Warum "Carlo Cokxxx N*tten II" von Bushido & Saad immer noch krass ist

Als Carlo Cokxxx N*tten II von Sonny Black und Saad heute vor genau elf Jahren veröffentlicht wurde, hielt die deutschsprachige Rap-Szene den Atem an. Baba Saad als Fler-Ersatz: Kann das gut gehen? Es ging.

Denn genau darin lag und liegt der Reiz dieses Albums: Bushido und Saad haben da weiter gemacht, wo sie mit Electro Ghetto aufgehört hatten. Im Klartext bedeutete das in erster Linie, viele Schimpfwörter aneinander zu reihen – und Fler zu dissen. Vor allem aber: Einfach überhaupt keinen F*ck zu geben.

Was genau richtig kommt, wenn Du gerade 19 Jahre alt bist. Kein Wunder also, dass Carlo Cokxxx N*tten II im Jahre 2005 mit meinem Freundeskreis und mir so leichtes Spiel hatte. Ob Bushido auch elf Jahre später "immer noch alle Filme mit Van Damme" hat, wissen wir natürlich nicht, aber die meisten seiner Zeilen haben auch 2016 nichts an Gültigkeit verloren. 

Anlässlich des Jubiläums habe ich mir das gesamte Album nochmal zu Gemüte geführt und stelle fest: Es ist "immer noch krass" und da "werden immer noch Erinnerungen wach". In diesem Sinne:

"Ich bin immer noch was? Ich bin immer noch krass/Immer noch werden immer noch Erinnerungen wach/Ich bin immer noch das, was ihr Spinner so hasst"

Die überhebliche Arroganz und angepisste Underdog-Mentalität von CCN II kriegen mich auch heute noch. Vor allem aber fand ich es damals schlicht unglaublich, wie offen und aggressiv Fler hier gedisst wird. Und das auch noch auf einem Album, für das er eigentlich prädestiniert war.

Wir hätten es uns 2005 jedenfalls nie träumen lassen, dass vier Jahre später tatsächlich noch ein zweites Carlo Cokxxx N*tten 2 mit Fler herauskommen würde. Warum mir CCN II mit Saad auch heute noch so lebhaft in Erinnerung ist, will ich anhand der Beispiele F*ckdeinemutterslang und Nie ein Rapper erklären.

Es liegt wohl zum Großteil auch an Carlo Cokxxx N*tten II, dass ich der Musik von Fler nie wirklich etwas abgewinnen konnte. Mein junger Geist war 2005 nämlich äußerst empfänglich für die Seitenhiebe und Sticheleien in Richtung des heutigen Maskulin-Rappers. 

Genau wie für die direkten Beleidigungen. Insbesondere deswegen, weil sie von demjenigen vorgetragen wurden, der Fler einfach rotzfrech ersetzt hat. Und der ihm das auch noch permanent unter die Nase reibt:

"Wer ist schon Frank? Carlo Cokxxx, hier, der zweite Teil/Du bist out und ich scheiß' drauf ob du meine Meinung teilst"

In punkto Fler-Disses nimmt F*ckdeinemutterslang sowieso eine Sonderstellung unter den Songs auf CCN II ein. Aber auch losgelöst davon: Weil der Beat so unglaublich simpel, in seiner Ignoranz aber umso effektiver ist. Und weil sich exakt dasselbe auch über den Inhalt und die Vortragsart sagen lässt. Dabei spielt es eigentlich gar keine Rolle, gegen wen es geht. Aber Fler musste 2005 schon einiges über sich ergehen lassen:

"Ich bin zufrieden, wenn sich Rapper nich' trauen/Carlo Cokxxx N*tten ist für jeden Rapper ein Traum, Junge"

"Ich bin kein Berliner (Ich bin ein Berliner)/Geh wo anders hin, Fler, du spielst nicht in meiner Liga"

"Ich bin einer dieser Typen, die nich' gern teilen/Einer dieser Typen, die dich ficken und nich' fair bleiben/Ich beleidige dein ganzes Land/Ich hab gehört, die fette Kartoffel is' angespannt"

Aber auch das Hip Hop Open und die ganze restliche Rapszene in Deutschland bekamen ihr Fett weg:

"Wir sind Thema Nr. 1 im Schulunterricht/Scheiss auf Hip Hop Open, wir lassen die Schwulen unter sich"

Passend dazu werden Bonzen gef*ckt und Tapes nach Grammgewicht vertickt, bis die Hiphop-Heads ausrasten. Selbstverständlich tragen dabei "alle Lederjacken und sind stinksauer". Diesen Vibe atmet das gesamte Carlo Cokxxx N*tten II-Album auch jetzt noch. Das mag heutzutage zwar vielleicht alles mehr oder weniger an der Tagesordnung sein, hat mich vor elf Jahren aber dadurch nicht weniger beeindruckt.

Random Fun Facts: Ich habe mir übrigens nur aufgrund der Zeilen in F*ckdeinemutterslang nie eine G-Star-Jeans gekauft und meine Freunde trugen 2005 tatsächlich alle Lederjacken. On to the next one.

