"Nur für dich": Wie Ufo361 den Hustle der letzten 10 Jahre verarbeitet

Ufo361 wirkt rastlos. Nur wenige Monate nach dem Release seines bis dato wohl stimmigsten Albums "Rich Rich" legt er mit "Nur für dich" bereits ein neues Werk vor. Düstere Trapbanger, die ihn als schmuckbehangenen, unnahbaren Einzelgänger ausweisen, lässt er dabei außen vor. Ufo hat ein Album über Liebe, die Unberechenbarkeit von Gefühlen, Enttäuschungen und Rausch gemacht. Auf Produktionen von Sonus030 geht es überwiegend melancholisch und selbstzerstörerisch zu. Die Reise ins Private teaste Ufo Anfang Juli auf Instagram mit einem Verweis auf William Shakespears "Romeo und Julia" an – eine Liebesgeschichte, die kein gutes Ende nimmt.

Ufo361: "Dinge lassen sich nicht auf ewig ignorieren"

Als Ufo in einem Interview mit Aria im Frühjahr andeutete, "für Tiffany noch was zu machen", schwirrte direkt "Nice Girl 2.0" im Kopf herum. Von diesem sommerlichen Gute-Laune-Sound ist auf "Nur für dich" allerdings kaum etwas zu finden. Ufo durchlebt auf dem Album das komplette Spektrum einer Beziehung: Verlieben, Erwartungen, Fehler, Streit, Kummer, Unsicherheit, Trennung. Dass es wohl Überschneidungen zwischen dem Künstler Ufo361 und der Privatperson dahinter gibt, verdeutlicht ein Statement auf Instagram. Dort schreibt Ufo seinem Release einen fast schon therapeutischen Wert zu:

"Der ganze Hustle der letzten 10 Jahre ging nicht spurlos an mir vorbei und es gab Dinge, die für den Erfolg auf der Strecke geblieben sind. Wie wichtig vieles davon war wird einem erst später klar wenn es zu spät ist. Ich hab durch die Arbeit am Album viel reflektieren können und einiges an Klarheit gewonnen. Manche Dinge lassen sich nicht auf ewig ignorieren."



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Nur Für Dich ist draussen Dieses Album war ein besonderer Prozess für mich. Der ganze Hustle der letzten 10 Jahre ging nicht spurlos an mir vorbei und es gab Dinge, die für den Erfolg auf der Strecke geblieben sind. Wie wichtig vieles davon war wird einem erst später klar wenn es zu spät ist. Ich hab durch die Arbeit am Album viel reflektieren können und einiges an Klarheit gewonnen. Manche Dinge lassen sich nicht auf ewig ignorieren. Ich hoffe ein paar von euch ziehen sich aus dem Album Kraft und die nötige Motivation um weiter zu machen. Vielen Dank an @sonus030 für deine Hilfe und das du mein mindset musikalisch umgesetzt hast. Vielen Dank an @thecratez für eure Unterstützung Vielen Dank an @bausashaus , @y.hurn und @data_luv für eure Parts Nächstes Kapitel steht an, Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. SHBZT

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"Nur für dich": Ufo361 im Liebestaumel ohne Happy End

Die besondere Frau tritt zum Auftakt in "Anders" in Ufos Leben. Sie hebt sich von anderen Bekanntschaften ab, bringt Ordnung in Ufos Chaos und rotiert unaufhörlich im Kopf des Berliners. Ein Motiv, das sich auf "Playlist" fortsetzt. Doch hier wird bereits klar: Einem "Sip von dem Gift" ist Ufo nicht abgeneigt. In "Sunset" kommen anschließend erst einmal die Triebe durch. Wie das so ist, wenn man frisch verliebt ist, zieht er nicht in Betracht, dass etwas schief gehen könnte: "Alles safe bei uns, kein fake Love". Was die Außenwelt denkt, blendet er aus. Gleichwohl bleibt irgendwann die Ehrlichkeit auf der Strecke. Das eh wenig gefestigte Konstrukt gerät ins Wanken.

Ufo beschreibt, wie er den Fokus auf seine Karriere legt. Wie das eine Beziehung verkraftet, ist nicht berechenbar. Liebe ist nicht berechenbar. Die Gefühlslage verschiebt sich mehr und mehr – "Shit changed". Das Loslassen scheint jedoch nicht möglich und Widersprüche tun sich auf. Auf "Playlist" heißt es: "Nein, wir dürfen keine Zeit verlieren." Dass die Beziehung "viel zu fast" angegangen wurde, merkt Ufo wiederum auf "Shit Changed" an.

Das Verhältnis kippt schließlich vollends und der Wunsch nach Betäubung macht sich breit. Das gebrochene Herz verlangt nach Heilung. Das kurze Aufbäumen gegen den Liebeskummer erfolgt vor allem mit anderen Frauen und Drogen. Zusätzlich flüchtet sich Ufo in eine mehrtägige "Session", welche ihn aber auch keinen Abstand gewinnen lässt.

