Amazon, Spotify & Co schmeißen Nazi-Rapper raus

Boxen futsch! Spotify futsch! Charterfolg futsch! Der kommerzielle Durchbruch eines Mannes, der vom bayrischen Verfassungsschutz 2016 als Rechtsextremist eingestuft wurde und auf der Feature-Wunsch-Liste von Xavier Naidoo ganz oben steht, muss warten. Pointierter könnte man schlichtweg davon reden, dass einem bekannten Nazi-Rapper die Existenzgrundlage abhandengekommen ist.

1000 Boxen storniert – und das ist gut so

Alles schien bereit für den großen Moment des leidenschaftlichen Patrioten, der auf Facebook noch so provokant auf eine "Reaktion der Linken" hofft. Die Früchte seines menschenfeindlichen Unsinns kann er nun jedoch vorerst nicht ernten. Amazon, Spotify, Apple Music und Co haben kurzerhand die Platte des rechten Rappers aus dem virtuellen Regal genommen. 1000 Boxen einfach storniert. Die Konsequenzen dieser "widerlichen Aktion" schlagen aufs Gemüt. Der Frust muss raus:

"Spotify und Amazon löschen all meine Lieder."

Im Fernsehen werden Politiker, die selbst der AfD zu rechts sind, neuerdings zum lockeren Sommer-Interview begrüßt. Streamingdienste und gigantische Unternehmen wie Amazon haben dahingehend auch eine Zeit lang für eine gewisse Wohlfühlatmosphäre gesorgt. Nun wurde der Teppich eingerollt und die Tür für rechte Propaganda auf Beats wieder verschlossen. Eine Verbindung, die für sich schon total paradox ist.

Warum Nazis Hiphop nicht verstanden haben

Diese unheilige Vereinigung wurde allerdings über Jahre hinweg einfach hingenommen. Dass ein bekannter Rechtsextremist 24/7 seine Botschaften senden konnte, ist ein Armutszeugnis. Auf Spotify ist noch zu sehen, dass sich über 26.000 Menschen monatlich in dieses braune Paralleluniversum verirrt haben. Eine Welt, die sich an Hiphop anbiedert und die Kultur zugleich komplett ablehnt. In Dauerschleife und frei zugänglich konnte man sich mit Parolen beschallen lassen, die uns zurück in eines der dunkelsten Kapitel der Geschichte katapultieren.

Diesem Artikel ging ein langes Abwägen voraus, ob wir überhaupt darüber berichten sollen, wie es um die musikalische Existenz eines Mannes steht, der Rap für rechten Bullshit missbraucht. Letztendlich dürften jedoch eh schon die meisten von rechtem Rap Notiz genommen haben. Wir haben uns letzendlich dazu entschieden, diesen anzuprangern, statt ihn totzuschweigen.

Was ist mit Capital Bra, Azet & Haftbefehl? Die Leiden des jungen Extremisten

Als Beispiele für die Ungerechtigkeit, die ihm da aktuell zu widerfahren scheint, zieht der gecancelte Volksrapper übrigens ausschließlich Künstler heran, die einen Migrationshintergrund besitzen: Capital Bra, Haftbefehl, Azet. Diese dürften schließlich die wildesten Dinge in ihren Texten sagen – ohne dass jemand eingreift. Diese fast schon weinerliche Reaktion auf die Stornierung und die Löschungen verdeutlicht gut, wie sehr die Rechten an ihrer medialen Präsenz hängen.

Amazon, Spotify und Co entreißen den Akteuren mit ihrer Aktion wesentliche Schauplätze der Selbstinszenierung und bequeme Einnahmequellen. In Anlehnung an den Output des frisch Betroffenen sollte es ein "Neuer Deutscher Standard" sein, dass große Plattformen sich dazu entschließen, ihre gesellschaftliche Verantwortung derart wahrzunehmen. So ein Vorgehen ist ein wichtiges Zeichen in einem System, das auf dem rechten Auge allzu oft blind scheint. Inhalte, die unverhohlen rechtes Gedankengut vermitteln, sollten nicht scheinbar belanglos neben dem Rest stehen.

