Der Spiegel hat Rapper nach ihrem angeblichen Sexismus-Level sortiert

Rapper rappen immer wieder frauenfeindliches Zeug. No News. Alle Jahre rückt diese Tatsache mehr oder weniger intensiv im Fokus großer Medienhäuser. Gestern veröffentlichte der Spiegel einen Artikel zu einer Untersuchung von etlichen Songtexten aus unterschiedlichen Dekaden. Die Ergebnisse sind mit Vorsicht zu genießen.

Sexismus im Deutschrap: Spiegel erstellt Top 10 Rankings

Die Grafiken sollen Aufschluss über durchaus interessante Fragen geben. Welche Rapper*innen äußern sich am häufigsten sexistisch? Welche am intensivsten? Wie hat sich die Situation in den letzten drei Dekaden entwickelt? Wer kommt in seinen Song gut ohne Sexismus aus?

Als Grundlage für die vermeintlichen Antworten dient ein Datensatz von etwa 29.200 Songs. Diese wurden auf mehr als 300 Schlüsselworte und Varianten ebendieser geprüft. 

"Die reine Analyse des sexistischen Vokabulars kann bei Weitem nicht alle sexistischen Songs aufspüren. Stichprobenartig fanden sich allerdings in den meisten Songs mit subtilen sexistischen Zeilen auch beiläufig eingeflochtene Schlüsselwörter" (– Spiegel-Erläuterung zur Methodik)

Die Ergebnisse einer solchen Studie hängen maßgeblich mit der Methode zusammen, mit der untersucht wird. Gerade ein so komplexes Problem wie Sexismus lässt bei einer empirischen Analyse keine uneingeschränkt validen Ergebnisse zu. Subtiler Sexismus, Ironie oder vermeintlich sexistische Wörter, die in ihrem inhaltlichen Kontext nicht als solche einzuordnen wären, sind schwer bis unmöglich maschinell zu erfassen. Und auch einem Menschen können bei der Interpretation von Texten etliche Ausrutscher passieren – das werden die meisten aus der Schule wissen.

Die erste Grafik soll zeigen, welche Rapper*innen am häufigsten sexistisches Vokabular in ihren Songs benutzen:

Dass die Ergebnisse keine qualitativen Unterschiede zwischen der Benutzung bestimmter Begriffe machen, sehen informierte Raphörer auch in der zweiten Grafik, die sich mit der Frequenz sexistischer Begriffe pro Song beschäftigt:

Pole Position für SXTN: 7,6-mal pro Song sollen bei Juju und Nura als Duo sexistische Begriffe verwendet haben. Keine ganz große Überraschung bei einer Debüt-EP namens "Asozialisierungsprogramm", die bereits in der Tracklist mit "Hass Frau" eine Orgi-Referenz parat hält.

Frauen in der Szene: Empowerment durch explizite Lyrics?

Dass solche Lyrics bei den beiden anders zu deuten sind als im Normalfall bei männlichen Rappern, erwähnt auch der Spiegel-Autor:

"Rapperinnen nutzen sexistische Begriffe gezielt, um die Bedeutungshoheit über sie zu erlangen. Ein Beispiel hierfür ist SXTN. [...] Es waren die ersten Frauen mit einer wirklich großen Reichweite, die diese Begriffe für sich beanspruchten. Einige Feministinnen lehnen die Texte ab, weil sie sexistischen Bilder reproduzieren."

Bei der Einordnung hat die geschätzte Kollegin Salwa Houmsi dem Spiegel-Autoren geholfen. Sie führt den Zuwachs neuer Frauen im Game auch auf Juju und Nura zurück und glaubt, "dass SXTN unfassbar viele Frauen empowered haben". Ein Blick auf die Szene 2020 offenbart zumindest, dass derzeit mehr Frauen als je zuvor mit beiden Beinen im Spotlight der Rapwelt stehen.

Endgame: Wie Rapperinnen Deutschraps Sexismus therapieren

Captain Marvel, Black Widow, Nebula, Scarlet Witch und Gamora. Man könnte meinen, im Marvel-Universum werden Filme aktuell frei nach dem Motto „The future is female" produziert.

