18 Jahre Streit wegen 2 Sekunden: Deutschrap seit gestern vorm Bundesverfassungsgericht

Die Elektropop-Pioniere von Kraftwerk klagen schon seit Jahren gegen Moses Pelham, der für den Song Nur mir von Sabrina Setlur (1997) ein 2-sekündiges Sample aus dem Track Metall auf Metall (1977) geloopt hatte. Jetzt ist der Fall vor dem Bundesverfassungsgericht, der höchsten juristischen Instanz Deutschlands, gelandet.

Freie Kunstausübung oder Diebstahl? Das Urteil zu dieser Frage wird für das Frühjahr 2016 erwartet und es könnte durchaus schwerwiegende Folgen für die deutsche Hiphop-Gemeinschaft haben. Ohne Sampling gäbe wahrscheinlich die gesamte Hiphop-Kultur und etliche großartige Instrumentals nicht.

Im ZDF bei heute+ durfte der Kollege Falk Schacht, "ein Kämpfer für die Remix-Kultur", sich zum Thema äußern. Dabei kommt der Unterschied zwischen dem Sampling des kleinen Mannes und dem Sampling auf kommerzieller Ebene zur Sprache:

"Das Problem ist, glaube ich, dass sie [Kraftwerk – Anm.d.Red.] dann doch noch in einer alten Zeit leben, die mit der Moderne wahrscheinlich nicht so viel zu tun hat. Die digitale Revolution hat unsere Verhaltensweisen und die Art, wie wir miteinander kommunizieren, verändert. Wir leben jetzt in einer Remix-Kultur."

Der sogenannte kleine Mann würde also – teilweise unwissentlich – kriminalisiert, wenn das Urteil lautet, dass Sampling illegal ist. Falk fordert ein "Recht auf Remix" und eine zeitgerechte Aktualisierung des veralteten Urheberrechts.

Geistiges Eigentum und künstlerische Freiheit sind Grundrechte. Welches wiegt schwerer? Gibt es eine Patentlösung, die je nach Situation angewandt werden kann? Wie ist geistiges Eigentum zu schützen, ohne dem Hiphop eine Faust in die Magengrube zu verpassen? Zum Glück müssen wir keine Lösung finden, mit der die Mehrheit zufrieden ist...

Hier der Beitrag des ZDF mit Falk:


Der Track von Sabrina Setlur, um den es sich handelt, und das Original von Kraftwerk:

Und der hier passt einfach:

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Kommentare

Kraftwerk gehört einfach umgebracht! Da sieht man das die keinen Erfolg hatten wenn jemand 18 Jahre lang klagt wegen 2 Sekunden muss er Geisteskrank sein und hungrig auf ein bisschen Geld.

Sowas wie ihr solltet euch schämen,****** Neider Heuchler Versager

Was für ein überflüssiges Kommentar ist das denn hier liebster Andi345656??? Immer dieses Gewaltfantasien. Schreib doch lieber mal ein positiven Post. Ist doch viel schöner etwas liebe zu verbreiten, als nur so stumpfe Hass Propaganda. Und wie Gott schon sagte: "SEID LIEB!"

Nur der erste Satz ist überflüssig.Der Rest von dem was er schreibt ist einfach nur die Wahrheit

Lieber Andi345656.

Deinem Schreibstil nach bist Du nicht älter als 20 - richtig? Arbeite mal an Deiner Persönlichkeit und Ausdruckweise, die muss man sich erarbeiten und liegt weder im Briefkasten, noch gibt's diese in Casting-Shows zu gewinnen, noch kann man die als Remix von jemand anderem rippen und sampeln :-)

"... gehört einfach umgebracht..." - warst Du im Ausbildungscamp der IS?
Leider hatten und haben Kraftwerk in den Verkaufszahlen mehr Erfolg als Moses und Settlur, da muss ich Doch enttäuschen.
Das nennt man auch nicht "geisteskrank" sondern absolut korrekt. Das Thema "Sample-Klau" kann man nämlich ganz anders regeln.
Z.B. mit Anfrage an den Künstler, der die Urheberrechte darauf hat.
Das haben Madonna mit "Hung Up" (Abba-Sample) gemacht oder Coldplay selbst haben einen Kraftwerk-Sample bzw. "Melody-Line" eingebaut.
Sie haben nett angefragt und glatt den Sample "for free" bekommen.

Etwas mehr Freundlichkeit und Respekt (singen Rapper nicht immer von RESPEKT?) öffnen auch hier Türen - so siehts aus.

Grüße Dirk

Geboren in den 50ern.Was erwartest du?Diese Leute haben sich in den 70ern ihr gehirn vernichtet!!!

Was für ein Quatsch...für eine 2 Sekündige Bagatelle so ein Riesen Fass auf zu machen...ich bin auf das Ergebnis gespannt was dabei rum kommt!
Nur noch Geld Geld Geld...was darf man heut zu Tage überhaupt noch!!!

Deine Meinung dazu?

