Spotifys neue Regelung ist scheinheilig

Spotify setzt neue Anti-Hass-Richtlinien um. Im Zuge dessen bewirbt die Streaming-Plattform die Musik von R. Kelly und XXXTentacion jetzt nicht mehr in Playlists, Empfehlungs-Algorithmen und auf redaktionell geführten Seiten. Den beiden Künstlern werden schwerwiegende Straftaten vorgeworfen, weshalb das Promoten der Musik nicht mit den Werten der Spotify-Verantwortlichen vereinbar sei. Diese neue Regelung wirkt aber nicht nur scheinheilig und willkürlich, sie wird wahrscheinlich auch nichts bringen.

Spotify löscht R. Kelly und XXXTentacion aus Playlists

Ab heute findet sich die Musik der beiden nicht mehr auf den redaktionellen Playlists und Spotify-Seiten.

Spotify setzt die Richtlinie halbherzig um

XXXTentacion und R. Kelly sind beileibe nicht die einzigen beiden Musiker mit fragwürdigem Hintergrund. Wenn es Spotify tatsächlich darum ginge, etwas Gutes zu tun, müsste der Streaming-Gigant ordentlich in seinen Archiven aufräumen: 6ix9ine und Chris Brown haben sich zum Beispiel sogar schuldig bekannt, Frauen geschlagen – beziehungsweise sexuelle Handlungen an Minderjährigen durchgeführt – zu haben. Aber deren Musik wird trotzdem noch auf Spotify per Algorithmus empfohlen und auch in Playlists gefeaturet.

Würde sich Spotify tatsächlich von allen Künstlern verabschieden, denen schon Verbrechen vorgeworfen wurden, fiele sehr viel Musik weg. Denn die Liste lässt sich fast unendlich fortsetzen: Dr. Dre, Def Jams Russell Simmons, Michael Jackson, Nelly, Nick Carter von den Backstreet Boys, Gene Simmons von KISS, die Red Hot Chilli Peppers, Miles Davis und vielen vielen mehr wurden die unterschiedlichsten Gräueltaten vorgeworfen. Einige davon wurden auch verurteilt.

Zeichen gegen Hass & Gewalt oder Zensur?

Sowieso: Wäre es nicht konsequenter gewesen, die Musik einfach komplett zu löschen, wenn sich Spotify zu so einem Schritt entscheidet und wirklich ein Zeichen setzen will? Andererseits wirkt der Kompromiss auch gut nachvollziehbar, weil wir dem Streaming-Giganten sonst wohl Zensur vorwerfen würden (und er natürlich Geld machen will). Andererseits kann das Unternehmen selbstverständlich völlig frei darüber entscheiden, welche Musik dort angeboten wird. Sie sind schließlich nicht verpflichtet, mit allen Menschen zusammenzuarbeiten.

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Spotify muss transparente Kriterien anlegen – bei allen

Was uns zur nächsten Frage bringt: Wo ziehen wir die Grenze? Dass Spotify Musik von verurteilten, geständigen Verbrechern okay findet, aber bei anderen, für die beides nicht gilt, anders handelt, lässt das Ganze sehr willkürlich wirken. Aber das ist es vielleicht auch: Wahrscheinlich befinden wir uns hier am Anfang eines langwierigen, komplizierten Prozesses. Auch bei Spotify dürfte intern heiß darüber diskutiert werden. Wieso kommen manche Künstler scheinbar mit allem durch, während andere nicht mehr beworben werden, bei denen die Lage weniger eindeutig ist?

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Bittere Ironie: Die Betroffenen stilisieren sich zum Opfer

Womöglich geht die neue Spotify-Regelung beziehungsweise deren Umsetzung auch gehörig nach hinten los. XXXTentacion und R. Kelly können sich jetzt mit Leichtigkeit zu Märtyrern oder Zielscheiben einer medialen Zensur- und Hetz-Kampagne hochstilisieren. Damit bringt Spotify denjenigen vielleicht eher noch Aufmerksamkeit ein, als ihnen zu schaden. Das perfide daran: wenn sich vermeintliche Täter als Opfer inszenieren, müssen sich diejenigen, die wirklich betroffen waren, wahrscheinlich so richtig scheiße fühlen.

Letzten Endes landen wir wohl immer wieder bei der Frage, ob sich die Kunst vom Künstler trennen lässt. Wie siehst du das?