Sexismuswelle zur Jahrtausendwende

Eine weitere Grafik zeigt, wie sich das Vorkommen der als sexistisch eingestuften Vokabeln über die Jahre entwickelt haben soll. Hier liefert die Methodik wohl das stichhaltigste und aussagekräftigste Ergebnis: Ab 1999 war nichts mehr wie zuvor.

Savas und Taktloss brachten als Westberlin Maskulin kompromisslosen, bewusst expliziten Rap in die Hauptstadt und schufen ihre eigenen Regeln für ein Genre, das zuvor in Deutschland eher von vermeintlich lieben Jungs geprägt wurde. Aggro Berlin, Orgi, Frauenarzt und Co starteten um die Jahrtausendwende herum ebenfalls ihre Rapkarrieren. Von 1998 bis 2005 verzehnfachte sich der Anteil von Songs mit sexistischen Begriffen von 3 % auf das All-Time-Maximum von 30 %.

Den bislang deutlichsten Rückgang kann man von 2018 auf 2019 sehen. Von 26 % ging es runter auf 18 %. Das könnte beispielsweise an mehr Frauen im Game liegen, an Labels, die sich vor Release genauer anschauen, was die Künstler*innen so in ihren potenziellen Chart-Hits rappen, an einer tatsächlichen Veränderung zum Positiven oder etwa an einem Wandel in der Qualität von sexistischem Content. Die qualitative Ebene ist halt die Schwäche einer Untersuchung, die auf dem Zählen von Wörtern basiert.

Der Spiegel-Artikel kontextualisiert aber zumindest einige der Ergebnisse. Es ist kein klassischer Alle-Rapper-sind-blöd-Text, auch wenn genau das am Ende bei einigen genre-fernen Lesern hängenbleiben wird. Es wird beispielsweise darauf hingewiesen, dass Sexismus selbstverständlich kein exklusives Problem der Rapwelt ist und einige Acts auch gut ohne bestimmte Begriff klarkommen. Unter anderem wird die Sprach- und Medienwissenschaftlerin Heidi Süß zitiert:

"Die ganze Gesellschaft hat ein Sexismusproblem. Im Rap findet nichts statt, was es nicht auch woanders gibt."

Reaktionen von Juju, Frauenarzt, OG Keemo & Schwartz

Schon kurz nach der Veröffentlichung erreichten die Neuigkeiten über unliebsame Top-10-Platzierungen einige Rapper. Juju, die im Artikel ohnehin recht gut dasteht, freute sich auf Twitter:

Frauenarzt liefert mit seinem Tweet gleich neues Material für die Statistik. Wobei unklar ist, ob Schw*nzlutschen per se als sexistischer Begriff in der Analyse als sexistischer Begriff gewertet würde. Er fühlt sich durch die Methode der Untersuchung offenbar nicht fair behandelt und findet die Wortwahl "Zelebrierung von Sexismus" unpassend:

OG Keemo nimmt Platz #8 mit Humor und peilt sarkastisch die Pole Position für 2021 an. Danach hält er es ähnlich wie Frauenarzt:

Fler, den der Spiegel als Artikelbild benutzt, scheint zufrieden mit den Ergebnissen zu sein. Er taucht in keiner Top-10-Liste auf und teilte den entsprechenden Screenshot in seiner Insta Story.

Schwartz aus dem Hirntot-Camp belegt Platz #5 in der Statistik der meisten sexistischen Begriffe pro Song. Er erinnert an die Story der 2 Live Crew, die mit ihren expliziten Lyrics und dem kompromisslosen Miami Bass Sound unter anderem maßgeblichen Einfluss auf Frauenarzt hatte.

Sein Tweet deutet an, dass sich in den vergangenen 30 Jahren, in denen Hiphop omnipräsent in Popkultur, Charts und alltäglichem Leben war, nicht verändert hätte. Ganz so drastisch dürfte es nicht sein. Sich einem komplexen Thema wie Sexismus im Rap, bei dem die Grenzen zwischen Kunstfreiheit und Kunstfreiheit als Tarnung für misogyne Kacke fließend sind, über Wortzählerei zu nähern, ist durchaus eine Idee. Aber vermutlich nicht die beste.

