Fler zwischen "NDW" & "Colucci": Wie ich vom Hater zum Fan wurde

Fler ist – da wird kaum jemand widersprechen können – ein streitbarer Typ. Wenn Fler etwas sagt, etwas macht oder Musik rausbringt, eckt er irgendwo an. Das weiß er. Er spielt sogar damit. Es gibt immer Leute, die von Fler genervt sind und mit ihm nichts anfangen können. Auch ich gehörte lange dazu. Heute freue ich mich auf sein kommendes Album „Colucci“ – vom Hater zum Fan quasi.

Stress ohne Grund? Eine Karriere voller Kontroversen

Gemeinsam mit Bushido veröffentlichte der Berliner 2002 „CCN“. Auf „Carlo Cokxxx N*tten“ rappte Fler eine Line, die Deutschrap über Jahre prägen sollte. „Ich komm‘ auf die Party und mach‘ Stress ohne Grund“ kam in der Folge nicht nur in Meme-Manier in teils abgewandelter Art und Weise immer wieder auf diversen Tracks vor, sondern sollte auch ein Sinnbild für Flers Karriere werden.

Zu deutschprachigem Rap bin ich über Aggro Berlin gekommen – Fler hatte also großen Anteil an meiner musikalischen Sozialisation. Insofern stimmt die Geschichte „vom Hater zum Fan“ nur bedingt. Absolut korrekt wäre eher: „Vom Fan zum Hater zum Fan“. Liegt aber vermutlich einfach daran, dass ich einige Kontroversen um Fler erst verstand, als ich etwas älter wurde.

Fler & das Image des stabilen Deutschen

Flers erstes Soloalbum erschien 2005. „Neue Deutsche Welle“ war voll mit Symbolen, die irgendwo zwischen Patriotismus und Nationalismus zu verorten sind. Über die Begriffe und den Sinn von Adlern und Deutschlandfahnen im Video des Titeltracks lässt sich lange streiten.

Gepaart mit der Promophase für das Album ergab sich ein umstrittenes Gesamtbild des Berliners. Das Album wurde mit dem Slogan "Am 1. Mai wird zurückgeschossen" beworben. Promo durch Provokation. Ging irgendwie auf. Doch Fler musste sich der Kritik stellen.

Seine Erklärungen dazu waren – berücksichtigt man das Umfeld, in dem Fler aufwuchs – irgendwie nachvollziehbar. Fler tatsächlich rechtes Gedankengut zu unterstellen, war damals und ist heute vermutlich noch falsch. Er nutzte die Symbole bewusst zur Provokation und musste mit der Kritik leben. Ich entfernte mich so richtig aber erst einige Jahre später, als ich die Diskussionen besser einordnen konnte und sie im Licht neuer Entwicklungen sah.

Flers Brief an Farid Bang

Die meisten werden sich an Flers Brief an Farid Bang erinnern – lange bevor die beiden Homies wurden. Das war 2014 und wieder hagelte es Kritik von allen Seiten. Flers „Wir Deutsche“-Rhetorik brachte ihm zurecht Rassismusvorwürfe ein. 

Mit der Musik Flers konnte ich zu der Zeit ohnehin wenig anfangen. Sie war mir bestenfalls egal. Mit „Hinter blauen Augen“ machte Fler 2012 etwas, mit dem er aus heutiger Sicht seiner Zeit voraus war. Ich verstand es nicht. „Neue Deutsche Welle 2“ mit „Stabiler Deutscher“ war mir zu nah am einstigen Promo-Grind und dem „Wir Deutsche“-Gerede. Ich war Hater geworden. Und einen Hater zu überzeugen, ist etwas, das nur den wenigsten Acts gelingt.

2016 fühlte ich den Vibe

Fler ist es trotzdem gelungen, ein Umdenken in mir in Gang zu setzen. Als „Vibe“ 2016 droppte, kam die Begeisterung zögerlich. „Junge fühlst du nicht den Vibe?“ war eine krasse Line. Den Hiphop.de-Award für die beste Line gab es natürlich nicht umsonst. Sie brachte all das auf den Punkt, was Flers Attitude ausmacht. Es war seine Art zu sagen: "So klingt zeitgeistiger, guter Sound. Dafür stehe ich und ihr solltet das endlich begreifen."

