187, Fler oder Farid Bang? Zahlen lügen nicht

"Men lie, women lie, numbers don't", rappte mal Jay Z – und der lügt eigentlich auch nicht.

Für den 27. Mai kündigten die ehemaligen Erzfeinde Farid Bang und Fler ihre Alben Blut und Carlo Escobar an. Mittlerweile wurde Carlo Escobar verschoben, stattdessen bringt Fler eine EP. Außerdem gibt es brandneuen Stoff der 187 Strassenbande zu hören: High & Hungrig 2 von Gzuz und Bonez kommt ebenfalls nächsten Freitag.

So einen fetten Release Day für deutschen Hiphop hatten wir schon lange nicht mehr. Sein Soloalbum veröffentlichte Gzuz vergangenes Jahr zeitgleich mit Fard und dem Selfmade-Sampler. Ein Jahr zuvor kamen die ehemaligen Weggefährten Kool Savas, Eko Fresh und Summer Cem simultan auf den Markt.

Das Battle schien aber nie so eng wie jetzt. Farid, der mit seinen letzten drei Veröffentlichungen immer auf die Eins ging und sogar zweimal Gold abstaubte, sieht das Ganze sportlich. Doch lassen wir die Zahlen sprechen:

Die deutschen Albumcharts werden bekanntlich nicht nach verkauften Einheiten, sondern nach dem verkauften Gesamtumsatz gewertet. Sprich eine einzige Box für 50€ rangiert höher als vier einzelne Alben für jeweils 10€.

Der Banger-Chef verriet vor Kurzem, dass etwa 7000 von 11000 Deluxe Boxen bereits verkauft seien. Hört sich amtlich an, aber wird aller Voraussicht nach nicht für den Topspot reichen. Denn die 187 Strassenbande macht richtig ernst: Wie Bonez wissen ließ, seien 15000 ihrer 20000 Boxen bereits weg. Auf Amazon ist sie somit ausverkauft.

Farid hat neben der Limited Fan Edition noch eine weitere Bonus-Version seines Albums in petto, könnte damit also vielleicht am Ende doch die Nase vorn haben.

Fler ist im Angesicht der Umstände wohl endgültig aus dem Rennen um die #1 raus. Statt einem Album (mit chart-fördernden, teueren Boxen) bringt Flizzy lediglich eine EP. Alle 4000 Exemplare auf Amazon gingen laut eigener Aussage weg, 1000 gibt es noch im Handel. Durch die stark limitierte Auflage der Bewährung vorbei EP wird Fler vermutlich keine großen Auswirkungen auf das Battle in den Charts haben.

Die  187 Strassenbande auf der Pole Position der deutschen Charts wäre ein Novum – sieht aber überaus wahrscheinlich aus. Platz 2 für Gzuz' Soloalbum Ebbe & Flut und den Sampler 3 waren bislang die charttechnischen Höhepunkte für die Hamburger. Oder schafft es doch noch Farid, seine vierte Platte in Folge auf die #1 zu bringen? Wir sind gespannt, freuen uns auf ein spannendes Battle und hoffen allen voran auf eine ganze Menge guten Sound von Bonez, Gzuz, Farid Bang und Fler.

Im Endeffekt hat King Kool Savas natürlich Recht: "Niemand ist ein besserer Rapper, nur weil er mehr verkauft."

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Kommentare

hallo, der letzte satz sagt alles... das ist keine news mehr, das ist rapupdate mit bravo hiphop gemischt. was ist nur aus hh.de geworden... armselig.

wenn farid mehr verkauft höre ich auf rap zu hören

Dem ist nichts hinzuzufügen. Jedoch klicken wir idioten auch auf diese "Beiträge". In Zukunft kann man diese Seite getrost ignorieren ...