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Mrs. Bella verteidigt Farid Bang nach Game Show

Mrs. Bella verteidigt Farid Bang nach Game Show

Von Alina Amin am 12.06.2021 - 17:09

Farid Bang, Finch, Mrs. Bella und Felix Lobrecht waren kürzlich bei der Game Show "Erkennst DU den Song" von World Wide Wohnzimmer zu Gast und traten gegeneinander an. Die Star-Kombi sorgte für die erwartete Unterhaltung und lieferte in der neuerdings live-gestreamte Abendsendung amüsante Momente. So ganz positiv kam die Stimmung aber längst nicht bei jeden rüber. So kommentierten Fans während der Show, dass Stimmung unangenehm sei und besonders Mrs. Bella sich als einzige Frau in der Runde unwohl fühle.

Mrs. Bella, welche die Interpretationen von Fans eindeutig als falsch empfindet, erklärte kurz darauf auf Instagram, dass sie die Sendung als sehr ausgelassen und spaßig empfand. Besonders zu Farid hat sie das eine oder andere positive Wort zu verlieren.

Mrs. Bella bezieht Stellung zu Farid Bang

Farid Bang (jetzt auf Apple Music streamen) habe laut Fans sexistische Kommentare gemacht, andere behaupten, er habe sie angemacht. In diversen Kommentaren wird außerdem die Stimmung als unangenehm beschrieben – besonders bei Bella. Die Webvideoproduzentin hat sich nach der Sendung an ihre Instagram-Follower gewandt, um aufzuklären, wie die Sendung wirklich ablief. In mehreren Stories erläutert sie, dass sie ganz und gar nicht schlechter behandelt wurde oder sich unwohl gefühlt habe.

"Ich muss mal direkt zu Anfang eine Lanze für die Jungs brechen. Weil da sind Kommentare bei, die sind so lächerlich und einfach komplett fehlinterpretiert. Ich werde von den Leute komplett in eine Opferrolle gedrängt, in die ich gar nicht reinpasse, in der ich mich überhaupt nicht sehe, in der ich mich nie befunden habe."

Sie werde durch die Kommentare in eine Opferrolle gedrängt, in der sie sich gar nicht sehe. Jegliches Unwohlsein sei fehlinterpretiert. Sie erklärt außerdem, dass sie die "Jungs in Schutz nehmen" wolle, denn sie habe sich "nicht [in] einer einzigen Sekunde unwohl gefühlt."

"Ich find es einfach richtig anstrengend, dass Leute da reininterpretieren wie unwohl ich mich da gefühlt hätte und es total schlimm war, was für Witze da gemacht wurden. [...] Ich hatte einen riesen Spaß. [...] [W]ir kennen uns auch privat und haben uns da nicht zum ersten Mal gesehen."

"Ein wohlerzogener Mann": Mrs. Bella über Farid Bang

Sie nimmt darüber hinaus konkret Stellung zum Banger-Oberhaupt, welcher in den besagten Kommentaren besonders häufig kritisiert wurde. Sie verteidigt Farid und erklärt, wie freundlich er gewesen sei.  

"Leute, Farid ist wirklich ein unfassbar freundlicher, netter, zuvorkommender und wohlerzogener Mann. Muss man einfach mal sagen."

Schließlich stellt sie fest, dass viele wohl den Humor nicht verstanden hätten und das auch in Ordnung sei. Sie selbst habe einen "Heidenspaß" gehabt. 

Nicht nur Mrs. Bella verteilt positive Worte an ihren Kollegen. Auch Finch veröffentlichte zum Auftakt der Sendung einen Post zu Farid auf Instagram. Dort beschreibt er den Düsseldorfer als einer der Gründe, warum er angefangen habe zu rappen.

Hier könnt ihr die Game-Show in voller Länge schauen:

Wieso Finch Asozial sich künftig nur noch FiNCH nennt, könnt ihr hier nachlesen:

Finch Asozial ändert seinen Namen & Aussehen

Erst im März verkündete Finch Asozial eine musikalische Auszeit nehmen zu wollen, nun meldet er sich mit einer weiteren großen News zurück. Der Rapper hat auf IG-TV ein Video hochgeladen, in dem er zu ungeklärten Fragen Stellung bezieht. Es geht dabei um seinen Look und vor allem seinen neuen Namen.


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