Kritik an Corona-Video: Wieso Farid Bang ein Vorbild ist [Kommentar]

Farid Bang hat in Zusammenarbeit mit der Stadt Düsseldorf ein Video zur Einhaltung der geltenden Corona-Vorschriften gedreht. In dem etwa 40-sekündigen Clip appelliert Farid an die Bürger*innen von Düsseldorf und erklärt: "Haltet euch an die Regeln und bleibt vernünftig".

So weit, so gut? Das sieht längst nicht jeder so. Schon vor Veröffentlichung des YouTube-Videos hat sich nicht nur die politische Konkurrenz kritisch zu Wort gemeldet, auch auf Twitter und in der Presse sind sich viele sicher, dass Farid Bang ungeeignet ist. Der Grund seien antisemitische, frauenfeindliche und gewaltverherrlichende Raptexte. 

Reaktionen zu Farid Bangs Corona-Video: "Einfach unnötig und unpassend."

Die Reaktionen zum Video der Stadt Düsseldorf mit Farid fallen negativ aus. Politische Gegner vom Oberbürgermeister Thomas Geisel haben sich bereits zu Wort gemeldet und sind alles andere als begeistert. So twittert die OB-Kandidatin der FDP Marie-Agnes Strack Zimmermann:

"Braucht es wirklich einen Chaoten, der antisemitische & gewaltverherrlichende Zeilen rappt, um die Abstandsregeln der #Corona-VO zu erklären, lieber OB #Geisel? Auf gar keinen Fall, der Zweck heiligt nicht die Mittel. Einfach unnötig und unpassend."

Anschließend veröffentlicht sie noch einen offenen Brief an Geisel, in dem sie unter anderem äußert, die Zusammenarbeit mit Farid Bang als "beschämend" zu empfinden.

Auch Stefan Engstfeld, Kandidat der Grünen, zeigt sich empört:

Der Stimmung einiger Twitter-User scheint ebenfalls nicht weniger kritisch:

Oberbürgermeister Geisel hingegen freut sich über die Zusammenarbeit mit dem Rapper. Laut Express habe er vor einigen Tagen angekündigt, dass ein Video zu Abstandsregeln mit Farid Bang veröffentlicht werden soll. Ziel sei es, Jugendliche zu erreichen. Er selbst habe Positives über das Banger-Oberhaupt zu berichten:

"Farid Bang ist ein wilder Junge, er hat das Herz aber auf dem rechten Fleck. Ich bin ihm super dankbar, dass er das Video gemacht hat.“

Ist Farid Bang ungeeignet als Vorbild?

Farid ist nicht der erste Rapper, der sich für die Kommunalpolitik vor die Kamera setzt. Vor drei Monaten hat bereits Shindy sich zwecks einer Corona-Osteransprache mit dem Oberbürgermeister von Bietigheim-Bissingen zusammengetan und sich unter anderem für gegenseitigen Respekt und Rücksicht in der Pandemie ausgesprochen – ähnlich wie Farid. Auffällig negative Reaktionen gab es hier nicht.

Da die Clips genug gemeinsame Nenner aufweisen - Rapper, Oberbürgermeister und Corona - wurde die jeweilige Resonanz natürlich prompt verglichen:

Der entscheidende Unterschied und Grund für die Andersbehandlung von Farids Clip sei die unterschiedliche Herkunft der beiden Künstler. Allerdings ist Shindys Rap-Karriere weder mit einem Fernsehskandal noch mit einem Strafverfahren wegen Volksverhetzung gebrandmarkt. Das jeweilige Image ist in der deutschen Medienlandschaft einfach ein anderes. Der Vergleich hinkt dementsprechend. 

Nicht Farids Herkunft oder sein Name sind Auslöser der Kritik, sondern seine Musik. Seine Texte seien ein Spiegel seiner Person und würden beweisen, dass er keine Vorbildfunktion habe. Dass der Rapper privat nicht seiner Kunstfigur entspricht, scheint keine Option zu sein. Klar, von der Wahlkampfkonkurrenz ist allein aus strategischen Gründen nicht zu erwarten, dass diese sich der Angelegenheit in einem differenzierten Rahmen widmet.

