Warum Nazis Hiphop nicht verstanden haben

Es braucht kein umfassendes Demokratieverständnis, um zu erkennen: Nazis sind scheiße. Doch Nazis zeigen sich anpassungsfähig und vertreten ihre rassistischen Ansichten keineswegs mehr mit Baseballschläger, kahlrasiertem Schädel und festem Schuhwerk.

Wenn der Attentäter von Halle Rap hört, um sich für einen Anschlag auf eine Synagoge vorzubereiten, dann wird deutlich, welche eigenartigen Wege die rechte Szene eingeschlagen hat, um ihre Botschaften an den vorwiegend weißen Mann zu bringen.

Rechter Kampf um Jugendliche

Hiphop ist eine Kultur der Toleranz, der Vielfalt und des gegenseitigen Respekts. Der rappende Nazi steht für eine eingeengte Weltsicht, Fremdenhass und Rückwärtsgewandtheit. Er repräsentiert mit keiner Faser Hiphop, sondern klammert sich nur an eine offensichtliche Erfolgsformel. Hiphop ist für ihn ein Mittel zum Zweck. Ein Mittel, von dem er sich den größtmöglichen Effekt erhofft. Als Rapmusik noch nicht die deutschen Schulhöfe derart dominierte, versuchte der strategisch denkende Rechte seine Message über Rockmusik zu vermitteln. Doch damit ist vor allem bei Jugendlichen heute weniger zu holen – also stehen musikalische Alternativen auf dem Programm.

Heutzutage tarnt sich der Nazi gerne mit beschwichtigenden Begriffen wie "Patriot" oder "Identitärer". Diese Worthülsen vervielfachen die gleichen stumpfen Parolen, die schon zu brennenden Flüchtlingsheimen und hasserfüllten Mobs geführt haben. Es geht um die Schärfung eines völkischen Bewusstseins. Nur Gleichgesinnte können auf Anerkennung und Akzeptanz hoffen. Oftmals verkleidet sich diese Zielstellung hinter Schlagbegriffen wie "Heimatliebe", "Ehre" oder "Stolz". Rechte Rapper rühmen sich damit, "Werte vermitteln" zu wollen. Der Mehrwert von fremdenfeindlichem Gequengel ist nicht ersichtlich.

Als Zuna 3 Stunden lang mit einem Nazi diskutiert hat

Zuna von der KMN Gang hat sich mit Visa Vie für ein interessantes Gespräch getroffen, in dem Themen besprochen werden, die Deutschland (erst recht jetzt vor der Bundestagswahl) bewegen: Flucht, Migration, Integration, Diskriminierung. Der im Libanon geborene Rapper hat mit seinen 24 Jahren schon das komplette Programm hinter sich.

Nazis können nicht & werden nie Hiphop sein

Für das vermeintlich Andere ist in den Weltbildern von Rechtsextremen kein Platz. Eine weltoffene Gesellschaft gilt als das größte Übel. Dieser gedankliche Ansatz macht es sagenhaft paradox, dass Nazis überhaupt rappen. Natürlich hat auch Hiphop seine Problemfelder und versteht sich nicht als unbefleckter Ort. Im Hiphop-Kosmos lassen sich sämtliche Schieflagen der Gegenwart so ablesen, wie sie gesamtgesellschaftlich vorzufinden sind. Doch im Kern ist Hiphop ein extrem durchlässiges Auffangbecken für alle, die nach Teilhabe suchen. Die Herkunft ist dabei kein Faktor. Es gilt vielmehr ein Leistungsprinzip und seit jeher eine DIY-Mentalität. Etwas aus den Möglichkeiten machen, die zur Verfügung stehen. Sprühen, Rappen, Beats bauen – es ist egal, ob Johannes, Gabi oder Mahmut sein persönliches Hiphop-Gefühl zum Ausdruck bringen möchte.

In einem Artikel der Taz ist von einer "Verknüpfung von Hiphop und Nazis" die Rede. Einen solchen Kurzschluss kann es in dieser Form gar nicht geben. Diese Kopplung deutet nämlich an, dass so eine Verbindung auf Gegenseitigkeit beruhen würde. Die Rechtsradikalen betreiben jedoch eher so etwas wie kulturelle Ausbeutung. Die Wurzeln von Hiphop liegen in amerikanischen Ghettos – zwischen Blocks, die überwiegend Afroamerikaner bewohnten. Es wirkt einfach nur skurril, dass Menschen mit rechtsextremer Haltung, die sich so sehr auf Traditionelles und Althergebrachtes versteifen, ausgerechnet die vitalste und wohl aus ihrer Perspektive fremdartigste Kulturform für Propaganda missbrauchen.

