Shitstorm nach Noizz-Artikel: Was zwischen Capital Bra und der Presse schief läuft

Für Capital Bra ist 2018 ein einziger künstlerischer Erfolg: Nahezu jede Single chartet auf Platz #1, die Klick- und Streamingzahlen gehen durch die Decke und der Output ist konstant hoch. Mit der gestiegenen Aufmerksamkeit interessieren sich auch mehr Menschen für das Werk des Bratans. Ein aktueller Shitstorm gegen das Portal Noizz zeigt, dass die Verbindung zwischen Musikern und Musikpresse voller Missverständnisse stecken kann.

Die Noizz-Besprechung von "Allein"

Das Magazin für "urbanen Lifestyle" nahm das Release von Capitals neuem Album "Allein" zum Anlass, um sich intensiver mit den Texten auseinanderzusetzen. Wobei das genau genommen gar nicht zutrifft.

Die Autorin des Artikels hat es sich zum Ziel gesetzt, die Aussagen von Capital Bra wortwörtlich abzubilden. Zum Beispiel schreibt sie davon, welche Sorte Capri Sonne Capital bevorzugt und wie er eine "Makarow im Gucci-Muster" mit sich führt.

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Dieses Prinzip zieht sie 15 Punkte lang durch. Sie fasst ein wenig ironisch zusammen, was der Bratan auf "Allein" für Botschaften verbreitet. So weit, so harmlos. Besonders eine Stelle sorgt aber für Irritationen. Capital Bra rappt im Track "Fightclub" davon, "ekelhafte Syrer" zu kennen. Dies meint Capi natürlich nicht im Sinne von widerlich oder schmutzig. Im Straßenrapkontext dürfte "ekelhaft" eher für "krass", "heftig" oder "unnachgiebig" stehen.

Die Autorin folgt ihrem Muster und schreibt, dass Capital manche Syrer kennen würde, die "ekelhaft" seien. Das ist sowohl konsequent als auch naiv. Ironie im Internet sorgt häufiger für Missverständnisse. Ob die Redakteurin vor dem Hintergrund der Flüchtlingsdebatte zwingend ein Beispiel mit einem Syrer herausgreifen musste, ist ebenfalls diskutabel, aber nicht verboten.

Genau dort entsteht nun ein Problem mit der Interpretation. Capital Bra macht genau das, was die Autorin mit seinen Texten gemacht hat und nimmt es wortwörtlich. Er sieht hier aber nichts ironisch oder distanziert. Es entsteht für ihn der Eindruck, falsch dargestellt worden zu sein. Als Reaktion darauf ruft er seine Fans zum Shitstorm auf.

Tausende Kommentare und das "Opfer" Dendemann

Die Fans von Capital folgen den wüsten Forderungen ihres Lieblingsrappers. Auch sie erkennen nicht, dass hier wohl eher ein Missverständnis vorliegt. Ihre Loyalität scheint grenzenlos.

Die Instagram-Page von Noizz ist nun voller Kommentare der Fans von Capital Bra. Davon betroffen sind Artists, die mit der Sache nichts zu tun haben. Das Verhältnis von Likes und Kommentaren bei einem Post zum neuen Dendemann Song "Keine Parolen" spricht hier Bände:

Dem Artikel ist inzwischen ein Hinweis vorangestellt worden, damit auch wirklich jeder checkt, wie der Artikel zu lesen ist:

"Wir haben in diesem Artikel aufgelistet, was man über den Rapper – nicht den Menschen hinter Capital Bra – erfährt, wenn man seine Songzeilen tatsächlich wörtlich nimmt."

Capital Bra und die Presse

Schon im August zog ein Journalist den Zorn von Capital und seinen Fans auf sich. In einem Text beschrieb ein Reporter der Rheinischen Post, welchen Eindruck Capital Bra auf ihn macht. Sein Kommentar zum Rap des Bratans war von wenig Fachkenntnis geprägt. Capital Bras Reaktion auf den Artikel unterschied sich kaum von seinem aktuellen Aufruf.