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Nach Interpol-Antrag: Iranischer Rapper Amir Tataloo in der Türkei festgenommen

Nach Interpol-Antrag: Iranischer Rapper Amir Tataloo in der Türkei festgenommen

Von Clark Senger am 01.02.2020 - 14:41

Der iranische Rapper Amirhossein Maghsoudloo aka Amir Tataloo ist mehreren Medien wie der New York Times und ZDF Heute zufolge in der Türkei festgenommen worden. Der Iran soll den regierungs- und gesellschaftskritischen Musiker per "Rote Ausschreibung" von Interpol mit dem Ziel der Auslieferung suchen lassen haben. Die türkischen Sicherheitskräfte haben offenbar auf diese Ausschreibung reagiert und Tataloo in Istanbul in Gewahrsam genommen.

Iranischer Rapper Amir Tataloo: Festnahme in der Türkei

Wie geht es weiter für Amir Tataloo? Laut Informationen der NY Times befindet er sich derzeit in einer Haftanstalt für Immigranten ohne Papiere in Ost-Istanbul. Die nächsten Schritte sind unklar, aber die Auslieferung und ein Prozess im Iran, dem er schon länger ein Dorn im Auge ist, wäre sicherlich die schlechteste Option für den Rapper.

Der offizielle Vorwurf der iranischen Behörden lautet, Maghsoudloo würde in seinen Texten zum Drogenkonsum aufrufen. Laut Produzent MarG Lotfabadi, der bei der Festnahme vor Ort war, sei dies kein Thema gewesen – die türkischen Sicherheitskräfte hätten sich lediglich auf die "Rote Ausschreibung" bezogen.

Eine Petition auf change.org fordert die Türkei auf, Tataloo freizulassen und ihm seine Papiere zurückzugeben. Im Sekundentakt kommen neue Unterschriften dazu, aktuell liegt die Petition bei über 460.000 Supportern. Seine Fans und Unterstützer befürchten, dass ihn im Iran kein fairer Prozess erwarten würde. 2016 berichteten wir bereits, als der Rapper zu fünf Jahren Haft und 74 Peitschenhieben verurteilt wurde. Damals gab es keine nähere Begründung der iranischen Nachrichtenagentur, aber bei der Festnahme wurden ihm laut ORF "Verbreitung westlicher und unislamischer Sittenlosigkeit" vorgeworfen.

Urteil gegen iranischen Rap-Star Amir Tataloo gefällt

Für die Festnahme durch die Moralpolizei, die bereits im Sommer erfolgte, nennt ORF die "Verbreitung westlicher und unislamischer Sittenlosigkeit" als Grund.

Der 2019er-Bericht von Human Rights Watch über den Iran füttert die Annahme mit konkreten Beispielen. So sollen zum Beispiel am 8. September drei kurdische Männer durch die Autoritäten exekutiert worden sein, nachdem sie in "unfairen Prozessen" verurteilt wurden. Außerdem sollen mindestens 208 Mitglieder der religiösen Minderheit der Derwische in Prozessen veruteilt worden sein, die ihre Grundrechte verletzen.

Petition auf change.org will Prozess im Iran verhindern

Der Iran unterdrückt unbequeme Meinungen gegen das strenge, konservative Regime mit besonderer Härte. Für Amir Tataloo, der mit 2,6 Millionen Abonennten auf Instagram zu den bekanntesten iranischen Influencern gehört, bedeutet das nichts Gutes. Obwohl der Rapper 2015 mit einem nationalistischen Song den Staatsapparat zu unterstützen schien und 2017 während des Präsidentschaftsrennens sogar an der Seite von Ebrahim Raisi zu sehen war, war es immer höchst zweifelhaft, ob diese Moves aus freien Stücken passierten. Immerhin wurden ihm danach Konzerte im Ausland erlaubt – offenkundig im Rahmen einer ungeliebten Allianz zweier Streitparteien, die durch Gefälligkeiten voneinander profitierten.

Nachdem er den Iran 2018 Richtung Türkei verließ, verfasste er wie schon einige Jahre zuvor kritische Songs und Beiträge in den sozialen Medien. Beispielsweise mit einer feministischen Botschaft:

Nahid Siamdoust, Dozentin an der Yale University und Autorin eines Buches über politische Musik im Iran, sprach mit der NY Times über den Fall Tataloo. Sie sagt:

"Er war mittendrin und machte danach sehr beleidigende Kommentare über das gesamte Establishment. [...] Eines seiner neuesten Musikvideos zeigt ihn, wie er vor einem iranischen Gericht erklärt, warum er niemals zurückkehren wird."

Die Rede ist vom Video zu "Jahanam", das erst gut zwei Wochen alt ist und heute wie eine bittere Vorahnung wirkt. Die Lyrics des Songs sind depressiv, pessimistisch und verzweifelt. Im Clip wird der Rapper von einem iranischen Gericht verurteilt und baumelt nach knapp fünf Minuten am Strick. Kein Happy End.


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