Der Move des Handelskonzerns und der Streamingdienste ist schlussendlich auch eine Entscheidung, die von außen angestoßen wurde. Sie ist notwendig, um nicht an Glaubwürdigkeit einzubüßen. Wer sich auf der einen Seite klar mit Black Lives Matter solidarisiert, wirkt inkonsequent und höchst fragwürdig, wenn auf der anderen Seite rechtem Gedankengut Tür und Tor offen stehen. Es bleibt zu hoffen, dass es sich hier nicht um einen einmaligen positiven Ausrutscher handelt, sondern Nazi-Rap permanent vom Radar verschwindet.

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Stadt Dortmund will Xavier Naidoo-Konzert verhindern

Stadt Dortmund will Xavier Naidoo-Konzert verhindern

Von HHRedaktion am 25.04.2020 - 13:05

Xavier Naidoos Verbindungen zu Rechten, Verschwörungstheoretikern und rechten Verschwörungstheoretikern haben nun offenbar Auswirkungen auf sein Live-Geschäft. Die Stadt Dortmund prüft aktuell die Absage eines geplanten Konzerts. Ein Auftritt Naidoos sei "nicht vereinbar" mit dem "Charakter einer weltoffenen, vielfältigen und toleranten Stadt", heißt es in einer Mitteilung.

Stadt Dortmund will mit Xavier Naidoo nichts zu tun haben

Xavier Naidoo habe "wiederholt öffentliche Äußerungen mit rassistischer und antidemokratischer Tendenz getätigt". Seine Wiedergabe von "Verschwörungstheorien mit teils antisemitischen Bezügen" und die "Kontakte zur identitären Bewegung" schaffen für die Politik eindeutige Verhältnisse. Xavier Naidoo soll nicht ohne Weiteres seinem Live-Geschäft nachgehen können. Der Dortmunder Oberbürgermeister zeigt an dieser Stelle klare Kante:

"Wir wollen Xavier Naidoo nicht in unserer Stadt und auch nicht jene Anhänger seiner Musik, die seine Positionen teilen."

Weiterhin führt er aus, dass die Agenda des Mannheimer Sängers nicht mit den Werten der Stadt einhergehe: "Xavier Naidoo und seine Äußerungen passen nicht hierher."

Kool Savas mit emotionalem Statement zu Xavier Naidoo

Von HHRedaktion am 22.04.2020 - 15:31 Jedes Mal, wenn wir über Xavier Naidoo s neue Ausflüge in den braunen Sumpf berichten, sterben wir anschließend mehrere Tode beim Blick in die Kommentarspalten. Er hat ja vor hundert Jahren mal die Hook in einem Anti-Nazi-Song gesungen, selbst eine dunklere Hautfarbe und könnte daher doch gar nicht rechts sein, sind sich manche Rapfans einig.

Das Konzert von Xavier Naidoo ist für den 5. September im Dortmunder Westfalenpark angesetzt. Aktuell sei die Stadt Dortmund im Austausch mit dem zuständigen Veranstalter. Man prüfe, wie sich eine Absage am besten regeln lasse. Die Hoffnungen liegen darauf, dass die Meinungen zu Xavier Naidoo nicht auseinander gehen. Aufgrund der schlecht vorhersagbaren Corona-Situation ist es auch nicht ausgeschlossen, dass eine solche Veranstaltung sowieso nicht stattfinden darf – unabhängig von Xavier Naidoos Weltsicht.

Corona bedroht die Live-Kultur: Alternativen & Support-Möglichkeiten

Die Corona-Krise crasht den Festivalsommer. Aber nicht nur das: Bis Ende August sind alle großen Veranstaltungen abgesagt. Damit ist die Pandemie gleichzeitig eine Krise für die komplette Live-Musik und trifft damit natürlich auch Rapper. Jetzt stellt sich die Frage: Wird das alles wieder irgendwann normal?


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