Erst zum Schluss des Albums steht die Einsicht, sich nicht weiter aufzureiben. Den Schlussstrich zieht Ufo im Video zu "Sollte nicht sein" mit größtmöglicher Dramatik. Als die Liebe stirbt, ist Ufo ebenfalls verloren und kehrt zurück zur Geschichte von "Romeo und Julia". Auch hier endet es mit einer Pistole. Der Tod ist nicht zum ersten Mal ein Stilmittel in Ufos Karriere.

Der letzte Track hebt die Hörer*innen wieder aus dem frisch geschaufelten Grab heraus. Der Song "04:30" von "WAVE" wurde im Vorfeld von Ufo als Referenz für den Sound von "Nur für dich" benannt. Der an das Album herangehangene Remix mit Yung Hurn ist hier noch ein zusätzlicher Fingerzeig.

Seelenstriptease – ihr wisst Bescheid

Außerhalb von Instagram ist nicht viel von Ufos kommendem Album zu spüren gewesen. "Nur für dich" ist auch als direkte Ansprache an die Fans zu verstehen, die Ufos Weg schon länger begleiten. Nur für sie sind so manche Moves überhaupt nachvollziehbar. Wer mit dem Puppenkopf Tiffany nicht vertraut ist, dürfte sich eher irritiert als angezogen fühlen. Auf "Playlist" verpasst Ufo der Frau, der er schon unzählige Insta-Storys widmete, ein menschliches Antlitz. Ansonsten zeigt er sich durchgehend allein. Dieses Mal nicht um Geld zu zählen, sondern um klarzukommen.

Einen exklusiven Charakter hat auch die Produktion. Ufo hat sich mit Sonus030 nach Italien verabschiedet, um an dem Album zu arbeiten. Diese Abgeschiedenheit bei der Entstehung und die überschaubare Promo lässt das gesamte Albumkonzept noch um einiges durchdachter erscheinen. Angesichts des kurzen Abstands zu "Rich Rich" ist das für sich schon bemerkenswert. Die mitunter wohl auch schmerzhaften Erkenntnisse über sich selbst breitet Ufo nicht im funkelnden Blitzlicht aus. Er konzentriert sich stattdessen aufs Wesentliche – Musik. Es scheint so, als möchte Ufo die intime Platte einem Kreis von bereits Eingeweihten präsentieren.

Ob Ufo nach diesem emotionalen Brocken eine Pause einlegt? Nein, wie er auf Instagram verkündet.

"Nächstes Kapitel steht an, Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. SHBZT"

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Döll, Money Boy, The Weeknd & mehr: 7 persönliche Highlights 2020

Döll, Money Boy, The Weeknd & mehr: 7 persönliche Highlights 2020

Von Michael Rubach am 27.12.2020 - 14:52

Hinweis: Bei diesem Artikel handelt es sich um die persönliche Meinung des/der Autors/Autorin.

Ein gewaltig nerviges Virus hat 2020 total auf den Kopf gestellt. So gut wie nichts lief wie gewohnt. Dennoch gab es musikalisch auch jede Menge Lichtblicke. Bei den Hiphop.de Awards 2020 kannst du selbst entscheiden, was dich über das Jahr hinweg begeistert hat. Ohne Rücksicht auf Verluste oder Anspruch auf Objektivität folgt hier nun der ganz persönliche Blick in den Rückspiegel.

Wer hat Rap dieses Jahr dominiert? Vote hier für die Hiphop.de Awards 2020!

2020 war Haiytis Jahr

"Jede B*tch macht jetzt auf DIY", rappt Haiyti auf der Single "Sweet". Haiyti hat das gefühlt immer schon so gemacht. Und nicht nur das: Haiyti ballert auch mit schöner Regelmäßigkeit eine unübersichtliche Anzahl an Tracks in die Welt. Doch nie zuvor hat das zu derart viel hochwertigem Output geführt wie 2020. Ihre Alben "Sui Sui" und "Infuencer" gehören zu dem Besten, was dieses Jahr passiert ist.

Nebenher hat sie gegen ihr Image als reine Kunstfigur angearbeitet. Haiyti machte in etlichen Interviews klar, dass ihre Musik trotz aller Widersprüche ein Ausdruck ihres Lebens sei. Der Wahnsinn, der sie zu umgeben scheint, ist offenbar ihre Realität. Sobald das erst einmal durchgedrungen ist, bietet Haiyti ihren Hörer*innen abenteuerlich viel gute Musik. Vielleicht wird es noch eine Weile dauern, bis über den Kulturteil des Spiegels hinaus die Einsicht einkehrt, wie brutal der Untergrundweltstar 2020 abgeliefert hat. Aber wer weiß: Eventuell ist der Erfolg bei der breiten Masse nur einen kleinen Hit entfernt und deine Mum sagt schon sehr bald "Burr".

Warum Haiyti im Untergrund hängt, aber für mehr bestimmt ist

Ihr Ruf eilt Haiyti voraus: "Trap Queen" oder "Untergrundweltstar" sind nur einige der Formulierungen, die sie umgeben.

