsteht, aber macht sich nicht viel aus dem einsetzenden Rampenlicht. Gelegenheiten zum Abheben liefert sein Werdegang im Überfluss.

Prägender Sound: Stickles Arbeit mit Casper & Yung Hurn

Nach der EGJ-Phase ist Stickle an einer Platte beteiligt, die im Nachhinein als Game-Changer für Deutschrap eingeordnet werden kann. Caspers "XOXO" vereint Indie-Gitarren und große Gesten, ohne an die Holzhammer-Crossover-Welle um die 2000er zu erinnern. Stickle ist Teil des Producer-Teams des Albums, welches Rapfans und das Feuilleton gleichermaßen für sich vereinnahmt. Die Magie entsteht im Beatlefield Studio in Kreuzberg, das als die Krabbe in Erinnerung bleiben sollte. Stickle und Casper finden zusammen, da sich Letzterer nach seinem Berlin-Umzug neu ausrichtet. Bei einem Studioreport sagt Casper:

"Und dann hab ich halt Stickle kennengelernt, weil ich 'nen DJ gesucht hab für meine Live-Show, als wir auf Band umgestellt haben."

Auch Chakuzas Soloalbum "Magnolia", das musikalisch einen ähnlichen Spagat versucht, ist mit Stickles Sound-Vision verknüpft. Bei der Auftaktsingle "Ascheregen" zum folgenden Casper-Album "Hinterland" hat Stickle neben Konstantin Gropper und Markus Ganter ebenfalls seine Finger im Spiel. Doch dieser Übergang von allerlei ersguterjunge-Produktionen zu Caspers Indie-Boombast ist für den Linzer nicht das Ende einer musikalischen Reise. Er scheint sich einfach treiben zu lassen. Dabei landet er auch mal mit Schauspielstar Matthias Schweighöfer im Tonstudio. Das Resultat ist der Popsong "Fliegen", der im Zusammenhang mit dem Kinofilm "Der Nanny" veröffentlicht wird.

In den folgenden Jahren taucht Stickle permanent an der Seite von Yung Hurn (diesen Artist auf Apple Music streamen) auf. Das komplette Album "1220" des Wiener Süßgotts ist von Stickle produziert. Wie er am Rande eines Konzerts die Fertigstellung der Platte beschreibt, stellt man sich die Arbeit mit Yung Hurn ungefähr auch vor:

"Es hat tatsächlich eine gewisse Zeit gedauert, bis wir in Fahrt gekommen sind. Am Anfang war es ein wenig undefiniert und wir wussten nicht, ob wir schon am richtigen Weg zum Album sind und ob es was wird. Dann ging es aber auf einmal ziemlich schnell und das Ding war fertig."

Sogar House im Retro-Stil zählt zu Stickles Repertoire. Den Track "Popo" produziert er zusammen mit Yung Hurn. Die Vibes mit dem Landsmann stimmen augenscheinlich. Auch dessen Alter Ego K. Ronaldo wird für Rave-Ausflüge von Stickle versorgt. Es erklärt sich fast von selbst, dass Stickle zu den Mitbegründern der Love Hotel Band gehört.

Dass der Linzer gewissermaßen als Verbindungsglied zwischen Bushido und Yung Hurn funktioniert, wirkt im Nachhinein regelrecht absurd. Sein Faible für experimentelle Sounds und Elektro lässt sich jedoch schon früh erahnen. In einem alten Interview auf Rap-As.com auf seine musikalischen Vorlieben angesprochen, sagt er: "Durch die Bank. Ich höre sehr viele Elektro-Sachen in letzter Zeit. Sachen, wo Rapmucke kombiniert ist, mit Elektrosachen."

Apache 207, Pashanim & Co: Stickle macht die Hits

Auf der Erfolgsleiter geht es in der jüngsten Vergangenheit weiter steil bergauf. Mindestens mit "200 km/h" – kannste Apache 207 fragen. Mit dem Überflieger der letzten Jahre connectet Stickle gleich mehrfach für gemeinsame Tracks. Auf "Boot" oder "Nicht wie du" bedient er dabei ganz unterschiedliche künstlerische Facetten des Hitgiganten. Hier gilt erneut: Der so vielseitige Producer ist bereits vor dem großen Hype am Start.

Der Song des Jahres 2020 bei den Hiphop.de Awards geht ebenfalls mit einem Stickle-Beat einher. "Airwaves" sowie der kaum weniger populäre Pashanim-Track "Hauseingang" gehen aufs Konto des österreichischen Producers. Er scheint immer dort aktiv zu sein, wo sich gerade etwas zusammenbraut. Nebenher schüttelt er stilsicheren Rap-Pop aus Ärmel. "2012" von Bausa und Juju: ein Stickle-Beat. Der Werdegang des Musikers ist von jeder Menge richtigen Entscheidungen und einem ausgeprägten Gespür für das nächste große Ding gepflastert.

Es wirkt folgerichtig, dass Stickle nun von sich aus aufstrebenden Künstler*innen die Möglichkeit eröffnet, mit ihm am Sound der Zukunft zu arbeiten. Zur Gründung des Label Joint Ventures November Eleven mit Four Music erklärt er:

"Ich freue mich sehr darauf, zusätzlich zu meiner bisherigen Rolle als Produzent spannende Newcomer ab sofort auch als Creative Director gemeinsam mit dem Team von Four Music beim Aufbau ihrer Karriere unterstützen und fördern zu können."

Mit Nikan hat Stickle bereits den ersten Artist unter seine Fittiche genommen. Ob dieser Stickle eigenhändig ein Demotape übergeben hat oder einen ganz anderen Weg wählte, ist nicht überliefert.

nikan - Northface [Video]

Der Düsseldorfer Newcomer nikan ahnt "Northface". Dazu droppt er locker Ansagen: "Ich will Schmuck auf meinem Zahn und ne Baddie nachts im Arm". Der hypnotische Beat wurde von Stickle und Andrewextendo produziert. nikans ""All In / Plan A""-EP soll im Frühjahr erscheinen.


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