Alle neuen Songs: Deutschrap-Update mit Ufo361, Kool Savas & RAF Camora

Sommerpause kennt Rap nicht mehr. Auch mitten im Juli wird aus der Szene massenweise Musik veröffentlicht und wir bringen etwas Ordnung in die Neuerscheinungen. Neben Ufo361, der gemeinsam mit XXL Freshman Gunna eine neue hochkarätige US-Kollabo droppt, haben wir heute wieder Tipps und die vermeintlichen Hits in unserer Playlist zusammengestellt:

Luciano liefert melodischen, kraftvollen Rap mit Ohrwurmpotenzial und sommerlichem Flavour. "Im Film", produziert von Miksu und Macloud, erfindet das Rad nicht neu, aber kombiniert sauberen Sound mit einer wieder mal mehr als soliden Vocal Performance von Lucio Loco, die defintiv Spaß macht.

Dahinter gibt es in unserer Playlist mit "63" (Kalim ft. Jamule) und "Rapsuperstar" (Shindy) etwas Rotation im Vergleich zur Vorwoche, in der noch andere Tracks des jeweiligen Albums bei uns zu hören waren. Zwischen diese großen Namen haben wir einen absoluten Geheimtipp gepackt: Der Kölner Newcomer Dennis Dies Das und seine AEIOU-Labelkollegin Reeza sorgen ganz ohne Afrobeat und plakative Elektro-Drops für tanzbares Material. "Mir geht's gut" heißt der von Carlo5 produzierte Song, der mit seinen warmen und positiven Vibes an eine Art entschleunigten UK Garage erinnert. Anders!

Kurz dahinter gibt es zwei weitere Neuzugänge, die ohne Hype-Sounds ihren musikalischen Weg gehen. Max Herre liefert auf smoothen Klängen in "Diebesgut" wieder interessante Lyrics, AchtVier und Kool Savas treten dafür mit "Rolle über Hiphop" ordentlich aufs Gaspedal mit teils eher kuriosen als klugen Zeilen – für Flow-Fanatiker sicher trotzdem ein Highlight.

Währenddessen macht Milonair uns auf seinem heute erschienenen Album "G.T.A" nicht nur den Suge Knight, sondern spielt auch an der anderen US-Küste mit. Obwohl "10 Gebote" soundtechnisch eher Westcoast ist, dürfte die Inspiration für den Track aus New York kommen. Die Parallelen zu Biggies "Ten Crack Commandments" kann man kaum überhören.

Mit Said212, Badchieff mit Jamule und Yung Rvider, der Genetikk mit an Bord hat, bekommen dann weitere Newcomer etwas Spotlight in der Playlist. Der verrückte Soundtrip "Schneeweiß" von Kaas (prod. Tua) versetzt uns in die Position eines Künstlers, der vom Zenit aus auf den bevorstehenden Abstieg blickt – namentlich soll laut Pressemitteilung Falcos Nummer-1-Erfolg in den USA die Vorlage hierfür gewesen sein.

Außerdem gibt es von RAF Camora fast ein kleines Comeback. Die neue Single "Neptun" von KC Rebell ist nämlich eher ein RAF- als ein KC-Song. In die Klangästhetik des Wieners wurde dieses Mal das Sting-Sample ("Shape Of My Heart") eingebaut, das auch Juice WRLD für seinen Megahit "Lucid Dreams" benutzt hat. Sting soll laut Producer Nick Mira 85 % der Einnahmen des Songs kassiert haben. Vielleicht hat das Team um Produzent Joezee bei "Neptun" etwas getrickst und die Melodie mit ein paar neuen Tönen selbst eingespielt – nicht unüblich, wenn deutsche Rapper sich an großen Hits der Vergangenheit bedienen wollen.

Was es sonst noch diese Woche in unserer Playlist zu entdecken gibt, findest du am besten selbst heraus. Für die beste wöchentliche Königsmische, hier abonnieren!

Alle neuen Songs

  • KC Rebell ft. RAF Camora – Neptun

  • Luciano – Im Film

  • Ufo361 ft. Gunna – On Time

  • Stormzy ft. Bausa & Capo – Vossi Bop (Remix)

  • Aribeatz ft. Fero47 & YL – Amphetamin

  • AchtVier ft. Kool Savas – Rolle über Hiphop

  • Beka – Knockout

  • Badchieff ft. Jamule – No Way

  • Max Herre – Diebesgut

  • Dennis Dies Das ft. Reeza – Mir geht’s gut

  • Massiv – Betonmischer

  • Doezis ft. Milonair & Reda Rwena – Gib ihm (Fatality)

  • Shadow030 – G.D.S.