So richtig zugeben, das ich den "Vibe" fühlte, wollte ich aber noch nicht. Mit etwas Abstand kann ich allerdings sagen, dass „Vibe“ ein gutes Album war. Zum überzeugten Fan wurde ich aber erst vergangenes Jahr.

"Flizzy" als letzter Beweis

Einen Hater zum Fan zu machen, das schafft nur wirklich gute Musik. Und über die musikalische Qualität Flers lässt sich seit „Flizzy“ kaum streiten.  Tracks wie „Highlevel Ignoranz“ oder „AMG“ sind einfach Bretter.

Auch wenn Fler weiterhin mal Dinge sagt oder rappt, die ich anders sehe, ist sein künstlerischer Output außergewöhnlich gut. 

Das liegt am Wiedererkennungswert, den viele im Rap 2019 ab und an vermissen. An dem mangelt es Flers Sound nicht.  

Fler & Simes Branxons: Highlevel Qualität

Die Musik des Berliners lässt sich nebenbei hören – der Vibe stimmt. Doch wer Texte und Realtalk will, der kommt auch auf seine Kosten.Nichts wirkt poppig oder künstlich. Fler macht, was er will. Der Sound ist extrem gut produziert. Auf "Vibe" lieferten Nico Chiara und Iad Aslan noch den Sound.

Simes Branxons hat aus meiner Sicht nochmal eine Schippe drauf gelegt. Er leistet ganze Arbeit und Fler schafft es, die Beats unverkrampft und mit eigenem Style zu berappen. Er erzählt Geschichten mit seiner Attitude.

Genau die ist es vermutlich, die dem extrem starken Sound die letzte Prise gibt, wieso Flers „Colucci“ eines der heißesten Releases des Jahres werden könnte. Denn ein Fler, der nicht aneckt, ist kein Fler. Er macht das schon seit fast 20 Jahren. 

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Fler & PA Sports: Erst gibt es Props, dann doch wieder Ärger

Fler & PA Sports: Erst gibt es Props, dann doch wieder Ärger

Von David Molke am 26.11.2020 - 18:06

Fler hat PA Sports offenbar nach dem Beef mit Manuellsen zu seiner Ansage gratuliert. Anschließend kritisierte er PA Sports allerdings öffentlich dafür, zur Polizei gegangen zu sein. Das kam bei PA Sports wohl wiederum nicht sonderlich gut an, was mehr oder weniger eindeutige Kommentare auf Instagram zur Folge hatte, woraufhin Fler ebenfalls per Insta Story-Ansage reagiert.

Nach Manuellsen-Beef: Fler meldet sich privat bei PA Sports und gibt ihm Props

Der Reihe nach: PA Sports befindet sich aktuell in der Promophase für sein neues Album. Im Track "100 Bars Final Kill"hat er sich unter anderem zum König des Ruhrgebiets ernannt. Was dem amtierenden König im Schatten Manuellsen bekanntermaßen überhaupt nicht geschmeckt hat. Anschließend gab es diverse Ansagen, Beleidigungen, Abrechnungen, Entschuldigungen und Friedensangebote. Manuellsen will sich jetzt nie wieder streiten. Den Rest findet ihr hier:

"Das geht auch an KC": PA Sports mit abschließendem Statement zum Streit mit Manuellsen

Es wurden wieder Ansagen gedroppt und gelöscht. Nachdem PA Sports am Sonntag zu einem halbstündigen Rundumschlag gegen Manuellsen ausgeholt hatte, löschte er sein Statement nun wieder und schlug versöhnlichere Töne an. Er wolle seine Zeit jetzt nicht mit Streit verschwenden und sich stattdessen auf sein anstehendes Album "Streben nach Glück" konzentrieren.

Fler gibt PA Sports Props: Kurz nach der Abrechnung von PA Sports hat sich Fler offenbar per DM bei PA Sports gemeldet. Anscheinend fand er die Abrechnung mit Manuellsen so gelungen, dass er PA Sports ein knappes "gut gemacht!" geschickt hat. Das Ganze hat PA Sports allerdings erst später veröffentlicht, und zwar nachdem Fler ihn kritisiert hatte.