Haftbefehl, die Azzlacks, Xatar oder die 187 Strassenbande waren 2005 noch nicht dort, wo sie jetzt sind. Bushido war maßgeblich daran beteiligt, ihnen den Weg zu bereiten. Aber als Carlo Cokxxx N*tten II 2005 veröffentlicht wurde, war Vom Bordstein bis zur Skyline gerade mal zwei Jahre alt. 

Soll heißen: Da gab es keine friedliche Koexistenz. Es galt vielmehr, so hart wie möglich gegen den mittelständischen Bürgertums-Rap vorzugehen. Des einen Freud', des anderen Leid: Viele Eltern werden Sonny Black und Saad insgeheim für das verflucht haben, was die beiden auf CCN II veranstaltet haben: Du kiffst und freestylst? Mit dem Spaß ist es jetzt vorbei. Denn Sonny Black und Saad ziehen Koks, bevor sie deine Mutter f*cken. So einfach war das. 

Die Hiphop-Community wurde von den beiden Rappern nicht nur belächelt, sondern direkt umfassend beleidigt. Was auch daran lag, dass Bushido und Saad überhaupt keinen Wert darauf legten, Rapper zu sein. Sie machten stattdessen eher "weiße Steine zu Staub", haben sowieso seit je her nur "für die Straßen gekämpft" und waren stolz darauf, nie "ein schwuler Student" gewesen zu sein:

"Weil ich keine kleinen Kiffer kenn'/Wenn meine Freunde kommen, müsst ihr kleinen F*cker renn'"

Mit solchen Aussagen hatte die Videoauskopplung Nie ein Rapper schon für ordentlich Furore in der deutschsprachigen Rapszene gesorgt, bevor überhaupt das Album erschienen war. Der Song traf wie ein Schlag ins Gesicht. Unterhalb dieser Zeilen kannst du dir das Video dazu nochmal ansehen.

Jetzt bist du dran: Welche Songs von CCN II haben dich damals besonders beeindruckt?

Saad -- Nie ein Rapper

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Kommentare

Ich war damals Mitte zwanzig und mich hat es auch geflasht über Bushido kann man sagen was man will aber seine Beats ballern einfach und zu der Zeit gab es nicht soviel guten Streetrap.

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Bushido disst für Amazon-Promo, Fler zum Spaß

Bushido disst für Amazon-Promo, Fler zum Spaß

Von HHRedaktion am 29.05.2020 - 14:34

Nachdem Fler auf musikalischer Ebene bisher einen ziemlich einsamen Kampf gegen Bushido geführt hat, ist diese Zeit nun vorbei. Der EGJ-Boss disst auf seiner Single "Blei" - nicht zuletzt als Promo für Geldgeber Amazon - unverblümt zurück. Fler hat diesen nach der Ankündigung von "Sonny Black II" absehbaren Schritt antizipiert. So hat auch der Maskulin CEO einen neuen Diss online gestellt. Dabei wählt er jedoch eine für ihn eher untypische Herangehensweise.

"Blei": Bushido disst wieder

Bushido beruft sich auf die Eigenarten, die ihn einst berühmt gemacht haben. Aufbauend auf dem fehlenden Innovationsgehalt von "CCN4" mengt Bushido seinem Song nun wieder eine Fülle von Beleidigungen bei. Dabei stellt er sich als Pate der Szene dar, der sich all den Heuchlern entgegenstellt. Im Rahmen dieser oftmals bemühten Selbsterhöhung bekommt Fler konkrete Disslines ab.

"Dieser kleine H*rensohn Flizzy, will im Hintergrund die Strippen zieh'n / Aber eine Insta-Story reicht und alle f*cken ihn"

Fler wird noch ein weiteres Mal namentlich erwähnt. Dabei gerät die Frau an seiner Seite in Bushidos Fadenkreuz. Fler ist bei seinem Bushido-Disstrack "NoName" ähnlich kompromisslos in den privaten Bereich vorgedrungen. Auf dem Song wurde unter anderem Bushidos Ehefrau angegangen. Eine Gerichtsverhandlung und textliche Anpassungen waren die Folge.

Sich nur auf Fler zu versteifen, wäre jedoch nicht typisch für die Rückkehr von Sonny Black. Also arbeitet sich Bushido weiter an Personen ab, mit denen er schon länger ein Problem zu haben scheint. Dazu gehören auch Sinan-G und Rooz. Letzterem lauerte im Privatleben eine Truppe von Bushidos Leuten auf, um ihm Interviews mit Bushidos Gegensprechern wie Manuellsen und Animus (!) zu verbieten. Jetzt disst er Rooz mit einem Vokabular, das man von Anhängern rassistischer Denkweisen kennt. Alles über den Ursprung des Konflikts findest du hier:

Bushido vs. Rooz: Sinan-G erzählt die ganze Geschichte

Lange gab es nur Andeutungen über das, was zwischen Bushido und Rooz hinter den Kulissen - abseits von Zeilen und Interview-Ansagen - passiert ist. Das hat seine Gründe. Sinan-G will sich die Geschichte über seinen Bruder jedoch von der Seele reden und tut genau das im neuen Interview mit Toxik und Aria.