BM kauft über Strohmänner eigene Platten also würde mich das nicht wundern wenn am Ende nur marginale Unterschiede da wären! Nur Jasmin dieser Weichkäse war so schlecht, dass Sie abgewichen sind von dieser Strategie weil es sowieso niemand geglaubt hätte :D

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"Hiphop-Messias" Maxim führt durch zwei Jahrzehnte Berliner Geschichte

"Hiphop-Messias" Maxim führt durch zwei Jahrzehnte Berliner Geschichte

Von Till Hesterbrink am 18.10.2020 - 13:37

Der YouTube-Kanal History of Berlin macht seinem Namen alle Ehre und hat ein Interview mit Maxim aus dem Jahre 2001 veröffentlicht. Attila Murat Aydın, wie Maxim mit bürgerlichem Namen hieß, war einer der Hiphop-Pioniere der Hauptstadt. Er gründete zahlreiche Breaker-, Sprayer- und MC-Crews und war einer der ersten, die Hiphop in Deutschland nach amerikanischem Vorbild verstanden hatten.

Maxim nimmt HoB mit auf eine Zeitreise

In dem Interview erzählt Maxim von seinen Anfängen und wie er zum Breaken und Beatboxen gekommen ist und wie sich die Hiphop-Szene in Berlin mit den Jahren veränderte. Die Faszination begann für Aydın mit 12 Jahren, als ein bodenturnender Cousin aus Manchester ihn besuchte und ihm die ersten Moves zeigte. Nachdem er dann den Film "Wildstyle" gesehen hatte, war er endgültig begeistert. Neben dem Breaken entdeckte Maxim schnell auch das Beatboxen und Malen für sich und begann, sich einen Namen in Berlin zu machen.

Mit den Jahren galt Maxim als einer der Ersten, der den West-Berlin-Hiphop-Style etabliert hat und wurde so zu einer der bekanntesten Figuren in der Hauptstadt. Er war zwar Breaker, Sprayer, Beatboxer und Rapper, doch sein größtes Talent scheint das connecten von Leuten gewesen zu sein. So schreibt History of Berlin über ihn:

"Das wahre Talent von Maxim, war allerdings das vernetzen und verknüpfen von Leuten aus der Hip Hop Szene, denn er kannte wirklich jeden aktiven Tänzer und jeden relevanten Berliner Sprüher persönlich."

Aydın gründete Ende der 80er Jahre die legendäre Berliner Crew 36 Boys, welcher unter anderem auch der heutige Starkoch Tim Raue angehörte. Wie vieles, was Maxim machte, gelten die 36 Boys mittlerweile als Vorreiter für Crews und Gangs der nachfolgenden Generationen.

Auch die Glorious Five Artists wurden von Maxim gegründet, welche von der Backspin als eine der besten Writer Crews Europas bezeichnet wurde. Der Tagesspiegel nannte die GFA mal "die bekannteste deutsche Writer Verbindung".

Maxim: Viel zu früh gestorben

Wohl am Tag dieser Videoaufnahmen, seinem 33. Geburtstag, starb Maxim, als er einen Streit zwischen seiner Ehefrau und einem Rentner klären wollte. Der 76-Jährige zog jedoch ein Messer und erstach Aydın. Maxim hatte sich zeit seines Lebens gegen Gewalt eingesetzt und war ein berühmter Streitschlichter.

Auf der Aggro Ansage Nr.4 widmeten Fler, Sido und B-Tight der Straßen-Legende mit "Maxim ist King" einen ganzen Song.

"Der erste Beatboxer, erste Writer, erste B-Boy, er war die erste Eins" (Fler auf "Maxim ist King")

Des Weiteren wurde der "Maxim Memorial Day" ins Leben gerufen, bei welchem viele Berliner Künstler dem Verstorbenen ihren Respekt zollten. Außerdem erschien der "Maxim Memorial Sampler", auf dem unter anderem Kool Savas, Eko Fresh, Fler, Sido, Taktloss und B-Tight vertreten waren.

Bis heute findet Maxim immer wieder Erwähnungen in deutschen Raptexten:

"Wenn ich sterbe, ist das hier mein Vermächtnis (meine Legacy)/
Hoff', ich bleibe der Straße im Gedächtnis (so wie Maxim)" (Fler auf "Vermächtnis")


Maxim (Zeitreise 1982-2001) Hip Hop Legende, Graffiti, Break Dance, Beatbox - HISTORY OF BERLIN

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