Foto:

Screenshot: PA Sports in seiner Insta Storyhttps://www.instagram.com/pasports/

Fler kritisiert PA Sports offenbar dafür, zur Polizei gegangen zu sein

Im Livestream: Melbeatz und SSYNIC haben einen Livestream veranstaltet, in dem auch Fler per Telefon zugeschaltet war. In dem Gespräch ging es auch darum, wie Fler zu der ganzen Angelegenheit rund um PA Sports und Manuellsen steht. Fler erklärt daraufhin, er fände gut und richtig, wie PA Sports mit Manuellsen abgerechnet hat.

Was kritisiert Fler? Fler findet offenbar, dass es nicht ganz zusammenpasst, dass PA Sports einerseits zu der Polizei gegangen ist, aber gleichzeitig "immer diese Welle machen" würde. Fler erklärt, er "kenne die genauen Hintergründe" und PA Sports hätte wenigstens öffentlich sagen sollen, dass er zur Polizei gegangen ist. Was genau Fler mit diesen Hintergründen meint, bleibt leider unklar.

"Das war gut, aber ich kenne die genauen Hintergründe. Der PA ist aber auch jemand, der da sitzt und so redet, so nach dem Motto 'ja und jetzt reicht's mir!' Bro, der Typ ist zu den Bullen gegangen. Und deswegen sag ich mir so 'ey pass auf, wenn jemand zu den Bullen geht, Alter, dann soll er wenigstens in der Öffentlichkeit sagen: 'Wisst ihr was, ich geh jetzt zu den Bullen. Ich will jetzt den geraden Weg gehen.' Aber dann zeitgleich immer diese Welle machen, denk ich mir nur so, ist komisch, Alter.

Anscheinend geht es hier um einen Brandanschlag, der vor einiger Zeit das Auto von PA Sports Eltern getroffen hat. Allerdings wirken Flers Kommentare dazu etwas seltsam, weil PA Sports eigentlich schon direkt in den ersten Posts dazu klar gemacht hat, dass er die Polizei eingeschaltet hatte. Fler selbst hat in dem Zusammenhang jetzt gesagt, er selbst wäre noch nie bei der Polizei gewesen.

Gerichtsprozess gegen Fler ist unterbrochen

Fler muss sich aktuell vor dem Amtsgericht Tiergarten wegen mehrerer Anklagepunkte verantworten. Nun wurde der Prozess gegen ihn unterbrochen, da der Rapper krank ist. Sein Verteidiger legte dem Gericht ein Attest vor und wie die Berliner Zeitung berichtet, bestätigte ein Arzt telefonisch, dass Fler nicht verhandlungsfähig sei.

PA Sports reagiert auf Fler & der antwortet ihm erneut

Wohl als Reaktion auf die Kommentare von Fler in dem Livestream hat PA Sports die oben gezeigte Nachricht von Fler veröffentlicht. Dazu oder direkt im Anschluss folgte ein Kommentar von PA Sports, der folgendermaßen lautete:

"Wallah diese Menschen sind am Ende."

Damit bezieht er sich offenbar auf Fler, es wird aber nicht explizit so gesagt. Fler scheint das aber auch so aufgefasst zu haben, da er sich noch einmal an PA Sports wendet. Dieses Mal aber öffentlich, ebenfalls via Instagram. Er schreibt:

"Sorry PA, dass ich einige Sachen gut fand, die du gemacht hast und einige Sachen nicht. Ich weiß, im Internet kann man nur eine Meinung haben und sie auch niemals ändern."


Foto:

Screenshot: Fler in seiner Insta Story https://www.instagram.com/fler/

Das garniert Fler dann noch mit einigen Tränen lachenden Smileys. Zusätzlich wünscht er PA viel Erfolg und setzt das Hashtag "#EndlichBerliner" darunter.

Last but not least: Auch PA Sports' Labelkollege Kianush schaltet sich noch via Insta Story ein und erklärt, die Leute sollten Life is Pain einfach in Ruhe lassen.

Was sagt ihr zu der ganzen Angelegenheit? Glaubt ihr, dass es das jetzt war?


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