Jede Line ist ein Selbst-Diss

Es ist blanker Hohn, wenn sich Faschisten mit Rap für die Verteidigung Deutschlands oder Europas einsetzen. Jedes Wort ist schon im Vorhinein ein Widerspruch in sich. Noch abstruser wird es, sobald Faschisten einfach Beats von bekannten US-Rap-Tracks nehmen und ihren rechten Schwachsinn über so ein Instrumental legen. Auch solche Formen von Rechtsrap bietet das Internet und sind bis zum Attentäter von Halle vorgedrungen. Sein Soundtrack zum gelebten Judenhass ist ein Cover von Futures "Mask Off", bei dem der Interpret von einer "Herrenrasse" faselt.

Der gleiche Mann bedient sich bei seinen Song-Interpretationen auch an einem sample-lastigen New York-Sound und spinnt dort eine krude Weltsicht zusammen, in der Frauen ohne Tattoos auf Faschisten stehen würden – Huldigungen an den Führer inklusive. Der Rückgriff auf eine Kulturform, die all das aus sich selbst heraus ablehnt, was auf der Textebene passiert, ist für den trendbewussten Nazi scheinbar ein aushaltbarer Widerspruch. Man beruft sich auf eine Art Parodie, die das Ganze sei, um die Dummheit des eigenen Handelns irgendwie erträglich zu machen. Allerdings verspotten sich die rappenden Faschisten damit größtenteils selbst und entwerten das, wofür sie einzustehen gedenken. Dies ist letztendlich ein Diss, wie er treffender kaum ausfallen könnte.

Fail: FDP blamiert sich mit Nazi-Graffiti im Werbevideo

Die FDP wollte ganz offensichtlich ungefähr so etwas machen, wie es die Hooligans gegen Satzbau machen. Aber die neoliberale Partei schießt meilenweit an ihrem eigentlichen Ziel vorbei und blamiert sich bis auf die Knochen: Ihr neuestes Image-Video soll anscheinend witzig, locker und cool wirken, aber ist leider einfach nur peinlich und menschenverachtend geworden.

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Mehr Beweis dafür, dass ihr konservative Menschen immer in einen Topf werfen müsst. Wer hat jetzt eine eingeengte Weltansicht? Dee Ex ist weniger klischeehaft als ihr.

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Endgültig rechts: Xavier Naidoo steht mit Nazi-Rapper im Kontakt

Endgültig rechts: Xavier Naidoo steht mit Nazi-Rapper im Kontakt

Von HHRedaktion am 22.04.2020 - 15:31

Jedes Mal, wenn wir über Xavier Naidoos neue Ausflüge in den braunen Sumpf berichten, sterben wir anschließend mehrere Tode beim Blick in die Kommentarspalten. Er hat ja vor hundert Jahren mal die Hook in einem Anti-Nazi-Song gesungen, selbst eine dunklere Hautfarbe und könnte daher doch gar nicht rechts sein, sind sich manche Rapfans einig. Falsch, falsch, falsch!

Xavier Naidoo blüht auf im rechten Milieu

Egal ob er grade mal wieder rassistische Vorurteile in Videos unterstützt oder den gleichen Verschwörungen aus dem rechten (US-)Lager erliegt wie offenbar Kollegah – immer wieder wird er verteidigt, nahezu trotzig supportet. Auch von einigen Rappern.

Nach seinem Rauswurf bei "DSDS" blüht er aktuell in seiner neuen Rolle als prominentestes Gesicht der selbsternannten "Patrioten" (ein leidiger Euphemismus für Rechte und Nazis, die nicht als Rechte und Nazis bezeichnet werden wollen) Deutschlands regelrecht auf. Die Metamorphose von der Raupe zum blau-braunen Schmetterling ist vollendet. Aber genug der blumigen Metaphern.

In einem Interview mit einem "patriotischen" Verschwörungsportal vom 19. April bedient Naidoo nicht nur zum wiederholten Male diverse wilde Theorien, die seit Jahren in rechten Foren kursieren. Er liebäugelt auch mit einem Rapper, der die Wortwahl und den Diskurs in Deutschland nach rechts verschieben will, "Ja zum deutschen Fadenkreuz" sagt, voller Nationalstolz germanische Vorfahren abfeiert und von "Promo für [sein] Volk" rappt. Eine Textpassage von ihm:

"Ich bin rechts und unser Kommen ist europaweit zu spüren / Bin im Recht und jetzt erst recht brechen Teutonen über Dünen / Übernehmen jedes Land, das ist die Rückkehr der Germanen / Ja wir opfern unser Dasein nur aus Rücksicht auf die Ahnen"

Fler & PA Sports: Was ist an Xavier Naidoos Videos rassistisch?