Die Reaktionen der Unbeteiligten zeigen aber: Auch in 2020 wird Rap als Kunstform in Deutschland nur minder ernst genommen. Sexistische und diskriminierende Texte können natürlich nicht immer mit der Kunstfreiheit entschuldigt werden. Auch hier gibt es Grenzen. Allerdings passiert es zu oft, dass Rap gar nicht die Möglichkeit gegeben wird, lediglich ein Ausdruck von (teils fragwürdiger) Kreativität zu sein.

Farids antisemitische Line auf "0815" hat berechtigterweise eine Diskussion über die Grenzen der Kunstfreiheit entfacht. Seit dem Echo-Skandal sind zwei Jahre vergangen und der Rapper hat mittlerweile eine andere Sicht auf die Dinge.

Leider wird seine Entschuldigung und Reue diesbezüglich gekonnt ignoriert. Dabei kann man hier doch einiges vom Banger-Oberhaupt lernen, denn: Wer die Größe zeigt, sein Handeln zu reflektieren und sich ehrlich seine Fehler einzugestehen, der kann zumindest in dieser Hinsicht ein wunderbares Vorbild abgeben. 

Farid Bang spricht offen über Echo-Skandal: "Ich stand vor dem Ende"

Farid Bang gehört zu den Deutschrappern, die besonders oft mit einer heftigen Reaktion auf ihre Lyrics rechnen müssen - seien es Sexismus- und Diskriminierungsvorwürfe oder Beef mit Kollegen. Der Höhepunkt dieser Kritik war der Echo-Eklat, der nun gut zwei Jahre her ist.

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Bausa, RIN, Ufo361, Farid Bang, Kollegah & mehr im Deutschrap-Update

Bausa, RIN, Ufo361, Farid Bang, Kollegah & mehr im Deutschrap-Update

Von Till Hesterbrink am 18.12.2020 - 13:32

Knapp eine Woche vor Weihnachten geht es noch mal richtig rund. Vollgepackter könnte ein Release-Freitag kaum sein! Zum Glück sammeln wir hier wie immer die heißesten Veröffentlichungen des Freitags in der "Groove Attack by Hiphop.de-Playlist". Unser Cover ziert diese Woche Ra'is mit seinem Track "Nah dran".

Neue Alben und EPs: Marvin Game & OMAR

Das Marvin Game immer ready ist, dürfte den meisten wohl bekannt sein. Der Berliner hat sein neues Werk "Therapie im Hinterhof" veröffentlicht und auf insgesamt 21 Songs einiges an Featuregästen versammelt. In unsere Playlist hat er es gemeinsam mit Lugatti und "Fuffi Zushi" geschafft.

Lebenslange Loyalität-Member OMAR hat mit "Nicht Willkommen" sein Debüt rausgehauen. Dort berichten er und NGEE unter anderem über das "Leben eines Dealers". Aktuell steht im Raum, dass OMAR möglicherweise nach Tunesien abgeschoben werden soll.

Neue Singles: Bausa, Farid Bang & Kollegah

Bausa macht mit "Centre Court" die Fans heiß auf sein anstehendes Album "100 Pro". Die Single kommt zusammen mit RIN und Ufo361. Die drei hatten sich im Vorfeld allerdings entschieden, kein Musikvideo zu drehen, um das Video-Budget stattdessen zu spenden.

Farid Bang meldet sich mit "3XNO" zurück und teilt wieder ordentlich aus. Im Video zum eigentlich harten Track finden sich allerdings Tänzer wieder, die breaken. Das hat den Grund, dass der Banger nun auch TikTok angreifen wolle, wie er am Ende verrät.

Kollegah und Asche droppen weiter Singles für ihr kommendes Kollaboalbum "Natural Born Killas". "Jusqu'ici tout va bien" ist dabei, wie der Name bereits verrät, ganz im Stil des Film-Klassikers "La Haine" gehalten. Übersetzt bedeutet das Zitat: "Bis hierhin lief es noch ganz gut".

Außerdem sind diese Woche neu in der "Groove Attack by Hiphop.de"-Playlist: 65Goonz, Celo & Abdi, Azad, LX, Mudi, Rooky030, Sarhad, Loredana und viele mehr.

Hier kannst du die Playlist abonnieren!


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