Ufo361 & Sonus030 als Dreamteam

In Sachen Arbeitseifer spielte Ufo361 dieses Jahr ebenso ganz vorne mit. Was ihn außerdem mit Haiyti vereint, ist die musikalische Qualität. Der Berliner schaffte es 2020 scheinbar mühelos, dass seine Musik nicht unter dem rasanten Arbeitstempo leidet. Sowohl das straighte Trap-Album "Rich Rich" als auch die vertonte "Romeo und Julia"-Vision auf "Nur für dich" sind runde sowie in sich geschlossene Alben geworden. Einen gehörigen Anteil daran haben die Produktionen von Sonus030, der genau zu wissen scheint, was Ufo gut zu Gesicht steht. Was ebenfalls exakt gepasst hat, war die Stimmfarbe von Céline auf "Emotions 2.0" – eine mehr als würdige erste Nummer-1-Single in der Karriere des Kreuzberger Rappers.

Money Boy kocht wieder

Der Boy Know Plug steppte 2020 endlich wieder an den Herd. Die Rückkehr der Traphouse Kitchen war - wie selbstverständlich auch jedes Gericht - ein voller Erfolg. Sämtliche Folgen der Kochshow mit Money Boy landeten vollkommen zu Recht in den YouTube-Trends. Es ist einfach grenzenlos unterhaltsam, wie Mbeezy mit einer Mischung aus Catchphrases und Liebe zum Detail der amerikanischen Esskultur nacheifert.

Trotz einer wenig inspirierten Neuauflage des Rezepts für ein Philly Cheese Steak Sandwich weiß man bei jedem Video, was man vermisst hat. Der harte Kern der Notification Gang kennt sowieso alle Grundprinzipien des "Chicken Man" und ist schon weit vor der Premiere am Start. Money Boy sollte ewig weiter kochen. Deckel druff!

The Weeknds "After Hours"-Trip

The Weeknd wurde bei den kommenden Grammys nirgends nominiert. Warum? Keine Ahnung. An seinem Blockbuster "After Hours" kann es eigentlich kaum gelegen haben. Auch abseits der Übersingle "Blinding Lights" ist das nunmehr vierte Studioalbum des Kanadiers voller Songs, die viel zu gut sind, um sie links liegen zu lassen.

All die Musikvideos und Show-Auftritte setzten sich darüber hinaus zu einem verdrogten Horrorfilm zusammen. Über den düsteren Settings thront The Weeknds einzigartige Stimme, die sich einfach jeden Track zu eigen macht. Struktur und Länge der einzelnen Songs vermitteln auf "After Hours" nie den Eindruck, dass es hier ausschließlich um Hits im Streaming-Zeitalter geht. Es macht den Weltstar auf eine gewisse Weise menschlich, dass er pöbelt, sobald seine Kunst nicht die Würdigung erfährt, die er für angemessen erachtet.

Deutschrap boomt im Supermarkt

Nicht nur Travis Scott tütet aberwitzige Kollabos ein. Inzwischen ist auch Deutschrap in einen Bereich vorgedrungen, der bis zur Supermarktkasse reicht. Wenn nicht mit Rap, dann mit Lebensmitteln, ist offenbar das Gebot der Stunde. Capital Bra machte dabei den Anfang und brachte eine Pizza ins Tiefkühlsortiment. Der Eistee in verschiedenen Geschmacksrichtungen wird folgen. Außerdem steht ein Weißwein von reezy seit Kurzem bundesweit bei Aldi im Regal. Luciano arbeitet an Cornflakes und Shirin David hat ebenfalls einen eigenen Eistee in Planung.

All diese Business-Moves sind Ausdruck einer zunehmend veränderten Wahrnehmung von Rap. Statt mit dem erhobenen Zeigefinger zu wedeln, erkennt der Markt das bisher liegengelassene Potenzial. Ganz unabhängig von der Qualität der einzelnen Produkte macht es Spaß, dabei zuzuschauen, wie Deutschrap seinen Siegeszug auch im Alltag fortsetzt.

Hanau-Kollabo als Statement gegen Rechts

Nach dem rassistischen Anschlag in Hanau hat Deutschrap es geschafft, sich relativ schnell auf ein gemeinsames Zeichen zu einigen. Unabhängig von Camps und irgendeiner Politik stellten Azzi Memo und viele Kolleg*innen "Bist du wach?" auf die Beine. Dass so ein Track überhaupt zustande kam, ist ein überaus positives Signal. Die Aufruf- und Streamingzahlen für dieses antirassistische Statement hätten natürlich ruhig höher ausfallen können. Doch die generelle Botschaft einer solchen Aktion ist größer als ein paar Klicks und Plays.

Döll macht es für die Kultur

Dölls Track "5 Sekunden" ist ein einzig großer Moment. Mit brutal ehrlichen Zeilen und einer unnachahmlichen Delivery kitzelt er bei Rapfans eine Gänsehaut nach der anderen hervor. Seine EP "Kultur" bietet mehr solcher tiefschürfenden Einblicke. Döll ist inzwischen "Weit entfernt" von dem bloßen Schreiben übers Schreiben. Stattdessen hat seine Musik seit seinem Album "Nie oder Jetzt." fast schon therapeutische Ausmaße angenommen. Was zunächst wie Kopff*ck klingen mag, tut einfach nur gut und ist in seiner Intensität dieses Jahr unerreicht.


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