Fler und PA Sports haben sich ebenfalls zu Xavier Naidoos Videos geäußert und wir klären nochmal, was daran rassistisch ist.

Xavier Naidoo steht mit Nazi-Rapper Chris Ares in Kontakt

Wir haben intensiv überlegt, ob wir diesem gestörten Bullshit durch unsere Erwähnung und Zitate eine Bühne geben wollen. Wer sich durch diese Lines catchen lässt, ist aber ohnehin längst verloren, also nehmen wir die Chance wahr, um es denjenigen Schwarz auf Weiß zu geben, die es bisher nicht wahrhaben wollten.

Über eine mögliche Zusammenarbeit mit besagtem Rapper, der neben seinem Spitznamen Chris auch Ares, den griechischen "Gott des schrecklichen Krieges, des Blutbades und Massakers" (– Wikipedia) in seinem Künstlernamen trägt, sagt Xavier Naidoo im Interview:

"Mit Chris Ares stehe ich sowieso in Kontakt […] und ich mag ihn auch. Von dem her ist alles möglich."

Ja hey, grundsympathischer Kerl dieser Ares Chris, der vor seinem geistigen Auge schon die Teutonen in jedes Land einziehen sieht! Naidoos Aussage ist natürlich noch keine Bestätigung für ein Feature, aber sie zeigt eindeutig, wie sehr er mittlerweile in der rechten bis rechtsextremen Szene connectet ist. Seine Moves der letzten Wochen und Jahre haben ihm offenbar viele Sympathien und neue Freunde eingebracht.

Was Ares rappt und im echten Leben representet, ist längst nicht mehr vage genug, um mit dem rechten Kampfbegriff "Systemkritik" gelabelt zu werden, den der rechte Mob immer auspackt, wenn er als solcher enttarnt wird. Xavier Naidoo liebäugelt ohne jegliche Einschränkungen mit einem Nazirapper. Nicht mehr und nicht weniger. Wer ihn weiterhin supportet, weiß ja, wo er oder sie steht. Nämlich mit einem Fuß in der Tür zum dunkelsten Kapitel Deutschlands.

Nach Hanau: Spätestens jetzt müssen alle aktiv werden - auch Rapper

Deutschland blickt schon wieder in den Abgrund: Keine 100 Jahre nach der Shoa bewegen wir uns erneut auf ähnliche Zustände zu...

Deutsche Rapper distanzieren sich nur teilweise oder zaghaft

Viele deutsche Rapper hatten in der Vergangenheit mit Naidoo zusammengearbeitet, auch lange nachdem sein Hang zu rechten Verschwörungen publik wurde. Chefket, Megaloh, Credibil und zuletzt auch Kool Savas distanzierten sich von dem Sänger. Etliche Artists hüllen sich aber weiterhin in Schweigen zu ihren Features mit dem Mannheimer oder liefern nur halbherzige Statements.

Ja, Rap soll und muss das System und die Gesellschaft kritisieren dürfen. Leider ist genau der Punkt, an dem der Hund sich in den Schwanz beißt, denn: Mit diesem Argument rechtfertigen viele ihr Faible für die teils abstrusen Fantasien über die satanistischen Machteliten, die angeblich unsere Welt lenken und Kinderblut trinken, um jung zu bleiben. Systemkritisch zu sein, bedeutet für diese Leute, an jeder Behauptung aus den etablierten Medien zu zweifeln und gleichzeitig jedem YouTube-Video mit "Akte X"-Melodie, unscharfen Bildern und dubiosen Quellen Glauben zu schenken.

Gerade bekommt das aus Hiphop-Perspektive eigentlich positiv konnotierte Wort "systemkritisch" dadurch einen braunen Beigeschmack. Der Diskurs wird verschoben, die Wörter im Mund verdreht. Das sind die vermeintlichen Kleinigkeiten, mit denen das rechte Gedankengut 75 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs wieder in Deutschland salonfähig wird.

Deshalb wünschen wir uns von jedem ehemaligen Naidoo-Homie, der es bisher noch nicht übers Herz gebracht hat, endlich ein klares Statement. Wir wollen keine erhobenen Zeigefinger in Richtung des braunen Mobs schwenken, sondern senkrechte Mittelfinger.

Xavier Naidoo: Weitere Deutschrapper distanzieren sich deutlich

Xavier Naidoos gestern aufgetauchte fremdenfeindliche Videobotschaften rufen vermehrt Reaktionen aus der Rapszene hervor...

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