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Kommentare

ich hate euch oft mal in den comments, hiphop.de - aber das ist hier ist ein rundum guter beitrag.
bin stolz auf euch, weiter so.

Watt dutzt du mich?

Genauso scheinheilig wie eure Redaktion. Wird das N-Wort benutzt sofort Aufschrei. Wenn es aber um Drogen, Gewalt gegen Frauen, ******e und Minderheiten angeht, andere Formen der Gewalt - das wird alles durch gewunken - ist ja "Kunst". Oder der "Künstler" bringt euch halt genug Klicks...

Ich finde es unfair dass Deso dogg Komplett aus Spotify Deezer und so entfernt wurde, obwohl seine Musik nix mit den gräueltaten zu tun hat er danach begangen hat. Also sollten Sie entweder seine Musik auf Streaming Plattformen veröffentlichen oder R.Kelly und Co auch dauerhaft löschen.
Zum Glück hab ich desos mucke so zuhause

Ich glaube kaum das spotify von sich selbst aus diese künstler bestrafen wollte das kommt eher vom druck der politik/geselschaft.
Es gibt noch viele andere die auf diese liste gehören jedoch sind die gerade nicht in den medien.
Dacher denke ich das man schlecht apotify halbherzigkeit in diesem fall vorwerfen kann

Danke! :)

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XXXTentacions Mutter wird auf 11 Millionen Dollar verklagt

XXXTentacions Mutter wird auf 11 Millionen Dollar verklagt

Von Till Hesterbrink am 21.06.2020 - 14:38

XXXTentacion wurde im Juni 2018 umgebracht, während er auf einem Shopping-Trip war. Seitdem verwaltet seine Mutter, Cleopatra Bernard, den Nachlass, welcher angeblich knapp 50 Millionen Dollar betragen soll. Um diesen gibt es jetzt Streit: XXXTentacions Halbbruder geht gerichtlich gegen die Mutter des verstorbenen Rappers vorgeht.

XXXs Mutter soll 11 Millionen Dollar gestohlen haben

Teil des Nachlasses ist angeblich ein Treuhandfonds, den der Rapper zu Lebzeiten für seine Familienmitglieder angelegt hat. Dessen Erträge sollen zu 50 % an die Mutter gehen, während die restlichen 50 % gleichmäßig unter den beiden Halbbrüdern des Rappers aufgeteilt werden.

In den Gerichtsdokumenten klagt nun einer dieser Halbbrüder, Corey Pack, seinen Teil des Geldes nie erhalten zu haben. Stattdessen soll XXXs Mutter unrechtmäßigerweise Geld vom Fonds in ihren eigenen Besitz überwiesen habe. Dieses Geld, knapp 11 Millionen Dollar, wollen sich Corey Pack und seine Mutter, die in Packs Namen klagt, nun zurückholen. Weiterhin behaupten die beiden, dass dem Halbbruder Anteile an XXXs Label Bad Vibes Forever gehören würden.

Cleopatra Bernard weist die Vorwürfe zurück

In einem Instagram-Post hat das Anwaltsteam von Bernard mittlerweile auf die Anschuldigungen geantwortet. Sie behaupten, Corey hätte keine Ansprüche auf X' Nachlass und wäre trotzdem jederzeit von Bernard sehr großzügig behandelt worden. So hätte er angeblich ein Auto sowie ein Haus geschenkt bekommen und alle seine Lebenshaltungskosten seien übernommen worden.

Außerdem habe ein Gericht bereits festgestellt, dass Corey Pack keinerlei Ansprüche auf Anteile des Nachlasses hätte und man sei selbstbewusst, diese Entscheidung erneut vor Gericht aufrechtzuerhalten.

XXXTentacion: Eine Karriere mit vielen Schattenseiten

Schon zu Lebzeiten war XXXTentacion kein unumstrittener Künstler, der zwar mit guter Musik glänzen konnte, im Privaten aber immer wieder negativ auffiel. Zahlreiche Skandale rankten sich um den Rapper, der angeblich seine Exfreundin auf widerlichste Art und Weise malträtiert haben soll und nach eigenen Angaben im Jugendarrest einen Mann zusammenschlug den er als homosexuell vermutete.

Auch im Tod bleibt der Rapper aus Florida nun weiter in den Schlagzeilen. Die Streitigkeiten um das Erbe sind genau einen Tag nach dem zweiten Jahrestag seines Mordes ausgebrochen.

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