In beiden Fällen sagt der Rapstar, dass die Presse negativ über ihn berichten würde, um Aufmerksamkeit zu erzielen. Im Falle des ersten Artikels mag dies noch zutreffend sein. Provokation steht dort wohl an erster Stelle.

Der Artikel auf Noizz hingegen ist keineswegs durchgehend provozierend, sondern mehr auf einfache Unterhaltung ausgelegt. Die Redakteurin spielt mit dem Gedanken, jedes Wort von Capi als Fakt zu werten. Ob das tatsächlich witzig ist, sei dahingestellt.

Was aber klargestellt werden muss: Niemand greift Capi an und niemand wirft ihm wahrhaftig vor, ausländerfeindlich zu sein. Es handelt sich einfach um eine etwas andere Besprechung seines Albums, die sich vielleicht allzu direkt an den Lyrics orientiert. Das sollten Capital Bra und seine Fans deuten und aushalten können.

Wer sich selbst ein Bild von den Lyrics auf "Allein" machen will, kann hier in die Platte reinhören:

Allein

Allein, an album by Capital Bra on Spotify

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Bushido & Mois schließen Frieden: Beef ja, aber nicht mit dem Keller

Bushido & Mois schließen Frieden: Beef ja, aber nicht mit dem Keller

Von HHRedaktion am 27.05.2020 - 13:18

Der lange eher subtil brodelnde Konflikt zwischen Mois und Bushido, der vor etwas weniger als zwei Wochen auf einmal sehr explizit wurde (hier nachlesen), ist offenbar erstmal ad acta gelegt worden. Beide Seiten haben nach einem wohl klärenden Telefonat versöhnliche Töne in ihren Insta Stories geteilt.

Frieden zwischen Mois & Bushido

In ihren Statements halten sich beide kurz und vage, aber stellen klar, dass "unnötige[r] Streit" aus der Welt geschafft wurde. Sie wünschen sich gegenseitig viel Erfolg. Bei Mois sieht das wie folgt aus und Bushidos Post findet ihr darunter:

"Habe gerade mit @moiskid telefoniert. Immer schön, wenn man sich ausspricht und merkt, dass man auf Augenhöhe unnötigen Streit aus der Welt schaffen kann. Viel Erfolg und bleib gesund." – Bushido

Ein Eingeständnis, dass er und Mois "auf Augenhöhe" agieren, hätte man vor einiger Zeit wohl kaum von Bushido erwarten können. Auch von Mois Seite erscheint die Versöhnung erstmal überraschend, aber es wird für beide Parteien der smartere Weg sein.

Mois spart sich seine Energie für wichtigere Projekte als Bushidos Albumpromo auf. Und Bushido dürfte kein Interesse daran haben, dass ein 1,6 Millionen Abos starker Keller an seinem Elfenbeinturm rüttelt.

Bushido kündigt "Sonny Black II" an

Abgesehen von seinem Entertainment-Faktor bis zum einem gewissen Level bedeutet Beef nämlich primär zwei Dinge: Stress und Aufmerksamkeit. Keiner weiß das so gut wie Bushido, dem Mois in seinem emotionalen Rant attestierte, er brauche für jede Promophase einen Beef.

Aufmerksamkeit hat Mois wie derzeit kaum eine andere Person in der deutschsprachigen Raplandschaft. Und Bushido hat mit minimalem Aufwand einen kleinen Knall provoziert, kurz bevor seine Promophase richtig losgeht. Denn natürlich erscheint ein neues Album: "Sonny Black II" soll am 11. September droppen und Mois wird nicht derjenige sein, über den der Berliner Taktiker seine Boxen an den Mann bringt.

Stattdessen legt Animus, der die Promo für die LP teilt und demnach daran beteiligt sein dürfte, wohl grade einige Lines gegen Fler und insbesondere Capital Bra zurecht. Der ehemalige EGJ-Artist hat nach der gemeinsamen Zeit genug Material gegen seinen kurzzeitigen Labelboss geliefert, das unbeantwortet im Raum steht.

Außerdem dürfte es der zähen Base, die sich 2020 immer noch auf Bushido-Alben freut, entgegenkommen, wenn der Berliner jemanden ins Visier nimmt, dessen Musik sie ohnehin niemals fühlen werden.


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