Alle neuen Songs: Karate Andi, Summer Cem, Max Herre, Azet & mehr im Deutschrap-Update

Das Kalenderjahr geht so langsam auf die Zielgerade und hat im November nochmal einige Kracher parat. Heute sind unter anderem die neuen Alben von Max Herre und Summer Cem erschienen, die ihren Fokus kaum unterschiedlicher setzen könnten, aber beide am Ende mit um den Titel Album des Jahres kämpfen könnten. Außerdem hat Yung Hurn sein neues Werk "Y" veröffentlicht und natürlich gibt es massenhaft Single-Neuerscheinungen. Wir bringen mit unserer Playlist Ordnung in die Flut:

Auf den vorderen Plätzen finden sich wie gewohnt die größeren Namen: Azet ist mit seiner bereits am Mittwoch erschienenen EP "Mango" vertreten und bekommt den Cover Spot. Dahinter gibt's die Kollabo "Fatality" von Summer Cem und Haftbefehl sowie eine Hälfte von Karate Andis Comeback in Form von "Zerre". Für entspannendere Klänge sorgen Yung Hurn und Reezy mit "Doppel C".

Ein paar Positionen weiter hinten finden sich mit Rapkreation die ersten MCs, die (noch) nicht zu den Großen gehören – aber es wird immer besser mit der Zeit. Straighten und modernen Rap mit authentischer Berliner Straßen-Attitude gibt es nicht nur auf der neuen Single "Tag Eins", sondern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch am 20. Dezember, wenn das Debütalbum der Jungs erscheint. Merkt euch den Namen!

Ohne sich an einen Trend zu hängen, zieht auch Estikay sein Ding durch. Ein zum Kopfnicken prädestiniertes Instrumental von Don Alfonso bietet die Grundlage für persönliche und reflektierte Lyrics über Estis Vergangenheit und Gegenwart. Einfach ein korrekter Rapsong.

Vom anfangs erwähnten Max-Herre-Album "Athen" haben wir "Siebzehn" und "Konny Kujau" für unsere Playlist gepickt. Mehr als einen kleinen Einblick in das vielfältige, lyrisch sowie soundtechnisch kreative und wunderbar produzierte Album können die beiden Nummer aber nicht liefern. "Athen" will am Stück und mit offenen Ohren gehört und nicht zwischen Pophit A und Pophit B auf locker wegkonsumiert werden.

Progressives Turn-Up-Material haben wir heute von Morris Oh ("Racks") geliefert bekommen. Das aggresivste Werk der Woche dürfte Massivs Track "Lativ" sein, der pünktlich zum Start der finalen Staffel "4 Blocks" erscheint. Außerdem gibt es neue Mucke von Negatiiv OG, Olson, Genetikk, Bosca und Vega, Sinan-G mit Mois, Litti, Roger Rekless, Greeen und vielen mehr. Abonniert unsere Playlist auf allen Plattformen, um immer die beste Mischung aus Hits und Geheimtipps im Überblick zu haben!

Alle neuen Songs

  • Karate Andi – EWJTNK/ Zerre
  • Kollegah – Alphagenetik
  • Sinan-G ft. Mois – Keine Schwäche zeigen
  • Brado ft. Mero – Kafa Leyla
  • Estikay – HMDG
  • Massiv – Lativ
  • Azet - Seele (6. Nov)
  • Kelvyn Colt – Miles Away
  • Morris Oh – Racks
  • Yun Mufasa ft. Mo$art – Dynamit (Deutscher Gunna)
  • King Khalil ft. Azan & Kay Ay - Kokain
  • Finch Asozial - Finchiboy
  • 1stTHEREWASDECEMBR ft. Manuellsen - Anders (Remix)
  • Dedo - Backstage
  • SDT & Cha Lee – Liter
  • Brecho - Dinero
  • Roger Rekless - Goma
  • Olson - Zenkichi
  • Fourty - Aperitif (Neues LIP-Signing)
  • Genetikk - Masters vom Mars
  • Eko Fresh – 1989
  • Gini – Bin dabei
  • Klapse Mane – Hand in Hand
  • Skinny Finsta – KOM
  • MC Bilal - Bye Bye
  • Bosca ft. Vega – Wieder auf Krawall
  • Montez – Autobahn
  • Litti ft. Peer Pressure & Camelmob – Beckstraße bis Stübenplatz (Mittwoch)
  • Beyazz – Weißgold (Mittwoch)
  • Marú – Filter (Mittwoch)

Alle neuen Releases

  • Summer Cem – Nur Noch Nice
  • Yung Hurn – Y
  • Max Herre – Athen
  • Greeen – Smaragd Plus
  • Tufu – Moorloch
  • Blokkmonsta & Smoky - Zu hart für den Staat
  • Mo-Torres – Rochuspark
  • Azet - Mango Ep (6. Nov)
Hiphop.de ist offizieller Medienpartner von: Groove Attack

Groove Attack powered by Hiphop.de

Groove Attack ist Streaming Partner von Hiphop.de

Deine Meinung dazu?

Weiter ...