  • Nazar – Air

  • Die Orsons – Schneeweiß (Mittwoch)

  • Yung Rvider ft. Genetikk – Sie callen oft

  • Blacc Hippie – Merlot (Upcoming Artist 2018)

  • Chakuza ft. Marc Sloan – Großstadtwüste

  • Roger Rekless – Hart auf hart

  • Dardan – Kadale

  • Chefket & May – Sign your name 

  • GFM ft. Majoe – Marseille

  • Karen Firlej – Optionen

  • Schälsick – Stadt am Rhein

  • Phoenix aus der Klapse (Swiss & die Anderen x Ferris MC) – Weisser Müll

  • Said212 – Puff Daddy

  • Laruzo ft. NKSN – Koala
  • Delil – Au Revoir

  • Qbano ft. Silla – Pinata

  • Erabi – Schenk mir ein

  • Cengiz – Joachim Gerner

  • Jugglerz ft. NeunFünf – Gauloises

  • Sero – Confessional (5. Juli - jetzt nur Video??)

  • Abbude ft. Kay Ay & Ibo Diab – Ghali

  • Hayat – Istanbul

  • Estikay & Sonus030 – Heute Nacht

  • AP – Kriminel

Alle neuen Releases

  • Milonair – G.T.A

  • Jugglerz & NeunFünf – Vom Kosmos am Korner

  • Yonii - Randale

  • Donvtello & Tightill – Ratzen & Rennen

  • Abbude – Is OK so

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Kool Savas über Streaming: "Man muss sich diesem Release-Wahnsinn nicht beugen"

Kool Savas über Streaming: "Man muss sich diesem Release-Wahnsinn nicht beugen"

Von Jesse Schumacher am 12.02.2020 - 16:13

Die Streaming-Dienste wie Spotify oder Apple Music sind in der heutigen Zeit gar nicht mehr wegzudenken. Sie beeinflussen nicht nur das Hörerverhalten, sondern prägen auch die Art und Weise wie Musik produziert und vermarktet wird. Nach GfK Entertainment und dem Bundesverband Musikindustrie (BVMI) ist die Anzahl der User auf Spotify im letzten Jahr um 30% gestiegen. Im Jahr 2019 nutzten 271 Millionen Hörer weltweit den Streaming-Dienst.

Kool Savas und Toxik über das Streaming-Zeitalter

Für den #Businessclass-Podcast des jungen Handelsblatt-Portals Orange sprachen die Moderatoren mit Kool Savas und Toxik über die Entwicklungen im Streaming-Zeitalter. Kool Savas sagt, dass ein Unterschied zu früher darin liegt, dass es sich damals schnell gezeigt hat, ob ein Album kommerziell erfolgreich wird oder nicht. Heute sei das Potential eines Songs, auch nach einiger Zeit noch erfolgreich zu werden, viel höher. Einen Grund sieht er beispielsweise darin, dass ein Song zur richtigen Zeit in der richtigen Playlist landen kann. Außerdem sei es für ein jüngeres Publikum durch die Abonnements bei Streaming-Plattformen heutzutage viel günstiger, neue Musik zu hören.

Doch nicht nur der Erfolg der Musik hängt vom Streaming ab. Auch die Musik habe sich verändert. Die Intros seien kürzer und meist beginnen die Songs mit dem Chorus. Kool Savas sagt:

"Das ist einfach nur, weil die Leute sofort erkennen sollen, um welchen Song es geht, damit sie nicht weiter skippen. Das Konsumverhalten hat sich verändert. Es ist so wie wenn du als Kind nachts alleine in einem Süßigkeitenladen eingesperrt bist und überall mal kosten kannst. Da muss irgendwas so krass bei dir hängen bleiben, dass du sagst, ich esse das jetzt noch mal. Im besten Fall läuft es so, man läuft da durch und nimmt sich von allem etwas."

Auch Toxik erkennt diesen Trend. Insbesondere deutscher Rap habe sich extremst verändert. Er sei viel melodischer und die Strophen kürzer geworden. Außerdem sagt er:

"Wenn man 25 Minuten ins Mikrofon schreit und super anspruchsvoll rappt, war das vielleicht früher cool, um Leute zu beeindrucken, aber der Algorithmus dankt es einem heute vielleicht nicht."

Im Vergleich zu früher sei außerdem erkennbar, dass die Frequenz der veröffentlichten Songs heute viel höher sei. Toxik erklärt sich das dadurch, dass bei Spotify auch die Anzahl der monatlichen Hörer*innen extrem wichtig sei. Diese werde hoch gehalten, wenn konsequent viele Tracks veröffentlicht werden. 

Kool Savas sieht diese Tendenz auch, betont aber, dass sich nicht jeder Künstler danach richten sollte. Er sagt dazu:

"Man muss sich diesem Release-Wahnsinn nicht beugen, das wäre totaler Blödsinn. Es gibt Künstler, zu denen passt das nicht. Das ist einfach eine andere Art und Weise, wie man damit umgeht. Aber für neue Künstler, die wirklich von Medien wie Instagram abhängig sind und damit auch intensiv arbeiten, ist das schon wichtig, dass die auch bei diesem Tempo mithalten. Sonst sind die nicht mehr auffällig genug."

Am Ende des Interviews wird deutlich, dass er die Entwicklung der Streaming-Dienste weder komplett positiv noch negativ einschätzt. Es gebe beide Seiten.


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