Fler droppt Bushido-Parodie

Wenige Stunden vor Release von "Blei" hat sich Fler schon musikalisch in Stellung gebracht. Unter dem Künstlernamen Schwanzshido liefert er den Parodie-Track "Ehrenmann". Auf einem Beat, der Bushidos vollstes Vertrauen genießen würde, imitiert Fler den Rapstil seines Kollegen. Das Ganze ist angereichert mit Flow-Fehlern und Catchphrases, die keinen Zweifel darüber lassen, wer hier aufs Korn genommen wird. Es erinnert unweigerlich an Sido und B-Tight, die vor mehr als zehn Jahren einmal Kollegahs Besonderheiten überspitzten.

Angereichert ist Flers Video mit allerlei Memes, die auf Bushidos heißen Draht zur Polizei anspielen sollen. Wie lange der Clip noch in dieser Form auf YouTube zur Verfügung stehen wird, muss man sehen. Post von Bushidos Anwälten ist in der Rapszene schließlich gang und gäbe. Fler hat auf Twitter zudem eine ernsthafte Frage an die Berliner Polizei:

Fler on Twitter

Hallo @polizeiberlin !!! Wie kann es sein das Bushido in seinem neuen Track wieder Leute provoziert und beleidigt....wie kann man da gemütlich im Zeugenschutz chilln?

Es herrscht bei Bushidos Track generell eine Unklarheit darüber, von welchem "Mafia-Prinzip" der Familienvater eigentlich rappt, der seine Instagram-Reichweite auch dafür nutzt, um sich artig bei Mitarbeitern von Getränkelieferdiensten zu bedanken. Den "weiße[n] Hai" der Szene, der sich selbst als "Totengräber" betitelt, stellt man sich irgendwie anders vor.

Bushido & 6ix9ine: Ein Abgesang auf die Realness?

Es ist ein simples Prinzip, das wohl auf ewig besteht: Wer seine Kollegen anschwärzt, macht sich nicht sonderlich beliebt. Bushido und 6ix9ine scheint das wenig zu kümmern. Die Rapper haben in jüngster Vergangenheit so gehandelt, wie es ihre Umgebung strikt ablehnt, aber wie es aus ihrer Sicht erforderlich war.

Dissen für Promo: Bushido gibt's nur exklusiv

Wer den Track von Bushido auf der Streaming-Plattform seines Vertrauens gesucht hat, könnte unter Umständen nicht fündig geworden sein. Denn nur als Kunde von Amazon Music hat man offiziell Zugriff auf "Blei". Schon während des Livestreams auf Twitch war Bushido sehr redselig, als es um das Unternehmen von Jeff Bezos ging.

Eine größtmögliche Brisanz seines Tracks verspricht möglichst viele Interessenten, die auf das bereitgestellte Amazon-Angebot eingehen könnten. Bushido stellt also nicht nur den harten Kern seiner Fanbase, sondern auch seinen Werbepartner zufrieden, sobald seine Musik polarisiert. Das funktioniert mit dem guten alten Mittel der Provokation und ist letztendlich genauso Berechnung wie die als spontaner Move inszenierte Baba Saad-Reunion.

Während ein mehrköpfiges Team Bushido 24/7 vor seinen Feinden beschützt, springt er zurück ins Rampenlicht, um einmal quer durch die Szene Fronts zu verteilen und seinen kleinen Kriegen neuen Zunder zu liefern. Wie sich LKA-Beamte und Securitys fühlen, wenn sie als Schutzschild für kalkulierte Aggression sowie als Tool für den Gewinn neuer Amazon-Kunden herhalten müssen, kann man sich vielleicht vorstellen. Bushido feiert sich darüber hinaus im Rahmen seines mutmaßlich fürstlich entlohnten Promo-Moves im Track "Blei" als "Marketing-Chef". Er findet es also nicht ermüdend oder widersprüchlich, mit 41 Jahren aus dem Polizeischutz heraus lyrische Platzpatronen auf den ewigen Flizzy oder Deutschrap-Journalisten zu schießen, die seiner Musik nichts abgewinnen können.

Dabei vermeidet Bushido, gegen Artists auszuteilen, die ihm erfolgstechnisch schon lange den Rang abgelaufen haben. Auch stößt er bei seiner persönlichen Sonny Black-Revival-Party fast nur mit sich an. Die illustren Gäste sind Baba Saad und Animus. Zwei der Wenigen, die heutzutage ein Eigeninteresse daran haben dürften, sich in Bushidos Dunstkreis aufzuhalten. Ansonsten regiert "King Sonny Black" relativ alleine vor sich hin und schwingt sorgengeplagt das Zepter in einem fast leeren Raum.

Fler leakt "CCN 4"-Verkaufszahlen: Karriereknick für Bushido

Fler macht 2020 da weiter, wo er 2019 aufgehört hat: Er arbeitet weiter daran, dem Ansehen seines ehemaligen "CCN"-Partners Bushido zu schädigen. Sein neuester Streich ist der Leak der vermeintlichen Verkaufszahlen von "CCN 4".


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