Trotz Vermögen am Block: Wieso Haftbefehl zu seinen Wurzeln zurückkehrt
Dsa

Trotz Vermögen am Block: Wieso Haftbefehl zu seinen Wurzeln zurückkehrt

Von Renée Diehl am 07.05.2021 - 13:52

Scheint, als hätte Haftbefehl (diesen Artist auf Apple Music streamen) wieder Blut geleckt: Nachdem vor nicht mal einem Jahr "Das Weiße Album" fast ohne Promo abseits der Singles herauskam, hat sich Baba Haft vor Erscheinen des Nachfolgers ordentlich ins Zeug gelegt. Im Vorfeld zu "Das Schwarze Album" gab es nämlich wesentlich mehr von ihm zu sehen als in den letzten paar Jahren insgesamt. Lieblingsschauplätze aller Haftbefehl-Medienbeiträge: die Städte Frankfurt und Offenbach am Main. Und das ist natürlich auch naheliegend, denn schon die ersten paar Einstiegs-Lines ins Album auf dem ersten Song "Kaputte Aufzüge" nehmen einen mit in die Offenbacher Blocks, in denen Haftbefehl aufgewachsen ist: "Der Treppenhaus riecht nach Kush / Im Feuermelder verstecken wir Packs mit Schnuff / Crackrauch liegt in der Luft / Der Drecksaufzug ist kaputt, kennst du das, kaputte Aufzüge?"

Und, kennst du das?

"DSA": Offenbacher Endzeitstimmung

Viele werden das wahrscheinlich nicht kennen. Das ist auch okay so: Offenbach hat schließlich nur knapp 140.000 Einwohner und davon wiederum wohnen wohl die wenigsten selbst "am Block". In Haftbefehls altem Viertel allerdings die meisten. Die Einwohnerstruktur des Mathildenviertels ist stark geprägt von den Mainpark-Blocks. 

Das Hochhaussiedlungs-Narrativ definiert die Stimmung des gesamten Albums. Nicht ohne Grund hat Haftbefehl "Wieder am Block" gemeinsam mit Soufian, ebenfalls Offenbacher, als Lead-Single rausgebracht. Stimmen, die aufgrund seiner aktuellen Lebensumstände – Haus, Frau und Kinder – aber an der Realness des Albums zweifeln, lässt der Rapper schnell verstummen. In der Doku "Du weißt, dass es Haft ist" sagt er dazu: 

"Mein normales Leben kann ich mit der Musik nicht verbinden. Aktuell wohn‘ ich am Block. Hab mir eine kleine Wohnung geholt vorübergehend um meine Musik zu machen. So arbeite ich, ist halt so."

Er hat sich also nicht nur im übertragenen Sinne wieder an den Block begeben, sondern sogar physisch. Wohl nicht nur aufgrund des grauen Alltags dort, sondern auch aufgrund des vom Corona-Virus hervorgerufenen Gefühls der allgemeinen Verunsicherung, verbreitet das Album ziemliche Endzeitstimmung. Die Spielorte von Haftbefehls Lyrics tun ihr übriges: Der Frankfurter Hauptbahnhof und die Offenbacher Plattenbauten waren auch vor Corona nicht unbedingt einladend. 

Haftbefehls Liebe für Frankfurt und Offenbach

"Ich liebe diesen Dreck und den Gestank Bruder, ich liebe diese Wolkenkratzer, ich liebe alles, was dazu gehört. Ich lieb‘ den Hauptbahnhof, Bruder. Ich liebe Offenbach, ich liebe den Main, ich liebe es, an der Brücke hin und herzufahren."

Ebenfalls eine von Haftbefehls Aussagen in der Dokumentation. Dieses zwiegespaltene Verhältnis zu den beiden Städten am Main teilen viele aus dem Rufnummernbereich 069. Es ist dreckig und nicht auf den ersten Blick schön, ja. Aber gerade die Menschen aus allen möglichen Backgrounds machen das Flair beider Städte aus: Frankfurt und Offenbach sind die Städte mit dem höchsten Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Auch wenn man das dem Album nicht unbedingt anhört, liegen Depris über den Zustand der Stadt und Liebe für Menschen und Multikulti hier ganz nah beieinander. In einer anderen Doku für die ARD bringt Haftbefehl das Heimatgefühl vieler Offenbacher auf den Punkt:

"Ich weiß überhaupt nicht, ob man Offenbach zu Deutschland zählen kann. Ich fühle mich hier auf jeden Fall sehr wohl. Ich glaube, nirgendwo ist es so Multikulti wie in Offenbach, oder?"

Der rote Faden im "Schwarzen Album"

Nicht ganz so gemischt: Bei den Beats hat Haftbefehl fast ausschließlich auf seinen Haus- und Hofproduzenten Bazzazian gesetzt. Einzig "Kaputte Aufzüge" wurde von SOTT und Paix produziert, „Du weißt dass es Haft ist“ stammt von BAIBUBEATZ. Das geht mit Hafts Vision für das Album einher – bei der Albumproduktion ginge es darum "eine Linie zu fahren" und "ein Konzept zu haben", sagt er im Gespräch mit Jan Müller im "Reflektor" Podcast. Eine Art roten Faden gibt es also nicht nur in den Lyrics, sondern auch bei den Beats.

Die lyrische Leitlinie steht eigentlich im Widerspruch zu dem Leben, das der Rapper mittlerweile führt. Er hätte ja auch einfach flexen können und von dem Geld und dem Lifestyle erzählen, den er sich mittlerweile leisten kann. Haftbefehl aber bewegt sich mit "DSA" in die genau entgegengesetzte Richtung und bleibt somit die Stimme der Blocks. 

Und so düster "Das Schwarze Album" auch sein mag: Haftbefehl macht es laut Songtext des Tracks "Offen/Geschlossen" "für Offenbach am Main und die Frankfurter Blocks" – und nicht dagegen. Weil Stolz und Abscheu hier nunmal ganz nah beieinander liegen. 


Sag uns deine Meinung zu diesem Artikel! (0 Kommentare)